Warum wir alle „hedgen“!

Risiko. Wir alle lieben es. Und wir hassen es. Risiko kann uns enorm bereichern. Oder noch enormer ruinieren. Man denke an die Firma Volkswagen, die mit enormem Risiko auf eine Technologie setzte, die in etwa so innovativ war wie kalter Kaffee in Plastikbechern.

Deshalb möchten wir Risiken gern verringern. Indem wir sie einhegen. In der Finanzwelt nennt man das Hedge. Zu Deutsch „Hecke“. Ein Hedgefonds ist also ein Finanzprodukt, das Risiken begrenzen möchte. Wie ein von einer Hecke umhegter Garten, in dem man neben Tulpen auch Möhrchen zieht, um in harten Zeiten was zum Beißen zu haben. „Hedgen“, nennen Banker das.

Wir alle hedgen tagtäglich. Wenn Sie morgens einen Regenschirm mitnehmen, hedgen Sie gegen schlechtes Wetter. Wenn eine Frau sich neben dem Gatten noch einen Liebhaber hält, denn hedged sie das Risiko ehelicher Langeweile, indem sie auf erotische Schäferstündchen spekuliert. Nicht jeder Hedge funktioniert. Es kann sein, dass der Ehegatte den besten Freund im Bett der Frau antrifft und traurig den Kopf schüttelt: „Erwin, ich muss ja, aber du??“

Sogar Rechtspopulisten hedgen. Die Gebrüder Hetze zum Beispiel im sächsischen Clausnitz sind einerseits in der AfD gegen Flüchtlinge, verdienen aber andererseits ihr Geld mit der Leitung eines Flüchtlingsheims oder der Herstellung von Flüchtlings-Containern. Klassisches Hedging durch Aufbau von Gegenpositionen.

Ich fürchte, das wird Nachahmer finden. Früher oder später erfindet ein Finanzjongleur ein Finanzprodukt, das einerseits in den finanziellen Erfolg von Schlepperbanden mit wohlklingenden Namen wie „An und Ab-Schlepp-Dienst“, „ Schlepping for Schlaraffenland“ oder „Schlepp mich, ich bin der Frühling“ investiert und andererseits in Grenzzaunzubehör – nehmen Sie sich bitte in Acht vor dem „First European Refugee Growth Hedgefonds“!