Warum wir Böhmermann an die Türkei ausliefern müssen!

Ich koche vor Wut! Diese Sau! Dieser Jan Böhmermann! Wie hat er es nur geschafft, den türkischen Präsidenten dazu zu kriegen, umsonst Werbung für ihn zu machen? Als Kollege im Dienst der finanziell-wirtschaftlichen Aufklärung kann ich nur sagen: Genial! Wer hat das in den letzten Jahren schon so perfekt hingekriegt, dass sowohl die deutsche als auch die türkische Regierung für einen deutschen Komiker die PR-Maschinerie anwerfen und über der Frage der Strafverfolgung fast schon einen Krieg riskieren, den sogenannten Satire-Krieg?

Natürlich wirft das ein trauriges Licht auf den Zustand der Welt. Wer den Narren ernst nimmt, ist selbst einer! So gesehen hat Erdogan eine brillante Karriere auf deutschen Comedy-Bühnen vor sich. Vielleicht sogar im frotzelnden Duo mit Böhmermann, der in der Türkei dann nur noch zärtlich „Küçük yarakli Alman adam“ – der Deutsche mit dem kleinen Schwanz – genannt wird. Andererseits kann man sich angesichts der massiven türkischen Reaktion auf Extra3 und ZDF des Eindrucks nicht erwehren, dass man in Ankara nichts Besseres zu tun hat als den ganzen Tag deutsches Fernsehen zu gucken!

Dummerweise ist Erdogan vermutlich nicht nur erfolgreicher Psychopath in Präsidentenverkleidung sondern auch ein wichtiger Spieler in der Flüchtlingsfrage, so dass Böhmermanns „Schmähkritik“ und der daraus resultierende Zorn des obersten Türken einigen armen Menschen aus Syrien oder anderen Kriegsgebieten teuer zu stehen kommen kann. Aus Menschlichkeit aber auch aus purem Egoismus (immerhin ist Böhmermann Mitbewerber im Satire-Markt) bin ich für eine Auslieferung und Einkerkerung Böhmermanns in Istanbul. Die anschließende Comedy-Tour durch die ausverkauften Stadien Kurdistans wird ihn mehr als entschädigen.

Aber etwas wehmütig wird man schon. Was waren das noch für Zeiten, als das Staatsoberhaupt, also der Souverän, noch wirklich souverän war?