Warum wir jetzt wieder fleißiger werden!

Bei all dem Stress und Terror in der Welt war ich ganz froh, als es jetzt hieß: Faule Kredite in Italien! Prima, dachte ich, endlich legt sich in diesem verratzten Sommer mal einer auf die faule Haut und trinkt vielleicht mit anderen genauso faulen Krediten etwas Cappuccino. Dann bekam ich aber mit, dass die faulen Kredite die ganze Euro-Zone destabilisieren können, weil sie auch „notleidend“ sind. Notleidend! Also ein klassischer Fall für „Brot für die Welt“ – die Kredite brauchen Decken, Zelte, Nahrungsmittel. Und zwar schnell. Denn „notleidend“ macht sich irgendwann auf den Weg nach Deutschland und beantragt dann hier Asyl oder pocht auf Bleiberecht als EU-Bürger. Und möchte dann von uns die Not gelindert haben, am besten mit Bargeld oder Telefonguthaben.

Gestern träumte ich, ein notleidender Kredit riefe mit seinem Telefonguthaben an: „Ciao, sono Credito Catastrophale. Wie geht’s?“ Ich erwiderte, dass es mir nicht so gut gehe, wenn ich mitten in der Nacht von faulen Krediten angerufen werde. Da erklärte der Kredit, er sei nicht eigentlich faul sondern im Prinzip hilflos, weil der Brexit dazwischen gekommen sei. Typisch, erwiderte ich, immer ist jemand anders Schuld, demnächst fällt in China ein Sack Reis um und schon bricht hier alles zusammen. Das könne passieren, antwortete der Kredit, denn der chinesische Reis-Sack würde dadurch ungenießbar, was einen dortigen Mikro-Kredit ausfallen ließe und so zum Kollabieren des chinesischen ebenfalls sehr faulen Bankensystems führe. In Folge bräche die Weltwirtschaft ein.

Er solle einfach mal was tun, war meine Replik. Sich ein Beispiel nehmen am Abkassieren von Schwarzfahrern in Berlin. Die kriegen (wenn sie erwischt sind) meist schon eine Inkasso-Rechnung bevor sie überhaupt ahnen, dass sie einen Kredit aufnahmen. Das wären „fleißige Kredite“! Ach, meinte der Kredit, typisch deutsch – die armen Schwarzfahrer. Ich legte auf. Soll er doch sehen, wo er mit seiner Faulheit bleibt.