Warum wir jetzt wieder küssen!

Reden wir nicht immer nur von denen, die in diesem Wohlstandsland in einem fetten sozialen Netz landen, all jene Selbstständigen, Friseure oder Inhaber kleiner Theater und Gaststätten. Sprechen wir von denen, die wirklich nichts haben, die in der ganzen Welt zu finden sind, und die jetzt vor dem Ruin stehen. Sprechen wir von… Adidas.

Der Weltkonzern aus Franken stellte gleich nach Inkrafttreten des „Gesetzes zur Abmilderung der Folgen der Covid-19 Pandemie“ seine Mietzahlungen (weitgehend und vorläufig) ein. Zusammen mit anderen Habenichtsen wie H&M oder Deichmann. Das zog einen Aufschrei des Entsetzens nach sich. Viele forderten gar einen Boykott von Adidas. Leider sieht es etwas bescheuert aus, wenn Menschen vor Geschäften stehen, die bereits geschlossen sind, und dazu lauthals „Boykott“ rufen. Das ist ein wenig, als ob man vor dem Fenster der Ex-Frau steht, die bereits mit dem Neuen zusammen wohnt, und dazu schreit: „Ich trenne mich jetzt von dir!“

Adidas war schon immer recht erfolgreich darin, im Haifischbecken des Kapitalismus erfolgreich mitzuschwimmen. Schließlich ist man ein Weltkonzern und daher geradezu verpflichtet, jegliche Produktion an schlecht gesicherte (und bezahlte) Näherinnen in Bangladesch oder gar an Kinderarbeit-affine Sub-Unternehmer outzusourcen. Dass Adidas Gründer Rudolf und Adolf Dassler NSDAP-Mitglieder waren – geschenkt. Dass der Konzern (wie H&M übrigens auch) Arbeitnehmer-Rechte in vielen Produktionsländern bereits lange vor Ankunft von Covid-19 komplett in Quarantäne steckten, ebenfalls geschenkt. An Bestechungsskandale wie den um Horst Dassler in den 80ger Jahren oder der amerikanischen Basketball-Liga 2017 haben wir uns gewöhnt. Aber dass sie Trump-Freund Kanye West als Werbeträger engagierten – wie tief kann man fallen?

Ein Boykott wird es nicht richten. Aber wenn Sie Corona-negativ sind und demnächst einen der Verantwortlichen in seiner Limousine entdecken, klopfen Sie freundlich ans Fenster, warten Sie, bis er öffnet, ziehen Sie die Gesichtsmaske nach unten und… husten Sie ihm eins!