Warum wir auf die Regel warten!

Wenn der Mensch etwas in geordnete Bahnen lenken will, braucht er meist eine Regel. Gerade in Deutschland – wir haben besonders viele Regeln (im Sinne von Vorschriften, nicht Mensis). Was am Anfang gut gemeint war, entpuppt sich im Nachhinein oft als Schildbürgerstreich – oder als „Trump“, wie man in den USA sagt.

Ein Beispiel: Um die ungerechte Entlohnung von Frauen und Männern zu regeln, gibt es seit kurzem das „EntTranspG“, das Entgelt-Transparenz-Gesetz. Demzufolge ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, Auskunft über die Entlohnung anderer Arbeitnehmer mit „vergleichbaren“ Tätigkeiten zugeben. Leider definiert das Gesetz nur sehr unzureichend, was „vergleichbar“ ist. Einige würden sagen, Deutschbanker, die einen Verlust produzieren, sind nicht mit „Boni-fähigen“ Mitarbeitern zu vergleichen – die Deutsche Bank sieht das anders.

Oder Rauchmelder – die können Leben retten. Erwiesen ist das jedoch nicht. Die Zahlen von Brandtoten haben sich auch ohne Rauchmelder seit den 80ger Jahren fast halbiert. Auch. In Bundesländern, die keine Rauchmelderpflicht haben, sanken die Brandopferzahlen teilweise sogar noch stärker als die in Ländern, welche Rauchmelder vorschreiben. Dafür entstehen für Steuerzahler und Verbraucher jährlich hohe Kosten wegen Rauchmelder-Fehlalarmen. Das hinter der Kampagne „Rauchmelder retten Leben“ stehende „Forum Brandrauchprävention“ wird interessanterweise von Unternehmen betrieben, die Rauchmelder herstellen…

Immer stärker häufen sich also die Fälle von „verrreguliert“. Dieser Trend wird anhalten. Denn der Mensch an sich und der Deutsche im speziellen hat eine gewisse Sehnsucht nach Regulierung. Hat er dies erst mal lautstark geäußert, wundert er sich alsbald, dass eine kleine gewollte Regulierung auf einmal hunderte von ungewollten Regulierungen nach sich zieht. Im Volksmund heißt dieses Phänomen „Ehe“!