Warum wir nicht mehr Kondolenz-glänzen!

Es gab einen Terror-Anschlag in St. Petersburg, und das ist ohne Frage scheußlich. Unschuldige starben, was noch viel scheußlicher ist. Das Brandenburger Tor wurde nicht aus Kondolenz angeglänzt, was einigen das Allerscheußlichste zu sein scheint. Der Senat sagt dazu: Das Brandenburger Tor wird nur nach Angriffen in Partnerstädten Berlins mit den Farben des jeweiligen Landes beleuchtet. Brach aber diese Regel im Falle der Anschläge in von Jerusalem und Orlando – wegen „besonderer Nähe“.

Das wirft Fragen auf. Für wen gilt die „besondere Nähe“ Klausel? Für St. Petersburg schon mal nicht. Obwohl vielleicht das eine oder andere Opfer aus Moskau (Partnerstadt Berlins) kam. Könnte man da nicht wenigstens eine Ecke des Tores beleuchten? Und wenn „Partnerstadt“ das Kriterium ist, warum erstrahlen dann die Landes- und nicht die Stadtfarben? „Besondere Nähe“ haben wir auch nicht zu Syrien, wo in den letzten Tagen mindestens 60 Menschen durch einen Giftgas-Angriff starben. Oder zu Pakistan, Süd-Sudan oder Afghanistan, wo jeden Monat viele Menschen dem Terror zum Opfer fallen. Jetzt, wo die Partnerstadt-Trauer klar ist, ist es überdies denkbar, dass unsere Partnerstädte eine erhöhte Terror-Gefahr erleben, nur weil der Attentäter ein Berliner Licht-Denkmal anstrebt…

Zumal sich die Frage stellt, wie nachhaltig das Kondolenz-Glänzen ist? So eine „Brandenburger-Tor-Beleuchtung“ verbraucht nämlich viel Energie. Das wiederum setzt CO2 frei, was die Umwelt erwärmt, für die Ausdehnung von Wüsten sorgt, zu bewaffneten Konflikten um Wasserquellen führt und in letzter Konsequenz eine zunehmende Anzahl potentieller Selbstmordattentäter produziert. Ist es das, was man unter „dem Terror heimleuchten“ versteht?

Vielleicht sollten „wir Armleuchter“ einfach mal die Kerze des Mitgefühls in Herz und Hirn umso heller leuchten lassen!