Warum wir uns an Hinterzimmer-Deals gewöhnen müssen!

„Wir sind Papst!“ „Wir sind Weltmeister!“ „Wir sind ökonomisch Spitze!“ Normalerweise ist man als Deutscher sehr stolz auf die Leistungen seiner Landsleute, denkt gern in Superlativen und ergötzt sich am identitätsübertragenden „Wir“-Gefühl. Deshalb erstaunt es, wenn eine Deutsche europäisches Oberhaupt wird, aber niemand titelt: „Wir sind Königin von Europa!“

Denn es war ja, wie es vielerorts heißt, nur ein „Hinterzimmer-Deal“. Hinterzimmer-Deal hat keinen guten Beigeschmack, klingt es doch nach heimlichen Absprachen in vornehmen Hotelzimmern, in denen ein Emmanuel Macron zu Angela Merkel sagt: „Wie wäre es denn mit der Uschi?“ Und die Merkel sagt: „Wieso, bist du wieder auf Brautschau?“ Er erwidert: „Nein, ich liebe meine Brigitte, nur halt so für Europa!“ Was sie kontert mit: „Also für Europa stellen wir die gern ab – das bekämpft ja auch die Arbeitslosigkeit in der Berater-Branche!“

Die Kritik am Hinterzimmer-Deal blendet ein wenig aus, dass das System der „Spitzenkandidaten“ vorher gescheitert war, weil anscheinend keiner „Spitze“ genug war. Demokratie hat leider auch den Aspekt der Urlaubsplanung einer fünfköpfigen Familie, in der Papa wandern, Mama an die Ostsee, der 16jährige Sohn daheim vorm Computer spielen, die 15jährige Tochter nach London und die Dreijährige ins Legoland möchte. Dann ziehen sich Mama und Papa in ein Hinterzimmer zu intimer Konferenz zurück und buchen anschließend den Usedom-Urlaub.

Die meisten Entscheidungen werden nicht öffentlich getroffen. Sogar unser eigenes Leben beginnt meist als „Hinterzimmer-Deal“. Wer kriegt schon von seinen Eltern zu hören: „Nein, Schatz, wir haben dich vor aller Augen auf der Kirmes gezeugt“… Schlimm wird es, wenn das Hinterzimmer unterbesetzt ist. Viele Menschen wollen eine Entscheidung im eigenen Hinterstübchen treffen – und stellen dann enttäuscht fest, dass niemand zu Hause ist!