Autor: Alexa Knitter

Warum die Burka so wichtig ist!

Wahlkampf in Deutschland, das ist ein wenig wie Oktoberfest – große Sprüche, aber nix dahinter außer einer Überdosis bewusstseinsdämpfender Stoffe. Mit dem Unterschied, dass der Oktoberfest-Kater keine vier Jahre dauert!

Der Wahlwillige und -Unwillige ist dieser Tage vielen schmerzhaften Parolen ausgesetzt. Diese Kolumne reicht leider nicht für alle – daher werde ich sie teilen. Erst mal widme ich mich aus gegebenem Anlass gründlich der AfD. In Genf wurden nämlich grade etwa zweihundert klein geschnittene 500-Euro-Scheine in Toiletten entsorgt (im Tresorraum der UBS Bank). Oho, dachte ich: Endlich macht die in der Schweiz gemeldete Alice Weidel Ernst mit der Devise: Raus aus dem Euro! Frau Weidel soll allerdings dementiert haben, dass es sich bei dem Scheißhaus-Schatz um das noch ausstehende Gehalt der syrischen Asylbewerberin handele, die schwarz bei ihr putzte…

Ja, provozieren kann sie, die AfD. Mit Slogans wie: „Burka – ich steh mehr auf Burgunder!“ Oder „Burka – wir stehen auf Bikinis“. Man könnte meinen, die Burka wäre das zentrale Problem unseres Landes. Aber es gibt ja eine „Alternative“: Nämlich „Neue Deutsche machen wir selber“ oder den Aufruf zum Ferkel-Mord mit dem Plakat eines todgeweihten süßen Schweinchens, weil „der Islam? Passt nicht zu unserer Küche“ – vielleicht lässt sich das AfD-Programm folgendermaßen abkürzen: Wir kernigen Germanen fallen im Burgunder-Rausch Schweinefleisch kauend über ein paar Bikini-Mädels her, um neue Deutsche zu machen – selten wurde „deutsche Leid-Kultur“ so knackig charakterisiert!

Betrachtet man die schlechtgelaunten Gesichter eines Alexander Gauland oder Björn Hocke, stellt sich jedoch die Frage, ob für gewisse Hass-Visagen eine Burka nicht Pflicht sein sollte? Damit „neugemachte Deutschen“ nicht bereits während des Wahlkampfes ein schweres Trauma erleiden.

Warum wir ver-tegelt sind!

Ich verstehe die Aufregung um Tegel nicht. Die Schließung des Flughafens werden die meisten von uns doch ohnehin nicht mehr erleben…! Aber wenn Ryanair, die FDP und die CDU gemeinsame Sache machen, dann kriege ich ein spontanes „Ryanair-Gepäck-Trauma“– die versteckten Kosten können einen ruinieren! Außerdem: Schon mal bemerkt, dass Ryanair und die FDP dieselben Farben haben: Blau-Gelb – wahrscheinlich steckt letztlich IKEA dahinter!

Man könnte natürlich sagen: Gut, wir lassen Tegel offen, aber alle Kosten tragen dann Ryanair und die FDP… Doch was, wenn die auf den letzten Metern die Arme heben und „Air-Berlinern“? Die FDP ist nicht grade für hohe Zahlungsmoral bekannt – sie schuldet der Rentenkasse ihrer Bundestagsfraktion seit Jahren einen Millionen-Betrag. Wenn die FDP sich als Partei der „ehrbarer Kaufleute“ gibt, sind damit eher die anderen gemeint…

Viele Zehlendorfer, Charlottenburger und Frohnauer erklären mir im schmerzenden Brustton der Überzeugung, sie könnten unmöglich die 20 Euro Taxi-Mehrkosten nach Schönefeld tragen. Aber als alter Taxifahrer fällt mir da nur das Totschlag-Argument der Konservativen ein: Das wäre super für die Konjunktur!

Ich habe aber auch ein Herz für die Tegelretter – und zwar aus folgendem Grund: Rechtlich ist es ja vermutlich gar nicht möglich, den ollen Schrott-Flughafen offen zu halten. Hier testen also reiche Vorortler mal ihre kriminelle Energie und proben die Revolution! Angesichts der dann entstehenden Klageflut verliert vermutlich irgendwann ein Richter die Geduld und schließt kurzerhand beide Flughäfen. Dann kommt es natürlich auch auf Straße und Schiene zum Dauer-Stau: Stillstand! Still-Stehen. Nichts geht mehr. Inne halten. Atmen. Im Hier und Jetzt. Mitten auf der A100. Wer hätte gedacht, dass die FDP im Grunde ihres Herzens buddhistisch ist?

Warum Affen Selfies machen!

Affe ruiniert Freiberufler! So könnte man die Affäre um den Schopfmakaken Naruto und den Fotografen David Slater auch betiteln. Letzterer fotografierte im Jahr 2011 indonesische Schopfmakaken. Irgendwann waren die Affen so neugierig, dass sie sich der Kamera näherten und Selfies machten, welche Slater anschließend veröffentlichte. Die Aktion wurde ein viraler Hit, fast jeder kennt heute den grinsenden Makaken vom „Affen-Selfie“.

Den Fotografen allerdings trieb das Bild in den Ruin – da der Affe den Auslöser drückte, hätte der Fotograf kein Urheberrecht, urteilte ein Gericht. Zuletzt klagte die Tierschutzorganisation PETA gegen Slater auf Herausgabe der Urheber-Rechts-Erlöse an den Schopfmakaken. PETA wollte die Erlöse eigenmächtig in den Schutz von Affen investieren. Da wird die Sache richtig affig: Woher will PETA denn wissen, dass Naruto überhaupt am Schutz seiner Artgenossen interessiert ist? Vielleicht hätte er das Geld lieber für Bananen und scharfe Makaken-Bräute auf den Kopf gehauen? Was ist mit der Besteuerung? Hätte Naruto nicht längst eine Steuererklärung abgeben müssen bei den vielen Honoraren? Muss er jetzt in Haft und sich eine Zelle mit einem anderen Steuerhinterziehungs-Affen teilen, nämlich mit Cristiano Ronaldo?

Nun einigten sich PETA und Slater außergerichtlich, aber die Kernfrage bleibt bestehen: Wer ist ein Urheber? Sicher, Slater hatte die Idee und das Equipment, der Affe hatte den Finger am Auslöser – doch wer gab Slater die Idee ein? Sind nicht seine Eltern und sein soziales Umfeld verantwortlich für eine Entwicklung, die ihn letztlich befähigte, die Selfie-Idee auszudenken und mit Narutos Hilfe, der wiederum von seinem Umfeld beeinflusst wurde, umzusetzen? Und sind nicht wiederum die Eltern der Eltern und deren Eltern ebenfalls Teil dieser Entwicklung, so dass alles Urheber-Recht am Ende dem Urknall gehört? Aber wo führt der sein Konto??

Warum wir uns jetzt selbst ver-Hebammen!

Die Geburt – jener magische Moment, den Frauen als die Krone der Schöpfung und des Schmerzes empfinden und Männer als jenen Moment der ultimativen Hilflosigkeit, dieses „Ich würde es dir gern ersparen, Schatz, aber es geht ja leider nicht. Gottseidank!“ Dieser Moment wird jetzt erweitert durch einen weiteren Nerven-Kitzel: keine Hebamme weit und breit! Denn eine Schiedstellen-Entscheidung wird ab 2018 dafür sorgen, dass Hebammen in Kliniken nur noch zwei Geburten gleichzeitig abrechnen dürfen. Was wiederum viele Hebammen motivieren könnte, mit ihrem Job das zu machen, was die Politik seit Jahren mit der sozialen Sicherheit macht: einfach an den Nagel hängen!

Nun fragt es sich sowieso, warum Schwangere unbedingt in Kranken-Kliniken entbinden sollen? Ist Geburt eine Form von Krankheit? In Deutschland scheint das so. Der kapitalistische Gedanke kapert die Geburt. Frauen müssen lernen, wirtschaftlich profitabel zu gebären. Also allein. Selbstständig sein. Das kann ein Hedgefonds-Manager schließlich auch! Außer wenn es um „mal den Müll runterbringen“ geht.

Die Zukunft der Geburt wird wohl so aussehen, dass Frauen in speziellen Do-It-Yourself-Geburtsyoga-Kursen eine spezielle Form der Drehung lernen, welche sie befähigt, zugleich Gebärende und Hebamme zu sein. Kommt es dabei zu Komplikationen, ist das eben eine natürliche Form der Auslese. Schwangere müssen lernen, dass ab und zu eine Abschreibung vorgenommen wird. Das müssen Diesel-Manager schließlich auch.

Sorry, aber so geht Kapitalismus. Es ist profitabler, mehr aus Leistungsträgern rauszuholen als zukünftige Leistungsträger rauszuholen. Nervenzusammenbruch vorzubereiten lohnt sich mehr als „Nerven-zusammen-setzen“ vorzubereiten. Wundert es da irgendjemand, dass Deutschland bei der Geburtsrate immer noch unter EU-Schnitt liegt?

Warum wir uns so gern duellieren!

Die gute Nachricht mal gleich vorab: Deutschland braucht kein Valium mehr – es hat ja die TV-Duelle! Die sedierende Kraft von Angela Merkel ist mittlerweile so stark, dass sie wie die Schlange Kaa im „Dschungelbuch“ alle um sich herum in Tiefschlaf versetzen kann: „Hör gut zu, glaube mir, Augen zu, vertraue mir…“ Das funktioniert bei beim Kontrahenten, dem „Mogli der SPD“, fast genauso gut wie bei den vier „Geiern“ der Moderation. Selten wurde ein ganzes Volk von Presse und Regierung so gezielt eingelullt und hypnotisiert wie vor der diesjährigen Bundestagswahl. Nicht streitbar genug – lautete ein häufiger Vorwurf – aber wie will man auf einer Überdosis Merkel-Diazepam noch streiten? Allein die Augen offen zu halten erfordert schon übermenschliche Kräfte.

Also ging es mal wieder um: Flüchtlinge! Eine Stunde lang. Als hätte dieses Land keine anderen Probleme. In einer seltsam rückwärtsgewandten Debatte, wie man sie sonst nur von der AfD, der Diesellobby oder Lord Voldemort aus Harry Potter kennt, wird das Placebo unserer Tage so breit getreten wie Hundekacke im Wedding. „Islamistische Gefährder“, eine sehr kleine Randgruppe der Kriminalität, nimmt mehr Platz ein als der Brexit, die Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, die Hebammen-Vernichtung oder Bildung. Zusammen, wohlgemerkt. Denn die kamen schlicht nicht vor bei Angela Merkel, Martin Schulz oder in den Fragen der Moderation.

Dafür haben wir ein neues tolles Wort gelernt: Musterfeststellungsklage! Das freut den Germanisten – endlich kriegen die längsten Worte im Duden wie Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung oder „Donaudampfschifffahrtgesellschaftskapitänsmützenanstecker“ eine ernstzunehmende Konkurrenz.

Letztere erstickt die Amtsinhaberin übrigens gern mal mit einem sehr engen Korsett, in das sie ein TV-Duell presst, nur um sich am Ende zu beschweren, dass da ein sehr enges Korsett war. Das ist ein wenig, als bestelle man sein Steak gut durchbraten, um dann zu klagen, es wäre nicht blutig genug. Zusammen mit der „Haushalts-Schwamm-Strategie“, die darin besteht, Gegenpositionen einfach aufzusaugen und in das eigene System zu integrieren – eine Strategie, die sie vermutlich von multiresistenten Krankenhaus-Erregern übernahm – wird das System Merkel so nahezu „Gegengift-sicher“.

Nimmt es da Wunder, dass ein Drittel der Deutschen abdriftet in ein gezieltes Desinteresse oder eine Verschwörung? Oder in beides: eine gezielt desinteressierte Verschwörung – oder wie man bei VW sagt: Aufsichtsrat!

Die einzigen, die vom TV-Duell profitiert hätten, wären die Satiriker, heißt es gern. Nun sind aber Satiriker die einzige Berufsgruppe, die im Grunde ihres Herzens bettelt: Macht uns arbeitslos! Bitte! Liefert einfach kein Material mehr! Wir sitzen auf mehreren Butterbergen ungenutzter Gags, möchten die gern aufbrauchen und dann einfach gar nichts mehr sagen müssen…

Immerhin: Deutschland nimmt sich ganze 97 Minuten Zeit, um die Zukunft der nächsten vier Jahre zu diskutieren. Das ist die gefürchtete „deutsche Effektivität“ – oder der Beweis, dass Rinderwahn doch gefährlicher ist als bislang gedacht… Darüber gerät gern mal ins Vergessen, dass Martin Schulz vielleicht nicht die beste, aber die erfolgversprechendste Alternative zur jetzigen Regierung ist!

 

Warum wir post-digital werden müssen!

„Disruptiv“ ist der neue Trend. Eine disruptive Technologie ist eine Innovation, die ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung völlig verdrängt. Donald Trump etwa ist hochgradig disruptiv, weil er sowohl ein bestehendes Produkt, nämlich eine kompetente US-Präsidentschaft, als auch eine bestehende Dienstleistung, nämlich eine entfernt an die Vernunft angelehnte Diplomatie, völlig verdrängt.

Natürlich hat die Digitalisierung auch jede Menge Chancen. Dank Google haben wir immer ein Lexikon bei uns und jeder Idiot kann eine potentielle Partnerin mit dem Fachwissen, dass der Kilimandscharo der höchste Berg Afrikas ist, in die Flucht schlagen und dafür sorgen, dass er sich nicht vermehrt. Wir wissen, dass Katzenvideos immer geklickt werden und dass Flüchtlinge schneller gerettet würden, wenn sie ein paar Kätzchen mit an Bord ihrer Schlauchboote nähmen und twittern, dass die nicht schwimmen können.

Die Maschinen nehmen uns jedoch auch immer mehr Arbeit ab. Dankenswerterweise. Sogar vor dem eigenen Job machen sie nicht Halt. Dafür gibt es dann keinen Dank. Gut die Hälfte aller Jobs soll demnächst überflüssig sein, angefangen bei Taxi- und „Uber“-Fahrern bis hin zu Postzustellern und Lagerarbeitern. Mal abgesehen von der Frage, ob diese Jobs jemals auf der „Will ich unbedingt mal werden wenn ich groß bin“-Liste von irgendjemand gestanden haben, könnte dadurch eine Gruppe von Leuten entstehen, die unsere schöne neue Welt nicht nur mit Enthusiasmus begrüßen.

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten. Nicht betroffen von der Vernichtung durch Digitalisierung sind nämlich alle Berufe, die besondere menschliche Fähigkeiten verlangen – also Krankenpfleger, Altenpfleger und Kinderbetreuer. Am besten werden Sie alles in einer Person – dann können Sie sofort in Washington als persönlicher Assistent von Donald Trump anfangen! Im Zentrum der Disruption!

Warum die Reichen mitten unter uns sind!

Jeder fünfte Berliner ist von Armut bedroht. Leider gibt das statistische Bundesamt keine Auskunft über die geistige Armut der politischen Klasse von Berlin-Mitte – zu schockierend wären die Ergebnisse. Eine vierköpfige Familie zählt mit einem Netto-Einkommen von 2064 Euro als arm. Schon ab 3100 Euro Netto-Einkommen gehört ein Single jedoch zu den reichsten 10 Prozent der Deutschen! Kein Wunder, dass Alleinverdiener mit einem Netto-Einkommen von 2100 Euro gelegentlich darüber nachdenken, die anderen drei Familienmitglieder gegen eine Spiele-Konsole einzutauschen… Dem Statistischen Bundesamt zufolge liegen Armut und Reichtum in Deutschland nah beieinander. Ein Paar benötigt nur 4600 Euro Netto-Einkommen, um als reich zu gelten. Wie, so wenig? Was ist denn mit den ganzen Bill Gates, Susanne Klattens und Aldi-Brüdern dieser Welt? Nun, die sind nicht reich. Die sind superreich. Das ist ein Unterschied wie der zwischen einem Bierzelt-Musiker und Elton John!

Die meisten Reichen zählen sich selbst jedoch nur zur Mittelschicht. Der Mensch leidet gern mal unter Fehleinschätzungen. 80 Prozent der Männer glauben, zu den attraktivsten 10 Prozent der Spezies zu gehören. Fehleinschätzungen unterscheiden uns von anderen Spezies: Eine wachsende Zahl Menschen glaubt, ohne Facebook nicht leben zu können – Kühe hingegen wissen mit Sicherheit, dass sie ohne Gras aufgeschmissen sind.

Viele halten sich für Mittelschicht, sind es aber nicht. Interessanterweise wird die Forderung, dass Reiche mehr zahlen sollen, etwas leiser, sobald Menschen erfahren, dass sie selbst zu diesen Reichen gehören. Die eigene Brieftasche gehört zu den bestgeschützten Biotopen dieser Erde. Schließlich will man auch morgen noch in den Urlaub auf die Seychellen fliegen können. Und dort schockiert sein über die Armut, die Erwärmung der Meere und das Sterben der Korallenriffe…

Warum wir ver-Hipstert werden!

Ein guter Politiker erkennt Probleme, die sonst noch niemand auf dem Schirm hat. Jens Spahn, hipper junger CDU-Politiker (obwohl: ist das nicht ein Oxymoron, ein unauflöslicher Gegensatz – hipp, jung – und CDU?) mit einem Gespür für Parallelgesellschaften, hat sie gefunden: Hipster, die in einigen Gegenden Berlins dafür sorgen, dass man in Restaurants nur noch junge, bärtige Männer sieht, die Englisch sprechen. Mal ganz abgesehen von der sexistischen Komponente dieser Randgruppe, die Frauen aufgrund mangelnden Bartwuchses auszuschließen scheint, musste ich erst mal nachgucken, was ein Hipster überhaupt ist. Die meisten Hipster sehen sich nämlich nicht als Teil einer verschwörerischen Parallelgesellschaft, sondern haben einfach gern einen Bart, Männer-Dutt, ein Tattoo sowie ein Rennrad. Aber das ist natürlich das Gemeine – sie sind noch nicht mal bereit, offen zuzugeben, dass sie die Macht im Land ergreifen und das Land mit veganen Schnell-Imbissen zu scheißen wollen.

CDU-Politiker Spahn muss es nämlich wissen. Schließlich ist er ein Fachmann für Parallel-Gesellschaften wie die Muslime, die er mit Burka-Verbot belegen möchte. Vielleicht fordert er demnächst eine Burka-Pflicht für Hipster, damit man die doofen Kopfhörer und MacBooks nicht mehr sieht?

Neuerdings ist Herr Spahn übrigens an einem Start-Up Unternehmen zur Erstellung einer Steuer App namens „Tax-Butler“ beteiligt. „Jens,“ möchte man rufen: „Tax-Butler? Sollte die App nicht lieber „Steuer-Sklave“ heißen? I mean, how fucking hipster can you get, my dear Jens?“ Und man möchte fragen, ob er nicht allen Anreiz hat, das Steuersystem als Staatssekretär im Finanzministerium noch komplexer zu machen, um mehr Geld mit seiner App zu verdienen? Nennt man das in seiner Hipster-Language nicht einen „Conflict of Interest?“ My message für Jens: „Shoemaker, stay with your loins – Schuster, bleib bei deinen Leisten!“

Warum ich ewig lebe!

„Warste schon mal mit Delfinen schwimmen? Totale Ekstase so.“ Die Frau namens Birgit auf einer dieser schrecklichen Sommer-Partys will natürlich nicht über Delfine reden – sie will mich in einem esoterischen Wettkampf besiegen. „Kennst du Power-Fasten nur mit „Green Smoothies“ bei zeitgleicher Leber-Entgiftung und parallelem Mantra-Singen im Lotus-Sitz – habe ich acht Monate lang in einem Kloster in Tibet praktiziert!“ kontere ich. Kloster in Tibet – das muss sie erst mal stechen…

„Ach, Tibet,“ haucht sie fast erotisch, „in Lhasa hatte ich meine Nahtod-Erfahrung! Nach einem dreijährigen Schweige-Retreat auf tibetischen Butter-Tee verließ ich meinen Körper, gelangte in einen langen dunklen Tunnel und schwebte langsam auf ein Licht zu!“ „Kenn ich,“ sage ich, „ eine ähnliche Erfahrung hatte ich mal mit der Berliner S-Bahn. Nahverkehr hat ja auch viel gemeinsam mit Nahtod – besonders wenn es um ein Job-Interview geht, bei dem man pünktlich erscheinen muss.“

„Nur weil dein spirituelles Wachstum in einer Sackgasse steckt, musst du hier keine billigen Scherze machen,“ schießt Birgit in meine Richtung. „Nahtod-Erfahrung gut und schön,“ erwidere ich, „aber hattest du schon mal eine Fern-Tod-Erfahrung?“ „Wie bitte?“ „Eine Erfahrung, in der man den Tod ganz von ferne sieht. Etwa, wenn man sich mit einer Sicherheitsnadel in den Finger sticht und fühlt, dass es nicht unbedingt tödlich verlaufen wird. Dann hat man eine Ferntod-Erfahrung.“ „Sehr witzig.“ „Es war die Erfahrung von Ewigkeit. Der Stich versetzte mich in Trance, in welcher der Tod sagte, dass er mir gern näher kommen und mich küssen möchte. Ich sagte: Du, lieber nicht, ich führe mit dem Tod ganz gern eine Fern-Beziehung, quasi eine Fern-Tod-Beziehung. Man kennt das von menschlicher Liebe, wenn man erst mal zusammen zieht, wird’s kritisch… Solange meine Fern-Tod-Erfahrung anhält, bin ich unsterblich…“

 

Warum wir jetzt vor Terroristen sicher sind!

Donald Trump verdanken wir eine neue brillante Strategie zur Bekämpfung des Terrorismus. Nach den tragischen Anschlägen in Spanien twitterte er, man möge sich auf das Rezept des US-Generals John Pershing besinnen. Pershing, nach dem immerhin eine Kurzstrecken-Rakete benannt ist, soll Anfang des letzten Jahrhunderts muslimische Rebellen auf den Philippinen mit in Schweineblut getauchten Patronen hingerichtet und ihnen so den Weg ins Paradies versperrt haben. Danach gab es laut Trump 35 Jahre lang keinen Terroranschlag mehr auf den Philippinen.

Kritiker behaupten, dass Pershing das weder getan noch die Anschläge aufgehört hätten. Na und? Was spricht denn eigentlich dagegen, auch mal die bewährten Tricks von früher wieder auszupacken? War doch nicht alles schlecht damals. Die Möglichkeiten einer „Wirklichkeits-Renovierung“ vermehren sich deutlich, wenn man endlich mal mit den „Fake News“ aufräumt, dass die Erde eine Kugel ist. Sie ist eine flache Scheibe, genau wie das Denken Donald Trumps!

Frühere Problembewältigungsstrategien hatten nämlich durchaus ihren Charme. Denken wir an Hexenverbrennungen! Nachdem genug Hexen verbrannt waren, kam die Hexerei in Mitteleuropa praktisch zum Erliegen! Hexen erkannte man übrigens daran, dass die Damen unerhörter Weise des Lesens und Schreibens mächtig waren. Ein Verdacht, von dem wir Trump nach seinem berüchtigten „Covfefe“-Tweet befreien können.

Es gibt allerdings eine Gefahr für den amerikanischen Präsidenten, doch noch der Hexerei überführt zu werden und auf dem Scheiterhaufen zu enden: Er ist ein Alchimist! Obwohl er fast nur Steaks isst und 2007 sogar eine eigene (schnell bankrotte) Steak-Kette gründete, vollzieht sich in ihm die Magie, dass zu viel Rinderblut im Hirn einen Mann nicht nur in einen blöden Ochsen sondern auch in ein dummes Schwein verwandelt!

Warum der weiße Hai siegt!

Der Weiße Hai ist eine Bestie! Er tötet jedes Jahr etwa 4 Menschen. Damit liegt er, was die Tödlichkeit von Tieren für Menschen angeht, allerdings auf einem der hinteren Plätze. Der Mensch hingegen tötet jährlich etwa 100 Millionen Haie – man könnte sagen: Es gäbe durchaus noch Revanche-Potential für den Weißen Hai.

Einer wollte dem Weißen Hai jetzt diese Revanche gönnen: Michael Phelps. In einem viel beachteten Discovery Channel Special lieferte sich der Goldmedaillengewinner ein Schwimm-Duell mit einem weißen Hai. Also fast. Denn trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen war der Hai nicht echt, sondern nur eine Computersimulation. Phelps-Fans fragen sich enttäuscht, warum eine Computersimulation so aufwändig gesichert werden muss. Windows-Nutzer allerdings wissen – wer nicht aufwändig sichert, dessen Computer-Simulation geht baden.

Peinlicherweise verlor Herr Phelps sogar gegen den simulierten Hai. Da stellt sich natürlich die Frage: Hätte der Sender das nicht auch anders programmieren können? Was hat Michael Phelps dem Discovery-Programmierer angetan – oder dessen Frau? Oder verhielt es sich in Wirklichkeit anders: Der Programmierer hatte den Fisch eigentlich langsamer programmiert, doch dann verfolgte eine Simulation von Chuck Norris den Weißen Hai…

Es ist deprimierend – überall verliert der Mensch gegen den Computer: Im Schach-Duell, im Go-Duell, jetzt auch noch im Weißer-Hai-Simulations-Duell. Wenn das so weitergeht, hängt das eigene IPhone einen bald auf der Straße ab!

Vielleicht sollte der Discovery-Channel Goldmedaillen-Held Phelps gegen ein etwas langsameres, aber für den Menschen tödlicheres Tier anschwimmen lassen: Die Kuh. Kühe töten allein in den USA jedes Jahr etwa 20 Menschen! Michael Phelps krault gegen einen wildgewordenen Stier – wie wär’s? Aber der Olympiasieger soll schon abgelehnt haben: Lieber gegen einen Weißen Hai als gegen Donald Trump!

Warum Nachhaltigkeit nicht nachhaltig ist!

Neuerdings ist ja alles „nachhaltig“. Nachhaltig kommt ja von Nach-Hall-Tick. Ein passendes Motto, mit dem unsere Zivilisation demnächst verhallt. Ein Nach-Hall wie eine längst erloschene Sonne, die immer noch am Himmel zu sehen ist, weil das Licht zu lange unterwegs ist. „Sie hatten halt einen Nach-Hall-Tick, diese Homo Sapiens“, werden die Kakerlaken oder strahlungsresistenten Bakterien sagen, die sich dann zu einer höheren Lebensform entwickelt haben. Symptomatisch dafür ist der „nachhaltige Smoothie“, vom „Profi-Smoothie-Power-Mixer-Blender-Icecrusher“ vorverdaut, mit wertvollen Vitaminen direkt aus frischen Erdbeeren – im Dezember. Denn wir wollen alles immer sofort haben. Erdbeeren im Winter, Grünkohl im Sommer und Spargel das ganze Jahr. Am besten „nachhaltig“.

Im Namen dieser Nachhaltigkeit wurden in Bangladesch wertvolle Süßwasserdeltas, Reis- und Gemüsefelder sowie Mangroven-Wälder zerstört, wodurch Hunderttausende ihre Lebensgrundlage verloren – nur um in Salzwasserbecken Shrimps zu züchten. Zur „nachhaltigen Reduktion des Hungers “. Gut, das war erfolgreich – es reduzierte über günstige Krabbenchips den „kleinen Hunger zwischendurch“ übergewichtiger Erst-Weltler, die so ein Zeichen gegen die Überfischung der Meere setzen wollten. Wir sind wie ein Alkoholiker, der versichert, dass er jetzt mit dem Schnaps aufhöre – er trinke nur noch Likör…

Greenwashing nennt sich diese Strategie, in der Atomkonzerne mit dem 0,01 Prozent Sonnenenergie werben, den sie produzieren. Alles wird „grün“. Grüne Kleidungsstücke – quasi homöopathische Klamotten, die nur mit ganz wenig Kinderarbeit hergestellt wurden…

Die Bevölkerung, die wegen aggressiv umgesetzter Palm-Öl-Plantagen obdachlos wird, macht sich dann gern mal auf den langen Marsch in die reichen Länder – wenn wir Probleme mit Flüchtlingen haben, könnte es auch an dem schönen Geländewagen liegen, der nur mit Bio-Sprit betankt wird – und am Bio-Erdbeer-Grünkohl-Smoothie!

 

Wie wir den Diesel retten!

Heute steigt der große Diesel-Gipfel, leider nicht wie in „das ist doch der Gipfel“ sondern vermutlich bloß mit einem windigen Update. Dabei wäre eine Lösung so einfach. Das große Problem der Diesel-Schwindler heißt nämlich „AdBlue“, eine Harnstofflösung, die in den Abgasstrom gespritzt wird und dort das Stickoxid neutralisiert. Problem: Die Tanks wurden zu klein gebaut, um mehr Platz für andere Dinge zu haben. Größere Tanks für Diesel etwa. Oder größere Motoren. Oder irgendetwas anderes Größeres, damit Papi seine CEO-Selbstwert-Neurose mit einem teuren Phallus-Ersatz übertünchen kann. Sinnvolle Dinge also.

Wäre die Einspritzung auf einem gesundheitsverträglichen Level erfolgt, hätte der AdBLue-Tank nie bis zum nächsten Inspektionsintervall ausgereicht. Da man den teuren Kunden aber nicht zumuten wollte, ständig AdBlue nachzufüllen, entwickelte man die vielzitierte Software, welche die Einspritzung im Straßenverkehr senkt und nur unter Testbedingungen optimal läuft.

Was ist zu tun? AdBlue ist wie gesagt eine Harnstoff-Lösung. So was gibt’s ja auch in der Natur. Da ist also Eigeninitiative gefragt… Das wäre doch mal eine tolle Auto-Kampagne: „Pinkel die Luft sauber – Audi!“ Mercedes produziert statt der A-Klasse die A-A-Klasse! Und VW wirbt mit „Mach es wie ein Touareg – die erste Eigen-Urin-Kur fürs Klima!“ An den Tankstellen gibt es neben den Zapfsäulen kleine transportable Paravents, hinter denen man den AdBlue-Tank selbst mit Harnstoff befüllt, optimales Recycling betreibt und nebenher die 50 Abzocker-Cents für die Toilette spart. Sicher wird diese Art der Betankung für die Damenwelt nicht ganz so problemlos sein, aber welcher Bauarbeiter wird widerstehen, wenn eine Lady sagt: „Würden Sie mal kurz Ihr Ding in meinen Tank hängen?“ – auch wenn es sich nur um einen „Polo“ handelt. Oder heißt der bald nicht mehr Polo – sondern „VW-Tourin“…?

 

Wie wir unsere Wirtschaft retten!

Eine kleine Clique gestörter machthungriger Gierhälse ruiniert gerade ein ganzes Land – diesmal ist die Rede nicht von Venezuela, sondern von Deutschland. Einige der Auto-Kartell-Konzerne haben schon Selbstanzeige gestellt, allen voran Mercedes, gefolgt von VW. „Singen“ nennt man das im organisierten Verbrechen und wenn das so weitergeht, haben sie bald einen ganzen Chor beisammen. Vielleicht nicht die Fischer-Chöre, aber zumindest die „Diesel-Chöre“!

Mit dabei als verstimmter Bariton: Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Jahrelang hat die Politik weggeschaut und die großen gierigen Kinder aus den Managementetagen spielen lassen, jetzt haben wir die Kakophonie. Nun wird auch noch der Porsche Cayenne verboten. Damit ist das Leid direkt in den reichen Vororten angekommen, viele Manager können nicht mehr zur Arbeit, weil das Auto verboten ist. Bald werden wir Villen-Kinder mit Hunger-Wasserbäuchen sehen, weil Mutti nicht mehr zum Edeka kann.

Dummerweise kann die Krise der Autokonzerne uns alle schwer treffen und zu Massenentlassungen und Börsenabstürzen führen. Ich schlage daher ein Rettungspaket für Deutschland vor: Die schuldigen Manager und Vertriebs-Fuzzis werden per Gesetz verpflichtet, all ihr Vermögen in Aktien ihres jeweiligen Auto-Konzerns zu investieren. Wir, das Volk, pfänden diese Aktien und verkaufen sie zum aktuellen Kurs. Dann warten wir, bis der Kurs ins Bodenlose fällt, kaufen sie zum Schnäppchenpreis zurück, geben den Managern ihre wertlosen Aktien wieder und behalten den Profit. Man nennt das einen „Leerverkauf“ – genau wie das Verhökern des Hirnes eines Vertriebs-Fuzzis… Schaffen die Konzerne es, wieder profitabel zu werden und die Aktien steigen, könnten die Manager sogar einen Gewinn machen. Wir als Volk sind dann zwar etwas im Minus, behalten dafür aber unsere Arbeitsplätze inklusive Wirtschaftsboom. Fairer Deal für alle Seiten!

Warum Autos den Euro retten!

Was haben deutsche Autobosse und 12jährige völlig unmusikalische Violine-Schüler gemeinsam? Sie haben allesamt komplett vergeigt! Jahrzehntelang sonnten sie sich in scheinbarer Unbesiegbarkeit (die Autobosse, nicht die Violine-Schüler!) und verschliefen so ziemlich jede zukunftsweisende technologische Neuerung. Sie lebten von vergangenem Glanz. Ähnlich wie Kaiser Wilhelm, der Anfang des 20. Jahrhundert das Auto für „eine vorübergehende Erscheinung“ hielt. Die Autobosse hielten den E-Motor für eine vorübergehende Erscheinung und setzten auf das Pferd – oder Diesel, wie sie die vorgestrige Technologie nannten.

Wilhelm verlor sein Reich – der deutschen Autoindustrie könnte es ähnlich gehen. Ärgerlicherweise ist die deutsche Autoindustrie ein Kernstück der hiesigen Wirtschaft. Der Gier einiger Manager-Nieten und Vertriebs-Fuzzis ist es also zu verdanken, wenn Tausende Jobs Unschuldiger flöten gehen, Pensionen und Kleinanleger versenkt werden und die Marke „Made in Germany“ gleich mit. Jahrelange Kartell-Absprachen? Wer hätte je gedacht, dass ausgerechnet die deutsche Auto-Industrie zu sozialistischer Planwirtschaft findet!

Der Exportweltmeister erledigt sich gerade selbst. Das Schöne daran: Dann können wir in ein paar Jahren mal die Griechen um Wirtschaftshilfen anbetteln und gucken, wie geil man sich fühlt, wenn auf einmal ein griechisches BILD-Pendant die „Pleite-Deutschen“ verunglimpft. Ironischerweise könnte gerade das den Euro retten – Europa findet nach dem deutschen Abgang zu einer einheitlichen „Armuts-Struktur“.

Der Sieger der Affäre? Donald Trump, der deutsche Autobauer und unsere Außenhandelsbilanz schon länger kritisiert! Vielleicht sollte der amerikanische Kongress nicht nur die Kontakte Donald Trumps zu den Russen überprüfen. Sondern auch mal die zur deutschen Auto-Industrie…

Warum die Bahn Teil einer Verschwörung ist!

Neulich war ich, wie so oft, im Zug unterwegs. Der Zug hatte, wie so oft, Verspätung. Eine halbe Stunde. Meine Laune war etwas gedrückt. Wie ein Sonnenstrahl durchs Gewölk durchbrach plötzlich eine Ansage meine trüben Gedanken: „Meine Damen und Herren, wir haben zurzeit eine Verspätung von einer halben Stunde. Wir nehmen jetzt allerdings den direkten Weg von Würzburg nach Nürnberg und werden Nürnberg pünktlich erreichen!“ Erst dachte ich: „Toll!“ Und dann: „Moment mal, heißt das, dass sie normalerweise nicht den direkten Weg nehmen? Fährt die Bahn etwa extra Kurven, um höhere Preise nehmen zu können? Und um den Eindruck zu erwecken, Deutschland sei größer als es tatsächlich ist?“

Dann kam ich ins Grübeln. Denn ich hatte schon häufiger in Verkehrsmitteln merkwürdige Ansagen gehört. Vor einiger Zeit hieß es im Flieger: „Bitte entschuldigen Sie die Verspätung von einer Stunde. Wir geben jetzt aber Gas und werden pünktlich landen!“ Da schoss mir der Gedanke ins Hirn: „Fliegen sie normalerweise denn nicht mit Vollgas? Ist das nicht der Grund, weshalb man fliegt – damit man so schnell wie möglich ans Ziel kommt? Und nicht, um im Schneckentempo über den Wolken zu dümpeln!“

So werden Verschwörungstheorien geboren. Vielleicht ist dieser Planet gar nicht so groß, wie immer getan wird. Vielleicht werden wir mit halber Geschwindigkeit auf lange Umwege gelockt, damit wir den Eindruck erhalten, winzige Bestandteile eines riesigen Universums zu sein, welches in Wirklichkeit aber nur die Größe einer Damenhandtasche hat?… Als ich neulich bei Sturm in Charlottenburg fiese zur Seite geweht wurde, nahm ich zeitgleich aus dem Augenwinkel eine dunkle Wolke wie einen Finger über dem Fernsehturm wahr. Da hatte ich plötzich eine Eingebung: Jetzt sucht jemand in der Damenhandtasche des Universums den Lippenstift…

Warum wir mehr Rettungsgassen brauchen!

Es ist noch nicht lange her, da gab es einen sehr schlimmen Busunfall. Rettungsfahrzeuge wurden durch Autofahrer behindert, die keine gute Rettungsgasse bildeten. Seitdem wird überall verbreitet, wie eine Rettungsgasse geht – und das ist gut so. Denn auch ich war mir nicht wirklich sicher, wie eine Rettungsgasse funktioniert. Als nicht so wahnsinnig-viel-Autofahrer komme ich nur selten in den zweifelhaften Genuss, eine Rettungsgasse bilden zu müssen.

Ich hatte, um ehrlich zu sein, „Rettungsgassen“ bisher sogar gar nicht mal notwendigerweise auf der Straße verortet. Denn – Hand aufs Herz – brauchen wir nicht generell viel mehr Rettungsgassen im Leben? Neulich war ich auf einer sehr, sehr langweiligen Grill-Party mit sehr, sehr langweiligen Gesprächen, wo ich aber aus „Anstandsgründen“ nicht weg konnte – wo war da die Rettungsgasse? Etwa ein plötzlicher Regenguss, der die traurige Veranstaltung vorzeitig beendete? Oder ein Blitz, der den Gartengrill in Brand setzt? Nichts! Schon mal bemerkt, dass Autofahrer nicht die einzigen sind, die keine Rettungsgassen bilden können?

Oder diese peinlich verlaufenden Geschäftsgespräche, in denen sich auf einmal rausstellt, dass die eigene neue Verlobte zeitgleich Gattin des Gesprächspartners ist, der überdies Syphilis hat – wo bleibt da die Rettungsgasse, also die rettende Öffnung im Erdboden, die einen verschlingt und in Australien wieder ausspuckt?

Vor einiger Zeit erlitt ich eine Nahtoderfahrung, in welcher der Druck eines Atomreaktorkerns auf meiner Blase lastete, während ich gefühlte Jahrhunderte vor einer verschlossenen Klotür wartete. Als die plötzlich aufging und der Weg frei wurde – da fungierte die „Rettungsgasse“ zeitgleich als Nierenklinik!

Neulich traf ich eine Bekannte mit einem jungen, gutaussehenden Mann. Oh, sagte ich zur ihr: neuer Geliebter? Gewissermaßen, sagte sie. Eigentlich nur die „Rettungsgasse aus meiner Ehe“!

Warum wir jetzt die Alternative zu Grab tragen!

In den 80gern hörten wird das Wort „Alternative“ zum ersten Mal. Es war jung, es war grün, es war voller Latzhosen und junger Kommune-Mitglieder, die sich andauernd umarmten, um bei alternativer Liebe alternative Müsli-Riegel zu knabbern. Dann zog die etwas erwachsenere Alternative mit Turnschuhen und Jackett in die Landestage ein. Das war gewöhnungsbedürftig. Aber immer noch alternativ!

Allmählich wollte die Alternative derart etabliert sein, dass sogar die Alternativen das Alternative ächteten und sich fortan nur noch „die Grünen“ nannten. Wenig später kam Angela Merkel und „alternativlos“. Das war verstörend – wer ist schon gern die Alternative los? Frustriert schlich die Alternative in den Untergrund. Dort muss irgendeine Traumatisierung passiert sein, denn auf einmal war sie wieder da, aber völlig entstellt. Zombie-artig wandelt sie fortan durch das Land und nennt sich „Alternative für Deutschland“.

Nur dass diese Alternative natürlich keine echte Alternative ist, sondern aus lauter Rezepten besteht, die schon vor 100 Jahren nicht funktionierten. Wie ein Untoter, der immer noch die Gesellschaft Lebender sucht, wendet sich diese entstellte Alternative an alte Wegbegleiter und wirbt mit Kiffern, die sich über marokkanische Dealer beschweren. Oder Indianern, die angeblich auch AfD gewählt hätten – was natürlich Quatsch ist, denn die sind ja als Ausländer total unerwünscht.

Den Tiefpunkt aber erreichte die Alternative, seit der amerikanische Präsident in eine Welt „alternativer Fakten“ abdriftete. Jetzt tun sich überall „Alternativen“ auf. Bald ist ein Tofu-Burger „Alternative für Fleisch“, Bankraub „Alternative für Hartz IV“ und eine Nonne „Alternative für Sex“! Die Alternative ist tot. Sollte die AfD abstürzen, inkarniert sie bald wieder in neuer Verkleidung: Neue Soziale Deutsche Alternativ-Partei – NSDAP…

Warum wir alle in die Radar-Falle rasseln!

Wen berührt man häufiger: PartnerIn – oder Smartphone? Letzteres! Der Partner weiß Dinge nicht so genau, beziffert etwa die Distanz Berlin-München mit: Circa fünf bis sechs Stunden, je nach Verkehr. Das Smartphone sagt: 5 Stunden,24 Minuten, davon 12 Minuten Stau.

Eine meiner Lieblings Apps ist der Regen-Radar. Der zeigt auf der Landkarte Regenwolken, wie sie sich auf den eigenen Standort zu bewegen und dann auch wieder abziehen. Man sieht also, wann es wo wie lange regnet. Sehr nützlich, wenn man trocken bleiben möchte.

Radar-Apps boomen. Ein Radar-Radar existiert bereits – der zeigt Blitzer an. Ein Fahrkarten-Kontrolleurs-Radar hätte bei Schwarzfahrern sicher reißenden Absatz. Wie wäre es mit einer Paarungs-Radar-App, die nicht nur mögliche Singles in der Umgebung anzeigt, sondern bei Frauen auch den Grad der partnerschaftlichen Verzweiflung, welcher die Ansprüche sinken lässt? Bei Männern muss Paarungsbereitschaft nicht gesondert angezeigt werden – die ist eh meist auf 180 Grad, also bereit für die Horizontale! Für Frauen müsste es also eine App geben, die auf einer Karte die Männer anzeigt, die einfühlsam, intelligent, humorvoll, gutaussehend und Single sind. Und der eine Typ, der dann da angezeigt wird, ist mit Sicherheit irgendwo weit weg und umgeben von den ganzen gutaussehenden, verzweifelten, paarungswilligen Frauen von der anderen App…

Leider lügen Apps auch. Der Navi dehnt die Fahrzeit beliebig aus, so dass man Ende auf 6 Stunden und 13 Minuten nach München kommt. Also circa fünf bis sechs Stunden, je nach Verkehr. Nicht auszudenken, wie viele Scheidungen lügende Apps provozieren… Neulich saß ich mit meinem Bruder auf dem Balkon. „Es regnet“, sage ich. Er guckt auf seinen Regen-Radar: „Kann nicht sein, es wird kein Regen angezeigt!“ „Ich werde aber grade sehr nass,“ sage ich. „Ja,“ meint er, „aber Regen kann das nicht sein.“ „Sondern?“ „Wasser von oben!“

Warum jetzt so gelärmt wird!

„Viel Lärm um nichts“, heißt eines meiner Lieblingsstücke von Shakespeare. Darin geht es unter anderem um die Verwechslung von Schein und Sein. Zurzeit erleben wir eine grandiose Neu-Inszenierung dieses Klassikers mit Laien-Darstellern in Hamburg. Es nennt sich zwar „G20-Gipfel“, aber der eigentliche Name des Stückes dürfte allen klar sein.

Das Ungewöhnliche an der Hamburger Inszenierung: Eine ganze Stadt muss mitmachen! Zur Erhöhung der Dramatik werden ganze Heere schwarz gekleideter Autonomer in die Stadt gebracht. Diese fühlen sich naturgemäß zu Autos hingezogen, welche sie gern mal abfackeln. Das macht Sinn, denn das griechische Wort „autonom“ heißt so viel wie „selbst stehend“, während „Automobil“ ja „selbst bewegend“ heißt. Und man kann natürlich viel ruhiger selbst stehen, wenn man sich nicht ständig selbst bewegt… Außerdem wird auf diese Weise der Verkauf von Neuwagen sowie Teilkasko-Versicherungen befördert, so dass man auch mal gucken sollte, ob hinter der Vermummung nicht ein Logo von „Audi“ oder „HUK Coburg“ lauert…

Einige der Sprechrollen haben zwar in etwa die geistige Reife von ADS-geplagten Kita-Kindern, machen das aber durch ihren energetischen Stil mehr als wett. Zwei der gesetzten Schurken, Putin und Trump, schwänzen in einem Akt präpubertärer Rebellion sogar den „Klima-Talk“ nach dem Motto: gegen Warmes Klima hilft am besten ein Kalter Krieg! Kritiker bemängeln, dass in dieser Inszenierung der Komödie der Humor etwas zu kurz kommt – geben aber zu, dass es immer noch lustiger ist als Atomkrieg mit Nordkorea! Als Finale gibt es ein Gruppenfoto, auf dem alle lächelnd sagen: „Schön, dass wir miteinander geredet haben!“

In der Politik wird gern gemeckert, dass Kultur so teuer ist. Aber mal ganz ehrlich: Teurer als die Politik (Kosten G20: mindestens 150 Millionen Euro) hat „Viel Lärm um nichts“ noch nie jemand inszeniert!