Warum wir jetzt stornieren!

„Corona-Storno! Alles abgesagt“ – wie viele andere Menschen hänge ich zurzeit mit viel Zeit und wenig Geld durch. Der Bekannte, dem ich das am Telefon vorjammere, versucht zu helfen: „Und wenn du in deinen alten Job zurückgehst?“ Jetzt etwas Schlagfertiges sagen, denke ich – aber natürlich fällt mir erst später ein, was ich hätte sagen sollen: „Mein alter Job? Das wird nicht gehen – Prostitution ist doch auch tot…“

Künstler sind schließlich nicht die einzigen, die im Augenblick Leerlauf haben. Überall Absagen – der berüchtigte Corona-Storno ist noch ansteckender als das Virus selbst. Interessanterweise fangen jetzt auch Betriebe an zu leiden, bei denen man das nie für möglich gehalten hätte. Hätte euch letztes Jahr jemand gesagt, dass ihr bald für die Lufthansa spenden sollt – ein Anruf in der Nervenheilanstalt wäre sicher gewesen. Mittlerweile rückt das in den Bereich des Möglichen. Wohltätigkeit für Uber und WeWork – die Dritte Welt beginnt neuerdings in den Chefetagen von Möwenpick…

Viele große Konzerne appellieren jetzt an die Kundschaft, doch bitteschön Gutscheine für abgesagte Reisen anzunehmen. Schließlich handele es sich um einen Fall von höherer Gewalt. „Höhere Gewalt ist für mich eine klare Ansage meines Ehepartners“, möchte man ihnen entgegenschleudern, „aber doch nicht die Nicht-Einhaltung eines Vertrags!“ Geld statt Gutschein, raten daher Verbraucherschützer. Schließlich ist Geld – genau betrachtet – auch ein Gutschein. Und zwar einer, den man überall eintauschen kann und nicht nur bei einer einzigen Firma, die eventuell Insolvenz anmeldet und den Gutschein dann in einen „Schlecht-Schein“ verwandelt. So gesehen ist Geld sogar ein „Besser-Schein“.

Aber das begreifen in der Krise nicht alle. Schließlich legt der „Corona-Storno“ auch im Hirn gewisse Schaltkreise lahm. Unter anderem bei mir. Schließlich gibt es ja auch bei einigen meiner Veranstaltungen Gutscheine. Die solltet ihr natürlich auf jeden Fall nehmen – das sind schließlich die „Besten-Scheine“…