Warum wir jetzt enteignen!

Das Gespenst ist wieder da: Enteignung. Bevor jetzt Panik im Grunewald ausbricht, hektische Ferrari-Hamsterkäufe Blankenese lahmlegen und die Fluchtrouten zu den Cayman Islands überprüft werden, ein Wort der Entwarnung. Enteignung ist völlig normal. Früher, als die Menschen noch viel Zeit hatten, erfanden sie das Spiel „Eigentum“. Allen war natürlich klar, dass es nur ein Spiel war – spätestens im Moment des Todes wird aller Besitz wieder abgegeben. Deshalb heißt es ja auch: „Die Löffel abgeben!“ Das ganze geklaute Silber geht wieder zurück ans Leben. Sogar der Körper wird als Wurmfutter kollektiviert.

Irgendwann aber wurde aus dem Spiel Ernst – und wir alle wissen, wie wenig Spaß es macht, wenn bei „Monopoly“ ein Spielverderber alle anderen abzockt. Das Konzept von „ich“ und „meins“ bohrte seinen Weg in die Köpfe der Menschen. „Mein Haus, mein Auto, mein Partner…“ – wobei Einige Häuser, Autos und Partner nur noch im Plural ertragen. Dummerweise führt die starke Ich-Sucht, die Ego-Manie, dazu, dass Vielen das Wohl nachfolgender Generationen voll am Allerwertesten vorbei geht. Die eigenen Kinder werden durch den Ernst des Spiels „Eigentum“ zu „Bauernopfern“. Die „Harakirökonomie“ des Besitzes ist dabei, uns auszulöschen.

Meine Mutter kannte einen alten Spruch, um uns Kindern vom Herd fernzuhalten: „Messer, Schere, Feuer, Licht – sind für kleine Kinder nicht!“ Vielleicht sollte man ihn für Mutter Erde umformulieren: „CO2-Schleudern, Waffen, Immobilien-Schwergewicht – sind für Egomanen nicht.“ Denn es ist ja nicht wirklich sicher, dass nach einer Enteignung das „Kollektiv“ bessere Managemententscheidungen fällt als BMW. Solange im Kollektiv die gleichen Egomanen rumtuten. Dringender als Enteignung ist eine „Ent-Egomanisierung“ – oder kurz gesagt: Spielverderber raus! Bevor der große sozialistische Diktator des Lebens, der Tod, uns alle enteignet.