Warum wir Rassisten sind!

„Warum hat ein Schwarzer weiße Handflächen?“ Antwort: „Damit er die Baumwolle nicht schmutzig macht!“ So etwas konnte man bis vor kurzem noch bei Facebook unter „Schwarzer Humor“ finden. Was ziemlich farbenblind ist – in Wahrheit ist dieser Humor natürlich nicht schwarz, sondern tiefbraun…

Besonders wichtig ist die gegenwärtige Rassismus-Diskussion für all jene total aufgeklärten, liberalen, gleichberechtigungswütigen Bürger. Leute wie mich. Die nicht frei von subtilem Rassismus sind. Die bis vor einigen Jahren noch Sprüche amüsant fanden wie: „Es heißt nicht mehr Negerkuss, sondern Schaumkuss mit Migrationshintergrund“. Diese Art Flachwitz ist mittlerweile so out wie Händeschütteln oder Gruppensex mit Fremden ohne Kondom und Mundschutz. Statt des beleidigten „Was darf man heute überhaupt noch sagen“ stünde uns vielleicht etwas Demut besser zu Gesicht – und eine leichte Unsicherheit.

Gottseidank gibt es auch schwarzen Humor, der wahr ist: „Schrecklich,“ sagte der Südstaaten-Sheriff, als er die schwarze Leiche mit den 23 Einschusslöchern betrachtete, „einer der fürchterlichsten Selbstmorde, den ich je gesehen habe…“ Oder dieses Zitat: „100 Weiße, die einen Schwarzen verfolgen – früher hieß das „Ku Klux Klan“ – heute „Golf“ (Tiger Woods, afroamerikanische Golflegende).

Vorbildlich in der Sprache ist erstaunlicherweise die Finanzwelt. Denn hier sind „schwarze Zahlen“ etwas Positives. Im Gegensatz zu roten Zahlen – was natürlich die Frage aufwirft, was Banken eigentlich gegen Indianer haben. Oder gegen Gewerkschafter… Aber auch hier gibt es einen Grenzbereich, wie folgende Anekdote illustriert: „Müller, als Buchhalter sollten sie die schwarzen Zahlen mit schwarzer Tinte schreiben.“ „Wir haben keinen schwarzen Füller.“ „Dann kaufen Sie einen, um Himmels willen!“ „Dann wären die Zahlen aber wieder rot…“