Warum wir keine Wahl haben!

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, besagt ein altes Sprichwort. Am lukrativsten ist natürlich Reden übers Schweigen – das ist mindestens Platin. Insofern legte die populäre SPD-Politikerin Hannelore Kraft wahres kapitalistisches Gespür an den Tag, als sie auf die sozialdemokratische Kanzlerkandidaten-Frage antwortete: „Ich weiß es, sage es aber nicht!“

„Ich weiß es, sage es aber nicht!“ – eine große Antwort der Menschheit, die sowohl Starrsinn ausdrücken kann („Angeklagter – wo haben Sie die Beute versteckt?“), als auch Solidarität („Ok, liebe Schüler, wer hat mir diesen Frosch aufs Lehrerpult gesetzt?“), als auch ein Schuldeingeständnis („Liebling, wer ist denn nun wirklich der Vater unserer Kinder?“). Im Fall der SPD ist es die Aufschiebung des Offensichtlichen – nur damit man diese Frage „ganz entspannt im Januar“ angeht. (Wobei das, was in der SPD als „ganz entspannt“ gilt, medizinisch gesehen mindestens als „chronischer Krampf“ in die Reha-Klinik gehört.

Buchmacher werden demnächst wahrscheinlich sogar Wetten auf die SPD-Kanzlerkandidatur anbieten. Diese werden vom Finanzmarkt aufgegriffen und in geldwerte Produkte verwandelt – eine Art „Kanzler-Emissions-Zertifikat“, welches im Fall der SPD allerdings nicht als „strukturiertes Produkt“ gelten kann, sondern eher als „Chaos-Option“.

Da gilt es jetzt, eine spannungsreiche Dramaturgie mit überraschendem Ende zu entwickeln. Wie wäre es, wenn nicht immer nur um Siggi Pop (Gabriel war Pop-Beauftragter der SPD) oder „EU-Marty“ im Rennen sind, sondern eine echte Überraschung? Vielleicht sogar eine Frau? Vielleicht sogar die große Dame der Sozialdemokratie – Angela Merkel! Das wäre ein Coup! Dann träte Merkel gegen sich selbst an… Vielleicht ist das sogar das Beste, denn dann geht es endlich nur noch um die Politik, die sie machen soll. Inhalte statt Slogans – das wäre mal ein echter Wahlkampf!