Warum wir bald billiger leben!

Die ersten deutschen Lebensversicherungen senken den Garantiezins bei Neuverträgen auf magere 0,5 Prozent. Die Richtung ist eindeutig. Bei einer Inflation von nur 1,5 Prozent verliert man jedes Jahr Geld – viele Lebensversicherungen sind auf lange Sicht „Altersarmuts-Versicherungen“. Wer spart, lebt also verkahrt – oder verkehrt, wenn man auf den schönen Reim verzichtet. Die ersten Volksbanken (Fürstenfeldbruck und Westmünsterland) kündigten zudem bereits Negativzinsen auf Neueinlagen an. Natürlich nennen sie das nicht so. Sondern „Verwahrentgelte“.

Das stellt unser bisheriges Wirtschaftsverständnis auf den Kopf. Niemand will mehr Geld besitzen. Wer den Banken Geld abnimmt, etwa in Form von Krediten, kann bald ebenfalls mit Negativ-Zinsen rechnen. Liegt der bei einem Prozent, muss man für einen Kredit von einer Million nur 990.000 Euro zurückzahlen und darf 10.000 Euro behalten. Wer jeden Monat einen Millionen-Kredit aufnimmt, verdient ohne große Mühe ein fünfstelliges Gehalt!

Setzen „Verwahrentgelte“ sich erst mal durch, hat das auch positive Effekte. Etwa bei Nutzung fremden Wohneigentums. Ist Ihnen etwa die Miete zu teuer, schreiben Sie dem Vermieter einen freundlichen Brief:: „Sehr geehrte(r) Hausbesitzer(in), ich habe Ihr Wohneigentum seit einiger Zeit in sicherer Verwahrung. Aufgrund meiner Nutzung vermeide ich teure Kosten, die sich Ihnen aus Verfallserscheinungen der Immobilie ergeben könnten. Insbesondere Frostschäden sowie Schimmel treten unter meiner Obhut nicht auf. Daher erlaube ich mir, für die Verwahrung Ihres Eigentums ein Verwahrentgelt in Höhe von X (Miete zuzüglich eines Verwaltungsbetrags) zu erheben. Ich verweise auf den „Banking-Verwahrentgelt-Act von 2019“ und verbleibe…“ – wer hätte je gedacht, dass ausgerechnet Banken uns eines Tages helfen würden, Miete zu sparen?