Warum wir gern im Märchen leben!

Egal, wer heute zum US-Präsidenten/in gewählt ist, der große Sieger dieses Wahlkampfs ist natürlich das Gefühl. Hätte Ihnen vor 20 Jahren jemand gesagt, dass ein frauenverachtender Macho eine amerikanische Präsidentschaftswahl eventuell mit dem Argument gewönne, eine von Mexiko finanzierte Mauer an der US-Grenze würde die Probleme einer importabhängigen US-Wirtschaft lösen, hätten Sie über eine Zwangseinweisung in eine geschlossene Anstalt nachgedacht. Heute geht das – weil die Politik von der Wirtschaft gelernt hat, dass emotionale Botschaften die Wirklichkeit aushebeln.

Fakten werden überschätzt! Diese Meinung breitet sich zunehmend aus. Der mittlere Westen der USA ist zu großen Teilen eine faktenfreie Zone. Genau wie Teile von Mecklenburg-Vorpommern. Ein AfD-Politiker sagte nach der letzten Landtagswahl sinngemäß: „Wenn so viele Leute sich von Ausländern bedroht fühlen, sollte man mal gucken, ob das nicht die Realität ist.“ Man könnte auch sagen: Wenn so viele Leute Angst vor gelben Eimern haben, sollte man mal gucken, ob gelbe Eimer nicht verboten gehören. Oder ob eine Massenpsychose nicht auch eine Gefahr darstellt… Wir Deutschen sollten uns damit auskennen. Gefühle und Fakten sind nämlich nicht immer dasselbe. Viele Männer haben das eindeutige Gefühl, dass Frauen dringend mit ihnen schlafen wollen und werden dann unangenehm von einer Vergewaltigungsklage überrascht.

Fakten sind allerdings häufig lästig. Sie lassen Grautöne zu. Einige Menschen sind böse. Die meisten sind es nicht. Das trifft auf so ziemlich alles zu. Man muss sich dann mit solchen Themen beschäftigen, anstatt sie schnell abzuurteilen. Wer hat schon Zeit dafür? Andererseits können Gefühle auch sehr gefährlich sein. Ich hatte neulich das eindeutige Gefühl, dass ich für den Bus keinen Fahrschein benötige. Mann, war das teuer!