Warum die SPD die FDP verklagen sollte!

„Plötzlich Prinzessin“ – so müssen sich Saskia Eskens und Jens-Walter Borjans fühlen nach ihrer überraschenden Wahl zur SPD-Spitze. Obwohl es ein ziemlich schäbiges Königreich ist, das sie erben. Vielleicht fühlen sie sich auch eher wie Islamisten, die eigentlich keine Lust auf den Märtyrertod haben, aber aus Versehen das kürzeste Streichholz zogen…

Denn die Lage ist alles andere als rosig. Nach Jahren der CDU-Ehe ist die SPD wie eine sensible, warmherzige Gattin, deren Verdienste permanent von ihrem übermächtigen Mann für sich reklamiert werden. Bastelt sie was für die Kinder, sagt er: „Meine Idee“, backt sie einen Kuchen, meint er: „Mein Rezept.“

Jetzt möchte sie eigentlich die Scheidung, ist sich aber nicht sicher, ob sie damit nicht völlig leer ausgeht, weil die „Zugewinn-Gemeinschaft“ eher mager ausfiel. Von der letzten Partei, die die Regierungsverantwortung mit markigen Worten ablehnte, hört man schließlich auch nicht gerade viel dieser Tage. Dabei ist die FDP ja eigentlich verantwortlich für die Misere der SPD. Denn die Sozis hatten sich die Legislaturperiode ursprünglich echt cool vorgestellt: Ruhige Kugel schieben in der Opposition, „Phoenix aus der Asche“ machen, in Ruhe die FDP und die Grünen in einer Junior-Ehe mit Merkel scheitern sehen, nächste Kanzlerin stellen… so in der Art. Aber dann „lindnerte“ die FDP die Koalitionsverhandlungen und zack, schon klappte die Regierungsfalle wieder zu. Warum stellt die SPD eigentlich keine Regressforderungen an Lindner für entgangene Einnahmen durch Mitgliederschwund?

Esken und Borjans sind nicht zu beneiden. Tanzen sie doch auf einem Vulkan, in dem auf der einen Seite heiße Lava brodelt und auf der anderen Seite ein steiler Abgrund lauert. Die große Herausforderung heißt jetzt, die Selbstmordweste wie ein modisches Accessoire zu tragen und heimlich den Sprengstoff zu entfernen. Denn bei allem Spott: den Kuchen der SPD könnte dieses Land noch mal dringend brauchen.