Warum jetzt so gelärmt wird!

„Viel Lärm um nichts“, heißt eines meiner Lieblingsstücke von Shakespeare. Darin geht es unter anderem um die Verwechslung von Schein und Sein. Zurzeit erleben wir eine grandiose Neu-Inszenierung dieses Klassikers mit Laien-Darstellern in Hamburg. Es nennt sich zwar „G20-Gipfel“, aber der eigentliche Name des Stückes dürfte allen klar sein.

Das Ungewöhnliche an der Hamburger Inszenierung: Eine ganze Stadt muss mitmachen! Zur Erhöhung der Dramatik werden ganze Heere schwarz gekleideter Autonomer in die Stadt gebracht. Diese fühlen sich naturgemäß zu Autos hingezogen, welche sie gern mal abfackeln. Das macht Sinn, denn das griechische Wort „autonom“ heißt so viel wie „selbst stehend“, während „Automobil“ ja „selbst bewegend“ heißt. Und man kann natürlich viel ruhiger selbst stehen, wenn man sich nicht ständig selbst bewegt… Außerdem wird auf diese Weise der Verkauf von Neuwagen sowie Teilkasko-Versicherungen befördert, so dass man auch mal gucken sollte, ob hinter der Vermummung nicht ein Logo von „Audi“ oder „HUK Coburg“ lauert…

Einige der Sprechrollen haben zwar in etwa die geistige Reife von ADS-geplagten Kita-Kindern, machen das aber durch ihren energetischen Stil mehr als wett. Zwei der gesetzten Schurken, Putin und Trump, schwänzen in einem Akt präpubertärer Rebellion sogar den „Klima-Talk“ nach dem Motto: gegen Warmes Klima hilft am besten ein Kalter Krieg! Kritiker bemängeln, dass in dieser Inszenierung der Komödie der Humor etwas zu kurz kommt – geben aber zu, dass es immer noch lustiger ist als Atomkrieg mit Nordkorea! Als Finale gibt es ein Gruppenfoto, auf dem alle lächelnd sagen: „Schön, dass wir miteinander geredet haben!“

In der Politik wird gern gemeckert, dass Kultur so teuer ist. Aber mal ganz ehrlich: Teurer als die Politik (Kosten G20: mindestens 150 Millionen Euro) hat „Viel Lärm um nichts“ noch nie jemand inszeniert!