Autor: Alexa Knitter

Warum wir uns kaufen lassen!

Korruption – immer noch eine Geisel der Menschheit. Der gerade erschienene „Transparency International“-Korruptions-Bericht bestätigt, dass auf dem Großteil des Planeten immer noch eine Hand die andere wäscht. In signifikanten Teilen Afrikas, Südamerikas und Asien muss man von einem regelrechten „Waschzwang“ sprechen. Manche Politiker in diesen Ländern sind so gut geschmiert, dass ihr Hautfett in Edeldrogerien als Gleitgel angeboten wird: „Corruption – damit es beim Verkehr so glatt geht wie in der Politik“!

Leider hemmt Korruption soziale, wirtschaftliche und Umwelt-Entwicklungen. In der Regel läuft es so: „Warum hat der Typ diesen Job? Der ist doch völlig inkompetent!“ „Inkompetent? Hallo? Er hat mir fünfhundert Euro gegeben! Diese Kompetenz hatten die anderen Bewerber nicht! Außerdem ist er mein Cousin.“ „Er kann noch nicht mal richtig lesen und schreiben.“ „Ich diskriminiere nun mal nicht gegen Legastheniker!“ „Die freundliche Muslima da drüben mit dem Doktortitel wäre viel besser für die Stelle geeignet.“ „Wie bitte, du findest eine Kameltreiberin besser als meinen Vetter?“ „Außerdem hat sie mir tausend Euro für dich gegeben.“ „Sag doch gleich, dass sie meine Kusine ist!“

Deutschland liegt auf einem erfreulichen Platz 9 (von 180) in der Anti-Korruptions-Skala. Doch auch bei uns gibt es Korruption. Sogar im Privaten. Neulich empört sich eine Freundin: „Mein Verlobter, dieses Schwein, hat gestern versucht, mich zu massieren!“ „Ist doch schön, so eine Massage,“ sage ich nichtsahnend. „Wie bitte? Massage?! Weiß doch jeder, wo das hinführt. Wenn er Sex will, soll er gefälligst dafür bezahlen – so wie alle anderen in der Firma auch!“

Da ist es tröstlich, dass bei aller Bestechlichkeit eine politische Partei herausragt, die nicht korrumpierbar ist: die AfD. Die nimmt nichts an. Gut, Spenden – klar. Und das möglichst anonym. Und in großen Summen. Aber sonst nimmt die wirklich nichts an. Noch nicht mal Vernunft!

Warum jetzt alles wieder gut wird!

Die Reichen und Mächtigen dieser Welt treffen sich – und da geht es nur um eins: Davos muss grün werden. Das tief verschneite Dorf mit dem komischen Namen (der vermutlich bloß eine lautmalerische Ortsangabe ist auf die Frage: „Ja, wo is’n des?“ „Da wo’s s!“ zusammengezogen kurz „Da-vo-s“…) will sich in dieser Woche der Klimarettung widmen. Denn die Märkte fürchten die finanziellen Risiken des Klimawandels. Deshalb wurde der Gipfel mit Greta Thunberg und anderen Klima-Aktivisten eröffnet. Deshalb will der Chef des Investment-Konzerns „Blackrock“, Larry Fink, nicht mehr in Firmen investieren, die mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle machen. Doch das reicht nicht. Blackrock sollte ein Fanal setzen. Allein dieser fürchterliche Name: „Schwarzer Stein“, das riecht doch förmlich nach Kohle, nach Öl, nach allen Ausdünstungen des Teufels. Wie wäre es mit: „Blackrock wird Greenriver“? Das klingt nach „im Fluss sein“, grün sein, mit Flexibilität auf steigende Volatilität reagieren… (und ich stifte diesen Namen völlig kostenlos!)

Der neue, grüne Davos-Tag beginnt natürlich mit einer gemeinsamen Yogastunde, von der Präsident Trump fernbleibt, weil er „nicht an islamistische Verrenkungen glaubt“. Dann folgt im Rahmen der „Davos Veggie Week“ ein veganes Frühstück, bestehend aus Selleriesaft und einem „Hirse-Tempeh-Burger“. Der offizielle Teil wird durch eine große Gesprächsrunde eröffnet, in der alle Beteiligten mal ganz offen aussprechen, was sie zum Thema Klimaschutz überhaupt fühlen… Für Präsident Trump, Bolsonaro (Brasilien) und Scott Morrison (Australien) werden Spei-Kübel bereitgehalten.

Im weiteren Verlauf des Tages gibt es Workshops zu den Themen „Bilanzen grün rechnen“, „Kohle machen ohne Kohle“ und „Hilfe, mein Aufsichtsrat ist schwul und ich finde ihn attraktiv“. Schließlich erwerben alle Anwesenden ein E-Auto, bis auf Trump, der behauptet, dass E-Mobilität auf seinen Golfplätzen schon lange Standard sei. In einer großen Abschlussgala tanzt jeder Teilnehmer seinen Namen – und die Welt hat wieder Hoffnung!

Warum die Organe wegkönnen!

Die Widerspruchslösung zur Organspende ist grade im Bundestag gescheitert. Vielleicht waren die Abgeordneten einfach verwirrt, denn so eine Organspende wirft vielerlei Fragen auf: Welche Organe kann man spenden? Gehen auch Staatsorgane? Vielleicht wäre die Zustimmung höher ausgefallen, wenn von Anfang an klar gemacht worden wäre, dass man den Gesundheitsminister an, sagen wir, Guatemala spenden kann…

Wie sieht es mit den steuerlichen Aspekten aus? Wo eine Spende fließt, gibt es in Deutschland auch eine Spendenquittung. An wen geht die? Wenn ein bankrotter Manager stirbt und seine Organe spendet, die zusammen 700.000 Euro wert sind (es sind wirklich sehr gute Organe!) – müssen die Erben dann einen geldwerten Vorteil versteuern? Oder gar selbst Organe spenden, um die Erbschaftssteuer zahlen zu können?

Ab wann gilt man überhaupt als gehirntot? Trifft das nicht bereits auf alle Insassen des Dschungelcamps in Australien zu? Könnte man nicht viel Gutes tun, wenn jeder Camper einem halbverbrannten Känguru ein paar Nierchen spendet? Das wäre super für die Quote! Bei den meisten würde es vermutlich auch nicht groß auffallen, wenn sie ihr Gehirn spendeten! Was natürlich nicht geht, weil es Tierquälerei wäre – stellen Sie sich mal ein Känguru mit der Intelligenz von Danni Büchner vor… das wäre ja gar nicht mehr in der Lage, zu hüpfen!

Das Schöne an der Widerspruchslösungs-Debatte war natürlich, Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) mal auf einer Seite kämpfen zu sehen. Denn Spender-Organe sind in Deutschland Mangelware und die Anzahl der Spender sinkt. Eine tödliche Entwicklung. Die Widerspruchslösung hätte faulen Säcken wie mir geholfen, denen es vermutlich wie den meisten geht, die sagen: „Komm, wenn oben eh kein Licht mehr brennt, ist sowieso Winterschlussverkauf – dann kann der Rest auch noch raus. Ist ja für einen guten Zweck.“ Jetzt muss ich dem Widerspruchslösungs-Widerspruch widersprechen. Wie anstrengend.

Warum wir verkohlen!

Vor kurzem sagte der australische Premierminister Scott Morrison, wie bedrückt er sei, dass Leute Waldbrände und massive Kohleförderung in Zusammenhang brächten. Das ist eine Argumentationsstufe, die in etwa auf einer Linie mit einem Vater steht, der seinem Sohn erklärt, wie bedrückt er sei, dass der Spross seine Geburt mit Sex zwischen seinen Eltern in einen Zusammenhang brächte – wo doch jedes vernünftige Kind wüsste, dass der Klapperstorch die Babys bringt!

1,25 Milliarden Tiere sind (nach konservativen Schätzungen) verbrannt – vermutlich die größte Katastrophe für die Tierwelt in einem kurzen Zeitraum seit dem Untergang der Dinosaurier. Zusätzlicher CO2 Ausstoß durch die Feuer: mindestens zwei Drittel der jährlichen Emissionen des ganzen Kontinents. Die Bevölkerung Australiens: Entweder mit dem nackten Überleben beschäftigt oder ziemlich aufgebracht.

In diese explosive Melange tappt die Firma Siemens mit grandioser Nachhaltigkeits-Desensibilisierung und verkauft der Kohleindustrie Australiens ein Signal-System für den Abtransport der Kohle an die Küste, wo sie weiter verschifft wird. Dafür erntet Siemens grade viel Kritik (um es mal milde zu formulieren). Die Firma könnte dem entgegenwirken, indem sie ein Signal-System produziert, das ausschließlich auf „Rot“ steht, ist aber auf diese Idee noch nicht gekommen. Dabei wäre sie dann nicht vertragsbrüchig geworden und hätte dem Klimaschutz einen Gefallen getan…

Gefallen für den Klimaschutz sind selten zurzeit. „Kohle-Ausstieg“ ist in Australien ein Thema, das höchstens im eigenen Portemonnaie stattfindet… Stattdessen seien die Feuer in Australien „nur durch Brandstifter entstanden“, behauptet eine Desinformationskampagne. Vielleicht sollte es besser heißen: Eine „Verkohlungskampagne“. Leider scheinen Leugnen und Lügen populistischer Akteure zur etablierten Masche zu werden. Dann sind vermutlich bald die Flüchtlinge an Bränden schuld (wie einst die Juden). Dann bringt der Storch wieder die Kinder. Und die Erde ist eine Scheibe. Was passiert, wenn Verkohlen zur Methode wird, ist derzeit in Australien zu besichtigen.

Was Harry so machen wird!

Wie bitte? Prinz Harry plant einen „Rücktritt aus der Familie“? Rücktritt aus der Familie? Erstaunliche Formulierung, die man sonst nur von alternden sizilianischen Mafia-Killern kennt, die auf ihre späten Tage eine Blut-Allergie entwickelten. Nun gibt es sicher jede Menge Menschen, die gar nicht wussten, dass „Rücktritt aus der Familie“ überhaupt eine Möglichkeit ist, die sie sicherlich gern mal wahrnehmen würden – angefangen bei diversen Mitgliedern der Kelly Family… Aber ein Prinz, und noch dazu ein britischer, also einer mit Bedeutung?

Die Welt ist aus den Fugen: Der Iran schießt aus Versehen ukrainische Flugzeuge ab, Donald Trump schafft Umweltauflagen für Energiekonzerne ab und der Dortmunder Zoo hat ein neues Nashorn-Baby – mit all diesen Schockwellen könnten wir leben, aber ein Royal, der kein Royal mehr sein will? Das ist, als ob Horst Tappert den Derrick geschmissen hätte, um auf einmal DJ Bobo zu ersetzen, als ob Angela Merkel auf einmal bei Fridays for Future mitmacht, als ob Donald Trump den Präsidenten-Job hinschmeißt, um Philosophie zu studieren… es ist, als ob zwei mehrfach prämierte Königspudel auf einmal von einer Karriere als Dackel träumen: unvorstellbar! Und was soll das heißen: Meghan und Harry wollen in die zweite Reihe zurücktreten? Die zweite Reihe ist doch schon seit Jahren komplett ausgefüllt von Prinz Charles, da ist überhaupt kein Platz mehr – es bleiben höchstens noch die Randplätze im hinteren Parkett, direkt neben Prinz Andrew und Fergie.

Und wie wollen die beiden „finanziell unabhängig“ werden? Der Herzog von Sussex hat Soldat gelernt? Also Bodyguard für seinen Bruder? Ein Sicherheitsdienst, der seinerseits von Security-Leuten beschattet werden muss – sicherlich ein schönes Bild? Und Meghan, die Schauspielerin? Keks-Werbung? Oder gleich für eigene Produkte? Etwa handgemachte Kekse aus Bio-Mehl von Charles Gütern. Immerhin haben die beiden sich den Namen „Sussex Royals“ schon schützen lassen…

Nichts schmerzt einen Zirkus so wie die beliebtesten Clowns, die auf einmal eigene Wege gehen. In einer Welt, in der alle permanent von Top-Dog-Rollen träumen, ist es vielleicht ganz heilsam, wenn die Top-Dogs auch einmal Dackel spielen wollen

Wofür der WDR sich entschuldigen sollte!

Er entschuldige sich „ohne Wenn und Aber“, sagte der WDR-Intendant, als er das Satire-Video „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“ als Reaktion auf einen vermutlich rechten Shitstorm aus dem Netz nahm. Nun gibt es sicher eine ganze Reihe Dinge, für die der WDR sich „ohne Wenn und Aber“ entschuldigen könnte – eine lange Liste von Talk-Shows, Schlager-, Tier- und Kochsendungen fällt einem da spontan ein…

Aber ein Satire-Lied? Haben wir keine anderen Probleme? Zumal Oma ne alte Umweltsau ist! Nicht alle Omas, klar. Meine nicht. Die hatte zwar in der Tat einen Hühnerstall, allerdings kein Motorrad, sondern einen kleinen Fiat 500, mit dem sie auf dem Markt Eier verkaufte, um die magere Rente etwas aufzubessern. Ansonsten blieb sie daheim und trank Kaffee. Meine Oma war keine Umweltsau. Ich bin die Umweltsau. Ich und meine Generation der Baby-Boomer. Und die anderen Nachkriegsgeborenen. Also die Generation, die der WDR-Chor besingt. Wir legten es natürlich nicht darauf an, Umweltsäue zu werden. Es war nur einfach zu schön, andauernd durch die Welt zu heizen, die Bude gut zu heizen und uns gegenseitig anzuheizen. Warum können wir die Wahrheit nicht ertragen?

Weshalb wird da großspurig gefragt: Darf Satire eine ganze Generation verunglimpfen? Satire darf sogar mehrere Generationen verunglimpfen! Homo Sapiens hat in kollektiver Gemeinschaftsarbeit über Jahrhunderte hinweg sehr viele Tiere ausgerottet, Menschen aus nichtigem Anlass getötet, idiotische Aberglauben verherrlicht. Die gesamte Menschheitsgeschichte ist voller Idiotien – und wo Idiotie zur Norm wird, wird Satire Pflicht!

Zumal es das „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“-Lied ja schon länger gibt. Die Melodie entstand um 1890, der Text in den 30ger Jahren. Da heißt es unter anderem: „Meine Oma bäckt im Kühlschrank eine Torte“, „…hat nen Sturzhelm mit Antenne, …Nachthelm mit Beleuchtung“ – wo bleibt ob dieser Anschuldigung der Blödheit einer ganzen Generation der Shitstorm? Seit wann sind die Deutschen solche Satire-Pussys? Jetzt fehlt nur noch, dass der WDR-Intendant sich für seine Entschuldigung entschuldigt. Ohne Wenn und Aber!

Warum wir mit Feuer spielen!

Das Affenhaus in Krefeld: Abgebrannt. Polizisten in Leipzig: Verletzt. Allein in Berlin: Mindestens 15 Schwerverletzte durch Böller… In ferner Zukunft wird man vielleicht fragen: Warum haben die das gemacht? Weil sich irgendwann ein Brauch einschlich, dass die bösen Geister des alten Jahres mit lautem Knallen und Feuerwerk vertrieben werden müssten. Nach etwa 150 Jahren wilder Knallerei muss man leider feststellen: entweder scheren sich Geister nicht ums Knallen – oder aber es lockt sie eher an…

Befürworter der Silvesterknallerei geben gern an, dass man genug von Verboten hat und es auch mal „krachen“ lassen möchte. Und dass ein Verbot nur noch mehr Wutbürger produziert, die dann AfD wählen. Und dass diese miesepetrigen Spaßverderber sich mal nicht so elitär gebärden sollen.

Im Mittelalter gab es einen anderen Brauch gegen böse Geister, der ebenfalls was mit Feuer zu tun hat: Hexenverbrennung. Irgendwann muss auch da der Gedanke aufgekommen sein, dass Hexenverbrennungen vielleicht nicht ganz so effektiv böse Geister vertrieb wie man sich das gern wünschte. „Vielleicht sollten wir Hexenverbrennungen verbieten“, wird jemand gesagt haben. „Wie bitte?“ wird es ihm entgegengeschallt haben. „Gibt es nicht schon genug Verbote? Darf man es nicht mal mehr gelegentlich krachen lassen und eine Hexe verbrennen? Diese miesepetrigen Spaßverderber sollen sich gefälligst nicht so elitär gebärden. Sonst müssen wir leider überprüfen, ob sie nicht selbst vom Teufel besessen sind…“

Vielleicht blicken die Menschen in 100 Jahren Menschen auf die Toten, Verletzten, Verstümmelten der Silvesterbräuche des frühen 21. Jahrhunderts mit ähnlicher Abscheu zurück wie wir auf Hexenverbrennungen. „Messer, Schere, Feuer, Licht – sind für kleine Kinder nicht!“ sagte meine Mutter gern in Abwandlung eines bekannten Sprichworts. Leider gibt es viel zu viel als Erwachsene getarnte kleine Kinder.

Warum wir in den Papierkrieg ziehen!

„Bon“, sagt der Franzose, wenn etwas gut ist. Wir kennen das aus Worten wie „Bonmot“, „Bonvivant“, „Bonbon“ – obwohl letzterer in erster Linie aus Zucker besteht daher tunlichst nicht „gut-gut“ sondern eher „Klebriges Gift, das die Zähne ruiniert und dich dann in den Tod treibt“ heißen sollte.

Nix ist gut, sagen jetzt auch die Bäcker folgerichtig, schon gar nicht der Bon. Denn ab Januar gilt in Deutschland die Bon-Pflicht. Um Steuerhinterziehung zu erschweren, muss jetzt für jeden Kauf ein Bon ausgestellt werden. Jetzt könnte man fragen, warum eine Nation, die sich gern als High Tech empfindet, auf ein Retro-Medium wie Papier setzt? Wird man in ein paar Jahren sagen, dass die Bon-Pflicht die letzten deutschen Wälder ausrottete? Außerdem sind die meisten Bons aus Thermo-Papier, welches bekanntlich Bisphenol A oder S enthält. Bisphenol stört den Hormonhaushalt und führt zu Fruchtbarkeitseinschränkungen sowie Verhaltensstörungen. Wenn die Deutschen also nur noch wenige, dafür aber umso verhaltensauffälligere Kinder haben, dann liegt das vielleicht an einem fortgeschrittenen Stadium von „Bon-Vergiftung“.

Die meisten Kunden werden den Bon nicht anfassen wollen. Denn die Frage „Hamse mal’n Bong?“ ist ja auch drogenstrafrechtlich relevant ist… Die Bäcker bleiben also auf Bergen von Papier sitzen. Jetzt gibt es nur eine Rettung: Freiberufler! Denn Freiberufler setzen ab. Und zwar alles! Die bekannte Frage ans Finanzamt: „Kann ich meine Frau absetzen? Wenn ja, an welcher Raststätte?“ stammt mit Sicherheit von einem Freiberufler. Freiberufler sind regelrecht Bon-süchtig. „Brötchen? Setz ich ab. Als „Büro-Dekoration““, denkt der Freiberufler und lässt den Bon mitgehen. Machen Sie sich also nebenher selbstständig. Es gibt nur eins, was der Deutsche noch lieber tut als Steuern zu hinterziehen – Steuern sparen! Für jeden Bon zahlt das Finanzamt 30-40 Prozent. Schon wird das Brötchen billiger. Der Bäcker kann den Preis erhöhen, kauft ne neue Kasse, kurbelt die Wirtschaft an – der Konsument spart trotzdem, der Staat ärgert sich. Dann ist auch die Bongerei „gebongt!“

Warum Greta Thunberg die Deutsche Bahn liebt!

Da fährt sie einmal Deutsche Bahn – und schon geht das Desaster los. Greta Thunberg postete ein Bild von sich, zwischen Gepäck auf dem Boden sitzend, mit der Unterzeile: „In überfüllten Zügen durch Deutschland“ – was die Bahn zum Anlass nahm, leicht beleidigt nachzufragen, warum sie nicht auch erwähnte, dass sie einen Teil der Strecke (den kleineren übrigens) in der ersten Klasse saß. Besser kann man eine Klima-Aktivistin nicht „enttarnen“, gewisse Zeitungen fragten bereits nach, wie „echt“ Greta sei. Für ein Unternehmen mit „Umweltschutz“ auf der Vermarktungsfahne ist das ein Kommunikations-Eigentor wie selbst Christoph Kramer es nicht schöner hätte schießen können. Ein PR-GAU fast schon in einer Liga mit Harvey Weinstein, der gerade anmerkte, dass wohl niemand soviel für Frauen im Film getan habe wie er und dabei leider zu erwähnen vergaß, dass es fast immer darum ging, die Besetzungscouch nicht erkalten zu lassen…

Dabei hätte die Bahn die Flanke so gut verwandeln können. Schließlich hat sie in unserer hektischen Zeit viele Vorteile. Wo sonst kann man analoge Ruhe genießen – schon weil es kein Handy-Netz gibt? Wo sonst schreien Menschen „Ich hab kein Netz“ – als ob sie diesen Umstand durch gesteigerte Lautstärke überbrücken könnten und diese Information dem Gesprächspartner in irgendeiner Form hülfe. Wo sonst sind sich die unterschiedlichsten Menschen einig, nie wieder Bahn zu fahren? Wo sonst ist die Raum-Zeit-Krümmung und die dadurch bedingte Verzerrung der Zeit physisch erfahrbar?

Warum also twitterte niemand: „Bahn im Transport-Höhenflug. Sogar Greta Thunberg ergatterte einen der begehrten Plätze im Parkett!“? Oder: „Am fliegenden Teppich arbeiten wir noch. Den rollenden Teppich haben wir schon!“ Oder: „Die Bahn. Wir machen Kohle auch ohne Kohle!“ Oder die aktuelle Variante: „Nix los auf dem Klima-Gipfel in Madrid – viel los beim Klima-Express der Deutschen Bahn! Willkommen, Greta!“

Warum wir so grün hinter den Ohren sind!

Klimanotstand – das hat der Senat neulich ganz offiziell festgestellt. Gut so. Notstand ist schließlich ein ernstes Problem. Und ein Bekanntes. Frauen kennen es als „Garderoben-Notstand“ – sie stehen vor überquellendem Kleiderschrank und haben „Nix zum Anziehen“. Männer kennen den „Paarungs-Notstand“ – wobei der Begriff etwas irreführend ist, da in dieser Not nix steht… und wenn, dann interessiert es halt keine Sau!

Auch die Europäische Union hat sich gedacht: Wenn die Berliner so konsequent durchgreifen, dann setzen wir jetzt noch einen drauf. Einen „European Green Deal“, welcher Europa bis 2050 klimaneutral machen soll. Leider klingt „klimaneutral“ etwas verdächtig. Wenn Ihre Partnerin oder Partner Ihnen eröffnet, sie oder er wolle bis 2025 „beziehungsneutral“ sein, wie begeistert wären Sie?

Aber der Begriff „Green Deal“ klingt schon mal gigantisch. Wenn man ihn locker fallen lässt: „Liebling, warum hast du auf einmal dieses brandneue, irre teure Kleid aus Naturwolle gekauft?“ „Mein Beitrag zum Green Deal! Und gegen den Notstand. Im Schrank.“ Oder: „Schatz, wer ist denn die Frau da an deiner Seite?“ „Ach, äh, meine Umweltreferentin. Also, äh, mein Beitrag zum Green Deal – sie reduziert meine CO2-Bilanz, indem ich nicht nach Thailand fliegen muss…“

All das blendet herrlich aus, dass es dem Klima wunderbar geht. Dem Klima ginge es auch wunderbar, wenn der Planet sich im Schnitt um 30 Grad aufheizt. Auch der Erde geht es dann wunderbar. Wem es nicht ganz so wunderbar gehen wird, ist der menschlichen Zivilisation. Die wird es dann höchstens noch in barbarischen Überresten an ehemals fürchterlich kalten und unbekannten Orten geben – und ich rede ausnahmsweise mal nicht von Bielefeld… Das Klima hat also keinen Notstand. Es muss auch nicht gerettet werden. WIR müssen gerettet werden. Wann ruft man endlich den „Menschheits-Notstand“ aus?

Warum wir bald billiger leben!

Die ersten deutschen Lebensversicherungen senken den Garantiezins bei Neuverträgen auf magere 0,5 Prozent. Die Richtung ist eindeutig. Bei einer Inflation von nur 1,5 Prozent verliert man jedes Jahr Geld – viele Lebensversicherungen sind auf lange Sicht „Altersarmuts-Versicherungen“. Wer spart, lebt also verkahrt – oder verkehrt, wenn man auf den schönen Reim verzichtet. Die ersten Volksbanken (Fürstenfeldbruck und Westmünsterland) kündigten zudem bereits Negativzinsen auf Neueinlagen an. Natürlich nennen sie das nicht so. Sondern „Verwahrentgelte“.

Das stellt unser bisheriges Wirtschaftsverständnis auf den Kopf. Niemand will mehr Geld besitzen. Wer den Banken Geld abnimmt, etwa in Form von Krediten, kann bald ebenfalls mit Negativ-Zinsen rechnen. Liegt der bei einem Prozent, muss man für einen Kredit von einer Million nur 990.000 Euro zurückzahlen und darf 10.000 Euro behalten. Wer jeden Monat einen Millionen-Kredit aufnimmt, verdient ohne große Mühe ein fünfstelliges Gehalt!

Setzen „Verwahrentgelte“ sich erst mal durch, hat das auch positive Effekte. Etwa bei Nutzung fremden Wohneigentums. Ist Ihnen etwa die Miete zu teuer, schreiben Sie dem Vermieter einen freundlichen Brief:: „Sehr geehrte(r) Hausbesitzer(in), ich habe Ihr Wohneigentum seit einiger Zeit in sicherer Verwahrung. Aufgrund meiner Nutzung vermeide ich teure Kosten, die sich Ihnen aus Verfallserscheinungen der Immobilie ergeben könnten. Insbesondere Frostschäden sowie Schimmel treten unter meiner Obhut nicht auf. Daher erlaube ich mir, für die Verwahrung Ihres Eigentums ein Verwahrentgelt in Höhe von X (Miete zuzüglich eines Verwaltungsbetrags) zu erheben. Ich verweise auf den „Banking-Verwahrentgelt-Act von 2019“ und verbleibe…“ – wer hätte je gedacht, dass ausgerechnet Banken uns eines Tages helfen würden, Miete zu sparen?

Warum wir in der PISA-Studie nicht die Besten sind!

Die neuen Pisa-Ergebnisse da, und sie sind nicht rosig. Auguren des Untergangs prophezeien bereits das Bildungsende eines Landes, in dem Schüler auf die Lehrer-Frage: „Wenn du fünf Euro hast und ich dir zwei wegnehme, was gibt das?“ nur eine Antwort kennen: „Prügel!“ Gerade die bildungsfernen Schichten entfernen sich immer vom System – bald werden sie so fern sein, dass sie „Bildung“ für eine Nachbargalaxie halten.

Die Ursachen sind vielfältig – zumal Pisa selbst auch umstritten ist, da vermutet wird, dass in führenden Ländern wie China, wo nur 80 Prozent an der Studie teilnehmen (in Deutschland 95 Prozent), die schwächeren Schüler einen Tag „Bildungsurlaub“ erhalten… Eine Ursache aber ist klar: Lehrer haben bei uns kein besonders gutes Image. Das spiegelt sich auch in Lehrerwitzen wie diesen: „Egal wie leer du bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer…“ Oder: „Können Lehrer schwimmen? Einerseits ja, sie sind ja hohl. Andererseits nein, sie sind ja nicht ganz dicht…“ – und so weiter.

Wir brauchen (neben Chancengleichheit, einem besseren Schulsystem, bundesweiter Angleichung des Bildungssystems, besseren Bildungskonzepten und so Kleinkram) eine positive Kultur der Lehrerwitze unter der Überschrift „Dein Lehrer“. Also: „Dein Lehrer ist so cool, dass es hinter ihm schneit!“ Oder: „Dein Lehrer hat bis zur Unendlichkeit gezählt – zwei Mal!“ „Wenn kleine Kinder ins Bett gehen, schauen sie vorher nach, ob Monster unterm Bett liegen. Wenn Monster ins Bett gehen, schauen sie vorher nach, ob Dein Lehrer unterm Bett liegt.“ Und mein persönlicher Lieblingswitz: Petrus, Jesus und Dein Lehrer stehen am Rande des Sees Genezareth. Jesus sagt: „Kommt, wir gehen rüber.“ Alle drei gehen los, aber Petrus versinkt sofort im See. Als die anderen beiden am anderen Ufer sind, fragt Jesus: „Sollen wir dem armen Petrus verraten, wo die Steine unter der Oberfläche liegen?“ Und Dein Lehrer sagt: „Steine? Welche Steine?“

Warum die SPD die FDP verklagen sollte!

„Plötzlich Prinzessin“ – so müssen sich Saskia Eskens und Jens-Walter Borjans fühlen nach ihrer überraschenden Wahl zur SPD-Spitze. Obwohl es ein ziemlich schäbiges Königreich ist, das sie erben. Vielleicht fühlen sie sich auch eher wie Islamisten, die eigentlich keine Lust auf den Märtyrertod haben, aber aus Versehen das kürzeste Streichholz zogen…

Denn die Lage ist alles andere als rosig. Nach Jahren der CDU-Ehe ist die SPD wie eine sensible, warmherzige Gattin, deren Verdienste permanent von ihrem übermächtigen Mann für sich reklamiert werden. Bastelt sie was für die Kinder, sagt er: „Meine Idee“, backt sie einen Kuchen, meint er: „Mein Rezept.“

Jetzt möchte sie eigentlich die Scheidung, ist sich aber nicht sicher, ob sie damit nicht völlig leer ausgeht, weil die „Zugewinn-Gemeinschaft“ eher mager ausfiel. Von der letzten Partei, die die Regierungsverantwortung mit markigen Worten ablehnte, hört man schließlich auch nicht gerade viel dieser Tage. Dabei ist die FDP ja eigentlich verantwortlich für die Misere der SPD. Denn die Sozis hatten sich die Legislaturperiode ursprünglich echt cool vorgestellt: Ruhige Kugel schieben in der Opposition, „Phoenix aus der Asche“ machen, in Ruhe die FDP und die Grünen in einer Junior-Ehe mit Merkel scheitern sehen, nächste Kanzlerin stellen… so in der Art. Aber dann „lindnerte“ die FDP die Koalitionsverhandlungen und zack, schon klappte die Regierungsfalle wieder zu. Warum stellt die SPD eigentlich keine Regressforderungen an Lindner für entgangene Einnahmen durch Mitgliederschwund?

Esken und Borjans sind nicht zu beneiden. Tanzen sie doch auf einem Vulkan, in dem auf der einen Seite heiße Lava brodelt und auf der anderen Seite ein steiler Abgrund lauert. Die große Herausforderung heißt jetzt, die Selbstmordweste wie ein modisches Accessoire zu tragen und heimlich den Sprengstoff zu entfernen. Denn bei allem Spott: den Kuchen der SPD könnte dieses Land noch mal dringend brauchen.

Warum wir an der Nadel hängen!

Neben Schnäppchen gab es am gestrigen Black Friday auch Klima-Proteste. Was allerdings kaum auffiel, weil die Mehrheit ja im Netz Sonderangebote jagte. Das Dilemma einer gesellschaftlichen Schizophrenie regiert nicht nur im Netz: Während groß angekündigte „Klimapakete“ im Bundesrat scheitern, wird etwa Braunkohle von dieser Regierung weiterhin subventioniert.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Braunkohle – die Mutter aller Dreckschleudern – wird den Energieversorgern freigestellt von der „Förderabgabe für Bodenschätze“, von „Wasserentnahme-Entgelten“, und sie profitiert absurderweise sogar von Ausnahmen im „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG). Wieviel Drogen muss man intus haben, um sich so etwas auszudenken? Obendrein müssen Braunkohle-Produzenten auch nicht herhalten für klimatische Folgeschäden, die per Tonne CO2 bei 180 Euro liegen (und nicht den kümmerlichen 10 Euro des „Klima-Bonsai-Päckchens“ der Regierung).

Stellen wir uns einmal vor, Heroin wäre neuerdings steuerlich begünstigt. Produzenten wie die „Himmelfahrts GmbH“ haben durchgedrückt, dass der Stoff mit dem „Wohlfühlfaktor XXL“ am Black Friday zum Schnäppchenpreis unter das Volk gebracht wird. Zu einem verringerten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent, um es auch dem „kleinen Mann“ zugänglich zu machen. Die erwarteten Steuereinnahmen sind trotzdem immens. Heroin ist außerdem befreit von der erhöhten „Risiko-Zulage der Krankenversicherungen“, dem „Spritzbesteck-Entgelt“ und der „Beschaffungs-Kriminalitäts-Gefahrenzulage“. Denn die „Himmelfahrts-GmbH“ ist dank ehemaliger Minister in ihren Diensten bestens in der Regierung vernetzt… ein Aufschrei der Entrüstung wäre sicher.

Bei Braunkohle bleibt dieser Aufschrei aus. Dabei schädigt Heroin nur den jeweiligen Verbraucher – wäre also durchaus klimaverträglicher. Aber deshalb heißt es ja „Black Friday“ – das Gehirn ist umnebelt von dunklen Kohlegedanken…

Warum wir so inkompetent sind!

Kennen Sie den? Wie nennt man einen Gehirnamputierten zwischen zwei Klimaleugnern? Nicht der Dümmste… Obwohl die Bundesregierung jetzt gerade bekannt gab, dass das Klima in Deutschland sich seit dem 19. Jahrhundert um 1,5 Grad erwärmt hat, gibt es immer noch Menschen, die das „nur für Wetter“ halten. „Tropische Tiere in Deutschland? Was ist daran neu? Löwen gibt es doch schon seit 1860 – jedenfalls in München. Haha.“ Etwa 90 Prozent aller Klimakatastrophen-Verleugner sind übrigens Männer.

Diese Zusammenhänge dürfte auch einem breiten Publikum bekannt sein. Gerade auf der Straße wird es offensichtlich: Denn 80 Prozent aller Autofahrer zählen sich zu den 20 Prozent besten Wagenlenkern. 80 Prozent aller Autofahrer finden übrigens auch 99 Prozent aller anderen Autofahrer komplett inkompetent. Und 100 Prozent in dieser Gruppe sind Männer. Wenn nicht gar 150 Prozent…

Man nennt dieses Phänomen den Kruger-Dunning Effekt: Die beiden Wissenschaftler stellten 1999 fest: Inkompetente Menschen neigen dazu, sich selbst zu überschätzen. Der Volksmund nennt das: Große Klappe und nix dahinter! Oder kurz: Donald Trump – hinter dessen Zähnen sich der Grand Canyon der Ignoranz zu öffnen scheint.

Kompetente Menschen unterschätzen ihre Fähigkeiten im Gegensatz dazu häufig. Das nennt der Volksmund: Stille Wasser sind tief. Stille Wasser sind auch meistens weiblich. Und unterbezahlt. Alleinerziehend. Oder misshandelt. Diesem Missverhältnis verdankt die Menschheit vermutlich einen Großteil ihrer Dilemmas. Vielleicht wird es Zeit, das zu ändern. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie nur so mittelkompetent und außerdem weiblich sind – üben Sie einfach mal den Satz: „Ich weiß, wie es geht. Hört mir zu!“ Und wenn Sie zu den Leuten gehören, die jetzt völlig erstaunt sind, weil sie denken: „Wieso denn das? Was redet die denn? ICH habe doch schon immer gewusst, wie es geht.“ Einfach mal Klappe halten. Und Zuhören.

Warum wir flott verbrauchen!

Die Autohersteller müssen den Flottenverbrauch drosseln. Auf etwa 95g/km. Die meisten, zumindest die deutschen Hersteller, werden das nicht schaffen. Vielleicht liegt das an einer verhängnisvollen Tendenz zur Diesel-Schludrigkeit. Vielleicht aber auch am missverständlichen Wort „Flottenverbrauch“. „Ist das nicht eher ein Fall für die Marine?“ werden sie gedacht und weiter von süßen Diesel-Manipulationen geträumt haben.

Zumal ein flotter Verbrauch überall droht. Diverse Autofahrer bekamen von der Polizei zu hören: „Sie haben aber einen flotten Verbrauch!“ Wer dann den Fehler folgender Erwiderung begeht: „Bei dem Tempo, mit dem Sie mich eben überholt haben, war ihr Verbrauch bestimmt einen Zacken flotter als meiner“ – und das auch noch lallt – der kann davon ausgehen, dass sein Lappen ganz flott verbraucht ist… Auch im Chauvinismus kommt es gern zu einem Flottenverbrauch: „Kennst du Johann? Der hat einen sehr hohen Flotten-Verbrauch – bereits vier sehr flotte Ex-Gattinnen!“

Trotz dieser Missverständnisse bleibt der Fakt: Die Flotte eines Auto-Herstellers muss gedrosselt werden – und was die Autos nicht schaffen, sollte vielleicht der Gesamt-Ausstoß des Herstellers rausreißen. Etwa, indem die Mitarbeiter während der Produktion weniger atmen – das spart ja auch CO2 ein… Wird etwa am Anfang eines Arbeitstages ein tiefer Atemzug genommen und erst am Ende der Schicht wieder ausgeatmet, könnte das ein ganz neuer Wellness-Trend werden: „Apnoe-Arbeiten! Kommen Sie zu Daimler und kräftigen Sie Ihre Lunge durch Apnoe-Car-Manufacturing-Yoga!“

Einige kommen mit diesen Komplexitäten einfach nicht zurecht. Wer weiß, ob nicht in irgendeinem Wald ein durchgedrehter Auto-Manager vor einem halb gegessenen kleinen Vogel sitzt. Mit der Instagram Bildunterschrift: „Voller Klima-Erfolg. Flotte Drossel endlich verbraucht…“

Warum Männervereine das Größte sind!

Olaf Scholz hat einen vielbeachteten Vorschlag gemacht: Männervereinen, die keine Frauen aufnehmen, soll die (steuerbegünstigte) Gemeinnützigkeit aberkannt werden. „Mehr Frauenversteher geht nicht“, wird er sich gedacht haben, „ohne dass man der eigenen Sekretärin das Büro putzt und anschließend den Kaffee bringt.“ Und zu letzterem hatte er vermutlich keine Lust.

Nun sollte man als Kabarettist dankbar sein, wenn Politiker sich die Mühe machen, Steilvorlagen zu liefern während sie PR für ihren Parteivorsitz inszenieren. Denn natürlich laufen reaktionäre Kräfte Sturm gegen diese Revolution: Männer müssen doch auch mal die Möglichkeit haben, unter sich zu sein und auf dieses ganze feministisch politisch korrekte Gedöns einfach mal lauthals krakeelend zu verzichten. Das verhindert Frust-Vergewaltigungen, und wenn das nicht gemeinnützig ist – hallo?!

Und dann immer dieses Rumgehacke auf Schützenvereinen, die nur aus Männern bestehen. Es ist eben sehr schwer, einen ruhigen Schuss abzugeben, wenn nebenan eine Ische steht, die herablassende Kommentare macht wie: „Wenn du so zielsicher bist wie letzte Nacht, dann wird sicher jeder Schuss ein Treffer – du impotente Nulpe!“

Letztendlich gibt es auch jede Menge sinnvolle Vereine, die ausschließlich aus Männern bestehen: Männer, die sich von Frauen verfolgt fühlen. Männer, die Schluss machen wollen mit toxischer Männlichkeit und auch mal Röcke tragen möchten. Männer, die mit ihrer Pädophilie klar kommen wollen ohne Strafverfolgung befürchten zu müssen – doch genug von der katholischen Kirche…

Denn was all diese Schaumschläger vergessen: Im Vorschlag des Finanzministers verbergen sich ungeahnte Möglichkeiten. Schließlich müssen Vereine nur eine einzige Quotenfrau aufnehmen, um ihre Gemeinnützigkeit zu erhalten. Eine echte Chance für Frauen, die aufgrund männlichen Dominanzverhaltens aus männlich dominierten Vereinen rausgemobbt wurden – Andrea Nahles zum Beispiel…

Warum wir Geld so lieben!

Im Prozess um Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen, mit denen Donald Trump angeblich Affären hatte, soll der Präsident seine Steuererklärungen veröffentlichen, was er jetzt vor dem Obersten Gerichtshof verhindern möchte. Warum nur? Will er es verhindern, weil dann rauskommen könnte, dass er seine Affären für die Steuer als „außerordentliche Belastungen“ führte? Oder weil sich zeigen könnte, dass sein Reichtum nur Gerede ist.

Der eigene Reichtum ist häufig sehr eng an das Selbstwertgefühl gekoppelt. Um es mit den Philosophen zu sagen: „Ich habe, also bin ich“. Oder wie ein Gangsta-Rapper es vermutlich umformulieren würde: „Wenn isch mit meiner Kohle knalle, f… isch euch doch alle!“ Deshalb sind wir eigenartig berührt, wenn Geld vernichtet wird. Mitte der 90ger verbrannten zwei britische ehemalige Pop-Stars (die KLF oder K-Formation) eine Million britische Pfund. In 50 Pfund Noten, die sie physisch anzündeten und anschließend den Film darüber als Kunst deklarierten. Das brachte ihnen wütende Kritik ein. „Warum sie das Geld denn nicht gespendet hätten?“ „Sie wollten doch nur ihr riesiges Ego befriedigen!“ Interessanterweise wäre der Vorwurf nicht gemacht worden, wenn sie ihr riesiges Ego mit Nutten und Koks aufpoliert und so das Geld in bester Charlie-Sheen-Manier verbrannt hätten.

Das Argument der Musiker: „Der Geld-Verbrenn-Film ist Kunst. Man sieht ihn an – und er setzt einen inneren Prozess in Gang!“ Dieses Kriterium, dass man etwas ansieht, was einen Prozess in Gang setzt, unterscheidet etwa ein Gemälde oder einen Kunstfilm von vielen langjährigen Beziehungen… Nun ist nicht alles, was man ansieht, und das dann einen inneren Prozess in Gang setzt, auch Kunst. Pornografie etwa. Oder Donald Trump.

Deshalb muss Letzterer ja auch einen äußeren Prozess in Gang setzen. Vor dem Supreme Court. Wenigstens erklärt er sich nicht zum größten Künstler aller Zeiten. Schließlich verbrennt er nicht nur Steuerzahler-Geld, sondern gleich die ganze Welt!

Warum wir nicht „in die Lucke“ stoßen sollten!

„Nimm ein Kissen!“ hieß es früher in Therapiesitzungen, wenn Emotionen hochkochten. Dann nahm man ein Kissen, schrie es an und verprügelte es nach Strich und Faden. Sicherlich war das unfair dem Kissen gegenüber, aber Kissen haben nun mal keine Lobby. Richtig ausgedrückte Wut ist extrem wichtig, doch leider wird sie häufig falsch ausgedrückt. So wurde die Vorlesung von Bernd Lucke, dem Mit-Begründer der AfD, der sich mittlerweile von der Partei distanziert hat, in Hamburg von linken Antifa-Aktivisten gestört. In entscheidenden Momenten sammelt die radikale Linke leider keine Punkte – sie ist der „BVB Dortmund“ der Politik. Was nicht heißen soll, dass die Rechte der FC Bayern ist – nicht jeder Vergleich, der hinkt, ist auch ein Goebbels…!

Bei Rechten erwartet man schlechtes Betragen – bei Linken gibt es höhere Erwartungen. Aber am jeweiligen Ende des politischen Spektrums regiert gerne mal der Wahnsinn. Man kann das auch positiv sehen: Links sein war bereits in den Siebzigern und Achtzigern der alten Bundesrepublik extrem emanzipiert. Es gab permanent „Zickenkrieg für Männer“. Wenn du der Ansicht warst, dass Marx zum Frühstück lieber Wurst als Käse aß, musstest du sofort eine eigene Partei aufmachen: die KPD/WL (Wurstliebhaber).

Dabei ist es ja grade die fehlende Dialogfähigkeit, die diese Zeit so unglücklich macht. Was spricht dagegen, Rechten einfach mal zuzuhören? Wenn jemand eine eröffnet mit: „Wusstest du übrigens, dass Hitler total tierlieb war?“ Dann schreien Sie nicht gleich los wie ein alter Grüner: „Natürlich war nicht alles schlecht unter Hitler. Aber die Autobahnen verzeih ich ihm nie!“ Lassen Sie ihn ausreden, hören Sie sich das Loblied auf die Heldentaten deutscher SS Leute in Ausschwitz in aller Ruhe an und rufen anschließend den Verfassungsschutz: „Ihr könnt euren besoffenen V Mann jetzt wieder abholen!“ Oder Sie nehmen einfach ein Kissen.

Warum wir dringend spenden müssen!

Der Mensch hat in seinem Leben eigentlich nichts zu tun. Hat man die Sache mit Essen und Trinken sowie Dach überm Kopf und Nachwuchs zeugen einigermaßen gelöst, besteht kein Anlass mehr zum Handeln. Um nicht in stupender Einöde zu versinken, begann der Mensch mit dem Spielen. Er dachte sich Gesellschaftsstrukturen aus und Arm und Reich. Irgendwann glaubten die Menschen ihren ausgedachten Quatsch und vergaßen, dass es sich um Spiele handelt, die vermeiden sollten, dass man dumpf und leer vor sich hinstarrt. Denn das gilt als hoffnungslos. Oder als Zen-Meditation.

Ein Lieblings-Spiel der Menschen ist das Jammer-Spiel. Beim Jammer-Spiel wird ein in der Regel eingebildetes Problem laut bedauert. Besonders gut im Jammern sind Menschen, die das Arm-Reich-Spiel zu ihren Gunsten entschieden haben. Dazu passt eine gestrige Meldung, dass die Anzahl der Milliardäre weltweit zurück gegangen ist, dass also immer mehr Milliardäre nur noch gut 900 Millionen Euro zum Leben haben und so kurz vor dem Ruin stehen. Jedenfalls als Milliardär. Sie dürfen sich dann nur noch Multimillionär nennen, was für Milliardäre fast so schlimm ist wie „Sozi“. Oder der Tiefpunkt: „Hier riecht’s nach Hartz…“

Jetzt wollen die „Sozis“ obendrein eine Vermögenssteuer. Um die Reichen noch tiefer in die Verlustzone zu stürzen. Arme Leute können es sich eben nicht vorstellen, wie das ist, wenn man sich nicht mal nebenher eine Großsee-Yacht leisten kann. Oder noch ein Villenviertel in St. Moritz. Oder einen ölreichen Staat in Zentralasien.

Deshalb: Spielen Sie das Spiel mit. Führen Sie immer etwas Kaviar bei sich für einen humanitären Akt der Soforthilfe, wenn wieder ein Milliardär weinend im Maybach zusammenbricht. Wahlweise geht auch ein Hummer oder eine Großsee-Yacht, die Sie auf einem Handwagen hinter sich herziehen. Trösten Sie den Milliardär. Sonst fängt der noch an, dumpf und leer vor sich hinzustarren. Oder gar Zen-Buddhist zu werden…