Autor: Alexa Knitter

Wie wir ganz reich werden können!

In Zeiten drohender Abschottung und Brexit-Entscheidungen werden viele Diskussionen rund ums Thema geführt. „Gäbe es eine Möglichkeit, die Armut in der Welt zu beenden, das „Bruttoglobalprodukt“ zu verdoppeln und die Welt friedlicher zu machen, würdest du es tun?“ frage ich eine Freundin. „Aber natürlich,“ sagt die. „Ok,“ sage ich,“ offene Grenzen.“ „Find ich gut.“ „Ehrlich?“ „Ja, offen sein, sich nicht immer so abgrenzen, auch mal auf andere Menschen zugehen…“ „Nein, ich meinte wirklich offene Grenzen: Jeder kann dahin umziehen, wo er will. Weltweit.“ „Sag mal, spinnst du?“

Ich kann sie verstehen. Erst mal klingt es natürlich absurd: Offene Grenzen – wo kommen wir denn da hin? Nun, die Konservativen dürfte interessieren: offene Grenzen gab es bereits – in der guten alten Kaiserzeit. Bis 1920 gab es keine Pässe und vor dem ersten Weltkrieg auch keine Grenzkontrollen. Die Wirtschaft boomte dadurch bis 1914.

„Aber dann wollen ,die‘ doch alle sofort zu uns kommen.“ Niemand verlässt besonders gern die eigene Heimat. Im Zeitalter der Globalisierung leben nur 3 Prozent der Weltbevölkerung in einem anderen Land. Das änderte sich leider auch nicht wesentlich, wenn man alle Bewohner des diesjährigen Dschungelcamps einfach in Australien ließe…

„Ja, aber dann nehmen die uns doch die ganze Arbeit weg.“ Als Frauen in den 70gern anfingen, vermehrt zu arbeiten, hieß es auch: Sie nehmen den Männern die ganze Arbeit weg – das kannten Männer schließlich von zuhause, wo Frauen ungefragt die ganze Hausarbeit wegnahmen und so brutalst dafür sorgten, dass Männer bis heute vielfach den Geschirrspüler nicht finden können. Mittlerweile ist das Argument hinreichend widerlegt.

„Aber was sollten offene Grenzen denn bringen?“ Vielleicht die Beseitigung der Armut weltweit, eine ungefähre Verdoppelung des „Bruttoglobalprodukts“ (wie Wirtschaftswissenschaftler übereinstimmend berechneten) und durch Abnahme des Bevölkerungsdrucks eine friedlichere Welt…

Warum wir Silvester weiter knallen müssen!

Jetzt werden jetzt ein paar Spätfolgen von Silvester bekannt. Ein Fohlen ist an Stress gestorben. Zwei Pferde in einem Stall verbrannt, der vermutlich durch Böller in Brand gesetzt wurde. Viele Hunde, Katzen und Vögel erleiden ebenfalls tödliche Traumata.

Nun gibt es Städte, die verbieten privates Knallen in der Innenstadt. Hannover zum Beispiel. Aber Hannover, das weiß der Berliner, ist ja sowieso eher eine Strafe als eine Stadt. Und überhaupt, wie ein Bezirksrat aus Tempelhof twitterte: Wer ein Knallverbot will, solle sich nicht über weiteren Vertrauensverlust in die Politik beklagen – „Wer proletarische Kultur verachtet, wird zurück verachtet.“ – Genau. Mit einem ähnlichen Argument wird schon seit Jahren in einigen afrikanischen Gegenden die Genitalverstümmelung weiter praktiziert…

Natürlich werden in Deutschland jedenfalls in der Silvesternacht relativ wenig Genitalien verstümmelt werden. Dafür sprengt sich der eine oder andere die Hand weg. Auch das unterscheidet uns von „Scharia“-Gegenden – wir hacken keinen Dieben die Hände ab, sondern nur Idioten – und denen, die zu nah an solchen dran stehen.

Weshalb wird Silvester nochmal geknallt? Ach ja, da war dieser germanische Brauch, böse Geister zu vertreiben. Wenn man sich die Folgen ansieht, werden allerdings durch das Knallen erst die bösen Geister so richtig angelockt. Silvester führte in diesem Jahr in Berlin zu 36 teils schwer Verletzten. Und sorgt im Alleingang für etwa 15 Prozent der jährlichen Feinstaubbelastung, die der Straßenverkehr verursacht. Ohne Silvesterknallen könnte man also bundesweit wieder mit den alten Euro3 Dieseln im Autokorso durch die Innenstädte fahren – vielleicht sollte man das echten Männern mal als Alternative anbieten…

Warum Ribery Recht hat!

Fußballprofi Franck Ribery (Bayern München) hat gerade Ärger am Hals. Da ist einmal der „Tanz ums goldene Kalb“, also das goldüberzogene Steak, das er in Dubai freudig verzehrte. Da hieß es empört: Ist das nicht eine wahnsinnige Verschwendung kostbarer Rohstoffe? Wäre es nicht viel ökologischer gewesen, eine mit Blattgold überzogene Möhre zu verspeisen?

Diese Kritik brachte wiederum Frank Ribery samt Familie in Rage. Kurzentschlossen twitterte er zurück: „F….eure Mütter, eure Großmütter und euren gesamten Stammbaum!“ Das ist natürlich mal eine Ansage, die es Fans nicht grade leicht macht. Spätestens ab den Urgroßeltern nimmt die Ahnenreihe nämlich stark zu. Hat man noch acht Urgroßeltern, sind es bereits 16 Ururgroßeltern sowie 32 Urururgroßeltern! Und kostet es die allermeisten schon eine Riesenüberwindung, mit den eigenen Großmüttern ins Bett zu gehen, so möchte man sich gar nicht erst vorstellen, wie das erst bei den Urururururururur-Großmüttern sein wird, von denen es über 500 gibt. Addiert man die Zeit, die man mit der Friedhofs-Buddelei verplempert – ist das Stammbaumf….. ein sehr umfangreiches Hobby, für das man obendies eine gehörige Portion „Skeletto-Philie“ benötigt.

Die Empörung über diesen Spruch folgte umgehend. Doch ist die Sprache vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, forderte nicht eine ganze Reihe Propheten Ähnliches? Sagte nicht schon Gautama Buddha, man solle die mentale Anhaftung an die Familie loslassen und der Vergangenheit entsagen? Was ist das denn anderes als „den Stammbaum zu f…..“ Jesus sagte: „So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lukas 14:26). Ist Ribery in Wirklichkeit ein Prophet der etwas anderen Art? Vielleicht nicht gerade „die Hand Gottes“. Sondern der „Ar… des Herrn“?

Warum wir Fachkräftemangel produzieren!

Bis 2025 sollen angeblich 6 bis 7 Millionen Fachkräfte fehlen. Horrorvorstellung: Ärzte fragen Patienten, ob sie Diagnosen selbst stellen können, weil neuerdings jeder als Arzt genommen wird, der Golf spielt. Klempner verschreiben bei Rohrbruch „Arnika C30“ – weil sie eigentlich Homöopathen sind. Und deutsche Ingenieure sind nicht mehr in der Lage, Diesel-Filter zu bauen…

Schon seit 2011 verfolgt uns dieses Szenario, in die Welt gesetzt vom damaligen Arbeitsamts-Chef Weise sowie vom VDI (Verein deutscher Ingenieure) und vom Verband der Industrie. 30 Milliarden Euro pro Jahr solle das die Wirtschaft kosten, sangen die Schwarzseher schon vor Jahren. Resultat: Ein massiver Zustrom junger Menschen ins Studium der MINT-Fächer (Mathe, Ingenieurswissenschaften, Naturwissenschaften, Technische Fächer). Resultat davon: Viele arbeitslose Ingenieure. Auf jede offene Stelle kommen fast zwei Arbeitssuchende. Das ist, als ob sich jemand im Wald über einen Mangel an Bäumen beschwert. Es gibt also keinen wirklichen Mangel an Fachkräften. Es gibt nur einen Mangel an 26jährigen Fachkräften mit Doktortitel und zehnjähriger Berufserfahrung, die dringend für 24.000 Euro Jahresgehalt arbeiten wollen! Also ein Fachkräftebezahlwillenmangel! Oder weshalb wurde die Hürde, ausländische Fachkräfte einzustellen, von 66.000 Euro auf 36.000 Euro Jahresgehalt gesenkt?

Auch im heimischen Bereich herrscht Fachkräftemangel, beschwerte sich eine Bekannte neulich. Jedes Mal, wenn sie mit ihrem Mann ins Bett ginge, verspüre sie eklatanten Fachkräftemangel. Sie löste das Problem mittlerweile mit einer Methode, die man auch der deutschen Industrie ans Herz legen kann: Konsequente Weiterbildung. Das hat sogar finanzielle Einspareffekte durch Produktivitätssteigerung. Nachdem die Bekannte dem Mann eine Fortbildung im Bordell finanzierte, war sie endlich in der Lage, den Gärtner zu feuern…!

Warum wir im neuen Jahr keinen neuen Partner finden!

Zu Beginn des neuen Jahres stellt sich häufig die Frage: Was bringt mir dieses Jahr in Liebesdingen? Die große Liebe? Oder doch nur wieder haufenweise Liebes-Testversuche? Um die Suche nach der großen Liebe umfangreicher zu gestalten, gibt es eine Vielzahl passender digitaler Apps.

Man fragt sich zunehmend, wie die Partnersuche eigentlich vor der digitalen Ära überhaupt möglich war? Nun, früher gab es natürlich auch schon eine Dating-App. Die hieß nur anders, nämlich „Papa“. Der suchte den oder die Partnerin aus. In der muslimischen Welt ist das teilweise heute noch so, man begrenzt jedoch das Risiko einer falschen Partnerwahl (nur für Männer, klar), indem man auf Quantität setzt. Im Westen kam jedoch vor einiger Zeit die Vorstellung von der großen romantischen Liebe auf, von dem einen Partner, der einen glücklich macht. Früher war es völlig unwesentlich, ob man die Partnerin gut fand – Hauptsache, sie produzierte genug Bälger, die einen im Alter verpflegten. Kinder als Alterssicherung – weil dieser AfD-Traum dieser Tage grade in Afrika exzessiv praktiziert wird, haben wir dort unter anderem ein Ressourcen- und Mangel-Problem.

Aber die große romantische Liebe, der Seelen-Partner – das ist die Fantasie, die Herzen arm und Scheidungsanwälte reich macht. Heute vermittelt daher nicht mehr Papa den Partner, sondern der Algorithmus. Der Begriff „Algorithmus“ geht zurück auf einen Araber, nämlich Abu Dscha’far Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi, kurz „Al-Chwarizmi“, was dann zu „Algorismi“ und später zu „Algorithmus“ wurde. Herr Algorithmus verfasste 825, als die muslimische Welt noch führend in der Mathematik war, ein Werk „Über die indischen Zahlen“, welche man später in einem Akt islamischer Propaganda „arabische Zahlen“ nannte. Skandal: Dann ist also die Dating App nichts weiter als die Sehnsucht nach dem muslimischen Papa, den man nie haben wollte…!

 

Was sich die Deutschen für das nächste Jahr vornehmen!

Einer aktuellen Studie zufolge schauen die Deutschen so pessimistisch in die Zukunft wie schon seit fünf Jahren nicht mehr. Nur noch 17 Prozent stimmen der Aussage zu: „Dem kommenden Jahr sehe ich mit großer Zuversicht (…) entgegen.“ Man könnte sagen, die Deutschen leiden unter Realitätsverzerrung: Die Wirtschaft brummt, es gibt so wenig Arbeitslose wie seit Jahren nicht mehr, die Kriminalität sinkt, sogar die Ausländer sind netter – jedenfalls freuen sich viele Türken, dass jetzt Syrer die „Zuletzt-Angekommenen-A…-Karte“ haben.

Andererseits: Wozu gute Laune, wenn eh alles den Bach runter geht? Spätestens in fünf Milliarden Jahren ist dieser Planet am Ende – da ist jede Form guter Laune nur ein unreifer Ausbruch kurzfristiger, kindischer Hyperventilation. Optimismus ist für Anfänger und Amerikaner. Profis wissen: Wir sind Wurmfutter in Warteschleife. Fröhlichkeit ist nur ein Mangel an gründlicher Information. Und Hoffnung der Zement der Enttäuschung!

Die Studie belegt auch, dass die Deutschen nach Buddha leben. Denn der sagte: „Leben ist Leiden!“ So pflegen wir statt oberflächlicher Mittelmeer-Heiterkeit eine tiefgreifende nordische Depression. Der Pfad der Befreiung führt nun mal durchs tiefe Tal der Tränen. Wenn das nächste Mal ein Berliner miesgelaunt sagt: „Dit Wetta is heut wieda ma schwer exkrementiell“ – dann verbirgt sich hinter der rauen Maske ein deutscher Shaolin-Mönch auf dem Highway ins Nirvana.

Wahre Könner akzeptieren die Gnadenlosigkeit endlichen Seins. Dafür braucht es keine Zuversicht. Sondern nur ein gutes Bier. Oder zwei. Na gut, ein Sekt darf es auch noch sein. Zum Anstoßen. In der grimmigen Gewissheit: Es geht zu Ende. Aber vorher lassen wir die Korken knallen. In diesem Sinne: Ein frohes Neues! Ohne Zuversicht. Aber mit Hingabe an die lächerlichen Dinge, die unser Leben ausmachen: Liebe, Freunde, Kooperation – und der vorvorvorletzte Tanz auf der Titanic.

Wie Sie die Vorweihnachtszeit besinnlich erleben!

Jedes Jahr zu Weihnachten stellt sich die bange Frage: Wie komme ich zur Verwandtschaft? Fliegen fällt für alle flach, die etwas umweltbewusst sind und keine gesteigerte Freude dabei empfinden, permanent für einen Terroristen gehalten und von Fremden begrabbelt zu werden. Bleiben Autofahren und die Bahn. Das Auto suggeriert ein gewisses Maß an Kontrolle, die allerdings spätestens am Kamener Kreuz verloren geht. KFZ-Freunde tendieren zudem zu einer gewissen Glorifizierung ihres Transportmittels und rechnen sich häufig das Leben schön. So fällt die Zeit im Stau gerne einem milden Verkehrs-Alzheimer zum Opfer. Genau wie der Ärger über andere Verkehrsteilnehmer…

Ich fahre daher meist Bahn. Trotz ihrer miesen Ausreden: „Verspätung wegen Verzögerungen im Betriebsablauf“ – was genau soll das sein? Ist das bahndeutsch für „Trödeln“? Damit wäre ich aber früher nicht durchgekommen in der Schule: „Ich konnte erst zur zweiten Stunde kommen, weil es zwischen Zähneputzen und Frühstück Verzögerungen im Betriebsablauf gab.“ Kennen Sie irgendein anderes Berufsfeld, in dem das als Ausrede gilt? Was wäre von einem Chirurgen zu halten, der einem Patienten sagt: „Tut mir leid, dass die Narkose nicht über die ganze Operation wirkte – es gab Verzögerungen im Betriebsablauf“? Oder von der Polizei, die sagt: „Wir haben den Verbrecher nicht mehr erwischt – es gab Verzögerungen im Betriebsablauf“?

Aber die Bahn möchte sich bessern. Sie will demnächst erreichen, dass 85 Prozent der Züge pünktlich sind. Moment, dachte ich, was ist mit hundertprozentiger Pünktlichkeit, warum ist das noch nicht mal eine Option? Was würde man von einem Serienmörder halten, der ankündigt, er wolle in 85 Prozent aller Fälle nicht straffällig werden?

Doch wenn man dann im Zug sitzt, und er rollt, und es ist warm, und dann kommt die Verzögerung im Betriebsablauf – dann hilft vielleicht der Gedanke, dass das die einzige wirklich besinnliche Zeit der nächsten Wochen sein kann!

 

Warum wir Weihnachten bald mit Algorithmus feiern!

Bald ist Bescherungs-Zeit. Um das Schenken zu vereinfachen, besitzt Amazon ein Patent auf einen „vorausschauenden Algorithmus“. Der ermittelt, was Sie wohl als Nächstes bestellen. Das wird dann in ein Logistik-Zentrum in Ihrer Nähe geliefert, damit es schnell da ist. Wo geht diese Entwicklung hin? Wird Amazon demnächst auch ermitteln, was ich nach Weihnachten wieder zurückschicke? Heißt es dann: „Die Ware wird Ihnen leider nicht zugestellt, da Sie das sowieso zurückschicken. Um die Umwelt und unser Logistikzentrum zu schonen, bestellen Sie doch lieber ein Prime-Abo.“

Vielleicht warnt der baldige Geschenk-Monopolist sogar vor weihnachtlichen Fehlentscheidungen: „Sind Sie sicher, dass Sie Ihrem Gatten diesen Gutschein für einen Paar-Tanzkurs schenken wollen? Weiß Ihr Mann, dass Sie den Tanzlehrer Alessandro aus Costa Rica wahnsinnig scharf finden? Was geschieht, wenn bald jeder über so einen Algorithmus verfügt? „Liebling, das System hat errechnet, dass du mich am 4.Dezember 2021 mit dem Tanzlehrer Alessandro betrügst, woraufhin ich dich am 21. Dezember mit deiner besten Freundin Gabi „zurückbetrüge“ – um uns Lebenszeit zu sparen, habe ich mein Zurückbetrügen schon mal vorgezogen…“ Die Versicherungsbranche wird diese Planungssicherheit lieben. Beim Abschließen einer Lebensversicherung kommt dann die Meldung: „Wir können für 2022 leider keine Versicherung mit Ihnen abschließen. Der Algorithmus hat errechnet, dass Tanzlehrer Alessandro Sie am 22.12.21 erschießt…“

Extrem lästig wären dann natürlich Datenpannen. Wenn es auf einmal gefragt wird: „Sind Sie wirklich der Jürgen Kowalski, der in Pankow wohnt und 2011 eine heftige Sehnenscheidenentzündung hatte?“ „Nein, ich wohne in Marzahn wohnt und sehnte mich 2011 heftig nach einer Scheidung.“ „Oh, da müssen wir jetzt aber mal gucken, ob wir den Alessandro noch irgendwie erwischen…“

Warum der Horst jetzt schwitzt!

Das Wort des Jahres ist „Heißzeit“ – das ist übrigens keine heiß-erotische Nacht etwa mit Rihanna und auch kein unveröffentlichter Nena-Hit aus den 80gern. Es geht um die bevorstehende Klimaerwärmung, die den Bikini zum meistgetragenen Bekleidungsstück auf Grönland machen könnte. Den zweiten Platz belegt das Wort „Funklochrepublik“ – was dem Umstand geschuldet ist, dass man außerhalb deutscher Großstädte mit Rauchzeichen erfolgreicher kommuniziert als mit Mobiltelefonen.

Dann kommt der eigentliche „Wort des Jahres“-Sieger: Horst Seehofer! Denn Hotte ist gleich drei bis vier Mal im Wettbewerb vertreten: Einmal mit „Anker-Zentren“ (Platz 3). Was übrigens nicht bedeutet, dass man dort Anker werfen und auf ewig von Bord gehen soll – ähnlich wie ein „Konzentrationslager“ ja auch keine Heilstätte für Aufmerksamkeitsstörungen war. ANKER-Zentrum ist ein Akronym, das sich zusammensetzt aus den Anfangsbuchstaben für „An(kommen)“,“K(ommunale Verteilung),“E(ntscheidung) und R(ausschmeißen – also eigentlich „rückführen“, was aber aufs Gleiche hinausläuft).

Den vierten Platz belegt der Slogan „Wir sind mehr“ – diese Antwort auf rechte Ausschreitungen in Chemnitz steht in direktem Zusammenhang mit dem nächsten Platz (5) „strafbelobigt“, also die Beförderung des Verfassungsschutz-Präsidenten Maaßen, der auf Videos von Krawall-Nazis keine Krawall-Nazis erkennen konnte und für diese Fähigkeit befördert werden sollte – von Horst Seehofer…

Platz 10 geht wiederum an Seehofers „Mutter aller Probleme“, womit natürlich erneut die Migration gemeint ist. Übrigens ein ziemlich sinnloses Bonmot, denn die „Mutter aller Probleme“ ist natürlich die Mutter – hätte der Flüchtling keine, gäbe es ihn nicht, genauso wenig wie Horst Seehofer. 2018 war also die „heiße Zeit“ des Innenministers, der jetzt kurz vor dem politischen Aus steht – so „Heißzeiten“ laugen eben echt aus…

 

Warum wir jetzt mit Äpfeln zahlen!

Der Apfel als Zahlungsmittel hat eine gewisse Tradition – er war gewissermaßen erste Währung der Menschheit und laut Bibel Grund für den Rausschmiss aus dem Paradies. Da sollte man eigentlich hellhörig werden, wenn jetzt wieder mit Äpfeln gezahlt werden darf. Denn seit gestern gibt es Apple Pay – Bezahlung via iPhone.

Natürlich nicht überall. Ein Kumpel beichtete mir, dass es überhaupt nicht funktioniere, mit dem iPhone zu zahlen – ein Händler habe ihm gesagt, er könne sich auf den Kopf stellen, aber er kriege nun mal keinen VW-Golf für ein Telefon – „auch nicht für das iPhone XS“ und habe ihm im Gegenzug höchstens einen schrottreifen Diesel angeboten…

Andererseits: ein Apple-Bezahldienst – kennen wir das nicht schon? Bestand der bislang nicht darin, dass das iPhone alle paar Jahre den Geist aufgab und man für ein Neues bezahlen durfte? Jetzt jedoch kann man direkt mit dem iPhone oder Apple Watch zahlen und so das Portemonnaie daheimlassen. Diesen Dienst lässt sich Apple natürlich bezahlen – mit 0,15 Prozent des Umsatzes, den der Händler jetzt nicht mehr an Bank oder Kreditkartenbetreiber zahlt, sondern an den Apfel-Produzenten. Wenn also 10 Millionen Deutsche im Jahr 10.000 Euro mit iPhone bezahlen, ist die Firma aus Cupertino um 150 Millionen Euro reicher – man muss also gar nicht mehr Mitglied im FC Bayern München werden, um Steuer-Vermeider großzügig zu alimentieren!

Positiv wird bewertet, dass Apple Pay einen erstaunlich soliden Datenschutz hat und man genauso anonym einkaufen kann wie mit Bank- oder Kreditkarte. Also halt überhaupt nicht anonym (das schafft nur Bargeld) – aber zumindest speichert Apple (noch) nicht alle Finanzgewohnheiten. Eine Frage jedoch bleibt: Jetzt, wo Apple diesen neuen Bezahldienst hat – heißt das womöglich, dass das iPhone länger hält? Oder versucht hier doch nur eine Schlange, uns wieder mal einen Apfel schmackhaft zu machen?

Wie der Weihnachtsbaum uns reich macht!

In verschiedenen deutschen Großstädten gibt es kaum noch Weihnachtsmänner für die Bescherung, da viele Studenten keine Lust mehr haben, in lächerlicher Verkleidung kleinen Kindern ein „HoHoHo“ ins Gesicht zu schleudern. Stattdessen programmieren sie lieber am Heiligabend im kuscheligen Kreis der Familie weiter ihre Start-Up App.

Und das ist nicht mal die einzige weihnachtliche Gefahr: Was passiert, wenn Kinder aus dem Wohnzimmer rufen „Ok, Papa, den Weihnachtsbaum haben wir angezündet – was machen wir mit den Kerzen?“ Weihnachtsbäume fackeln immerhin mehr Wohnzimmer ab als islamistische Terroristen…

Gut, dass wenigstens das Finanzamt da einschreitet. Denn Weihnachtsbaum ist fiskalisch gesehen nicht gleich Weihnachtsbaum. Ein Weihnachtsbaum aus Kunststoff oder ein bereits fertig dekorierter Weihnachtsbaum kosten 19 Prozent Mehrwertsteuer. Erstehen Sie den Weihnachtsbaum beim gewerblichen Händler, fallen 7 Prozent an. Kaufen Sie ihre Christ-Kiefer aus einer Plantage heraus, gibt es den landwirtschaftlichen Steuersatz von 10,7 Prozent. Vermittelt Ihnen der Förster einen „zufällig im Walde gewachsenen“ Baum, gilt wiederum der reduzierte landwirtschaftliche Steuersatz von 5,5 Prozent – außer, der Förster pflanzte mehr als 140 Bäume…

Am besten organisieren Sie in einem Anfall wahrer christlicher Nächstenliebe einen garantiert steuerfreien Weihnachtsbaum für die komplette Nachbarschaft: Überreden Sie (notfalls unter Einsatz größerer Alkoholmengen oder ihres attraktiven Körpers) einen NATO-General, damit der wiederum einen Förster belabert, für jeden einzelnen Soldaten seiner 35.000köpfigen Truppe je 140 zufällig in ausländischem Wald gewachsene Weihnachtsbäume zwecks militärischer Tarnung mit dem Vermerk „Umsatzsteuerbefreit nach Art. 67Abs. 3 NATO-Zusatzabkommen“ zu liefern…

Sie sehen, es gibt durchaus noch Weihnachtsmänner, die um die Bescherung kümmern. Sie tun es nur woanders: Nämlich im Finanzamt.

Warum die Provinz ein Problem hat!

Der grüne Tübinger Bürgermeister Boris Palmer sagt über Berlin: „Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands“ und „er käme mit dieser „Mischung aus Kriminalität, Drogenhandel und bitterer Armut“ nicht zurecht. Eine Bekannte meint jüngst Ähnliches: „Die sind doch alle durchgedreht in Berlin.“ Ich sage ihr, dass Städte nun mal komplexer sind als Dörfer. Dass Berlin viele Facetten hat. Und dass es auch sehr kreativ und innovativ ist. Sie guckt ungläubig. Denn wie Boris hat sie die „Provinz-Perspektive“.

Die Provinz-Perspektive hätte es gern einfach. So wie früher. Als man noch im Pferdekutsche zum Schloss des Gutsherrn fuhr, der sich leider zum Dinner verspätete, weil er nach der Jagd noch das Dienstmädchen vergewaltigte… Die Provinz-Perspektive hat eine fürchterliche Grau-Schwäche und kennt nur Schwarz und Weiß. Leider breitet sie sich aus und kriegt viel Aufmerksamkeit frei nach dem Rapper-Motto: „Is dein Spruch so voll fett krass – mach dein Konto rischtisch Kass‘!“

„Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands“. Wirklich? Ich bin viel in Baden-Württemberg unterwegs. Südlich von Ulm hat sich die Entdeckung der Elektrizität zumindest auf Bahnstrecken noch nicht rumgesprochen – und das gute 100 Jahre nach den ersten U-Bahnen in Berlin… Auch behindertenfreundliche Bahnhöfe mit Rolltreppen und solch funktionierenden Schnickschnack sucht man dort vergebens. Und ja: es gibt auch „Kriminalität, Drogen und bittere Armut“ in Berlin – etwa schwäbische Lobbyisten in der Politik, wobei die Armut da eher geistiger Natur ist…

Nun macht ein Boris Palmer in Tübingen angeblich gute Kommunalpolitik – wenn er nicht grade Studenten belästigt (gegen ihn läuft eine Anzeige wegen Nötigung). Die Dinge sind nicht schwarz-weiß. Ganz ruhig, Boris. Tief ein und ausatmen. Omm. Das Leben ist kein Drama. Sondern meistens spießig und langweilig. Sogar in der Hauptstadt.

Aus Kohle „Kohle“ machen – das ist „Kohle“!

Wie nennt man das, wenn Alexander Gauland mit einem Wahlkampf-Kraft-spendenden Spendenkoffer unterwegs ist? Richtig: Fossiler Energieträger! Nun sind fossile Energieträger nicht besonders konkurrenzfähig. Jedenfalls nicht, wenn man die echten Folgekosten einpreist. Wenn jemand „Eins plus Eins gleich Drei“ rechnet, spricht man von einer „Milchmädchen-Rechnung“. Ähnlich wie bei: „Ausländer plus Rausschmeißen gleich Profit“. Oder „Kohle plus Verheizen gleich NochMehrKohle“.

Milchmädchen gibt es übrigens kaum noch – hier fiel eine Branche der Automatisierung zum Opfer. Nur ihre der Fabel nach irrealen Rechnungen überlebten. Etwa in der Energiebranche: 40 Prozent der Kohlekraftwerke weltweit sind nicht mehr rentabel, bis 2040 werden es mehr als 70 Prozent sein – fand eine Studie jetzt heraus. Man wird demnächst also noch Kohle mitbringen müssen, um aus Kohle „Kohle“ zu machen! „Pleite“ heißt es im Kapitalismus, wenn ein Unternehmen mehr kostet als es einbringt. In der Energiebranche nennen sie es „Vernichtung von Arbeitsplätzen“…

Nun sind sichere Arbeitsplätze eine feine Sache. Die Frage bleibt allerdings, ob Arbeitsplätze wie jene im Braunkohletagebau, die Schwermetalle sowie Quecksilber ins Trinkwasser und in die Nahrungskette befördern, wirklich eine Bereicherung für die Gesellschaft sind? Auch die Cosa Nostra könnte schließlich argumentieren, man dürfe keine Auftragsmorde verbieten, weil das die ohnehin rar gesäten Arbeitsplätze von Profi-Killern bedroht…

Arbeitsplätze verändern sich. Um aus Kohle mehr Kohle zu machen, sollte man vielleicht eher zu einer Bank wechseln. Oder zur AfD – die ja auch aus „brauner Kohle“ Profit schlägt. Und ein „Kohle-Kumpel“ – ist das nicht das schwule Gegenstück zum „Sugar Daddy“? Auch die Milchmädchen sind ja nicht wirklich verschwunden. Sie heißen nur anders: Nämlich Energie-Konzern-Manager!

Warum wir die Sonne verdunkeln!

Wissenschaftler der Universitäten Harvard und Yale beschreiben die Möglichkeit, mithilfe von Flugzeugen in 20 Kilometer Höhe großflächig chemische Substanzen zu versprühen und so die Sonneneinstrahlung zu dimmen, was die Klimaerwärmung aufhalten könnte. Unklar ist, ob diese Erkenntnisse entstanden, nachdem die Wissenschaftler selbst chemische Substanzen inhalierten…

Sicher hat der Gedanke seinen Charme: Wir schicken einfach ein paar sprühende Spezialflugzeuge los – schon verdunkelt sich die Sonne und das Klima wird kühler. Im Gegenzug gurken wir weiter fröhlich in unseren fetten Autos rum und fliegen vier Mal im Jahr in den Urlaub. Kreative Lösung! Dummerweise ist das Ganze sehr teuer, die Nebenwirkungen (Missernten, extreme Wetterphänomene etc.) nicht klar und sogar die Wissenschaftler empfehlen es nicht ausdrücklich.

Sehr viel einfacher wäre eine andere Form der Sonnenverdunklung: Schlösse jeder Erdenbürger außerhalb der Schlafenszeit am Tag eine Stunde die Augen und täte einfach mal nichts– die Sonne wäre genauso verdunkelt, der CO2 Ausstoß sänke, die Menschen wären entspannter und weniger aggressiv, Volkswirtschaften sparten Milliarden aufgrund einer um vielfach gesünderen Bevölkerung – und niemand müsste den Planeten mit zusätzlichem Flugverkehr belasten.

Solche schlichten Lösungen sind natürlich nicht gewollt, denn das zentrale Problem ist nicht die zu helle Sonnenstrahlung auf der Erde – sondern die real existierende Verdunklung in den Hirnen der Menschen. Donald Trump etwa zweifelt den Klimabericht seiner eigenen Wissenschaftler an – da stellt sich schon die Frage, ob in seinem Hirn je die Sonne der Einsicht schien? Vielleicht sollte man eher nach Möglichkeiten suchen, die Köpfe der Leute heller strahlen zu lassen – warum gibt es dafür keine chemischen Substanzen, die man großflächig versprüht?

 

Was Konservative träumen!

Friedrich Merz und Jens Spahn brechen zurzeit christlich-konservative Tabus en masse. Merz fordert ein Umdenken in der Asylpolitik, Spahn will noch mal über den Migrationspakt reden. Anscheinend kommt das Spekulieren über die Wiedereinführung des Gestrigen in CDU-Kreisen gut an. Denn die konservative Seele, Bewahrerin des Althergebrachten, leidet unter den vielen Veränderungen unserer Zeit.

Welche krassen Tabubrüche trauen sich konservative Kandidaten demnächst? Hier ein paar Vorschläge: Neben der Homo-Ehe sollten Abtreibungen thematisiert werden. Nicht, dass man unbedingt gegen Abtreibungen wäre, aber es soll doch mal wirklich alles auf den Tisch dürfen… Was ist mit dem Frauenwahlrecht? Wurde das nicht auch etwas überstürzt eingeführt vor 100 Jahren? Wenn „Mann“ sieht, wie schmerzhaft Entscheidungen vor dem Kleider- oder Schuhschrank für Frauen sind – wäre es da nicht eine konservative Pflicht, Frauen diese Wahl-Schmerzen zu ersparen?

Überhaupt: Wählen! Was ist denn mit der Monarchie? Nicht, dass man für die Wiedereinführung wäre, aber es war immerhin ein System, das Staatenlenker von Geburt an auf ihre Tätigkeit vorbereitete – also Fachpersonal einsetzte anstelle arbeitsloser Lehrer… Was könnte man sich mit dem für Parteien und Wahlen eingespartem Geld nicht alles an Wohltaten für das Volk leisten?

Wo wir schon bei guten alten Traditionen sind – war denn wirklich alles schlecht bei Hexenverbrennungen? Jeder von uns kennt doch den/die eine(n) oder andere(n) HexerIn (mit dem Genderwahn muss natürlich auch Schluss sein), die/der ganz gut etwa Feuer unterm Allerwertesten gebrauchen könnte. Das wäre doch auch für RTL ganz lustig! Apropos Gaudi: Christen den Löwen zum Fraß vorwerfen – das war doch auch mal ein Heidenspaß (im wahrsten Sinne des Wortes)… Aber nein, so weit darf man nicht gehen. Schon, weil es kaum noch echte Christen gibt – und noch weniger Löwen.

Warum wir vermietert werden!

Kennen Sie die Wohnungsgesellschaft Vonovia? Nicht? Gut, bis vor kurzem hieß die ja auch noch anders, nämlich Deutsche Annington. Doch leider wurde der Ruf so mies, dass die Firma aus Imagegründen den Namen ändern musste. Das kennt man von Monsanto (jetzt Bayer). Oder Verona Feldbusch (Pooth). Auch ich hieß nicht immer Chin, aber Schwamm drüber… Wer weiß, vielleicht wird auch Friedrich „Mittelschicht“ Merz irgendwann seinen Namen ändern müssen – in Friedrich April-April. Doch hier geht es nicht um Merz – sondern um die Vonovia und ihren genialen Nebenkosten-Coup. Nebenkosten – oder wie Donald Trump sagen würde: „Gib ihr 130.000 Dollar, damit sie die Klappe hält…“

Das Schöne an Nebenkosten-Abrechnungen ist ja, dass sie in etwa so leicht lesbar sind wie das Steuergesetzbuch. Diesen Umstand nützen einige Vermieter schamlos aus und zocken überhöhte Nebenkosten ab. Die Vonovia ist besonders gerissen: Hausmeisterdienste, Schneeräumdienste, Handwerker sowie Ablesedienste und TV/Internet-Anschlüsse, ehemals extern durchgeführt, werden jetzt von Tochterfirmen getätigt. „Insourcing“ nennt sich das, wenn einst outsourcte Tätigkeiten wieder in die Firma geholt werden – Horst Seehofer kann ein Lied davon singen, als er nach seiner Berliner Affäre in den Schoss der Familie zurückkehrte… Kurz darauf verteuerten sich die Nebenkosten, für die Vonovia-Mieter aufkommen mussten, drastisch (nach dem Vonovia Insourcing, nicht dem von Seehofer). Der Hausmeister-Tagessatz der Vonovia lag an einigen Standorten bei 1000 Euro – wenn Sie als Arzt nicht genug verdienen, schulen Sie um.

Nun sind das, wie die Vonovia beteuert, höchstens bedauerliche Einzelfälle – doch im Vergleich mit der Summe dieser Fälle wirkt China wie ein menschenleeres Land… Gottseidank hat es dem Aktienkurs des DAX-Konzerns nicht geschadet – der stieg in den letzten fünf Jahren um 138 Prozent. Größter Aktionär: Blackrock! Vielleicht geht es also doch ein klein wenig um Friedrich April-April…

Warum wir alle etwas mittelschichteln!

„Ich bin seit kurzem Millionär. Das können Sie auch!“ Ich stand auf einem mallorquinischen Hang mit Meer-Blick und wiederholte den Satz. Etwa 150mal. Dann erst fand der Regisseur, dass der Satz glaubhaft war und somit den Werbeauftrag der Lotto-Firma „Faber-Lotto“ erfüllte. Das war 2001 und ich war natürlich kein Millionär, sondern ziemlich abgebrannt. Aus eigener Erfahrung weiß ich also, wie schwer der Satz „Ich bin Millionär“ fällt. Und habe daher Verständnis für Friedrich Merz, der den Satz ebenfalls nicht über die Lippen kriegte.

Andererseits: Wenn jemand jahrelang für die kapitalistischsten aller kapitalistischen Kapitalmarktfirmen wie Blackrock oder HSBC Trinkaus & Burckardt arbeitete, Tagessätze von 5000 Euro aufrief, zudem in zahlreichen Aufsichts- und Verwaltungsräten vertreten ist und trotzdem nur gehobene Mittelschicht ist, dann kann der entweder nicht gut verhandeln und investiert schlecht – oder er zählt sich zu den falschen Gruppen. Was sagt das wiederum darüber aus, dass er sich auch zu den Kandidaten für den CDU-Vorsitz zählt?

Vielleicht hat Herr Merz schlicht ein Schichten-Erkennungs-Problem? Vielleicht erschien er früher schon immer zur Spätschicht, wenn er Frühschicht hatte? Auf jeden Fall wird er in einer Führungsposition einiges für die Mittelschicht bewegen wollen: etwa die Erbschaftssteuer für Konzern-Erben senken… Vermutlich sieht sein Programm zur Stärkung der Mittelschicht so aus: Einkünfte oberhalb einer Million sind steuerbefreit, auf Villen ab einer Grundfläche von 200 qm fällt keine Grundsteuer mehr an– und wer das zweite Flugzeug gegen ein neueres Modell eintauscht, erhält eine Abwrackprämie!

Diese Schichtenblindheit hat auch ihr Gutes: Wenn Friedrich Merz einem Bettler einen Euro gibt, sagt er wahrscheinlich: Wir Mittelschichtler müssen einfach zusammenhalten!

 

Warum die AfD jetzt Flüchtlinge aufnimmt!

Ausgerechnet Ausländergeld ist es, dass der AfD jetzt Kopfzerbrechen bereitet. Die Partei erhielt vor der Bundestagswahl eine Großspende aus der Schweiz über 132.000 Euro. Nun dürfen deutsche Parteien keine Spenden aus dem Ausland annehmen. Obwohl die AfD, wie wir wissen, ohne Abschiebe-Bescheid nur sehr ungern Ausländisches überhaupt anfasst, schob sie die Spende erst im April dieses Jahres wieder in die Schweiz ab.

Besonders delikat: Die Spende kam über einen Nahrungsmittelergänzungs-Vertrieb „ohne operatives Geschäft“. Welche Phantom-Nahrungsergänzungsmittel könnten das sein? „Deutsches Eichenrindenpulver zur Behebung von Heimatverstimmung“? Die Überweisung hatte zudem den Verwendungszweck „Wahlkampfspende für Alice Weidel“. Er hätte die Spende nur für einen Geschäftsfreund weitergeleitet, soll der Verwaltungsrat dieser „Pharma-Firma“ behauptet haben. Moment mal: Anonyme Spende? Treuhänderisch weitergeleitet? Gute 100.000 Euro? Wo steckt eigentlich Waffenhändler Schreiber? Hat irgendjemand in letzter Zeit Wolfgang Schäuble gesehen? Wurde das Geld etwa nur überwiesen, weil gerade kein Briefumschlag zur Hand war?

Alice Weidel und die AfD haben also ein kleines Problem. Da hilft nur eins: Die Schweiz muss aufhören, fälschlicherweise als Ausland deklariert zu werden. Immerhin wohnt die Alice ja schon dort. Einen Brückenkopf in der Schweiz hat Deutschland also bereits. Und hieß es nicht in einem beliebten Deutschland-Lied aus den „Vogelschiss-Jahren“: „von der Etsch bis an den Belt“? Das schließt doch die Schweiz als südliche Rand-Provinz eindeutig mit ein! Sollte der „Anschluss“ wieder mal an eidgenössischer Halsstarrigkeit scheitern, wird die AfD ihre Strategie ändern müssen: Wirtschaftsflüchtigem Geld wird auf deutschen Flüchtlingsheim-Konten gern Asyl gewährt. Welcome Refugee-Money! Oder in Umdichtung einer deutschen „Weisheit“: Am Schweizer Spendenwesen soll die AfD genesen!

Was am Abort lauert!

Der ultimative Albtraum eines jeden Mannes ereignete sich in Thailand. Ein unschuldiger Mann nimmt auf der Toilette Platz – und wird prompt von einer im Abflussrohr wartenden Schlange (eine Python gar!) in sein bestes Teil gebissen. Tja, denkt man, „da beißt sich die Schlange eben in den Schwanz – oder was sie dafür hielt…“ Andererseits werden jetzt viele Männer aus nackter Python-Panik erst recht darauf bestehen, nie wieder im Sitzen zu urinieren…

Nun ist es relativ unwahrscheinlich, dass sich Derartiges auch in Europa ereignet – bei uns sind die Schlangen im Klo eher politischer Natur. Die italienische Regierung etwa soll einen Geldregen von der katholischen Kirche erhalten – will ihn aber nicht, obwohl sie ziemlich pleite ist. Die katholische Kirche hat nämlich über Jahre keine Immobiliensteuern entrichtet – auch weil der italienische Staat sich nicht traute, diese einzufordern. Statt sich das ihr zustehende Geld aber von der Kirche zu holen, wittert die rechts-linkspopulistische Regierung eine Verschwörung aus Brüssel, also den Toiletten-Schlangenbiss der EU, weil Brüssel Italien und den Vatikan anhalten möchte, die eigenen Gesetze einzuhalten. Interessant daran ist, dass Italiener zwar einerseits lauthals gegen Islamisten zetern, andererseits jedoch selbst in einem Gottesstaat zu leben scheinen…

Ex-Geheimdienstchef Hans-Georg Maaßen wiederum sieht sich einer linksradikalen Verschwörung der SPD ausgesetzt – welche Drogen muss man eigentlich einnehmen, um auf solche Gedanken zu kommen? Das sind nur einige der Schlangen im Klo der Demokratie. Der Penis des Thailänders wurde übrigens mit 15 Stichen genäht – Im Falle von Italien, das mit einem Verfahren aus Brüssel rechnen muss, oder Herrn Maaßen, der jetzt ein Disziplinarverfahren am Hals hat, werden ein paar Nadel-Stiche nicht reichen.

Warum als junger Mann nicht nach Neukölln ziehen sollten!

In China gibt es jetzt einen „Social Score“: Wenn Sie häufiger mal den Gehweg fegen, die Regierung loben und gern lächeln, erhalten Sie einen hohen „Sozial-Punktestand“. Dann kriegen Sie allerhand Vergünstigungen. Sind Sie jedoch eher schlecht gelaunt, „fege-faul“ und nörgeln gern rum – dann wird es schwer für Sie. In China wären daher viele Sachsen komplett aufgeschmissen…

Nun ist sicherlich nicht viel dagegen einzuwenden, dass Menschen häufiger mal freundlich sind – nur ist leider überhaupt nicht klar, ob Big Data wirklich die Wahrheit abbildet. Vielleicht vergewaltigt der freundliche Gehwegs-Feger heimlich eine Sklavin im Keller – jedes Mal, wenn so etwas ruchbar wird, sagen die Nachbarn ja schließlich auch, dass sie die Bestie als zwar stillen, aber freundlichen und guten Menschen erlebt hätten… Der schlechtgelaunte Nörgel-Chinese hingegen hat vielleicht einfach nur in Dresden studiert…

Was gehen mich die Chinesen an? wenden Sie jetzt vielleicht ein. Nix – außer, dass Big Data auch hierzulande im großen Stil gesammelt wird. Jedes Mal, wenn Sie mit EC- oder Kreditkarte zahlen, umziehen, heiraten, sich scheiden lassen, zum Arzt gehen oder von öffentlichen oder Laden-Kameras gefilmt werden, hinterlassen Sie Datenspuren, gegen die die Kettenprofile eines Schützenpanzers auf matschigem Gelände so unauffällig wirken wie die Gestaltungsgewalt der GroKo. Ziehen Sie etwa nach Berlin-Neukölln, tragen einen arabischen Namen, sind 22 Jahre alt, männlich und Single – dann wird es sehr schwer, einen günstigen Mobilfunkvertrag geschweige denn einen Kredit zu erhalten… Big-Data-Scoring wird nämlich auch in Deutschland schon intensiv angewendet – Tendenz steigend. Der Unterschied zu China: Da hat wenigstens noch die Regierung das Heft in der Hand – und nicht Amazon, Apple, Google, Facebook, Microsoft oder der amerikanische Geheimdienst…