Warum Erregung auch nicht immer das Gelbe vom Ei ist!

Erregung! Zweifelsohne eine schöne Sache, ohne die die meisten von uns sicherlich nicht hier wären. Erregung ist gewissermaßen das Salz in der Suppe des Lebens. Leider ist die Suppe mittlerweile gründlich versalzen. Denn mittlerweile sind wir permanent erregt. „Wie bitte?! Ja, geht’s denn noch?“ könnte die erregte Überschrift unseres Lebens lauten. Überall Gefahr! Wir sind nirgends mehr sicher. Wohin kann man im Urlaub denn überhaupt noch fahren? Ins Ausland schon mal gar nicht. Asien – Igitt! Doch auch Sachsen-Anhalt kann gefährlich werden, wenn man zu gebräunt (nur Hautfarbe, keine Sorge…) daherkommt. Ja, geht’s denn noch?

Wir können auch nix mehr essen. Ostereier? Tödlich – entweder wegen Zucker (Schoko-Eier) oder wegen Cholesterin (Hühnereier). Selbst Avocados, lange das Eldorado aller Veganer, sind zutiefst umweltfeindlich. Wie bitte?! Ja, Veganer sorgen für Abholzung tropischer Regenwälder in Avocado-Anbaugebieten und haben eine Klima-Bilanz, die fast an die von Steak-Lovern heranreicht, welche natürlich durch ihr fleisch-fressendes Raubtierverhalten dem Planeten den letzten Sargnagel eintreiben.

Natürlich geht die Erregung auch andersrum: „Wie haben wir nur früher überlebt, in Autos ohne Sicherheitsgurts und Airbags?“ lautet eine Zeile aus einem gern weiter geleiteten Internet-Text, der die Segnungen einer Kindheit in den 60gern oder 70gern glorifiziert – die traurige Wahrheit ist natürlich: Viele von uns haben genau deshalb nicht überlebt (1970 kamen über 20.000 Menschen auf (west)deutschen Straßen um, heute sind es etwa 3000).

Vielleicht muss die permanente Erregung in homöopathischen Dosen ausgeschlichen werden. Als erstes schenkt man sich das Kürzel OMG (oh my God), dann den Satz „ja, geht’s denn noch?!“, schließlich wird auch das „Wie bitte?!“ in all seinen Varianten eliminiert. Wer beim Schauen eines Boulevard-Magazin wohltuende Langeweile empfindet, gilt als geheilt und darf wieder am Straßenverkehr teilnehmen.