Warum wir nicht integriert sind!

Ein Wort allein sagt nix. Ein Bild, heißt es gern, sagt mehr als tausend Worte, nämlich mindestens 1001 mal nix. Das trifft auch auf das „Özil-Gündogan-Erdogan-Foto“ zu. Es erhält erst durch unterschiedliche Interpretation seine Bedeutung: Ein Erdo-Fan sieht drei Top-Türken mit Fußballbegeisterung, ein AfD-Wähler zwei Landesverräter mit einem Despoten, und ein Außerirdischer sähe zwei Hominiden mit so einem komischen hässlichen Ding in der Mitte.

Daraus jetzt eine große Debatte um das Scheitern von Integration abzuleiten ist in etwa so überzogen ist wie eine Hochstilisierung von Angela Merkel zur Mode-Ikone. Im Klartext: Özil ist herausragend integriert. Er spricht mindestens drei Sprachen fließend, verdient sein eigenes Geld, liegt den Krankenkassen nicht auf der Tasche und kann genauso bockig sein wie die meisten Deutschen.

Was wir hier viel eher sehen ist das Scheitern der menschlichen Fähigkeit, Gegensätze auszuhalten. Die kann man durch die Aufnahme des Wortes „und“ in den Sprachschatz trainieren. „Und“ wie in: Mesut Özil ist Deutscher UND er fühlt sich der Türkei verbunden. Er spielt geilen Fußball UND hat das PR-Talent eines deutschen Dieselmanagers.

Die Nationalmannschaft wiederum ist einerseits „die Deutschen“ UND andererseits eine Ansammlung kickender Ich-AG-Millionäre, für die die WM eine Art „Aktiv-Bewerbungs-Messe“ für noch höher dotierte Posten ist. Özils Rücktritt ist ein trauriges Signal für Jugendliche mit Migrationshintergrund UND die folgerichtige Geschäfts-Entscheidung, diesen Kindergarten zu verlassen. Der Özil kritisierende Hoeneß („ Mesut hat den größten Dreck gespielt“) hat ein Recht auf seine Meinung UND verwechselt das Ganze mit seinen Steuersünden (da hat ja auch jemand den größten Dreck…) Rassistische Fußball-Fans sind einerseits bekloppt UND andererseits total bescheuert.

UND baut Brücken. ODER zieht Zäune. Wir haben die Wahl!