Warum Marktforschung keine richtige Forschung ist!

Den Pulitzer-Preis soll es jetzt auch für Markforschungs-Interviews geben. In der Kategorie: Beste Fiktion! Ein Großteil dieser Interviews ist frei erfunden. Nach dem Motto: Lasse dir massenhaft Haarwuchsmittel zuschicken, schütte es in den Ausguss und erfinde 80 Personen, die es angeblich nutzten und mit dir darüber sprachen. Zur Sicherheit fotografierst du noch ein paar Freunde und Bekannte mit gutem Haarwuchs. In Marktforschungs-Umfragen sollen solche Methoden gang und gäbe sein.
Nun könnte man versucht sein, den Marktforschern unlautere Methoden vorzuwerfen, mit der sie die Öffentlichkeit und ihre Auftraggeber hinters Licht führen. Tatsächlich aber handelt es sich um die hohe Kunst, der scheinbaren tristen Realität eine farbenfrohe Fiktion entgegenzuschleudern. Immer nach dem Motto: „Nur fake News sind gute Nachrichten.“ So finden angeblich 70 Prozent aller Amerikanerinnen ihren Arsch zu dick. 30 Prozent haben ihn geheiratet und über 51 Prozent wählten ihn zum Präsidenten! Ein Marktforscher würde sagen: Die Marktdurchdringung beträgt 151 Prozent.
Diese Schieflage hat auch etwas mit einem Einspartrend bei den Kunden zu tun. Wer nur einen Spottpreis zahlt, erhält eben manchmal auch nur Spott… Immerhin tun sich in diesem Markt auch Chancen für schwer vermittelbare Arbeitnehmer auf. Neulich erzählte mir ein Bekannter von einem Betrüger, der sein Leben komplett ändern wolle. „Will er jetzt ehrlich werden?“ fragte ich. „Nein, Marktforscher!“
Wenn Sie also das nächste Mal etwas von einem Wundermittel hören, das Umfragen zufolge sensationell sein soll, seien Sie etwas vorsichtig. Es könnte auch so entstanden sein: „Deine Frau soll laut Umfragen in der Nachbarschaft ja eine Granate im Bett sein,“ sagt ein Marktforscher zum anderen. „Nicht wirklich,“ erwidert der cool. „Sie täuscht die Orgasmen vor, damit das von ihr vertriebene Potenzmittel bessere Bewertungen erhält.“