Was wir alles verschleiern!

Die Gesellschaft wird immer brutaler gespalten. Am gestrigen Tag des Klopapiers wurde daran auf grässliche Art und Weise erinnert. Fast 70 Prozent, eine erdrückende Mehrheit, die ohne weiteres das Grundgesetz ändern könnte und es vielleicht auch wird, faltet ihr Klopapier, bevor sie es benutzt. Nur 30 Prozent sind keine Falter, eine Minderheit, die sich bald radikalisieren könnte.

Warum wird eigentlich ein so wichtiger Tag wie der Tag des Klopapiers nur einmal jährlich begangen? Schließlich ist jeder Tag ein Tag des Klopapiers, außer man hat Verstopfung, dann allerdings wünscht man sich, dass jeder Tag ein Tag des Klopapiers wäre. Ich selber musste voller Schrecken feststellen, dass ich zu einer absoluten Minderheit gehöre. Ich bin weder „Klopapier-Falter, -Knüller, -Stückler, -Minimalist, oder Klopapier-nie-von-gehört-Typ“ – ich benutze das Klopapier einfach so und wie ich bisher naiv dachte, normal: Abreißen, wischen, wegwerfen. Diese Kategorie ist noch nicht mal erwähnt und kann höchstens 0,1 Prozent der Bevölkerung umfassen.

Das sind die wahren Gräben in der Republik. Wenn jetzt ein Vollverschleierungs-Verbot von 80 Prozent der Deutschen befürwortet wird, ist es vielleicht die große Koalition der Falter, Knüller sowie Stückler (legen das Papier Stück für Stück aufeinander). Aber wenn schon Verbot, dann konsequent auf alle Bereiche der Verschleierung ausdehnen. Was ist mit den gehäkelten Klopapier-Schleiern auf den Hutablagen einiger Limousinen? Oder der Art und Weise, wie manche Menschen Klopapier-Rollen nicht linksrum mit der gewölbten Seite nach oben auf den Halter montieren, sondern rechtsrum, so dass einen die hintere, quasi unreine Seite des Papiers frech anstarrt? Oder die Vollverschleierung der Dummheit? Darf man das weiter dulden?

Aber ich bin ja die Minderheit. Geduckt schleiche ich mich zur Toilette und hoffe, dass keiner mich sieht.