Warum Greta Thunberg die Deutsche Bahn liebt!

Da fährt sie einmal Deutsche Bahn – und schon geht das Desaster los. Greta Thunberg postete ein Bild von sich, zwischen Gepäck auf dem Boden sitzend, mit der Unterzeile: „In überfüllten Zügen durch Deutschland“ – was die Bahn zum Anlass nahm, leicht beleidigt nachzufragen, warum sie nicht auch erwähnte, dass sie einen Teil der Strecke (den kleineren übrigens) in der ersten Klasse saß. Besser kann man eine Klima-Aktivistin nicht „enttarnen“, gewisse Zeitungen fragten bereits nach, wie „echt“ Greta sei. Für ein Unternehmen mit „Umweltschutz“ auf der Vermarktungsfahne ist das ein Kommunikations-Eigentor wie selbst Christoph Kramer es nicht schöner hätte schießen können. Ein PR-GAU fast schon in einer Liga mit Harvey Weinstein, der gerade anmerkte, dass wohl niemand soviel für Frauen im Film getan habe wie er und dabei leider zu erwähnen vergaß, dass es fast immer darum ging, die Besetzungscouch nicht erkalten zu lassen…

Dabei hätte die Bahn die Flanke so gut verwandeln können. Schließlich hat sie in unserer hektischen Zeit viele Vorteile. Wo sonst kann man analoge Ruhe genießen – schon weil es kein Handy-Netz gibt? Wo sonst schreien Menschen „Ich hab kein Netz“ – als ob sie diesen Umstand durch gesteigerte Lautstärke überbrücken könnten und diese Information dem Gesprächspartner in irgendeiner Form hülfe. Wo sonst sind sich die unterschiedlichsten Menschen einig, nie wieder Bahn zu fahren? Wo sonst ist die Raum-Zeit-Krümmung und die dadurch bedingte Verzerrung der Zeit physisch erfahrbar?

Warum also twitterte niemand: „Bahn im Transport-Höhenflug. Sogar Greta Thunberg ergatterte einen der begehrten Plätze im Parkett!“? Oder: „Am fliegenden Teppich arbeiten wir noch. Den rollenden Teppich haben wir schon!“ Oder: „Die Bahn. Wir machen Kohle auch ohne Kohle!“ Oder die aktuelle Variante: „Nix los auf dem Klima-Gipfel in Madrid – viel los beim Klima-Express der Deutschen Bahn! Willkommen, Greta!“