Autor: Alexa Knitter

Warum wir in der PISA-Studie nicht die Besten sind!

Die neuen Pisa-Ergebnisse da, und sie sind nicht rosig. Auguren des Untergangs prophezeien bereits das Bildungsende eines Landes, in dem Schüler auf die Lehrer-Frage: „Wenn du fünf Euro hast und ich dir zwei wegnehme, was gibt das?“ nur eine Antwort kennen: „Prügel!“ Gerade die bildungsfernen Schichten entfernen sich immer vom System – bald werden sie so fern sein, dass sie „Bildung“ für eine Nachbargalaxie halten.

Die Ursachen sind vielfältig – zumal Pisa selbst auch umstritten ist, da vermutet wird, dass in führenden Ländern wie China, wo nur 80 Prozent an der Studie teilnehmen (in Deutschland 95 Prozent), die schwächeren Schüler einen Tag „Bildungsurlaub“ erhalten… Eine Ursache aber ist klar: Lehrer haben bei uns kein besonders gutes Image. Das spiegelt sich auch in Lehrerwitzen wie diesen: „Egal wie leer du bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer…“ Oder: „Können Lehrer schwimmen? Einerseits ja, sie sind ja hohl. Andererseits nein, sie sind ja nicht ganz dicht…“ – und so weiter.

Wir brauchen (neben Chancengleichheit, einem besseren Schulsystem, bundesweiter Angleichung des Bildungssystems, besseren Bildungskonzepten und so Kleinkram) eine positive Kultur der Lehrerwitze unter der Überschrift „Dein Lehrer“. Also: „Dein Lehrer ist so cool, dass es hinter ihm schneit!“ Oder: „Dein Lehrer hat bis zur Unendlichkeit gezählt – zwei Mal!“ „Wenn kleine Kinder ins Bett gehen, schauen sie vorher nach, ob Monster unterm Bett liegen. Wenn Monster ins Bett gehen, schauen sie vorher nach, ob Dein Lehrer unterm Bett liegt.“ Und mein persönlicher Lieblingswitz: Petrus, Jesus und Dein Lehrer stehen am Rande des Sees Genezareth. Jesus sagt: „Kommt, wir gehen rüber.“ Alle drei gehen los, aber Petrus versinkt sofort im See. Als die anderen beiden am anderen Ufer sind, fragt Jesus: „Sollen wir dem armen Petrus verraten, wo die Steine unter der Oberfläche liegen?“ Und Dein Lehrer sagt: „Steine? Welche Steine?“

Warum die SPD die FDP verklagen sollte!

„Plötzlich Prinzessin“ – so müssen sich Saskia Eskens und Jens-Walter Borjans fühlen nach ihrer überraschenden Wahl zur SPD-Spitze. Obwohl es ein ziemlich schäbiges Königreich ist, das sie erben. Vielleicht fühlen sie sich auch eher wie Islamisten, die eigentlich keine Lust auf den Märtyrertod haben, aber aus Versehen das kürzeste Streichholz zogen…

Denn die Lage ist alles andere als rosig. Nach Jahren der CDU-Ehe ist die SPD wie eine sensible, warmherzige Gattin, deren Verdienste permanent von ihrem übermächtigen Mann für sich reklamiert werden. Bastelt sie was für die Kinder, sagt er: „Meine Idee“, backt sie einen Kuchen, meint er: „Mein Rezept.“

Jetzt möchte sie eigentlich die Scheidung, ist sich aber nicht sicher, ob sie damit nicht völlig leer ausgeht, weil die „Zugewinn-Gemeinschaft“ eher mager ausfiel. Von der letzten Partei, die die Regierungsverantwortung mit markigen Worten ablehnte, hört man schließlich auch nicht gerade viel dieser Tage. Dabei ist die FDP ja eigentlich verantwortlich für die Misere der SPD. Denn die Sozis hatten sich die Legislaturperiode ursprünglich echt cool vorgestellt: Ruhige Kugel schieben in der Opposition, „Phoenix aus der Asche“ machen, in Ruhe die FDP und die Grünen in einer Junior-Ehe mit Merkel scheitern sehen, nächste Kanzlerin stellen… so in der Art. Aber dann „lindnerte“ die FDP die Koalitionsverhandlungen und zack, schon klappte die Regierungsfalle wieder zu. Warum stellt die SPD eigentlich keine Regressforderungen an Lindner für entgangene Einnahmen durch Mitgliederschwund?

Esken und Borjans sind nicht zu beneiden. Tanzen sie doch auf einem Vulkan, in dem auf der einen Seite heiße Lava brodelt und auf der anderen Seite ein steiler Abgrund lauert. Die große Herausforderung heißt jetzt, die Selbstmordweste wie ein modisches Accessoire zu tragen und heimlich den Sprengstoff zu entfernen. Denn bei allem Spott: den Kuchen der SPD könnte dieses Land noch mal dringend brauchen.

Warum wir an der Nadel hängen!

Neben Schnäppchen gab es am gestrigen Black Friday auch Klima-Proteste. Was allerdings kaum auffiel, weil die Mehrheit ja im Netz Sonderangebote jagte. Das Dilemma einer gesellschaftlichen Schizophrenie regiert nicht nur im Netz: Während groß angekündigte „Klimapakete“ im Bundesrat scheitern, wird etwa Braunkohle von dieser Regierung weiterhin subventioniert.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Braunkohle – die Mutter aller Dreckschleudern – wird den Energieversorgern freigestellt von der „Förderabgabe für Bodenschätze“, von „Wasserentnahme-Entgelten“, und sie profitiert absurderweise sogar von Ausnahmen im „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG). Wieviel Drogen muss man intus haben, um sich so etwas auszudenken? Obendrein müssen Braunkohle-Produzenten auch nicht herhalten für klimatische Folgeschäden, die per Tonne CO2 bei 180 Euro liegen (und nicht den kümmerlichen 10 Euro des „Klima-Bonsai-Päckchens“ der Regierung).

Stellen wir uns einmal vor, Heroin wäre neuerdings steuerlich begünstigt. Produzenten wie die „Himmelfahrts GmbH“ haben durchgedrückt, dass der Stoff mit dem „Wohlfühlfaktor XXL“ am Black Friday zum Schnäppchenpreis unter das Volk gebracht wird. Zu einem verringerten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent, um es auch dem „kleinen Mann“ zugänglich zu machen. Die erwarteten Steuereinnahmen sind trotzdem immens. Heroin ist außerdem befreit von der erhöhten „Risiko-Zulage der Krankenversicherungen“, dem „Spritzbesteck-Entgelt“ und der „Beschaffungs-Kriminalitäts-Gefahrenzulage“. Denn die „Himmelfahrts-GmbH“ ist dank ehemaliger Minister in ihren Diensten bestens in der Regierung vernetzt… ein Aufschrei der Entrüstung wäre sicher.

Bei Braunkohle bleibt dieser Aufschrei aus. Dabei schädigt Heroin nur den jeweiligen Verbraucher – wäre also durchaus klimaverträglicher. Aber deshalb heißt es ja „Black Friday“ – das Gehirn ist umnebelt von dunklen Kohlegedanken…

Warum wir so inkompetent sind!

Kennen Sie den? Wie nennt man einen Gehirnamputierten zwischen zwei Klimaleugnern? Nicht der Dümmste… Obwohl die Bundesregierung jetzt gerade bekannt gab, dass das Klima in Deutschland sich seit dem 19. Jahrhundert um 1,5 Grad erwärmt hat, gibt es immer noch Menschen, die das „nur für Wetter“ halten. „Tropische Tiere in Deutschland? Was ist daran neu? Löwen gibt es doch schon seit 1860 – jedenfalls in München. Haha.“ Etwa 90 Prozent aller Klimakatastrophen-Verleugner sind übrigens Männer.

Diese Zusammenhänge dürfte auch einem breiten Publikum bekannt sein. Gerade auf der Straße wird es offensichtlich: Denn 80 Prozent aller Autofahrer zählen sich zu den 20 Prozent besten Wagenlenkern. 80 Prozent aller Autofahrer finden übrigens auch 99 Prozent aller anderen Autofahrer komplett inkompetent. Und 100 Prozent in dieser Gruppe sind Männer. Wenn nicht gar 150 Prozent…

Man nennt dieses Phänomen den Kruger-Dunning Effekt: Die beiden Wissenschaftler stellten 1999 fest: Inkompetente Menschen neigen dazu, sich selbst zu überschätzen. Der Volksmund nennt das: Große Klappe und nix dahinter! Oder kurz: Donald Trump – hinter dessen Zähnen sich der Grand Canyon der Ignoranz zu öffnen scheint.

Kompetente Menschen unterschätzen ihre Fähigkeiten im Gegensatz dazu häufig. Das nennt der Volksmund: Stille Wasser sind tief. Stille Wasser sind auch meistens weiblich. Und unterbezahlt. Alleinerziehend. Oder misshandelt. Diesem Missverhältnis verdankt die Menschheit vermutlich einen Großteil ihrer Dilemmas. Vielleicht wird es Zeit, das zu ändern. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie nur so mittelkompetent und außerdem weiblich sind – üben Sie einfach mal den Satz: „Ich weiß, wie es geht. Hört mir zu!“ Und wenn Sie zu den Leuten gehören, die jetzt völlig erstaunt sind, weil sie denken: „Wieso denn das? Was redet die denn? ICH habe doch schon immer gewusst, wie es geht.“ Einfach mal Klappe halten. Und Zuhören.

Warum wir flott verbrauchen!

Die Autohersteller müssen den Flottenverbrauch drosseln. Auf etwa 95g/km. Die meisten, zumindest die deutschen Hersteller, werden das nicht schaffen. Vielleicht liegt das an einer verhängnisvollen Tendenz zur Diesel-Schludrigkeit. Vielleicht aber auch am missverständlichen Wort „Flottenverbrauch“. „Ist das nicht eher ein Fall für die Marine?“ werden sie gedacht und weiter von süßen Diesel-Manipulationen geträumt haben.

Zumal ein flotter Verbrauch überall droht. Diverse Autofahrer bekamen von der Polizei zu hören: „Sie haben aber einen flotten Verbrauch!“ Wer dann den Fehler folgender Erwiderung begeht: „Bei dem Tempo, mit dem Sie mich eben überholt haben, war ihr Verbrauch bestimmt einen Zacken flotter als meiner“ – und das auch noch lallt – der kann davon ausgehen, dass sein Lappen ganz flott verbraucht ist… Auch im Chauvinismus kommt es gern zu einem Flottenverbrauch: „Kennst du Johann? Der hat einen sehr hohen Flotten-Verbrauch – bereits vier sehr flotte Ex-Gattinnen!“

Trotz dieser Missverständnisse bleibt der Fakt: Die Flotte eines Auto-Herstellers muss gedrosselt werden – und was die Autos nicht schaffen, sollte vielleicht der Gesamt-Ausstoß des Herstellers rausreißen. Etwa, indem die Mitarbeiter während der Produktion weniger atmen – das spart ja auch CO2 ein… Wird etwa am Anfang eines Arbeitstages ein tiefer Atemzug genommen und erst am Ende der Schicht wieder ausgeatmet, könnte das ein ganz neuer Wellness-Trend werden: „Apnoe-Arbeiten! Kommen Sie zu Daimler und kräftigen Sie Ihre Lunge durch Apnoe-Car-Manufacturing-Yoga!“

Einige kommen mit diesen Komplexitäten einfach nicht zurecht. Wer weiß, ob nicht in irgendeinem Wald ein durchgedrehter Auto-Manager vor einem halb gegessenen kleinen Vogel sitzt. Mit der Instagram Bildunterschrift: „Voller Klima-Erfolg. Flotte Drossel endlich verbraucht…“

Warum Männervereine das Größte sind!

Olaf Scholz hat einen vielbeachteten Vorschlag gemacht: Männervereinen, die keine Frauen aufnehmen, soll die (steuerbegünstigte) Gemeinnützigkeit aberkannt werden. „Mehr Frauenversteher geht nicht“, wird er sich gedacht haben, „ohne dass man der eigenen Sekretärin das Büro putzt und anschließend den Kaffee bringt.“ Und zu letzterem hatte er vermutlich keine Lust.

Nun sollte man als Kabarettist dankbar sein, wenn Politiker sich die Mühe machen, Steilvorlagen zu liefern während sie PR für ihren Parteivorsitz inszenieren. Denn natürlich laufen reaktionäre Kräfte Sturm gegen diese Revolution: Männer müssen doch auch mal die Möglichkeit haben, unter sich zu sein und auf dieses ganze feministisch politisch korrekte Gedöns einfach mal lauthals krakeelend zu verzichten. Das verhindert Frust-Vergewaltigungen, und wenn das nicht gemeinnützig ist – hallo?!

Und dann immer dieses Rumgehacke auf Schützenvereinen, die nur aus Männern bestehen. Es ist eben sehr schwer, einen ruhigen Schuss abzugeben, wenn nebenan eine Ische steht, die herablassende Kommentare macht wie: „Wenn du so zielsicher bist wie letzte Nacht, dann wird sicher jeder Schuss ein Treffer – du impotente Nulpe!“

Letztendlich gibt es auch jede Menge sinnvolle Vereine, die ausschließlich aus Männern bestehen: Männer, die sich von Frauen verfolgt fühlen. Männer, die Schluss machen wollen mit toxischer Männlichkeit und auch mal Röcke tragen möchten. Männer, die mit ihrer Pädophilie klar kommen wollen ohne Strafverfolgung befürchten zu müssen – doch genug von der katholischen Kirche…

Denn was all diese Schaumschläger vergessen: Im Vorschlag des Finanzministers verbergen sich ungeahnte Möglichkeiten. Schließlich müssen Vereine nur eine einzige Quotenfrau aufnehmen, um ihre Gemeinnützigkeit zu erhalten. Eine echte Chance für Frauen, die aufgrund männlichen Dominanzverhaltens aus männlich dominierten Vereinen rausgemobbt wurden – Andrea Nahles zum Beispiel…

Warum wir Geld so lieben!

Im Prozess um Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen, mit denen Donald Trump angeblich Affären hatte, soll der Präsident seine Steuererklärungen veröffentlichen, was er jetzt vor dem Obersten Gerichtshof verhindern möchte. Warum nur? Will er es verhindern, weil dann rauskommen könnte, dass er seine Affären für die Steuer als „außerordentliche Belastungen“ führte? Oder weil sich zeigen könnte, dass sein Reichtum nur Gerede ist.

Der eigene Reichtum ist häufig sehr eng an das Selbstwertgefühl gekoppelt. Um es mit den Philosophen zu sagen: „Ich habe, also bin ich“. Oder wie ein Gangsta-Rapper es vermutlich umformulieren würde: „Wenn isch mit meiner Kohle knalle, f… isch euch doch alle!“ Deshalb sind wir eigenartig berührt, wenn Geld vernichtet wird. Mitte der 90ger verbrannten zwei britische ehemalige Pop-Stars (die KLF oder K-Formation) eine Million britische Pfund. In 50 Pfund Noten, die sie physisch anzündeten und anschließend den Film darüber als Kunst deklarierten. Das brachte ihnen wütende Kritik ein. „Warum sie das Geld denn nicht gespendet hätten?“ „Sie wollten doch nur ihr riesiges Ego befriedigen!“ Interessanterweise wäre der Vorwurf nicht gemacht worden, wenn sie ihr riesiges Ego mit Nutten und Koks aufpoliert und so das Geld in bester Charlie-Sheen-Manier verbrannt hätten.

Das Argument der Musiker: „Der Geld-Verbrenn-Film ist Kunst. Man sieht ihn an – und er setzt einen inneren Prozess in Gang!“ Dieses Kriterium, dass man etwas ansieht, was einen Prozess in Gang setzt, unterscheidet etwa ein Gemälde oder einen Kunstfilm von vielen langjährigen Beziehungen… Nun ist nicht alles, was man ansieht, und das dann einen inneren Prozess in Gang setzt, auch Kunst. Pornografie etwa. Oder Donald Trump.

Deshalb muss Letzterer ja auch einen äußeren Prozess in Gang setzen. Vor dem Supreme Court. Wenigstens erklärt er sich nicht zum größten Künstler aller Zeiten. Schließlich verbrennt er nicht nur Steuerzahler-Geld, sondern gleich die ganze Welt!

Warum wir nicht „in die Lucke“ stoßen sollten!

„Nimm ein Kissen!“ hieß es früher in Therapiesitzungen, wenn Emotionen hochkochten. Dann nahm man ein Kissen, schrie es an und verprügelte es nach Strich und Faden. Sicherlich war das unfair dem Kissen gegenüber, aber Kissen haben nun mal keine Lobby. Richtig ausgedrückte Wut ist extrem wichtig, doch leider wird sie häufig falsch ausgedrückt. So wurde die Vorlesung von Bernd Lucke, dem Mit-Begründer der AfD, der sich mittlerweile von der Partei distanziert hat, in Hamburg von linken Antifa-Aktivisten gestört. In entscheidenden Momenten sammelt die radikale Linke leider keine Punkte – sie ist der „BVB Dortmund“ der Politik. Was nicht heißen soll, dass die Rechte der FC Bayern ist – nicht jeder Vergleich, der hinkt, ist auch ein Goebbels…!

Bei Rechten erwartet man schlechtes Betragen – bei Linken gibt es höhere Erwartungen. Aber am jeweiligen Ende des politischen Spektrums regiert gerne mal der Wahnsinn. Man kann das auch positiv sehen: Links sein war bereits in den Siebzigern und Achtzigern der alten Bundesrepublik extrem emanzipiert. Es gab permanent „Zickenkrieg für Männer“. Wenn du der Ansicht warst, dass Marx zum Frühstück lieber Wurst als Käse aß, musstest du sofort eine eigene Partei aufmachen: die KPD/WL (Wurstliebhaber).

Dabei ist es ja grade die fehlende Dialogfähigkeit, die diese Zeit so unglücklich macht. Was spricht dagegen, Rechten einfach mal zuzuhören? Wenn jemand eine eröffnet mit: „Wusstest du übrigens, dass Hitler total tierlieb war?“ Dann schreien Sie nicht gleich los wie ein alter Grüner: „Natürlich war nicht alles schlecht unter Hitler. Aber die Autobahnen verzeih ich ihm nie!“ Lassen Sie ihn ausreden, hören Sie sich das Loblied auf die Heldentaten deutscher SS Leute in Ausschwitz in aller Ruhe an und rufen anschließend den Verfassungsschutz: „Ihr könnt euren besoffenen V Mann jetzt wieder abholen!“ Oder Sie nehmen einfach ein Kissen.

Warum wir dringend spenden müssen!

Der Mensch hat in seinem Leben eigentlich nichts zu tun. Hat man die Sache mit Essen und Trinken sowie Dach überm Kopf und Nachwuchs zeugen einigermaßen gelöst, besteht kein Anlass mehr zum Handeln. Um nicht in stupender Einöde zu versinken, begann der Mensch mit dem Spielen. Er dachte sich Gesellschaftsstrukturen aus und Arm und Reich. Irgendwann glaubten die Menschen ihren ausgedachten Quatsch und vergaßen, dass es sich um Spiele handelt, die vermeiden sollten, dass man dumpf und leer vor sich hinstarrt. Denn das gilt als hoffnungslos. Oder als Zen-Meditation.

Ein Lieblings-Spiel der Menschen ist das Jammer-Spiel. Beim Jammer-Spiel wird ein in der Regel eingebildetes Problem laut bedauert. Besonders gut im Jammern sind Menschen, die das Arm-Reich-Spiel zu ihren Gunsten entschieden haben. Dazu passt eine gestrige Meldung, dass die Anzahl der Milliardäre weltweit zurück gegangen ist, dass also immer mehr Milliardäre nur noch gut 900 Millionen Euro zum Leben haben und so kurz vor dem Ruin stehen. Jedenfalls als Milliardär. Sie dürfen sich dann nur noch Multimillionär nennen, was für Milliardäre fast so schlimm ist wie „Sozi“. Oder der Tiefpunkt: „Hier riecht’s nach Hartz…“

Jetzt wollen die „Sozis“ obendrein eine Vermögenssteuer. Um die Reichen noch tiefer in die Verlustzone zu stürzen. Arme Leute können es sich eben nicht vorstellen, wie das ist, wenn man sich nicht mal nebenher eine Großsee-Yacht leisten kann. Oder noch ein Villenviertel in St. Moritz. Oder einen ölreichen Staat in Zentralasien.

Deshalb: Spielen Sie das Spiel mit. Führen Sie immer etwas Kaviar bei sich für einen humanitären Akt der Soforthilfe, wenn wieder ein Milliardär weinend im Maybach zusammenbricht. Wahlweise geht auch ein Hummer oder eine Großsee-Yacht, die Sie auf einem Handwagen hinter sich herziehen. Trösten Sie den Milliardär. Sonst fängt der noch an, dumpf und leer vor sich hinzustarren. Oder gar Zen-Buddhist zu werden…

Warum wir kein Magenta mehr sehen dürfen!

Kennen Sie den? Wie erschießt man einen blauen Elefanten? Mit dem „Blaue-Elefanten-Gewehr“. Wie erschießt man einen roten Elefanten? Man würgt ihn, bis er blau wird und erschießt ihn dann mit dem „Blaue-Elefanten-Gewehr“. Wie erschießt man einen weißen Elefanten? Man erzählt ihm einen schmutzigen Witz, bis er rot wird, würgt ihn, bis er blau wird und erschießt ihn dann mit dem „Blaue-Elefanten-Gewehr“. Wie erschießt man einen Magenta-Elefanten? Gar nicht – es gibt keine Magenta-Elefanten! Die Telekom hat sie alle verklagt und sie mussten ihre Farbe ändern!

Bei „ihrer“ Marken-Farbe versteht die Telekom keinen Spaß. Zurzeit tobt ein Gerichts-Streit mit einem US-Versicherer, der Magenta für sein Unternehmen ebenfalls nutzen möchte und meint, dass die Telekom schließlich auf einem ganz anderen Geschäftsfeld unterwegs sei. Aber da kennt er unsere Telekom schlecht. „Wie, keine Versicherung? Wir versichern, dass unsere Kunden den höchsten Preis für eine durchschnittliche Leistung zahlen! Hallo?!“

Seit bekannt ist, dass Kunden quasi „blind“ auf Farben reagieren, sichern sich immer mehr Firmen ihre Logo-Farben per Patent ab. Wann kommt der Tag, an dem Firmen die Politik wegen Patentrechts-Verletzung verklagen? Die Sparkasse verklagt die SPD (rot) wegen Verwechslungsgefahr: Die einen werben mit unlauteren Rendite-Versprechungen, die anderen mit einem Sparbuch in rot… Beiersdorf legt sich mit der AfD an (blau): Die einen produzieren miese Schmiere, die anderen eine Qualitäts-Hautcreme… BP verklagt die Grünen (grün), weil es nur einen geben kann, der auf Öko macht und heimlich dafür sorgt, dass alles verwässert wird. IKEA zerrt die FDP vor den Kadi (Gelb) – weil die Marke „Ausbeutung“ nur einem gehören darf. Und der Bundesverband Deutscher Bestatter verklagt die CDU (schwarz) – wegen unlauteren Wettbewerbs: wenn jemand das Land beerdigt, dann sollte man das Profis überlassen und nicht irgendwelchen Dilettanten!

Warum die Dampfer wieder anlegen sollten!

Die Meldung von 34 Todesfällen nach dem Konsum von Dampf-Produkten in den USA steigen in Deutschland viele Raucher wieder auf herkömmliche Tabak-Zigaretten um. Nun kann man gegen E-Zigaretten einiges vorbringen: Es sieht affig aus, wenn erwachsene Menschen an einer Maschine nuckeln. E-Zigaretten sind „Einstiegsdrogen“, welche junge Menschen an Nikotin heranführen. Und „Ersatzstoff“ für jene, die sich vor Tabak fürchten.

Andererseits sieht es generell ziemlich affig aus, wenn Menschen an merkwürdigen Dingen nuckeln. Die Porno-Industrie bietet da vielfältiges Bildmaterial, das nicht von ungefähr affig wirkt, weil es affig ist – Menschenaffen am Nuckeln merkwürdiger Aspekte ihrer Anatomie. Und als Einstiegsdroge kann so ziemlich alles herhalten: Der Sekt zur Konfirmation als Einstiegsdroge in die Leberzirrhose. Marzipan als Einstiegsdroge in Fettsucht. Und das Nuckeln an der Mutterbrust als Einstiegsdroge in Sex!

E-Zigaretten sind tatsächlich der sinnvollste Tabak-Ersatz, den die Industrie sich je ausgedacht hat. Dampfen ist erwiesenermaßen harmloser als Rauchen. Bei den Toten in den USA war zudem nicht klar, was genau sie eigentlich inhaliert hatten. Da transatlantisches Dampfen weniger reguliert ist als Hiesiges, kann man alles Mögliche reinpantschen. Etwa 80% der Lungenkrankheiten entstanden nach der Inhalation von THC- oder Cannabishaltigen Produkten – ein Verbot aller E-Zigaretten ist so sinnvoll wie ein Verbot von Champignons nach einigen Fällen von Knollenblätterpilzvergiftung.

In der gleichen Zeit wie die 34 Dampf-Toten starben in den USA mindestens eine Million Menschen durch herkömmliche Zigaretten. Vom Dampfen zwecks Vermeidung neuartiger Krankheiten auf „normale“ Filterzigaretten zu wechseln ist also in etwa so vielversprechend wie der Umstieg von Hasch auf Heroin, um die Lunge zu schonen.

Warum Adler AfD-Wähler übertreffen!

In Russland ruinierten umherziehende Steppenadler gerade ein Forscherteam. Die mit Sendern ausgestatteten Raubvögel schickten ihre GPS-Positionen per SMS an die Forscher.  Adlerweibchen Min betrieb erst mal ein weitläufiges Roaming (Umherziehen) und flog nach Kasachstan. Dort gab es aber kein Funknetz (Kasachstan ist anscheinend das Brandenburg Asiens). Als Min sich dann in zivilisiertere Gegenden begab (in den Iran), schickte der Sender alle verhinderten SMS hintereinander. Das Roaming des Adlers verursachte derart hohe Roaming-Gebühren, dass der Etat der Forscher futsch ist.

In Deutschland gibt es keine umherziehenden Steppenadler. Wohl aber umherziehende Intelligenz. Gewissermaßen emigrierende, also auswandernde Intelligenz. Diese ließ sich gerade in Thüringen beobachten, wo die AfD 23 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinte – ganz viel bereits ausgewanderte Intelligenz. Die Reaktionen darauf gehen auseinander. Die Einen meinen, dass hier endlich mal ein wichtiges Zeichen gegen die islamische Bedrohung Thüringens gesetzt wurde (in Thüringen gibt es so gut wie keine Muslime, gerade mal 0,2 Prozent). Die Anderen fragen sich, ob dieser Mangel an klarem Denken geschweige denn Poesiefähigkeit gewisse Leute nicht automatisch für das „Volk der Dichter und Denker“ disqualifiziere. Will heißen, große Teile der AfD sind vermutlich total „unvölkisch“, wenn nicht gar „Volkverräter“ und gehören deshalb nach eigener Definition ausgewiesen – dahin, wo sie (ebenfalls nach eigener Definition) mental hingehören: „weit, weit, weit hinter den Bosporus, zu ihren Lehmhütten“ (André Poggenburg, AfD).

Und zu den Steppenadlern… Die russischen Forscher jedenfalls starteten jetzt eine Spendenaktion: „Ladet das Handy des Adlers wieder auf!“ Wir brauchen die Aktion: „Ladet die Hirne der AfD-Wähler wieder auf!“ Mit freier, umherziehender Steppenadler-Perspektive. Damit auch AfD-Denke wieder fit für das „Volk der Dichter und Denker“ wird.

Warum wir an Märchen glauben!

„Was wünschst du dir zu Weihnachten?“ frage ich meinen kleinen Bruder neulich. „Nix“, sagt er, wie immer. Wenn kleine Brüder erst mal jenseits der 50 sind, wird es mit der Schenkerei schwerer. „Ach, komm,“ sage ich, „irgendwas wirst du dir doch wünschen.“ „Ein Einhorn!“ murmelt er deprimiert, während er auf seinen Investitionsplan schaut.

Einhorn – verdammt. So nennt man in der Finanzwelt ein mit über einer Milliarde Dollar bewertetes Start-Up. Wie etwa die Plattform „WeWork“, die fesche Büro-Räume vermietete und in den letzten Wochen in die Krise geriet. Gründer Adam Neumann brachte es fertig, das im Januar noch mit 47 Milliarden bewertete Start-Up auf 8 Milliarden herabzuwirtschaften. 39 Milliarden Euro mal eben „verbrannt“. Das sind gut 131 Millionen für jeden Tag dieses Jahres. Dafür hätte man in Deutschland das Klimapaket finanzieren, die Firma Schlecker dafür 39 Mal Konkurs gehen und Charlie Sheen vollgekokst einen Dreier mit Megan Fox und Lindsay Lohan schieben sowie obendrauf die teuerste Immobilie des Jahres in Bel Air erwerben können für knapp 100 Millionen – mit 21 Badezimmern. Für den ganz großen Durchfall. Und zwar jeden Tag neu!

Adam Neumann selbst hat sich sein Versagen mit etwa 1,5 Milliarden vergüten lassen. Scheitern muss sich wieder lohnen! Wenn es um Start-Ups geht, beginnt für Investoren eben die Märchenstunde. Weil sie wahrscheinlich in der Schule fehlten, als das Thema „Einhörner gibt es nicht“ behandelt wurde. Die Droge „Start-Up“ beweist, dass man sich an der Wall Street auch ohne Crack einen goldenen Schuss setzen kann. Nicht umsonst heißt es „Finanzspritze“, welche die japanische „Softbank“ in WeWork investierte (insgesamt 20 Milliarden).

Ein Einhorn! „Sei doch bitte realistisch,“ sage ich zu meinem Bruder. „Ok,“ meint er, „dann eben ein fair bewertetes Start-Up.“ „Uh… Welche Farbe soll dein Einhorn haben?“

Warum wir jetzt ins All fliegen!

Bavaria One heißt das Raumfahrtprogramm, das Markus Söder letztes Jahr vorstellte. Alle fragten verwirrt: Wie bitte? Sucht die CSU jetzt intelligentes Leben im All, weil es in Bayern keins gibt? Oder will Söder einfach nur dahin, wo er mental schon längst lebt: Hinterm Mond… Um ihm diesen Wunsch zu erfüllen, plant der Wirtschaftsminister jetzt sogar einen deutschen Weltraumbahnhof!

All das lenkt herrlich ab vom Maut-Skandal, in den Verkehrsminister Scheuer von der CSU gerade verwickelt ist. Der Mann versprach „maximal mögliche Transparenz“, was anscheinend in CSU-Kreisen in etwa der Durchsichtigkeit der Außenmauer von Schloss Schwanstein entspricht. Während Scheuer also fröhlich mauert und per Salami-Taktik nur die Bruchstückchen preisgibt, die jemand anderes bereits rausgefunden hat, schält sich folgendes Bild heraus: Nicht nur hat Scheuer eine Maut gebastelt, die so vereinbar mit EU-Recht ist wie serieller Bankraub – wobei einschränkend angemerkt werden muss, dass serieller Bankraub sehr wohl vereinbar mit EU-Recht ist, solange die Banken den Raub an ihren Kunden begehen…

Nein, der Minister hat es überdies fertiggebracht, einem privaten Konsortium einen sehr vorteilhaften Deal zu Lasten des Steuerzahlers zu vermitteln, der uns Bürger etwa 700 Millionen Euro kosten kann. Oder anders gesagt: Jedem von uns nimmt Herr Scheuer knapp 10 Euro ab, damit darbende Millionäre ein wenig reicher werden. Damit hält er ein zentrales Wahlversprechen der CSU ein: Obwohl die Maut gestorben ist, findet der Straßenraub trotzdem statt!

An dieser Stelle kann der deutsche Weltraumbahnhof gar nicht früh genug fertig werden. Um mit Bavaria One Herrn Scheuer zum Mond zu schießen!

Warum ein Deal kein Deal ist!

Im Pariser Zoo wird grade ein Wesen ohne Gehirn aber mit 720 Geschlechtern vorgestellt. Zuerst dachte ich: „Wow! Jetzt haben sie also das britische Parlament in den Zoo gesperrt!“ Viele Briten dürften das begrüßen – es handelt sich bei dem Wesen jedoch „nur“ um einen evolutionär besonders spannenden Pilz.

Das britische Parlament hingegen stimmt heute über Johnsons „Brexit-Deal“ ab. Ein Deal, dessen Sollbruchstellen am „Back-Stop“ entlang verlaufen. Lange war ich der Annahme, dass ein „Back-Stop“ eine Art besonders heftiger Verstopfung ist… Betrachtet man das Drama und die Unbeweglichkeit der Debatte darum, dann hat diese Ansicht auch eine gewisse Berechtigung…  Immerhin geht es um die Frage, ob Nordirland durch eine harte Zollgrenze von Irland getrennt ist. In gewisser Hinsicht betrifft es so den Hinterausgang der EU – wenn also die Nordiren manchmal das Gefühl haben, sie wäre voll am A…., dann ist diese Empfindung nicht völlig aus der Luft gegriffen!

Der neue Deal, der in vielerlei Hinsicht der alte Deal ist, verlegt die Zollgrenze kurzerhand in die Irische See – so eine Verflüssigung soll Wunder wirken bei Verstopfung. Ob diese neue ins Meer versenkte Grenze der Weg zu jener grenzenlosen Freiheit ist, welche viele Brexiteers sich erhoffen, ist zweifelhaft. Aber zumindest kommt Bewegung in den Stuhl, äh, die Sache.

Der hirnlose Pariser Pilz (und ich betone, es geht auch nicht um Macron!) kennt trotz seiner Gedankenlosigkeit 720 verschiedene Arten der Fortpflanzung – er ist quasi der „Tantra Pilz der Schöpfung“. Wo Paul Simon über „50 ways to leave your lover“ sang, kreiert der Pilz “720 ways to be a mother!” Und wenn schon ein hirnloser Pilz so kreativ ist, dann wäre es doch wirklich schade, wenn die selbst gekürte Krone der Schöpfung, also der Mensch, an gedanklicher Verstopfung eingeht!

Was wir kriminellen Großclans schulden!

Der Mensch ist von jeher ein merkwürdiges Tier. Biologisch notwendig sind für ihn eigentlich nur ausreichende Nahrung und die Fortpflanzung. Alles andere ist eine Form von Spiel. Lange war das so genannte „Adels-Spiel“ sehr populär, in dem einige besonders kräftige Exemplare von Homo Sapiens die schwächeren der Gattung brutal unterdrückten und ausbeuteten. Dieses Spiel von „der Stärkere hat recht“ breitet sich zunehmend aus. Auch in demokratischen Gesellschaften.

So halten seit einiger Zeit kriminelle Groß-Clans Berlin in Atem. Bei ihnen zählt nur die Familie, sie haben sich über die Jahre Netzwerke aufgebaut, die außerhalb staatlicher Legitimation agieren. Ihr freches Auftreten wird immer unverschämter. Almosen vom Staat nehmen sie an. Statt Dankbarkeit fordern sie immer mehr. Die Rede ist hier mal nicht von arabischen Groß-Familien, sondern von einer deutschen. Die Hohenzollern, ein so genannter Adels-Clan, möchten vom Staat gern ein Schloss (Cecilienhof) zurück erhalten zusammen mit etlichen Kunstschätzen.

Nun ist es ein großes Wort, im Zusammenhang mit den Hohenzollern von Kriminalität zu reden. Außer man wertet das Anzetteln etlicher Kriege, das willige Eintreten in den ersten Weltkrieg und die bereitwillige Unterstützung des Hitler-Regimes als Verbrechen. Interessanterweise sehen viele Menschen Verbrechen dieser Größenordnung jedoch eher als Naturkatastrophe. „Kann man halt nix machen“. „Dumm gelaufen“. Zumal jener Kronprinz Wilhelm, der Hitler so bereitwillig diente, vom Intellekt her nicht in der Lage gewesen sein soll, den ganzen Sachverhalt zu begreifen. Es ist sicher schwer, ein Gericht zu finden, das einen der heutigen Angehörigen einer kriminellen (womöglich noch arabischen) Großfamilie freispricht, weil er eigentlich zu doof für seine Verbrechen gewesen sei…

Überdies lässt sich der derzeitige oberste Hohenzollern-Prinz dem Vernehmen nach immer noch mit „Königliche Hoheit“ ansprechen. Das ist vielleicht in Fetisch-Sex-Kreisen ein lustiges Spiel, aber im 21. Jahrhundert wirkt eine derartige Anrede in etwa so überholt wie eine Mammut-Jagd mit Pfeil und Bogen.

Das letzte Wort im Hohenzollern Prozess um Schloss Cecilienhof ist noch nicht gesprochen. Anscheinend kann man das Adels-Spiel immer noch spielen.

Warum die AfD nach“hallet“!

Nach dem Anschlag von Halle war man sehr schnell damit zur Hand, der AfD die Schuld in die Schuhe zu schieben. „Geistige Brandstifterei“ hieß es aus dem etablierten neo-liberalen linksgrün-versifften Eliten-Milieu in Richtung der AfD. Darauf konterte die Fraktionschefin der AfD gekonnt: „Wer dieses entsetzliche Verbrechen missbraucht, um die politische Konkurrenz mit haltlosen Diffamierungen zu verleumden, der spaltet die Gesellschaft“. Genau. Das ist nämlich jene die Gesellschaft einende Alice Weidel, die vor einiger Zeit betonte: „Diese Schweine (die Regierung) sind nichts anderes als Marionetten der Siegermächte des 2. Weltkrieges und haben die Aufgabe, das deutsche Volk klein zu halten indem molekulare Bürgerkriege in den Ballungszentren durch Überfremdung induziert werden sollen.“

Dieselbe Alice Weidel, die in einer Partei mit einem ebenso betroffenen Björn Höcke ist, der direkt von diesem judenfreundlichen „Denkmal der Schande“ im „Herz der Hauptstadt“ betroffen ist. In einer Partei mit Alexander Gauland, der türkischstämmige Deutsche „in Anatolien entsorgen“ möchte. In einer Partei mit Beatrix von Storch, die schon länger darauf wartet, dass „jemand den ganz großen Knüppel rausholt und das damit schafft, innerhalb von zwei Tagen zu beenden“.

Dass man diese Gestalter friedliebender Rhetorik jetzt auch noch haltlos diffamiert, indem man ihr Gesülze der letzten Jahre wieder aus der Schublade holt und dadurch die Gesellschaft spaltet, das ist wirklich gemein. Und unfair. Sieg Heil. Wird man doch wohl noch mal sagen dürfen in dieser „Meinungsdiktatur“, in dieser von „Schweinen“ und „Marionetten der Siegermächte“ regierten Landes, im „versifften links rot-grünen 68er Deutschland“ (Jörg Meuthen, AfD), in der „brennende Flüchtlingsheime kein Akt der Aggression sondern ein Akt der Verzweiflung“ (Sandro Hersel, AfD) sind.

Warum wir die Killerwurst fürchten!

Tod durch Einkauf im Supermarkt – in Hessen starben bereits zwei Menschen an Listerien-Keimen in der Wurst der Firma Wilke. Bei allem Schrecken steckt hat diese Tragik auch eine schwarzhumorige Komponente: einem Vegetarier wäre das nicht passiert – selbst wenn ihm sonst alles wurscht wäre…

Sogar für Nicht-Vegetarier (wie mich) gestaltet sich die Preisfindung für Fleisch etwas merkwürdig. Denn die klimaschädlichen Folgekosten der Fleischproduktion sind im Preis nicht enthalten. Ein Kilo Fleisch verbraucht 15.000 Liter Wasser – ein Kilo Kartoffeln nur rund 100. Die Schweinerei, die Fleischhaltung im wahrsten Sinne des Wortes anrichtet, wird also nicht wieder aus dem Weg geräumt. Das ist ein wenig, als käme jemand bei Ihnen zu Hause vorbei, kackte auf den Wohnzimmerteppich und weigerte sich dann, das wegzumachen. Womöglich mit der Begründung: Die neoliberale linksgrün versiffte Elite sollte sich gefälligst unterstehen, ihm vorzuschreiben, wo er neuerdings seine Notdurft verrichten dürfe…

Eine Untersuchung stellte jetzt fest, dass das geplante EU-Abkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten vor allem einer Gruppe nutzt: Südamerikanischen Rinderfarmern. Was die dazu bewegen könnte, den Regenwald noch schneller zu entsorgen. Nun heißt es gern, dass die Mercosur Staaten sich in dem Abkommen doch verpflichten, das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten. Wenn sie es nicht tun (und Bolsanero bolzt den Regenwald nieder!), dann folgt an Konsequenz: Nix! Das ist in etwa so wirkungsvoll, als verböte man Kindern exzessiven Süßigkeiten-Konsum mit der Drohung: „Dann guckt Mami aber böse!“

Kinder sind übrigens die Leidtragenden dieser klimaschädlichen Fleisch-Preise. Und bei allem Gerede über Kinderschutz sollten wir vielleicht mal über kinderfeindliche, also „pädophobe Preispolitik“ nachdenken. Denn eins darf uns dieser Planet und unsere Nachkommen auf keinen Fall sein: wurscht!

Wer anderen einen Zoll gräbt!

Die USA erheben Strafzölle auf europäische Waren, um Subventionen für Airbus zu unterbinden. Im Gegenzug will die EU Zölle auf amerikanische Waren erheben, um Subventionen von Boeing zu unterbinden. Das Ganze nennt sich Handelskrieg. Bei uns zu Hause hieß so was früher nur: Kindergarten! Zölle haben eine lange, wechselhafte Geschichte. Im Mittelalter gab es Wegzölle. Heute sind die abgeschafft. Und durch „Sanifair“ oder „Struller-Zoll“ ersetzt. Im Prinzip dasselbe, nur dass es im Mittelalter keinen Wertbon gab, mit dem man sich dann Süssigkeiten kaufte, die der Diabetes eigentlich nicht brauchen konnte.

Nun ist nicht jeder Zoll schlecht. Greta Thunberg etwa wird zum ersten Mal mit Trump einer Meinung sein: Zölle auf Flugzeuge sind lang überfällig! Vielleicht gibt es am Flughafen demnächst diese Ansage: „Wir können leider nicht abheben, weil die Flugzeuge zu teuer waren. Bitte nehmen Sie den Zug und bedanken Sie sich für diese umweltfreundliche Maßnahme bei Donald Trump.“

Staatliche Subventionen, damit etwas in die Luft geht, gibt es ebenfalls schon länger und sie haben viele Namen: im Fall von Condor heißt das Rettungspaket, im Fall von Airbus Forschungszuschüsse. Im Fall von Boeing heißt es: Milliardenschwere Rüstungsaufträge, um ganz nebenher einen Kamikaze-Bomber wie die neue Boeing 737Max zu entwickeln. Freie Märkte sind halt ein Mythos, der sich genauso hartnäckig hält wie „Boris Johnson will nur das Beste für Großbritannien“.

Nun werden aber nicht nur Flugzeuge mit Zöllen belegt, sondern interessanterweise auch die drei heiligen Ps der Italiener: Parmesan, Pecorino und Provolone – wenn es noch einen Beweis brauchte, dass diese ganze Fliegerei letztlich nix als Käse ist, ist er hiermit erbracht!

Besonders schön: Berlin ist von den Zöllen komplett ausgenommen – keinen Flughafen zu haben, hat eben auch Vorteile!

Warum wir weniger verbrauchen!

„Was soll denn das?“ frage ich meinen Kumpel, der gerade einen neuen Plattenspieler auspackt, um ihn an seine ebenso neue analoge Stereo-Anlage anzuschließen. „Altersvorsorge,“ erwidert er knapp. Wie bitte? „Na ja, bevor die Banken Negativzinsen erheben und mein Geld auf dem Konto eine Kernschmelze erlebt, gebe ich es lieber aus. Verglichen mit der Bank-Rendite ist das hier ein Turbo-Zertifikat“. Mit dieser Strategie ist er nicht allein. Trotz „abkühlender Konjunktur“ kaufen die Deutschen, was das Zeug hält. Als möchten sie das alte Zitat „Die Demokratie wird auch am Hindukusch verteidigt!“ ummünzen in: „Die Demokratie wird auch im Rewe verteidigt!“

Denn wo „Abkühlung“ gegen eine drohende „Heißzeit“ als positiv gilt, hat das Wort auf DAX-Manager eine ähnlich herzinfarktfördernde Wirkung wie das Wort „Vermögenssteuer“. Oder „Steuerfahndung vor der Tür!“ Wenn es jetzt also heißt: Die Konjunktur macht das, was die Regierung mit dem Klimaschutz macht („sie schwächelt“), dann löst das zuvorderst Panik aus. Firmen setzen bereits jetzt vermehrt auf „Kurzarbeit“. Kurzarbeit in der Industrie, oder wie man auf der Behörde dazu sagt: „Überstunden“.

Doch vielleicht ist eine schwache Konjunktur genau das, was wir jetzt brauchen? Immerhin heißt schwache Konjunktur auch: Weniger Produktion, weniger Konsum (wenn den renitenten Deutschen die Kauflaune erst mal vergeht), weniger fossile Brennstoffe. Und dadurch weniger Klima-Erwärmung. „Nur eine schwache Konjunktur ist eine starke Konjunktur“, würde Greta Thunberg wohl sagen. Vielleicht sollte „Kurzarbeit“ Wort des Jahres 2020 werden – vorausgesetzt, dass damit nicht nur eine weitere Amtszeit des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz gemeint ist.

Vielleicht brauchen wir alle mal eine gepflegte Zivilisations-Depression. Und eine Rezession, die uns zurückwirft auf den CO2 Ausstoß der 60ger. Damit wir auch morgen noch eine Konjunktur erleben können.