Warum wir Aktien skeptisch sehen!

Was ist der Unterschied zwischen der Lufthansa und Wirecard? Kaum einer, beide finanzieren sich über „Luft-Buchungen“ in Milliardenhöhe – bloss, dass es bei der Lufthansa dafür immerhin Gutscheine gibt. Die Firma Wirecard, bei vielen Karten- und Online-Einkäufen als Zahlungsabwickler agierend, meldete jetzt aufgrund fehlender Gelder Insolvenz an, nachdem der Konzern zugeben musste, dass 1,9 Milliarden Euro auf den Phillipinen gar nicht existieren – das passiert eben, wenn ein Konzern nicht begreift, dass er trotz seiner Eigenschaft als Zahlungsabwickler noch lange nicht EZB heißt und Geld einfach so erfinden darf!

Was uns zu dem nächsten Rätsel bringt: Was haben die Finanzaufsicht Bafin und ein Vierjähriger gemeinsam? Beide glauben an Magie, und dass der nette Onkel doch noch ein Kaninchen oder eben 1,9 Milliarden Euro aus dem Hut zaubert. Bloß, dass der Vierjährige seltener enttäuscht wird… Gegen die Blindheit der Bafin ist sogar Stevie Wonder ein Adlerauge!

Immer deutlicher zeigt sich, dass ein Konzern, der immerhin den Aufstieg in den DAX schaffte, im Grunde auf einem riesigen Schneeballsystem basierte. Nun könnte man das auch positiv sehen: in diesen Zeiten der Erderwärmung und der Klimakatastrophe hat es etwas Tröstliches, dass wenigstens in der Finanzindustrie noch etwas so Kühles wie Schneebälle existiert…

Leidtragende sind Tausende geprellter Anleger – im Vergleich zu Wirecard war das Telekom-Desaster der Dotcom-Blase ein Sechser im Lotto. Der einzige „German Global Player“ am Finanzmarkt hätte eigentlich „German Globuli Player“ heißen müssen: Entsprechend dem Prinzip der starken Verdünnung homöopathischer Globuli wurden auch die Bilanzen bei Wirecard dermaßen verdünnt, dass man die Aktie demnächst in Apotheken erwerben kann: „Wirecardia Hochpotenz M-1,9 Milliarden“ hilft gegen deutsche Sparer am Aktienmarkt!