Warum wir Geld so lieben!

Im Prozess um Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen, mit denen Donald Trump angeblich Affären hatte, soll der Präsident seine Steuererklärungen veröffentlichen, was er jetzt vor dem Obersten Gerichtshof verhindern möchte. Warum nur? Will er es verhindern, weil dann rauskommen könnte, dass er seine Affären für die Steuer als „außerordentliche Belastungen“ führte? Oder weil sich zeigen könnte, dass sein Reichtum nur Gerede ist.

Der eigene Reichtum ist häufig sehr eng an das Selbstwertgefühl gekoppelt. Um es mit den Philosophen zu sagen: „Ich habe, also bin ich“. Oder wie ein Gangsta-Rapper es vermutlich umformulieren würde: „Wenn isch mit meiner Kohle knalle, f… isch euch doch alle!“ Deshalb sind wir eigenartig berührt, wenn Geld vernichtet wird. Mitte der 90ger verbrannten zwei britische ehemalige Pop-Stars (die KLF oder K-Formation) eine Million britische Pfund. In 50 Pfund Noten, die sie physisch anzündeten und anschließend den Film darüber als Kunst deklarierten. Das brachte ihnen wütende Kritik ein. „Warum sie das Geld denn nicht gespendet hätten?“ „Sie wollten doch nur ihr riesiges Ego befriedigen!“ Interessanterweise wäre der Vorwurf nicht gemacht worden, wenn sie ihr riesiges Ego mit Nutten und Koks aufpoliert und so das Geld in bester Charlie-Sheen-Manier verbrannt hätten.

Das Argument der Musiker: „Der Geld-Verbrenn-Film ist Kunst. Man sieht ihn an – und er setzt einen inneren Prozess in Gang!“ Dieses Kriterium, dass man etwas ansieht, was einen Prozess in Gang setzt, unterscheidet etwa ein Gemälde oder einen Kunstfilm von vielen langjährigen Beziehungen… Nun ist nicht alles, was man ansieht, und das dann einen inneren Prozess in Gang setzt, auch Kunst. Pornografie etwa. Oder Donald Trump.

Deshalb muss Letzterer ja auch einen äußeren Prozess in Gang setzen. Vor dem Supreme Court. Wenigstens erklärt er sich nicht zum größten Künstler aller Zeiten. Schließlich verbrennt er nicht nur Steuerzahler-Geld, sondern gleich die ganze Welt!