Warum niedrige Steuern uns in den Wahnsinn treiben!

„Wenn ich 12 mit 7,5 multipliziere,“ frage ich meinen Neffen, um ihm bei seinen Hausaufgaben zu helfen, „dann ist das gleich…?“ „Ach, hör doch auf mit der Gleichmacherei!“ lautet die freche Antwort. Am nächsten Tag räche ich mich: „Möchtest du heute Nudeln essen oder Fisch?“ „Ist mir gleich,“ lautet die gelangweilte Teenage-Antwort. „Ach, hör doch auf mit der Gleichmacherei!“

Denn „Gleichmacherei“, so eine verbreitete Meinung, ist schlecht. Sie ignoriert, dass Menschen verschieden sind. Was natürlich im Einzelfall zutrifft, obwohl predictive analytics, also Algorithmen, die das Einkaufsverhalten von Menschen vorherberechnen, das Gegenteil zu belegen scheinen… Deshalb, so die Anti-Gleichmacher-Ideologie, sei es schön, wenn in einer Gesellschaft alle verschieden sind, wenn es ganz reiche und ganz arme Menschen gibt. Und wenn reiche Menschen wenig Steuern zahlen, weil sie dann ganz wohltätig sein können. Was natürlich auch im Einzelfall zutrifft, klar.

Eine großangelegte Studie in Großbritannien kommt jetzt allerdings zu dem Schluss, dass in ungleichen Gesellschaften die Zahl psychisch auffälliger Menschen dramatisch in die Höhe schnellt. Die, die wenig haben, fühlen sich gestresst, weil sie nicht so viel konsumieren können. Die, die viel haben, sind gestresst, weil sie Angst haben, dass ihnen jemand etwas wegnimmt. Entweder der Staat – oder irgendwelche Räuber. Oder beide in Personalunion – also das Finanzamt.

Dieser Stress führt zu einer erhöhten Anzahl an Depressionen, Narzissmus und Psychosen. Wenn also immer mehr Menschen sich überfordert fühlen und nach einfachen Lösungen, am besten einer „Endlösung der Migrationsfrage“ suchen, wenn immer mehr wahnsinnige „Einzeltäter“ auf vermeintlich Andersartige schießen, dann kann das auch mit fehlenden Erbschafts- oder Vermögenssteuern zusammenhängen. Und an der Stelle ist Gleichmacherei vielleicht doch nicht so schlecht…