Warum ich jetzt weiß, wie man ein Kind kriegt!

Neulich musste ich vor einigen Klinik-Untersuchungen einen COVID-Test machen. Die Schwester in der Charité befahl mir, den Kopf in den Nacken zu legen und stieß ein etwa 20 Zentimeter langes Watte-Stäbchen gefühlt einmal durch die Nase bis mitten ins Gehirn. Es tat verdammt weh. Noch schmerzhafter war nur ihr Kommentar: „Jetzt wissen Sie, wie es sich anfühlt, ein Kind zu kriegen – und das war nur ein halbes Kind!“

Um ehrlich zu sein habe ich noch nie das Bedürfnis verspürt herauszufinden, wie es ist, ein halbes Kind zu kriegen. Weder ein halbes noch ein viertel noch ein achtel Kind. Ich will noch nicht einmal wissen, wie es ist, ein 128stel Kind zu bekommen. Die meisten Männer haben nur ein sehr geringes Interesse an frauenspezifischen Erfahrungen, wie man schon an der mangelnden Begeisterung fürs Abwaschen merkt… Bevor ich jetzt in die Machokasse einzahle, möchte ich versichern, dass ich in meinem Leben schon viele Tausend mal abgewaschen habe – was meine Begeisterung allerdings auch nicht spürbar steigerte.

Wer weiß, ob Schwester „Rabiata“ (wie ich sie nenne) meine Bildung in dieser Hinsicht nicht weitertreiben möchte? Vielleicht lässt sie bei der Blutabnahme das Blut einfach laufen, bis ich nach einem Blutverlust von 3,5 Liter leicht anämische Tendenzen zeige, die sie dann kommentiert mit: „Jetzt wissen Sie, wie es ist, die Regel zu kriegen – und das war nur ne halbe Regel!“

Ich gerate ins Grübeln, ob ich der Schwester nicht im Gegenzug eine männerspezifische Erfahrung bescheren kann. Ich könnte beispielsweise eine an eine große Mausefalle angelehnte Konstruktion basteln. Wenn sie dann um die Ecke kommt (etwa mit dem Blutabnahme-Eimer), tritt sie auf einen Auslöser, der mithilfe einer Feder ein langes Holzbrett hochspringen lässt, das ihr vom Becken bis zur Nase an den Körper haut. Das kommentiere ich dann mit: „Jetzt wissen Sie, wie es ist, mit einer Morgenlatte an die Schlafzimmertür zu knallen – und das war nur ne halbe Latte…“