Warum die nächste Flüchtlingskrise schon da ist!

Auf dem Boden liegende Elendsgestalten schauen mich aus erschöpften Augen müde an . Ein älterer Mann mit zerschlissenem Anzug fleht in gebrochenem Deutsch (es hätte allerdings auch pfälzisch sein können…): „Bitte, ich will doch zu meiner Tochter. Familienzusammenführung! Wissen Sie, früher, da bin ich Flugzeug geflogen…“ Bevor ich etwas sagen kann, ertönt eine barsche Uniformierte: „Nichts da, raus.“ „Aber ich habe doch ein Ticket“, versucht der Mann einzuwenden.“ „Nehmen Sie halt den nächsten Zug…“

Der ICE ist nämlich überfüllt. „Hier spricht Ihr Zugführer. Fahrgäste, die den Zug freiwillig verlassen, erhalten einen Gutschein über 25 Euro“. Niemand will den Zug verlassen. Die Aussicht, nach Mitternacht im Westen Deutschlands zu sein, wiegt schwerer als 25 Euro. „Das sind diese Air-Berlin Flüchtlinge“, giftet eine vornehm gekleidete Frau auf einem Bahn.Comfort-Platz, „die nehmen uns die ganzen Sitzplätze weg!“ „Genau,“ stimmt eine bayrische Stimme ein, „wir brauchen eine Obergrenze!“

Unbemerkt von der großen Politik ereignet sich eine weitere Flüchtlingskatastrophe. Seit Air-Berlin nicht mehr fliegt und die Lufthansa sich ihr Monopol für innerdeutsche Flüge vergolden lässt, steigen immer mehr Menschen auf die Bahn um, die ja schon an guten Tagen mit dem Phänomen „Fahrgast“ etwas überfordert ist. Und dies ist kein guter Tag sondern Vorabend des Nikolaustags. „Wir sind immer noch zu voll“ plärrt die Ansage. „Ich möchte von meinem Asylrecht Gebrauch machen,“ versucht es der Pfälzer noch. „Heiß ick Merkel oder wat?“ erwidert die Schaffnerin, bevor sie ihn rausbefördert.

Durchs Fenster sehe ich ihn um seine 25 Euro anstehen und muss an eine alte Hopi-Prophezeiung denken (oder war es eine Hopfen-Prophezeiung?): „Erst wenn der letzte Air-Berlin Flieger am Boden steht, wenn das letzte Terminal C verwaist ist, wenn das letzte Schoko-Herz versteigert ist – werdet ihr merken, dass die Lufthansa keine Wohltätigkeitsorganisation ist!“