Warum wir uns nicht mehr verständigen können!

Es gibt drei Worte, die ich in letzter Zeit viel zu selten höre Es sind die drei großen heiligen Worte der Menschheit. Und nein, es sind nicht die Worte, an die Sie jetzt vielleicht denken, also die Worte: „Gott ist groß“, „Dein Wille geschehe“ oder „IPhoneX zum Sonderpreis“.

Ich meine die drei heiligen Worte: „Ich weiß nicht“. In einer Zeit, in der scheinbar immer mehr Menschen genau wissen, wie der Hase läuft und was zu geschehen hat, würde es mir wirklich helfen, wenn ein Politiker oder ein Wirtschaftsboss einfach mal sagt: „Ich weiß nicht!“ Aber auch in der Konversation mit meinen Mitmenschen vermisse ich diese Worte. Besonders wenn Sätze eingeleitet werden mit einem: „Es dürfte doch mittlerweile auch dem Letzten klar geworden sein, dass…“ oder „Du kannst doch wohl nicht leugnen, dass…“ Denn diese Einleitungen werden gern gefolgt von irgendeinem rechtsdumpfbackigen Quatsch: „dass die Ausländer schuld/kriminell/inkompetent sind“, „dass das Finanzkapital schuld/kriminell/inkompetent ist“, oder „dass das IPhone X schuld/kriminell/inkompetent ist.“ Wobei man letzteres natürlich nicht völlig von der Hand weisen kann.

Wäre es nicht erfrischend, wenn wir uns einfach mal eingestehen, dass wir letztlich nicht wissen, wie das Universum beschaffen ist? Und sicher gibt es Fragen, auf die man lieber kein „ich weiß nicht“ als Antwort haben möchte. Etwa die Frage: „Liebst du mich?“ Oder: „Werden Sie in der Lage sein, meine Rechnung zu bezahlen?“ Und am allerwenigsten: „Mama, ist Papa wirklich mein Papa?“ Aber schon Sokrates wusste: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Dieses Wissen ist leider seit der Antike weitgehend verlorengegangen. Dabei wussten schon die alten Zen-Mönche: „Nichtwissen ist das Intimste!“ Die hohe Scheidungsrate kann auch eine Konsequenz aus der Tatsache sein, dass viele Paare diesen Grad der Intimität nicht erreichen…!