Warum Banker bald nicht mehr sterben!

Stell dir vor, du bist im Flugzeug. Eines der Triebwerke fängt plötzlich kurz Feuer. Du benachrichtigst die Stewardess, die dir sagt, dass alles in Ordnung ist. Du glaubst ihr nicht und kämpfst dich gegen den Widerstand der Crew zum Piloten vor. Aber das Cockpit ist – leer! So beschreibt der Journalist Joris Luyendijk in seinem sehr lesenswerten Buch „Unter Bankern“ passend die Situation der globalen Finanzwirtschaft.
Zwecks Kaschierung fehlender Kontrolle verwenden Banken und Finanzdienstleister eine Sprache der geschickten Verschleierung. „Steueroptimierung“ heißt es elegant, wenn es eigentlich darum geht, die Steuerlast der Wohlhabenden mit „steuergünstigen Regelungen“ hart am Rande der Legalität zu mindern – zuungunsten der Ärmeren, die voll zahlen. Das gelingt mithilfe von „Aufsichtsarbitrage“ – dem Ausnützen unterschiedlicher staatlicher Regulierungen und fehlender Gesamtaufsicht.
Sollte aber ein Bankräuber sich vor Gericht damit verteidigen, dass er unter Berücksichtigung einer „umverteilungsgünstigen Situation“ eine „Einkommensoptimierung“ vorgenommen und auch nicht mit einer Kalaschnikow gedroht habe, sondern lediglich die „Bewaffnungsarbitrage“ (unterschiedliche Bewaffnung) zwischen ihm und der Kassiererin ausnützte – wie wahrscheinlich ist sein Erfolg?
Würde mich nicht wundern, wenn demnächst Todesanzeigen von Bankern erscheinen, in denen es nicht mehr heißt „Jürgen musste nach schwerem Kampf von uns gehen“, sondern: „Trotz Worst Case Hedging verwandelte sich Jürgen nach starkem Value-Verlust in einen total Write Off!“ Wie lange geht es gut, wenn das Cockpit unbesetzt ist?