Warum Berlin kein Netz hat!

Abseits von Corona gibt es andere Dramen. Ich habe mir in einem Anfall von „Ich-wechsele-aus-Geldgründen-den-Stromanbieter“ einen neuen Stromanbieter besorgt. Es handelt sich um Vattenfall. Aber nicht irgendein Vattenfall, sondern den „Natur Strom 12“-Tarif – gewissermaßen das Tofu-Steak unter den Stromanbietern. Freudig erregt erhalte ich bald darauf Post von Vattenfall, die mir sicherlich bestätigt, dass ich jetzt mit meinem Strom die Welt rettete. Das jedoch tat sie nicht. Vattenfall informierte mich stattdessen, dass sich niemand gemeldet hätte, der mir Strom liefere und dass ich jetzt von ihnen mit „Basis-Strom“ beliefert würde. „Basis-Strom“ – geht’s noch? Statt des erhofften Bio-Stroms würde ich mit Kohle und Atom die Welt zerstören. Zerstört war auch ich, und zwar am Boden…

Ich rufe bei Vattenfall an. „Ihr Strom-Wechsel hat nicht funktioniert? Sie wohnen vermutlich in Berlin,“ sagt der Mitarbeiter mit dem Hamburger Dialekt. Was ist das für eine Herangehensweise? Dieses platte Problembewusstsein steht auf einer Ebene mit: „Ihr Leben ist aus den Fugen geraten? Sie wohnen vermutlich in Berlin!“ „Ihr Drogenlieferant wurde nicht zum Ministerpräsidenten gewählt? Sie wohnen vermutlich in Berlin.“ „Sie können nicht wegfliegen? Sie…“ (Sie wissen schon).

Es stellt sich heraus, dass Vattenfall in Berlin ein „Software-Problem“ hat. Meine Situation würde sich von selbst regeln. Irgendwann… Oho, Software-Problem, da kann man ja nix machen! Passiert halt. Ähnlich wie Unwetter im Mittelalter werden Software-Probleme heute irgendeiner übergeordneten, fast göttlichen Macht zugeordnet. Irgendein Chip geriet vermutlich in die Wechseljahre und zack, schon liegt alles darnieder.

Vermutlich sieht so das Ende der Menschheit aus: Innerhalb weniger Tage digital vernichtet. Software-Problem. Weltweiter Computer-Corona. Sorry. Nur ich überlebe. Zusammen mit 3,8 Millionen anderen Menschen in meiner Gegend. Weil wir kein Netz hatten. Wir wohnen nämlich in Berlin!