Warum die Dampfer unter uns sind!

Der Raucher schien besiegt. Brutal vertrieben durch das Rauchverbot in Kneipen sah man ihn einst noch unter Heizpilzen in kleinen Rudeln gedrängt vor Gaststätten stehen – wie eine Herde kiffender Moschusochsen im Exil. Dann wurden auch die Heizpilze verboten. Immer seltener sah man den putzigen Gesell – er traf sich jetzt fast nur noch in geheimen „Einraumkneipen“-Zirkeln, in deren nikotingeschwängerter Rauschschwaden-Dichte Sauerstoff zu einer verfolgten Minderheit mutierte. Das erschwerte die Chancen des Rauchers auf dem Paarungsmarkt – immer weniger Menschen wollten mit einem kalten Aschenbecher an ihrer Seite aufwachen. Die UNO überlegte bereits, den Raucher auf die Liste bedrohter Tierarten zu setzen.

Doch die Lage hat sich geändert. „Guck mal“, sagt ein Freund neulich, „schon wieder ein Dampfer“. Ich überlege kurz, ob ich mir Sorgen um seinen Geisteszustand machen muss – immerhin sind wir mitten in der Stadt, weit weg von einer schiffbaren Wasserstraße. Als ich von einer Dampf-Wolke umhüllt werde, bemerke ich meinen Irrtum. Denn der Raucher ist wieder da – nur eben nicht mehr als Raucher, sondern als „Dampfer“.

Der Dampfer – verachtet von „echten Rauchern“, die in ihm nur ein Weichei sehen, der sich einem aufrechten Lungentod nicht stellen möchte. Belächelt vom Nichtraucher beim Nuckeln an seiner Maschine – ein Grenzgänger zwischen den Welten. Da hilft es ihm wenig, wenn er von den vielen Aromen schwärmt, die er neuerdings dampft: „Kirsch-Limone mit etwas Johannisbeere im Abgang“ – er klingt manchmal wie ein Wein-Connaisseur auf Steroiden, der von einem LSD-Flashback nicht zurückgekehrt ist.

Aber eins muss man ihm lassen: Er stinkt nicht mehr! Und außerdem: Auch unter Kannibalen gibt es einen neuen Trend, wie sich neulich auf Papua-Neuguinea zeigte, als der kleine Kannibalenjunge auf den Kochtopf zeigte und rief: „Papa – der Mann dampft ja!“ „Richtig, mein Sohn – das weiß doch jeder: gedämpftes Essen ist viel gehaltvoller!“