Autor: Alexa Knitter

Warum Hamster ein Vorbild sind!

Was unterscheidet Hamster von Arbeitern in der Fleischindustrie? Richtig: Hamster kriegen Corona-Schutz! Einer Studie zufolge steckten sich Hamster, die durch ein Äquivalent von Atemschutzmasken geschützt wurden, erheblich weniger mit Corona an. Eine Hamster-Kontrollgruppe ohne Atemschutz infizierte sich fast vollständig. Denen ging es also nicht besser als osteuropäischen Fleisch-Arbeitern – dafür hatten sie aber weniger mit Schweinen zu tun. Und ich rede hier nicht nur von den Fleischindustrie-Bossen…

Letztere sollen nach Corona-Massenansteckungen in Fleischfabriken verpflichtet werden, für bessere Arbeits- und Unterbringungsbedingungen ihrer Arbeiter zu sorgen. Die Industrie lehnt erwartungsgemäß staatliche Regulierung ab und möchte lieber eine „freiwillige Selbstverpflichtung“ – was letztlich wirtschaftsdeutsch für „Ihr könnt uns mal“ ist.

Die Unterkünfte sind allerdings wirklich nicht gut und teils so katastrophal, dass ein Sub-Unternehmer mal aus Kostengründen vorgeschlagen haben soll, zusätzlich zu den Arbeitern auch Schweine in der Massen-Unterkunft einzuquartieren. „Was ist mit dem Gestank?“ fragten die Arbeiter entsetzt? Antwort: „Ach, daran werden sich die Schweine schon gewöhnen!“

Fleisch ist ja auch deshalb so günstig, weil diverse Kosten nicht im Preis enthalten sind: Etwa die Umweltschäden, welche Massentierhaltung produziert. Oder die gesellschaftlichen Folgekosten kranker Mitarbeiter. Oder das Leid der Schweine. Vielleicht ist es an der Zeit, Massentier- und Massen-Mensch-Haltung mal auf ihre Nachhaltigkeit zu überprüfen? Und auf die Schäden, die ein aus dieser Nachlässigkeit entstehendes weiteres Herunterfahren der Wirtschaft verursachen könnte.

Anders gefragt: Wenn sogar Hamster Corona-Schutz kriegen, wann sind die Arbeiter in der Schweine-Industrie damit dran? Bevor wieder irgendwelche Schweine mit dem „hamstern“ anfangen…

Warum wir jetzt Diesel fahren!

Sprechen wir mal über einen Menschenschlag, dem es schon vor der Krise dreckig ging. Der finanziell minderbemittelt vor sich hin vegetierte, ohne Perspektive und ohne Hoffnung auf Erfolg. Sprechen wir über – den Lobbyisten. Lange ging es ihm schlecht, kaum traute er sich, den Mund auf zu machen. Und wenn er ihn öffnete, stopften ihm diese widerlichen „Fridays for Future“-Wohlstandskinder mit der ebenso unsäglichen Greta Thunberg irgendwelche Umwelt-Parolen in den Hals, an denen er fast erstickte. Es saht nicht gut aus für den Lobbyisten.

Doch er ist wieder da! Dank Corona. In der Brüsseler Lobbyisten-Szene herrscht eine Vorfreude, wie man sie sonst nur von Kitas kennt, wenn der Weihnachtsmann kommt. Denn jetzt hat die Umwelt erst mal nix mehr zu melden. Das jedenfalls sagt der Lobbyist laut und deutlich: „Wir können jetzt nicht auch noch auf die Umwelt Rücksicht nehmen. Es geht um die Wirtschaft. Es braucht eine ,Abwrackprämie 2.0‘ und dringende Subventionen für den Diesel – nur er kann uns jetzt noch retten.“

Klar, das ist ein wenig, als wollte Ihnen jemand gute, alte, deutsche Röhren-Fernseher andrehen, um die Dominanz asiatischer Flat-Screens zu brechen – oder das Pferd als umweltfreundliche Alternative zum Auto unterjubeln. Immer klarer kristallisiert sich heraus: Umwelt muss warten. Die soll sich jetzt mal nicht so anstellen. Wir kümmern uns später drum. Nach der Klimakatastrophe…

Es ist ein dringlicher Schauergesang, den der Lobbyist jetzt anstimmt. Der Staat muss „die Wirtschaft“ retten. Und unrentable, energie-intensive Unternehmen (Chemie-, Stahl-, Aluminiumproduzenten etc.) vor einer Umwelt-Gebühr bewahren. Im Klartext: Der Steuerzahler soll private Gewinne der Aktionäre finanzieren. Moment mal: wenn ich jemand finanziere, sollte ich da nicht an den Gewinnen beteiligt werden? Oder, radikaler gefragt: Wenn die Allgemeinheit ein Unternehmen finanziert, sollte es dann nicht auch der Allgemeinheit gehören?

Warum wir jetzt Widerstand leisten!

„Warum lässt du dir deine Freiheit so einschränken?“ sagt eine Stimme in meinem Unterbewusstsein (nennen wir sie „Harry“) Darauf ich: „Damit das blöde Corona-Virus sich nicht so ausbreitet!“ „Ach, Quatsch,“ meint Harry, „da fällst du wirklich noch drauf rein? Corona ist auch nicht gefährlicher als eine Erkältung.“ „Da sehen die Virologen aber anders,“ setze ich an… „Die sind dumm. Und im Dienst von Bill Gates…“

„Was hat denn Bill Gates damit zu tun?“ „Du musst auch mal die großen Zusammenhänge sehen,“ erwidert Harry fort, „ich will ja jetzt nicht anti-jüdisch klingen, aber Bill Gates…“ „Bill Gates ist kein Jude,“ sage ich, „und selbst, wenn…“ „Genau,“ triumphiert Harry, „deshalb klinge ich ja auch nicht anti-jüdisch. Obwohl die jüdische Finanzelite natürlich zusammen mit Bill Gates das Virus entwickelt hat, um die ärmere Hälfte der Bevölkerung auszulöschen…“ „Ich denke, das Virus ist nicht gefährlicher als eine Erkältung,“ werfe ich ein. „Die Leute sterben doch auch nicht am Virus. Sondern,“ und er beugt sich verschwörerisch nach vorn, „an den Zwangsimpfungen!“

„Bitte was?“ „Ja, genau, Zwangsimpfungen. Bill Gates hat schon 2015 vor einer Pandemie gewarnt und entwickelt jetzt einen Impfstoff, um davon zu profitieren. Erst entwickelt er die Krankheit und dann die Medizin. Teuflisch. Bei den Zwangsimpfungen wird dann der ganzen Menschheit ein Chip eingesetzt, damit sie als ferngesteuerte Automaten die Wünsche der Mächtigen erfüllen.“ „Ich dachte, dafür sorgen schon russische Trolle und Nazi-Bots,“ erwidere ich. „Jetzt werd mal bloß nicht fremdenfeindlich,“ sagt Harry beleidigt, „Attila Hildmann und Xavier Naidoo haben nicht so abgehoben auf mich reagiert.“

Die Realisierung, dass ich einen Nazi im Unterbewusstsein und den auch noch mit anderen teile, ist ein Schock. Gerade Attila Hildmann und Xavier Naidoo, die gemeinsam beweisen, dass vegane Kost und regelmäßiges Kiffen nicht notwendigerweise zu gesteigerter geistiger Gesundheit führen… Ich überlege, Harry dem Verfassungsschutz zu melden. Verwerfe die Idee. Womöglich setzen die mir dann einen V-Mann ins Unterbewusstsein. Und noch einen Nazi da drin halte ich nicht aus.

Warum wir jetzt befreit sind!

Gestern feierte Berlin als einziges Bundesland einen neuen – und einmaligen – Feiertag: Den „Tag der Befreiung“. Oder, wie Björn Höcke vermutlich wutschnaubend sagen würde: „Tag der Schande und der Niederlage“. Aber das ist eben das Schöne an dieser Stadt: Seit der Geschichte mit der permanenten Nicht-Eröffnung des Flughafens werden auch Niederlagen gefeiert. Und wer schon mal ein schmerzhaftes Beziehungsende überstehen musste, weiß: Jeder Niederlage wohnt auch eine Befreiung inne.

Folgt man dem „Gesetz der Reihe“, dann müsste nach dem 8. März (Weltfrauentag) und dem 8. Mai („Befreiung“) im nächsten Jahr der 8. Juli dran sein – angeblich der „Tag des Videospiels“ oder der „Fake News“– vielleicht eine würdige Erinnerung an diese Corona Zeit? Denn was Feiertage angeht, hinkt Berlin mit 10-11 Feiertagen Bayern mit immerhin 13 Feiertagen immer noch hinterher. 2022 nehmen wir den 8. September dazu, der zeitgleich der Welttag der sozialen Kommunikationsmittel und der Physiotherapie ist – eine würdige Kombination: Geht doch die ständige Nutzung von Facebook und Instagram häufig einher mit der Notwendigkeit der Behebung von Haltungsschäden und Fingerproblemen. Der 8. November dann (ab 2023) ist mit dem „Weltputzfrauentag“ eine wichtige Ehrung des Niedriglohnsektors.

Schwierig wird es ab 2024, wo eigentlich der 8. Januar dran wäre. Der ist aber laut „Bibliothek der Welttage“ nirgendwo ein besonderer Tag… 2025 endlich kommen wir dann wieder am 8. März und Weltfrauentag an. Und empfinden es vielleicht als „Tag der Befreiung“, dass nicht andauernd ein neuer Feiertag dazu kommt. Schließlich fiel auch der zweifelsohne wichtige „Tag der Befreiung“ kaum auf – in diesen Zeiten der Quarantäne und des Lockdowns ist ein weiterer Tag mit geschlossenen Geschäften für viele Menschen nur: „Noch nicht mal mehr Aldi hat heut offen!“ So gesehen ist in den nächsten Wochen jeder Tag ein „Tag der Befreiung“, an dem auch mal wieder ins Café darf…!

Warum wir jetzt Fußball gucken!

Da dreht man mal eben ein 9 Minuten Video über Spaß mit seinen Kumpels, und schon ist man meistgehasster Fußballer Deutschlands. Jetzt sind 350 Millionen Euro TV-Gelder für die Fußball-Bundesliga in Gefahr – dieser Film könnte mit knapp 40 Millionen Euro pro Drehminute zum teuersten Film der Geschichte aufsteigen.

Dabei kann der Fußball so ein „Video-Gate“ grade gar nicht gebrauchen. Schließlich hat man für die Saison-Wiedereröffnung extra ein „Hygiene-Konzept“ erarbeitet, das einen Sicherheitsabstand vorsieht – abseits des Spielfeldes. Was das bringen soll, wenn während des Spiels sowieso berührt wird, weil der Begriff „Zweikampf“ nichts mit „zwei Meter Abstand“ zu tun hat, ist nicht ganz klar, aber alle fanden es Klasse.

Denn es geht um Geld. Viel Geld. Schon jetzt hat der Transfermarkt im Fußball einen Wertverlust von über 9 Milliarden Euro hinnehmen müssen, Tendenz steigen. Setzt dieser Trend sich fort, könnte es zu einem ähnlichen Preisverfall kommen wie auf dem Ölmarkt, bei dem in der Spitze ein Negativpreis entstand. Im Fußball erhalten Sie dann Geld anstelle des Vereins, wenn Sie einen Profi bei sich auf- und ihm das Handy wegnehmen!

Alternativ ließe sich auf bei 10 infizierten Personen bei Bundesliga-Vereinen (bislang) an eine Fortsetzung der Liga denken, wenn man die Spieler kollektiv in Qurantäne schickt und die Bundesliga ein zwei Ligen teilt: BLNI (Bundesliga nicht infiziert) und die BLI (infiziert). Dann gehen die Spieler für 16 Jahre in eine Art Internat, werden sehr gut bezahlt und haben keinen Kontakt dafür mit der Außenwelt.

Doch dann entsteht die nächste Transfer-Krise. Auf dem Spielerfrauen-Markt. Wie soll sich bitte die Oma von Cathy Hummels öffentlichkeitswirksam Sorgen über eine mögliche Affäre von Mats mit Lena Meyer-Landrut machen, wenn Cathy ihn nie hätte kennenlernen können? Was würde dann aus ihrer Influencer-Karriere? Der nächste Bankrott wäre vorprogrammiert. Und das geht ja nun wirklich nicht!

Warum wir jetzt demonstrieren!

Gestern war „Tag der Arbeit“ – und viele fragten besorgt: „Arbeit? Was zum Teufel war das noch mal?“ Seit Corona wissen wir, welche Arbeit benötigt wird – nämlich kaum welche. Natürlich ist es kein schöner Zustand, die eigene Überflüssigkeit so brutal ins Gesicht geknallt zu kriegen. Gastronomie, Tourismus, Kultur – es geht auch ohne. Es geht nicht gut, zugegeben. Es ist, um ehrlich zu sein, ein wenig wie ein Paradies für Islamisten. Das „Corona-Kalifat“: Keine Musik, keine Kultur, keine Kneipen – und alle sind verschleiert und permanent am Beten, dass es besser wird…

Die Taliban laufen da in ihrer Heimat zu Hochform auf: Sie verteilen Lebensmittel, klären über Covid-19 auf und sorgen für die Einhaltung der Quarantäne. Ähnlich wie Straßengangs in Südamerika – sogar Kriminelle wollen in der Krise ihre Systemrelevanz beweisen. Der Rest von uns kämpft mit den Tücken des Home-Office und der Unmöglichkeit, gleichzeitig als Manager, Erzieher, Lehrer, Hobby-Gastronom und Altenpfleger tätig zu sein – also das, was früher unter dem Begriff „Hausfrau“ abgewertet wurde.

Ganz Glückliche sind Beamte. Oder Menschen in Kurzarbeit. Was ja häufig dasselbe ist. Immerhin haben die noch (ein wenig) zu tun. Der Rest von uns kann noch nicht mal mehr demonstrieren. Keine roten Fahnen, Reden von Solidarität, der Arbeiterklasse. MyFest, Straßenkämpfe, die Chaoten gegen die Bullen, auf Tuchfühlung, Mann gegen Mann, der schwarze Block – alles abgesagt. Nur der Staat steht mit 5000 Polizisten bereit gegen ein paar „Spontis“, die vereinzelte Demonstrationen mit Abstand und ohne Berührung (außer wenn die Polizisten sie anfassen – dann kommt es zum heißen Corona-Tausch!) angekündigt hatten. Große Ausnahme zu den letzten Jahren: Ein „Vermummungsverbot“ war diesmal nicht durchzusetzen…

Aber auch dieser „Tag der Arbeit“ ist vorbei. Jetzt kommen die anderen 364 Tage des Jahres. Also die ohne Arbeit.

Warum wir bereits herdenimmun sind!

Herdenimmunität! Noch so ein Wort, das wir vor sechs Wochen nicht kannten. „Erst wenn eine Durchseuchung der Bevölkerung stattgefunden hat, und ein Stadium der „Herdenimmunität“ erreicht ist, kann das gesellschaftliche Leben wieder zu einem Vor-Corona-Zustand zurückkehren“ – heißt es gern. Dabei gibt es Herdenimmunität bereits: Jeder, der schon mal einen Lieblings-Witz auf einer Party riss, gegen den die ganze versammelte Herde immun zu sein schien, kennt dieses Phänomen. Auch gegen die Klimakatastrophe ist die Menschheit weitgehend immun: Umwelt wird vielerorts nur als etwas wahrgenommen, das einer Autobahn im Weg steht.

Weitere Bereiche, in denen Herdenimmunität bereits erreicht ist: Eltern, deren Sprösslinge immun gegen akzeptable Manieren sind. Finanzpolitiker, die als Herde immun gegen schärfere Regeln für Banken sind. Spitzenfußballer und Großkonzerne, die eine Herdenimmunität gegen Steuerzahlungen entwickelt haben. Unternehmensberater und -optimierer sind immun gegen die wirklichen Bedürfnisse von Firmen. Nazis sind herdenimmun gegen Mitgefühl. Und natürlich Beamte, denen man eine Herdenimmunität gegen Arbeit nachsagt. Tatsächlich erstaunt es, dass noch nicht einmal Donald Trump diesen Ansatz in die Diskussion eingebrachte: Aus Beamtenblut einen Impfstoff gewinnen – das Virus wird darin so träge, dass eine weitere Verbreitung bis nach dem Tod des Wirtskörpers verzögert wird!

Doch auch der amerikanische Präsident lebt ja in Herdenimmunität: Seine Hirnzellen sind als Herde immun gegen wirklich intelligente Gedanken. Vielleicht liegt es an einer Therapie, die er jetzt auch seinem Volk empfiehlt: Dem Spritzen von Desinfektionsmitteln – ein Großteil seiner Spiegelneuronen scheint bereits zu Tode desinfiziert.

Nur was das Corona-Virus angeht, scheint eine Herdenimmunität noch so fern wie eine Durchseuchung der Menschheit mit Intelligenz…

Warum wir in Berlin einen neuen Park kriegen!

Erinnern Sie sich noch an die Diskussion um ein Burka-Verbot? Vorbei, vorbei. Stattdessen wird Gesicht-Verhüllung Pflicht – Besitzer moderner Smartphones mit „Face-Recognition“ werden von ihren Telefonen wie lumpige Diebe behandelt und müssen mühselig einen endlosen Code eintippen, was wertvolle Zeit vernichtet. Das wiederum fällt nicht weiter ins Gewicht, weil sowieso alle in einer quälend langsamen Schlange vor dem Baumarkt stehen, weil jeder „bitte einen eigenen Einkaufswagen zur Abstandswahrung“ nutzt. Leere Regale, endloses Anstehen, die Grenze zu Meck-Pom dicht – die DDR lebt! Dank Corona haben wir das, was Ministerpräsidenten Tränen der Seligkeit in die Augen treibt – in jedem Bundesland einen anderen Staat. Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin versuchte zwischenzeitlich sogar, eine eigene Republik auszurufen und Berlinern die Einreise zu verbieten!

Die Kanzlerin sprach angesichts des föderalen Corona-Flickenteppichs von „Öffnungsdiskussionsorgien“ – über Öffnung zu diskutieren galt lange Zeit als Therapie-Geschwafel aus den 80gern („Irgendwie habe ich das Gefühl, dass du da keine richtige Öffnung für hast…“). Dass es mittlerweile zur Orgie mutiert, wirft einen tragischen Schatten auf unsere runtergekommene Sexualität.

Denn die Öffnung fällt durchaus unterschiedlich aus. In einigen Deutschlands haben alle Geschäfte wieder geöffnet, die es schaffen, ihre Verkaufsfläche auf 800qm herunterzurechnen – in anderen Deutschlands helfen solche Rechentricks nix. In einigen Deutschlands herrscht Atemmasken-Pflicht, in anderen kann man noch frei atmen – außer man hat das Virus. Dann kriegt man manchmal sogar eine eigene Beatmungsmaschine, was noch bescheuerter aussieht als eine Schutzmaske. Das wiederum ist irrelevant, weil sowieso niemand besuchen darf. In einigen Deutschlands fällt sogar das Oktoberfest aus – ein echter Verlust, da geselliges Saufen als Zoom-Konferenz ungefähr so reizvoll ist wie eine Fahrrad-Wanderung auf dem Ergometer.

Berlin hingegen wird das „Oktoberfest“ feiern: Alle Sicherheitsanlagen am BER-„Fluchhafen“ wurden vom TÜV abgenommen – einer Eröffnung im Herbst steht nichts mehr im Weg. Zu einer Zeit, in der niemand mehr in ein Flugzeug steigt, eröffnet die Hauptstadt einen neuen Airport – das ist ein wenig, als ob ein zum Tode Verurteilter als Henkersmahlzeit eine Groß-Packung Viagra bestellt…

Warum wir jetzt stornieren!

„Corona-Storno! Alles abgesagt“ – wie viele andere Menschen hänge ich zurzeit mit viel Zeit und wenig Geld durch. Der Bekannte, dem ich das am Telefon vorjammere, versucht zu helfen: „Und wenn du in deinen alten Job zurückgehst?“ Jetzt etwas Schlagfertiges sagen, denke ich – aber natürlich fällt mir erst später ein, was ich hätte sagen sollen: „Mein alter Job? Das wird nicht gehen – Prostitution ist doch auch tot…“

Künstler sind schließlich nicht die einzigen, die im Augenblick Leerlauf haben. Überall Absagen – der berüchtigte Corona-Storno ist noch ansteckender als das Virus selbst. Interessanterweise fangen jetzt auch Betriebe an zu leiden, bei denen man das nie für möglich gehalten hätte. Hätte euch letztes Jahr jemand gesagt, dass ihr bald für die Lufthansa spenden sollt – ein Anruf in der Nervenheilanstalt wäre sicher gewesen. Mittlerweile rückt das in den Bereich des Möglichen. Wohltätigkeit für Uber und WeWork – die Dritte Welt beginnt neuerdings in den Chefetagen von Möwenpick…

Viele große Konzerne appellieren jetzt an die Kundschaft, doch bitteschön Gutscheine für abgesagte Reisen anzunehmen. Schließlich handele es sich um einen Fall von höherer Gewalt. „Höhere Gewalt ist für mich eine klare Ansage meines Ehepartners“, möchte man ihnen entgegenschleudern, „aber doch nicht die Nicht-Einhaltung eines Vertrags!“ Geld statt Gutschein, raten daher Verbraucherschützer. Schließlich ist Geld – genau betrachtet – auch ein Gutschein. Und zwar einer, den man überall eintauschen kann und nicht nur bei einer einzigen Firma, die eventuell Insolvenz anmeldet und den Gutschein dann in einen „Schlecht-Schein“ verwandelt. So gesehen ist Geld sogar ein „Besser-Schein“.

Aber das begreifen in der Krise nicht alle. Schließlich legt der „Corona-Storno“ auch im Hirn gewisse Schaltkreise lahm. Unter anderem bei mir. Schließlich gibt es ja auch bei einigen meiner Veranstaltungen Gutscheine. Die solltet ihr natürlich auf jeden Fall nehmen – das sind schließlich die „Besten-Scheine“…

Wie Corona uns verändert!

Was an der Corona-Krise am meisten frappiert, ist, dass eigentlich alles wie immer ist: Tage vergehen. Es gibt einen Morgen und einen Abend. Ein Dazwischen. Dann Schlaf. Oder Tod. Meistens Schlaf. Dazu Essen, Trinken, Verdauen. Gedanken haben und austauschen.

Und natürlich ist auch alles anders. Wer hätte vor nur vier Wochen gedacht, dass man den Tag mit einem Blick auf die „Infiziertenzahlen“ beginnt? Wie viele „Neu-Infektionen“ gibt es? Ich schaue neuerdings auf die Robert-Koch-Instituts- und John-Hopkins-Statistiken wie einst auf den Medaillenspiegel der olympischen Spiele. Auf welchem Platz liegt Deutschland? Wie viele Medaillen haben die USA, die natürlich wieder in Führung sind. Ich horche jeden Tag, was Lothar Wieler, der Chef des RKI zu sagen hat, obwohl er immer dasselbe sagt, nämlich, dass er vorsichtig optimistisch ist, es aber zu früh sei, um endgültige Aussagen zu treffen.

Währenddessen wird mein Leben immer schlichter. Unglaublich, wieviel Abwasch auf einmal anfällt, wenn man nicht mehr ausgehen kann. Mein Liebesleben ist seltsam sediert. Überhaupt bin ich verdammt phlegmatisch. 80000 osteuropäische Erntehelfer werden eingeflogen, aber nur 50 minderjährige Flüchtlinge. Alles andere ist „unzumutbar“. Bin mir auf einmal nicht sicher, ob bei 80000 Menschen die Chance auf einen Infizierten nicht deutlich höher ist als bei 50… Und frage mich, ob die armen Flüchtlinge mehr Chancen hätten, wenn sich einfach als „Rekrutierungs-Camp östlicher Erntehelfer“ umdeklarieren?

Aber damit kann ich mich – wie alle – nicht aufhalten. Denn auf einmal ertönt eine Schalmei, so zuckersüß, so liebreizend, dass man die täglichen Statistiken für einen Moment vergisst. „Die Wirtschaft muss hochgefahren werden!“ schallt es aus allen FDP-nahen und nicht ganz so nahen Ecken. Schrittweise Lockerung der Restriktionen – was noch vor kurzem wie das langweilige Aufwärmen einer Senioren-Nordic-Walking-Gruppe klang, nämlich „schrittweise Lockerung“ – verwandelt sich jetzt in ein Konzerto Furioso der „Rückkehr zur Normalität“. Nun sei es dahingestellt, ob man hektisches Rumreisen durch die Welt, Kreuzfahrten ohne Ende, den kurzen Wochenendtrip nach Lissabon oder das Besaufen in einer Kneipe, um das eigene Elend oder das von Hertha BSC zu vergessen (was häufig dasselbe ist) oder um zu vermeiden, einen Moment der Untätigkeit zu erleben – ob man also all das als „normal“ empfindet. Oder ob es normal ist, Flüchtlinge in griechischen Elendslagern der Pandemie zu überlassen. Hauptsache runter vom heimischen Sofa und ran an den Speck. Immerhin fordert es die Leopoldina, die auch vor vier Wochen noch keiner kannte. Aber es gibt Gegenstimmen. Etwa die Helmholtz Gesellschaft – die warnt vor den Folgen einer zu raschen Lockerung. In Ermangelung von Fußball geraten auch wissenschaftliche Institute mittlerweile in einen Wettstreit: Bin ich für die Leopoldina? Oder das Helmholtz-Institut? Gar fürs RKI? Oder doch lieber Hertha BSC?

Oder bin ich fürs Sofa? Müdigkeit überkommt mich. Eigentlich ist doch alles wie immer. Tage vergehen… „Wann fahren wir unser Liebesleben wieder hoch?“ fragt meine Frau. Ich „Lothar-Wielere“ zurück: Ich bin vorsichtig optimistisch, aber es ist noch zu früh, um endgültige Aussagen zu treffen…

Was Ostern wirklich geschah!

Corona ist eine Verschwörung. Nach dem „Cui bono-Prinzip“. Wem nützt es denn? Amazon, den Chinesen und der Charité! Christian Drosten hat also in Zusammenarbeit mit Xi Jinping das Virus in die Welt gesetzt, um die Weltherrschaft zu erlangen, das Bargeld abzuschaffen und bei Amazon Prozente zu kriegen…

Das ist natürlich Quatsch. Die Geschichte war nämlich so: Alles begann Ostern vor etwa 2000 Jahren. Judas hatte Pontius Pilates gesteckt, dass Jesus Corona-infiziert ist. Daraufhin wusch sich Pontius permanent die Hände und schickte den Jesus auf Intensivstation. Damals waren die Krankenhäuser noch etwas schlichter, deshalb nagelten sie die Leute einfach an Kreuze, was ja auch ganz schön intensiv war. Jesus stellte sich tot (dank seiner Rhetorik-Atemschulung) und kam daraufhin in Quarantäne. Dann flüchtete er flink wie ein Hase nach Tibet, lebte dort von versteckten Eiern und eröffnete die erste Yogaschule.

Durch die Abschottung Tibets blieb das Virus jahrhundertelang auf eine Handvoll tibetischer Mönche beschränkt, bis der Dalai Lama letztes Jahr eine Hufeisennasen-Fledermaus küsste. Und diese Hufeisennasen-Fledermaus servierten Christian Drosten und Xi Jinping dann einem Chinesen in Wuhan als Nachtisch – um anschließend die Weltherrschaft zu erlangen, das Bargeld abzuschaffen und Prozente bei Amazon zu kriegen!

Zwecks Verschleierung dieser Verschwörung gründete Jesus damals von Tibet aus „das Christentum“, was sich (wie ein Virus) exponentiell verbreitete. Der V-Mann von Jesus im Vatikan (auch als „Papst“ bekannt) führte dann eine „Abstand halten“-Regel für das eigene Personal ein – das Zölibat. Jedes Jahr zur Zeit der Virus-Befreiung verehren die Christen seitdem den Osterhasen (die Hufeisennasen-Fledermaus war damals in Europa noch unbekannt) und die Eier. Nur eins ist dies Jahr anders: die für die Kinder versteckten Eier kann man finden. Im Gegensatz zu – sagen wir – Klopapier…

Warum wir anders wohnen werden!

Die Corona-Krise macht auch vor der Immobilienwirtschaft nicht halt. Angesichts der Tatsache, dass jederzeit irgendjemand auf der Welt ein unbekanntes, infiziertes Tier finden könnte und neugierig ausprobiert, wie das wohl schmeckt, können unbekannte Viren in Hülle und Fülle auf die Menschheit überspringen. Die Konsequenzen auf dem Wohnungsmarkt werden erst mit Verzögerung durchschlagen. Schon jetzt jedoch sollten Immobilienbesitzer reagieren und einer verunsicherten Mieter- oder Käuferschaft Alternativen anbieten. Der Umsatzschlager schlechthin wird in Zukunft die Corona-freie Immobilie sein.

Jene wird es in unterschiedlicher Ausstattung geben. In der Top-Variante wartet ein eigenes mit Video-Wänden ausgestattetes „Quarantäne“-Zimmer, welches abwechselnd einen Mallorca Urlaub oder ein Taucherlebnis vor den Malediven einspielt und dem auf einem wohltemperierten Wasserbett träumenden Bewohner tiefenpsychologisch wirksam suggeriert. Gegen Aufpreis gibt es die Aktiv-Urlaub-Variante – hier wird eine Bergwanderung eingespielt und das Wasserbett durch einen Cross-Trainer sowie einen Stepper ergänzt.

Ein „Panik-Raum“ enthält ausreichend Nudeln, Mehl sowie Küchenpapier und Desinfektionsmittel, um die nächsten vier Weltkriege plus drei von Xavier Naidoo aufgedeckte „Pädophilen-Ring-Verschwörungen“ ungestört zu überleben.

In allen Räumen gibt es Bewegungs-Sensoren und einen Alarm, sollten die Bewohner die Zwei-Meter-Abstandsgrenze unterschreiten. Bei Überbevölkerung der Immobilie (ab drei Personen) erinnern Wassersprinkler die Bewohner an ihre Virenfreiheits-Erhaltung. Die 1000MBit/s Glasfaser-Leitung ist ebenso Standard wie das fehlende Schlafzimmer – schließlich finden die Zoom-Konferenzen rund um die Uhr statt!

Nicht alle werden sich diesen „Luxus“ leisten können: In der abgespeckten Variante gibt es daher bei der Vermietung einer Ein-Raum-Wohnung in Marzahn einfach nur zwei Rollen Klopapier umsonst dazu…

Warum wir jetzt nicht mehr atmen!

„Globste wirklich, dat dat jegen den Virus hilft?“ fragt mich der ältere Herr im Supermarkt und deutet auf meine zugegebenermaßen etwas in die Tage gekommene Atemschutzmaske. „Natürlich nicht,“ sage ich, „die schützt nur Sie vor meinem „Was-auch-immer-ich-habe“. „Ach, so’n Quatsch“, brummelt er und schlendert zum Bier-Regal. Ich werde nachdenklich – ist das jetzt einfach nur cool oder ziemlich dumm?

Atemschutzmasken sind das Ding des Jahres. Die Nachfrage ist immens. Mit einem entsprechenden Preisanstieg. Kosteten sie Mitte Februar noch 45 Cent das Stück, sind es mittlerweile bis zu 13,52 Euro. Ein Anstieg um 3000 Prozent. Anders gesagt: Hätten Sie im Februar einen Kredit über 1 Million Euro aufgenommen und in Atemschutzmasken investiert, wären Sie heute 29 Millionen schwer…Oder: Hätte die Lufthansa für 35 Milliarden Euro Atemschutzmasken gekauft, wäre sie heute über eine Billion schwer und könnte Apple übernehmen… Der DAX-Index läge bei einem ähnlich rasanten Anstieg bei 270.000 Punkten!

Wer hätte so etwas Anfang des Jahres gedacht? In einer Zeit, als Friedrich Merz noch von „Burka-Verbot“ träumte, nicht ahnend, dass nur Wochen später die ganze Welt nach Gesichtsverhüllung schreit. Die neue slowakische Regierung trug beim Amtseid ausnahmslos Atemschutzmasken. Da konnte auch dem Letzten dämmern, dass grade männliche Politiker mit Schleier wesentlich attraktiver wirken…

Außerdem: Wäre das Maskenfest „Karneval“ ausschließlich mit bunten Atemschutzmasken begangen worden – noch heute ahnte niemand (außer den Anwohnern), dass irgendwo am Ende der Welt ein „Kreis Heinsberg“ existiert! Dieses Nichtwissen hätte einige Leben spürbar verlängert…

Doch Menschen wie der tollkühne Atemschutzmasken-Verächter im Supermarkt haben auch ihr Gutes: Sie senken die Nachfrage. Ich segne innerlich den alten Herrn und wünsche ihm alles Gute – er ist ein Vorkämpfer für bezahlbare Atemschutzmasken!

Warum wir jetzt wieder küssen!

Reden wir nicht immer nur von denen, die in diesem Wohlstandsland in einem fetten sozialen Netz landen, all jene Selbstständigen, Friseure oder Inhaber kleiner Theater und Gaststätten. Sprechen wir von denen, die wirklich nichts haben, die in der ganzen Welt zu finden sind, und die jetzt vor dem Ruin stehen. Sprechen wir von… Adidas.

Der Weltkonzern aus Franken stellte gleich nach Inkrafttreten des „Gesetzes zur Abmilderung der Folgen der Covid-19 Pandemie“ seine Mietzahlungen (weitgehend und vorläufig) ein. Zusammen mit anderen Habenichtsen wie H&M oder Deichmann. Das zog einen Aufschrei des Entsetzens nach sich. Viele forderten gar einen Boykott von Adidas. Leider sieht es etwas bescheuert aus, wenn Menschen vor Geschäften stehen, die bereits geschlossen sind, und dazu lauthals „Boykott“ rufen. Das ist ein wenig, als ob man vor dem Fenster der Ex-Frau steht, die bereits mit dem Neuen zusammen wohnt, und dazu schreit: „Ich trenne mich jetzt von dir!“

Adidas war schon immer recht erfolgreich darin, im Haifischbecken des Kapitalismus erfolgreich mitzuschwimmen. Schließlich ist man ein Weltkonzern und daher geradezu verpflichtet, jegliche Produktion an schlecht gesicherte (und bezahlte) Näherinnen in Bangladesch oder gar an Kinderarbeit-affine Sub-Unternehmer outzusourcen. Dass Adidas Gründer Rudolf und Adolf Dassler NSDAP-Mitglieder waren – geschenkt. Dass der Konzern (wie H&M übrigens auch) Arbeitnehmer-Rechte in vielen Produktionsländern bereits lange vor Ankunft von Covid-19 komplett in Quarantäne steckten, ebenfalls geschenkt. An Bestechungsskandale wie den um Horst Dassler in den 80ger Jahren oder der amerikanischen Basketball-Liga 2017 haben wir uns gewöhnt. Aber dass sie Trump-Freund Kanye West als Werbeträger engagierten – wie tief kann man fallen?

Ein Boykott wird es nicht richten. Aber wenn Sie Corona-negativ sind und demnächst einen der Verantwortlichen in seiner Limousine entdecken, klopfen Sie freundlich ans Fenster, warten Sie, bis er öffnet, ziehen Sie die Gesichtsmaske nach unten und… husten Sie ihm eins!

Warum wir den Zahlmeister mal einpacken können!

Wenn man einigen Kommentaren glauben kann, geht ein neues Gespenst um in Europa: Corona Bonds! Was zuerst einmal wie ein Klassentreffen ehemaliger Bond-Darsteller bei mexikanischem Bier klingt – „Corona-Bonds“ eben – entpuppt sich bei näherem Hinsehen als das, was sich bei eingefleischten Deutsche-Mark-Fans als das „Wir-wollen-nicht-mehr-Zahlmeister-von-Europa-sein“-Syndrom entpuppt.

Was aber sind Corona-Bonds? Je nach Lesart geht es dabei um zeitlich begrenzte Gemeinschaftsanleihen, bei denen südeuropäische Staaten sich günstig Geld leihen können, während nordeuropäische Staaten etwas draufzahlen. Deshalb finden Italiener, Spanier und Portugiesen diese Idee auch prima. Niederländer, Österreicher, Deutsche und Finnen hingegen sind in etwa so begeistert wie von einer Corona-Party mit dem infizierten Boris Johnson.

Das Ganze ist ein wenig wie eine fiktive Studentinnen-Wohngemeinschaft in Friedrichshain, bestehend aus der deutschen Medizinerin Paula, der Betriebswirtin Antje aus Amsterdam, der Italienerin Rosanna (Theaterwissenschaften) und der Spanierin Carmen (Kunstgeschichte). Die WG braucht einen neuen Kühlschrank und überlegt deshalb, einen gemeinsamen Kredit aufzunehmen, der zu gleichen Teilen zurückgezahlt wird. Ein „Fridge-Bond“ gewissermaßen. Carmen und Rosanna (beide bereits verschuldet) hatten die Idee, Paula und Antje finden sie doof. Unter anderem, weil die sehr attraktive Carmen in erster Linie männliche Models flachlegt und Rosanna in bester Theater-Manier das Hauptfach „Rotwein“ belegt zu haben scheint. Trotzdem wird der Kühlschrank erworben. Noch während der Kredit-Laufzeit bricht bei Paula Multiple Sklerose aus, und Antje versinkt in einer schweren Depression. Beide fallen für die Tilgung des Kredits aus. Carmen und Rosanna hingegen sind mit ihren Instagramm-Accounts „Models for every woman“ (Carmen) und „Vino Rosso“(Rosanna) sehr erfolgreich und zahlen das Geld aus der Porto-Kasse zurück…

Solidarität ist zwar teuer – Egoismus jedoch unbezahlbar!

Warum wir den Atemschutz schützen!

Sagen wir, wie es ist. Einfach nur Atmen ist Mist. Aber nicht mehr atmen ist großer Mist! Atem schützen heißt also Leben schützen. Zu heftiges Atmen andererseits ist auch großer Mist, insbesondere in Form von Niesen oder Husten. Wer solches in der Öffentlichkeit tut, muss jetzt mit Lynchmord oder, schlimmer noch, mit Internetsperre rechnen, was gleichbedeutend ist mit kompletter sozialer Ächtung oder, schlimmer noch, keinem Zugang zu irgendeiner Form von Sex.

Die Lage ist also gravierend. Um das Atmen vor dem Corona-Virus zu schützen, braucht es daher Atemschutzmasken. Sechs Millionen dieser für deutsche Ärzte bestellten und dringend benötigten Artikel sind jetzt am Flughafen von Nairobi in Kenia verschwunden. Spurlos. Folge: keine. Warum? Zählt Atemschutzmasken-Verschlampen/Raub dieser Tage nicht als Kapitalverbrechen. Ist Atemschutz etwa kein gelebter Artenschutz?

Wie hätten etwa die Amerikaner reagiert? Wahrscheinlich so: Trump verdächtigt Kenia der heimlichen Bereicherung an medizinischen Notlagen – oder gar der heimlichen Herstellung eines Impfstoffes, der nicht nur gegen Malaria, sondern auch gegen Covid-19 wirkt. Elementare amerikanische Interessen sind durch das autoritäre Regime Kenias bedroht. Um den Atemschutzmasken-Nachschub zu sichern und das unterdrückte Volk Kenias zu befreien, besetzen amerikanische Truppen das Land. Leider sind die sechs Millionen Atemschutzmasken nicht auffindbar… Stattdessen gründen sich Stammes-Milizen, die alte Rechnungen zu begleichen haben. Das Land versinkt im Bürgerkrieg, die US-Truppen ziehen sich zurück, die ganze Region wird destabilisiert. Ein gigantischer Flüchtlingsstrom ergießt sich nach Europa. Alle sind genervt. Währenddessen entdeckt ein Chinese auf einem Markt in Szechuan eine bedrohte Tierart, die er noch nicht gegessen hat, und die Träger eines der Menschheit noch unbekannten, neuen Virus der SARS-Gruppe ist…

Vielleicht ist es doch besser, einfach neue Masken zu bestellen.

Warum wir jetzt erben!

Ausgangssperren, Regale in den Läden leer, Grenze dicht – viele ehemalige DDR-Ostalgiker werden denken: endlich mal wieder Normalität! Oder wie es im Fußball gern heißt: Nach der Wende ist vor der Wende. Der einzige Staat, in dem diese Krise nicht weiter auffällt: Nordkorea!

Und es gibt Widerstand gegen die neue Bevormundung des Staates. Subversive Treffen, heimliche Zusammenrottungen, Corona-Partys. Man fragt sich, wann es die ersten Groß-Demos gegen den Corona-Terror gibt. Allerdings müsste auf den Plakaten dann stehen: „Wir waren das Volk!“ Denn so eine Groß-Demo wäre ein sicherer Weg, das Virus noch viel schneller zu verbreiten, als das ohnehin grade der Fall ist. Mit einer entsprechenden Erhöhung der Todesfälle unter Alten und Schwachen. Das kann natürlich auch ein Weg sein, Omis Erbschaft zu beschleunigen. Statt „Party machen, bis der Arzt kommt“ heißt es „Party machen, bis die Erbschaft kommt“. Und einige von denen, die vor ein paar Wochen noch wütend über „Omagate“ („meine Oma ist ne alte Umweltsau“ im WDR) herzogen, stehen bald freudig am „Omagrab“.

Corona-Partys können auf diese Weise den „Volkskörper gesunden lassen“ und Ältere sowie Menschen mit Vorerkrankungen „aussortieren“ – Adolf hätte seine helle Freude gehabt. Endlich mal einer, der durchgreift gegen die den „Volkskörper“ belastende Rentnerschwemme. „Covid19“ macht die Rente wieder sicher. Immer nach der Devise: Kuscheln bis zum „Endsieg“!

Das einzige, was anscheinend hilft: „Soziale Distanzierung“ – einst automatisches Resultat der wenig segensreichen Hand neo-liberal subventionierter Märkte, wird auf einmal erste Bürgerpflicht. Stubenhocker sind die neuen Helden der Nation. Wer Oma liebt, bleibt daheim. Oder, wie ein Freund neulich sagte: „Meine Eltern und Großeltern haben in zwei Weltkriegen gekämpft, Inflation und Hungersnöte überlebt. Vielleicht schaffe auch ich es, vier Wochen auf dem Sofa zu sitzen.“

Warum Berlin kein Netz hat!

Abseits von Corona gibt es andere Dramen. Ich habe mir in einem Anfall von „Ich-wechsele-aus-Geldgründen-den-Stromanbieter“ einen neuen Stromanbieter besorgt. Es handelt sich um Vattenfall. Aber nicht irgendein Vattenfall, sondern den „Natur Strom 12“-Tarif – gewissermaßen das Tofu-Steak unter den Stromanbietern. Freudig erregt erhalte ich bald darauf Post von Vattenfall, die mir sicherlich bestätigt, dass ich jetzt mit meinem Strom die Welt rettete. Das jedoch tat sie nicht. Vattenfall informierte mich stattdessen, dass sich niemand gemeldet hätte, der mir Strom liefere und dass ich jetzt von ihnen mit „Basis-Strom“ beliefert würde. „Basis-Strom“ – geht’s noch? Statt des erhofften Bio-Stroms würde ich mit Kohle und Atom die Welt zerstören. Zerstört war auch ich, und zwar am Boden…

Ich rufe bei Vattenfall an. „Ihr Strom-Wechsel hat nicht funktioniert? Sie wohnen vermutlich in Berlin,“ sagt der Mitarbeiter mit dem Hamburger Dialekt. Was ist das für eine Herangehensweise? Dieses platte Problembewusstsein steht auf einer Ebene mit: „Ihr Leben ist aus den Fugen geraten? Sie wohnen vermutlich in Berlin!“ „Ihr Drogenlieferant wurde nicht zum Ministerpräsidenten gewählt? Sie wohnen vermutlich in Berlin.“ „Sie können nicht wegfliegen? Sie…“ (Sie wissen schon).

Es stellt sich heraus, dass Vattenfall in Berlin ein „Software-Problem“ hat. Meine Situation würde sich von selbst regeln. Irgendwann… Oho, Software-Problem, da kann man ja nix machen! Passiert halt. Ähnlich wie Unwetter im Mittelalter werden Software-Probleme heute irgendeiner übergeordneten, fast göttlichen Macht zugeordnet. Irgendein Chip geriet vermutlich in die Wechseljahre und zack, schon liegt alles darnieder.

Vermutlich sieht so das Ende der Menschheit aus: Innerhalb weniger Tage digital vernichtet. Software-Problem. Weltweiter Computer-Corona. Sorry. Nur ich überlebe. Zusammen mit 3,8 Millionen anderen Menschen in meiner Gegend. Weil wir kein Netz hatten. Wir wohnen nämlich in Berlin!

Warum wir Zeitungen kaufen müssen!

Die Corona-Welle hat Auswirkungen. Der größte Börsencrash seit dem 11. September 2001 stürzt die Investitionswelt in Panik. Die Lufthansa ruft nach Staatshilfen, die Deutsche Bank ist fast auf Ramsch-Niveau, sogar die Erotikmesse Graz wurde „abgeblasen“ – wobei man sich bei letzterer die Frage stellen muss, ob sie dann nicht doch stattfindet…

Hier findet sich auf einmal ein Produkt an der Spitze der Verwertungskette, das bislang ein unscheinbares, fast verachtetes Schatten-Dasein fristete: Klopapier. Wer kennt sie nicht, die Bilder leer gekaufter Supermarktregale, einst voll von jener Ware, die von vielen nur verächtlich „Sch…haustapete“ geschimpft wird. Jetzt ist sie auf einmal ein Synonym für „Hamsterkäufe“, was natürlich komplett irreführend ist, weil es Hamster im Gegensatz zu Klopapier schließlich noch gibt.

Was mit dem massenhaften Erwerb der „papiernen Hintern-Schmeichler“ genau bezweckt wird, bleibt ungewiss. Vielleicht sind viele Menschen der Ansicht, dass man das Virus einfach „zukacken“ kann… Oder es bricht sich ein archaisches Wissen die Bahn, dass man in Krisenzeiten alle „Exit-Optionen“ offen halten muss…

Die flächendeckende Versorgung mit Toilettenpapier ist übrigens eine Errungenschaft der Moderne. Unsere Vorfahren hatten mit Glück Zeitungspapier – übrigens in Zeiten der Krise wieder eine nachhaltige Zweit-Verwertung dieses Mediums!

Einige Männer sollen sogar versucht haben, die Klopapierflaute bei Verabredungen mit Damen brutal auszunutzen mit dem Hinweis, dass es bei ihnen zu Hause übrigens noch Klopapier gebe…Auf dem Schwarzmarkt wird ein Blatt Klopapier demnächst den gleichen Preis erzielen wie eine Deutsche Bank Aktie – böse Zungen behaupten, es wäre eben wesentlich nachhaltiger, Kacke zu beseitigen als sie zu finanzieren – etwa durch die Unterstützung von Donald Trump!

So hat die Krise bei allen Nachteilen den einen Vorteil: Sie verdeutlicht, dass unsere Zivilisation im wortwörtlichen Sinn ziemlich „am Ar… hängt“.

Wie wir endlich wieder Weltmeister werden!

Die Deutschen sind Frustweltmeister! So das Resultat einer Auswertung von 14 Millionen weltweiten Mitarbeiter-Kommentaren. Nirgendwo sonst auf dem Planeten gehen Menschen so ungern zur Arbeit wie bei uns. Anstatt aber jetzt darüber zu meckern gilt es, die Chancen wahrzunehmen: Im Frust sind wir Weltmeister! Anders als etwa im Fußball. Oder im Handball. Oder in irgendeiner anderen ernstzunehmenden Sportart. Was wir jetzt brauchen, sind nicht irgendwelche Motivations-Seminare, sondern die gezielte Platzierung der Frust-Weltmeisterschaften im Olymp der Sportarten.

Nehmen wir beispielsweise eine nordhessische Kleinstadt als Austragungsort der Frust-Weltmeisterschaften. Teams aus aller Herren Länder werden vertreten sein: gutgelaunte Australier, Skandinavier oder Türken, die aber vom Weltmeister in Nullkomma-Nix auf Normalmaß zurecht gestutzt werden durch „Ausländer raus“ Parolen oder Affen-Schreie – kleine Gratis-Motivationsmaßnahmen, damit sie mit dem elitären deutschen Teilnehmerfeld konkurrieren können.

Dann der Einlauf der Champions ins Stadion: Ronny Lengsfeld aus Spremberg, Bronzemedaillengewinner seit 1999, der ein fröhliches „Guten Morgen“ sofort kontert mit: „Fresse, ihr Säcke – hat euch der Gute-Laune-Bär ins Müsli geschissen oder was?“ Dann Kevin Müller aus Darmstadt, der auf den „na, wie ist denn unsere Laune heute?“-Challenge mit einem „Noch so’ne schwule Frage – und ich hau dir’n Kiefer in die schiefe Lage!“ pariert, aber erst als Timo Koslowski, mehrmaliger Mecker-Weltmeister aus Jena-Löbeda und Duz-Freund von Björn Höcke kommt und schreit: „Arbeit ist das, was Windeln für ein Kleinkind sind: Für’n A….!“ explodiert das Stadion in Applaus – oder das, was man dort als Applaus bezeichnet, also ein gemurmeltes „gar nicht mal so übel“. Spätestens dann ist klar: der Weltmeistertitel ist Deutschland wieder mal sicher!