Warum wir so glücklich sind!

In einer Wohlstands-Studie stand neulich, dass es uns gut geht. Natürlich geht es uns gut. Dazu braucht man keine Studie. Man muss sich angucken, in welchen luxuriösen Autos wir mit miesepetrigen Gesichtern im Stau stecken. Die Deutschen pendeln nämlich mehr und weiter als noch vor 20 Jahren. Neben weiteren tollen Tatsachen (die Deutschen treiben doppelt so viel Sport wie 1995) gibt es allerdings auch Alarmierendes.

Angestellte verdienen pro Arbeitsstunde inflationsbereinigt gut 3 Euro mehr als 1995. Das ist ja ganz schön. Aber so ein Durchschnitt hat bekanntermaßen Tücken. Wenn ein gutbezahlter angestellter Manager 10.000 Euro die Stunde erhält und 1000 andere Arbeitnehmer den Mindestlohn, dann liegt der Durchschnittslohn auch schon bei respektablen 18,48. Während wir für Milch und Butter zwei Minuten weniger arbeiten müssen als noch vor 20 Jahren, sind es für 2,5 kg Kartoffeln zwei Minuten mehr – laktosefreie Vegetarier kriegen also vom Aufschwung nix mit…

Das deutsche Brutto-Inlands-Produkt (BIP) ist in den letzten 21 Jahren um 56% gestiegen. Das mutet respektabel an, bis man merkt, dass unser Land mit dieser Steigerung Schlusslicht in Europa ist. Und auch in absoluten Zahlen von Finnland, Island, Niederlande, Österreich und Schweden überholt wurde. Zumal die Deutschen auch relativ arbeitsscheu sind: Sie leisten 40,4 Stunden Arbeit pro Woche, während es im traditionell verschrienen Griechenland 41,2 Stunden sind.

Trotz alledem sind wir glücklicher als früher. Das kann einerseits an der führenden Alkohol-Dichte liegen. Oder an der Veränderung künstlerischer Vorlieben. Während die Deutschen heute seltener ausgehen, fällt die sinkende Anzahl der Opernbesuche ins Auge. Dafür gehen wir lieber vermehrt ins Museum. Und wenn die gesamtstaatlichen Versäumnisse moderner Infrastruktur ihre Wirkung entfachen, kann man unser Land dort auch bald besichtigen.