Warum wir nicht „in die Lucke“ stoßen sollten!

„Nimm ein Kissen!“ hieß es früher in Therapiesitzungen, wenn Emotionen hochkochten. Dann nahm man ein Kissen, schrie es an und verprügelte es nach Strich und Faden. Sicherlich war das unfair dem Kissen gegenüber, aber Kissen haben nun mal keine Lobby. Richtig ausgedrückte Wut ist extrem wichtig, doch leider wird sie häufig falsch ausgedrückt. So wurde die Vorlesung von Bernd Lucke, dem Mit-Begründer der AfD, der sich mittlerweile von der Partei distanziert hat, in Hamburg von linken Antifa-Aktivisten gestört. In entscheidenden Momenten sammelt die radikale Linke leider keine Punkte – sie ist der „BVB Dortmund“ der Politik. Was nicht heißen soll, dass die Rechte der FC Bayern ist – nicht jeder Vergleich, der hinkt, ist auch ein Goebbels…!

Bei Rechten erwartet man schlechtes Betragen – bei Linken gibt es höhere Erwartungen. Aber am jeweiligen Ende des politischen Spektrums regiert gerne mal der Wahnsinn. Man kann das auch positiv sehen: Links sein war bereits in den Siebzigern und Achtzigern der alten Bundesrepublik extrem emanzipiert. Es gab permanent „Zickenkrieg für Männer“. Wenn du der Ansicht warst, dass Marx zum Frühstück lieber Wurst als Käse aß, musstest du sofort eine eigene Partei aufmachen: die KPD/WL (Wurstliebhaber).

Dabei ist es ja grade die fehlende Dialogfähigkeit, die diese Zeit so unglücklich macht. Was spricht dagegen, Rechten einfach mal zuzuhören? Wenn jemand eine eröffnet mit: „Wusstest du übrigens, dass Hitler total tierlieb war?“ Dann schreien Sie nicht gleich los wie ein alter Grüner: „Natürlich war nicht alles schlecht unter Hitler. Aber die Autobahnen verzeih ich ihm nie!“ Lassen Sie ihn ausreden, hören Sie sich das Loblied auf die Heldentaten deutscher SS Leute in Ausschwitz in aller Ruhe an und rufen anschließend den Verfassungsschutz: „Ihr könnt euren besoffenen V Mann jetzt wieder abholen!“ Oder Sie nehmen einfach ein Kissen.