Wie man durch Früherkennung kränker wird!

Ein einmaliges Angebot meiner Krankenkasse: 150 Euro kriege ich! Wenn ich mich „früherkennen“ lasse. „Moment mal“, denk ich, „ich lasse mich bezahlen, damit mir ein fremder Mann seinen Finger in „sie-wissen-schon-was“ steckt – muss ich da nicht eigentlich ein Gewerbe anmelden…“
Früherkennung ist toll. Besonders bei Börsenkursen. Oder in der Politik. Oder bei Eheschließung. Bei Krebs hingegen bringt Früherkennung so gut wie nix. Von 100 Männern stirbt einer an Krebs mit Früherkennung. Und genau so viele ohne.
„Doch,“ sagt mein Urologe sauer, „die Überlebensrate nach 5 Jahren ist mit Früherkennung doppelt so hoch!“ Das stimmt zwar, liegt aber in erster Linie daran, dass der Krebs halt früher erkannt wird. Wenn Sie zehn Jahre lang wissen, dass sie krank sind, leben sie eben 5 Jahre nach der Diagnose noch und machen sich erheblich mehr Sorgen als jene, die noch im medizinischen Tal der Ahnungslosen weilen. Sterben tun sie aber zeitgleich. „Vorlaufzeit-Bias“ nennt das die Wissenschaft – „Frühalarm-Panik“ auf Flapsig-Deutsch!
Es kann sogar richtig gefährlich sein. Denn nur einer von zehn positiv getesteten Männern hat tatsächlich Prostatakrebs. Aber zwei der Falsch-positiven (also Gesunden) setzen sich überflüssigen Bestrahlungen und Operationen aus, die ihr Leben verkürzen können. Niemand würde sein Auto zu einer völlig überflüssigen Inspektion bringen, bei der die Ölwanne regelmäßig durchbohrt wird, aber bei unserem Körper machen wir zugunsten der Medizin-Industrie eine Ausnahme…
Vielleicht sollten wir wieder auf bewährte Methoden der Früherkennung setzen: Kristallkugel, Kaffeesatz oder Katzenkot lesen!