Autor: Alexa Knitter

Warum Armut nicht auf Bäumen wächst!

Was macht Arme eigentlich arm? Ist es Faulheit? Ein Mangel an Bildung, an Charakter, an Persönlichkeit? Fehlender Wille? Jetzt ist rausgekommen, was die wahre Ursache von Armut ist: kein Geld!

In London lief 2009 ein Experiment mit dreizehn chronisch Obdachlosen. Diese Leute verursachten zusammen Kosten von 400.000 Pfund pro Jahr (450.000 Euro) an Polizei-Einsätzen, Gerichtskosten, Sozialdienstleistungen. Man gab ihnen aus lauter Verzweiflung einfach Geld: 3000 Pfund pro Person. Zusammen 39.000 Pfund. Ersparnis für die öffentliche Hand: 90 Prozent. Anderthalb Jahre später hatten sieben der 13 wieder ein Dach überm Kopf, zwei standen kurz davor, eine eigene Wohnung zu beziehen, alle hatten wichtige Schritte auf dem Weg zu Solvenz und persönlicher Weiterentwicklung getan.

In Deutschland zwingen wir Leute erst mal, all ihr Geld auszugeben und produzieren so aktiv Altersarmut und Hoffnungslosigkeit. Aber was Arme wirklich brauchen, ist Geld. In Namibia sank der Anteil der Personen mit Mangelernährung aufgrund von Direktzahlungen von 42 auf 10 Prozent, genau wie die Schulabwesenheit von Kindern (die sank auf beinahe Null). In Malawi stieg der Anteil der Mädchen und Frauen, die eine Schule besuchten, um 40 Prozent und die Kriminalität sank um 42 Prozent. Jedenfalls, bevor Harvey Weinstein dort einen neuen Film drehen wollte…

Gäben wir den Armen dieser Welt einen Bruchteil des Geldes, das wir für Grenzzäune, Zollmaßnahmen, Handelsbeschränkungen, Sklavenlager in Libyen, Anker-Zentren, Gefängnisse, Entwicklungshilfe und so weiter ausgeben – wir wären so viel reicher. Wollte die AfD wirklich keine Flüchtlinge, sollte einfach jeder ihrer Wähler 10 Euro Direkthilfe spenden…

Doch die einzigen Armen, die wir bereitwillig retten, sind arme Banken. Wir sind nämlich auch arm. Arm an Geist. Gegen diese Armut helfen Direktzahlungen leider nicht.

Was in England demnächst verboten wird!

Boris Johnson, ehemaliger britischer Außenminister schlägt in Großbritannien Wellen mit einem Vergleich der „Burka“ mit „Briefkästen“ und „Bankräubern“. Damit rutscht Johnson selbst von einem Triple B (Burka, Briefkästen, Bankräuber)-Rating auf Ramschniveau. Wie kommt eigentlich ein konservativer Brite darauf, islamische Verschleierung ausgerechnet mit Briefkästen zu vergleichen? Ist nicht eine ganze Reihe seiner konservativen Kollegen gerade mit Briefkasten-Firmen in irgendwelchen Offshore-Steuerparadiesen erwischt worden? Ist das nicht eine Verschleierung, die den sozialen Zusammenhalt wesentlich stärker bedroht als die paar Burka-Trägerinnen (nicht mal ein Prozent aller Muslima sind voll verschleiert)?

Und was wäre wohl, wenn eine Burka-Trägerin nicht nur, wie von Johnson behauptet, wie eine Bankräuberin aussähe, sondern tatsächlich eine mit „Niquab“ (so der korrekte Name des Schleiers, der nur einen Schlitz für die Augen offen lässt) bekleidete Muslima sich aufgrund der ewigen Anfeindungen auf Bankraub spezialisierte. Die gern für eine Terroristin gehaltene Vollverschleierte erbeutet pro Bankraub 50.000 Pfund. Wie lange müsste die Dame wohl Banken ausrauben, um auf die Milliardenkosten zu kommen, die Boris Johnson als einer der Haupt-Brexit-Befürworter den armen Briten aufbürdete? Setzt man die sehr moderate Summe von 50 Milliarden Euro als Brexit-Kosten an, dann hätte unsere Bankräuberin das Geld in etwa 2739 Jahren beisammen. Hätte die Muslima also im Jahr 721 v.Chr. mit dem Banken Ausrauben begonnen, also etwa 1300 Jahre vor der Zeit Mohammeds und ungefähr zur Zeit der Gründung Roms – dann hätte sie in all der Zeit nur das zusammen rauben können, was Boris Johnson die Briten in nur drei Jahren kostete!

Und da stellt sich dann die Frage: Wäre ein Boris-Johnson-Verbot nicht eine sinnvolle Alternative zum Burka-Verbot?

Wie wir den Stau vermeiden!

Auf der A2 haben sie neulich eine Elfenbeauftragte und eine Tierkommunikatorin eingesetzt, um die zahlreichen Unfälle endlich mal in den Griff zu bekommen. Das ist ein wichtiger und lange überfälliger Schritt, wie mir ein befreundeter Pudel neulich während eines Spaziergangs versicherte. Tiere finden Autobahnen generell „ziemlich mies“, der Pudel verstieg sich sogar zu dem Vergleich „Auschwitz für Füchse“, was ich vehement ablehnte und ihm sofort eine linksradikale Gesinnung vorwarf. Wogegen der Pudel sich verwahrte – er sei ein Autonomer. Haha, erwiderte ich, und warum hast du dann ein Herrchen? Vielleicht sagte er auch weder Auschwitz noch Autonom sondern nur: Wau-Wau – manchmal nuscheln Pudel ein wenig.

Im Autobahn-Verkehr muss was passieren. Ich persönlich bin mir zwar nicht so sicher, dass die Unfälle von schlecht gelaunten Elfen verursacht werden – könnten auch schlechtgelaunte Menschen sein… Aber vielleicht sollten wir vorsichtshalber das volle Arsenal spiritistischer Möglichkeiten ausschöpfen und etwa Geomantiker vorbei schicken, die gucken, ob die Autobahnen zufällig über Wasseradern gehen… Das denke ich jedes Mal, wenn ich über die Elbe fahre – ganz schlechtes Feng Shui!

Teilweise sind ja bereits hilfreiche Geister unterwegs. Und damit sind nicht nur Gelbe Engel gemeint, die zwischendurch Statistiken für VW fälschen. An einer Autobahnauffahrt wollte ein junger Mann neulich mein Auto energetisch versiegeln. Dachte ich jedenfalls, bis sich herausstellte, dass er nur „endlich nach Siegen“ wollte. Ich ließ ihn stehen. Außer ihm will nämlich keiner nach Siegen. Die Fußball-Nationalmannschaft hat das Wort sogar komplett aus ihrem Sprachschatz gestrichen.

Tierkommunikatoren werden allerdings auch abseits von Autobahnen dringend gebraucht, nämlich im Weißen Haus – um endlich mal Kontakt zu dem Tier im Oval Office zu bekommen!

 

Warum wir die Hitze im Kopf nicht mehr ertragen!

Was kam eigentlich zuerst? Die Klimakatastrophe? Oder die Erhitzung der Hirne? Vermutlich führte Letzteres zu Ersterem. Denn heiß gelaufene Hirne produzieren jede Menge idiotischer Entscheidungen. Denke ich, als ich den Taxifahrer vor mir eine Kippe aus dem Fenster werfen sehe. Bei der Hitze? Brennende Zigarette in die Büsche schmeißen? Geht’s noch? Kurz überlege ich, ob ich aussteige, ihn kurz töte und dann unauffällig weiterfahre. Verwerfe die Idee. Zu heiß.

Die grausamen Folgen der Hitze im Kopf sieht man am klarsten an Trump und der neoliberalen Mafia, die gern mal betont, dass die Klimakatastrophe nur eine zufällige Häufung warmer Tage ist. Auch Horst Seehofer beharrt hirnverbrannt auf letztlich irrelevanten Themen wie der Asylfrage, während das Klima das Ende der Menschheit einläutet. Wenn die Überhitzung des Planeten nämlich im momentanen Tempo weitergeht, sind die paar Asylanten nur die kümmerliche Vorhut eines Tsunamis, gegen den „Ankerzentren“ in etwa so viel Chance haben wie ein kluges Argument gegen Donald Trump. Was übrigens nicht heißen soll, dass Ankerzentren ein kluges Argument sind!

Die Hitze im Kopf tobt überall: Jan Ullrich geht auf Malle auf Til Schweiger mit einem Besenstiel los – total überhitzt. Wobei man fairerweise sagen muss, dass bei einigen von Schweigers Filmen ein Besenstiel bei weitem nicht ausreicht! Der Flughafen Berlin-Schönefeld wird wegen eines Sexspielzeugs gesperrt – weil Sicherheitskräfte anscheinend bei diesen Temperaturen einen Dildo für eine terroristische Zumutung halten. Die Hitze im Kopf muss begrenzt werden: Wann immer sie in nächster Zeit einen Politiker oder Wirtschaftsboss mit rotem Kopf eine Entscheidung verkünden hören, erst mal einen Eimer Eis über dem Kopf entleeren, bevor es für den Planeten zu spät ist. Wo bleibt ein Ice-Bucket-Challenge, wenn man ihn mal braucht?

Warum wir nicht besser werden sollten!

Das Leben ist sinnlos. In 100 Jahren wird niemand mehr wissen, wer wir waren oder was wir taten, und selbst wenn wir dann noch als Mozart oder Einstein verehrt werden – den an unseren Gebeinen nagenden Würmern ist das völlig schnuppe. Trotzdem versuchen wir, unserem Leben eine Bedeutung zu geben und das Meiste rauszuholen, indem wir uns selbst optimieren. Dafür braucht man objektive Daten. Eine Vielzahl von Applikationen hilft bei dieser Vermessung des „Selbst“: Apps, die Blutwerte und -Druck messen, die den Kalorienverbrauch aufzeichnen, die Schritte zählen – all das ist heute billige Standardausrüstung.

Wahre Optimierer vermessen ihr Leben viel umfassender. Da wird der Schlaf gemessen und der „Sleep Talk Recorder“ zeichnet auf, was man während des Schlafes sagt. Das erinnert den Horst Seehofer dann am Morgen, dass er es „der blöden Berliner Ziege mal zeigen“ möchte. Die Apps sind vernetzt, damit die „Community“ einem hilft. So kriegt der Horst „Echtzeit“-Zustimmung vom Söder: „Obergrenzgeil – mach sie alle“!

Die App „Bedpost“ zeichnet die Sex-Gewohnheiten auf, während „Poop-Log“ die Verdauung misst – eine kombinierte App, welche die Verdauung während des Sex sowie Bettgeflüster mitschneidet, soll unter dem Namen „Charlie Sheen“ in der Testphase sein. „Life360“ verfolgt Leben und Aufenthaltsorte sämtlicher Familienmitglieder, während „MCouple“ nur Zugriff auf sämtliche Daten des Ehepartners zulässt. Finanzen werden ebenso getrackt wie Produktivität, Energiekonsum, CO2-Ausstoß und am Ende des Tages sagt einem eine letzte App, dass man eindeutig zu viel Zeit mit der Kontrolle diverser Kontroll-Apps verbrachte.

All das basiert auf der Annahme, dass ich nicht in Ordnung bin und mich durch strikte Kontrolle verändern sollte. Kann ja auch sinnvoll sein. Wenn ich stark übergewichtig bin und zu viel saufe, könnte es Zeit für etwas Einschränkung sein. Oder Zeit für meine Memoiren als Rainer Calmund. Aber in einer Gesellschaft, deren Motor der ständige Vergleich mit nicht zu erreichenden Idealen ist, ist diese Kontrolle in etwa so sinnvoll wie ein Kokainentzug durch Schnaps.

Wir brauchen eine neue App, die sofort Alarm schlägt, wenn man anfängt, sich zu stark zu kontrollieren. „Chill mal, Alter“, könnte sie einem noch sagen, bevor das Smartphone sich ausschaltet und sämtliche personenbezogenen Daten löscht.

 

Warum wir die Hitze weglachen müssen!

„Iss deinen Teller auf gar keinen Fall leer!“ Meine ältere Tante guckt mich alarmiert an. „Was?“ sage ich verwirrt. „Iss deinen Teller nicht leer – sonst wird das morgen wieder nix mit dem Regen!“ Wann hat man das je erlebt? Deutschland ächzt unter einer Hitzewelle – verschiedene meiner Bekannten versuchen bereits, Obdachlosen ihre Schlafstellen unter der Brücke abzukaufen, weil die Wohnung zu heiß ist.
Dieses Jahr ist der Sommer sogar noch gewalttätiger als sonst: Die Sonne sticht, der Salat schießt, die Bäume schlagen aus, der Rasen wird gesprengt – und Donald Trump lässt seinen Twitter-Daumen heiß laufen. Die Klima-Katastrophe hatten wir uns besser vorgestellt: Man kann attraktive und gering bekleidete Menschen schon gar nicht mehr wahrnehmen, weil ständig Schweiß in die Augen läuft. Ein entfernter Bekannter mit Kannibalismus-Fetisch wollte sich neulich vor lauter Hitze-Verzweiflung in die Kühltruhe legen, aber auch das gelang nicht – da lag nämlich noch sein Ex!
Die AfD überlegt derweil, ob sie die illegal eingewanderte Hitzewelle aus Afrika zum Wahlkampfthema macht und feilt bereits an den Slogans: „Und wenn er denn nicht selber kann, schickt Wetter uns der Muselmann!“ „Lieber Islam-Hetze als Islam-Hitze!“ Aufgrund des Wärme-Überschusses haben Rechte sogar aufgehört, Asylanten-Unterkünfte anzuzünden und hocken wieder maulend im Biergarten.
Besonders die Landwirte in Berlin und Brandenburg leiden. Sie wollen jetzt Subventionen wegen Ernte-Ausfällen. „Wie bitte?“ mosert meine ältere Tante, „wenn ich ausfallend werde, zahlt mir doch auch keiner was!“ „Du musst doch auch keine Ernte einfahren, Tante Kathi,“ erwidere ich. „Papperlapapp, sollen die sich halt den Höcke an den Acker stellen.“ „Was?“ frage ich. „Ja, den Björn Höcke von der AfD. Gegen die Hitze.“ „Wie soll denn der Höcke vor Hitze schützen?“ „Na, der hat doch von allen den größten Schatten!“

Warum wir in einer Verschwörung leben!

„Das wurde in der UNO im kleinsten Kreis doch schon vor 20 Jahren beschlossen, dass Deutschland mit Flüchtlingen geflutet wird“, sagt der Autohändler, der wirklich alles zu wissen scheint. Das gibt mir zu denken. „Geflutet.“ Das Netz ist natürlich voll von Verschwörungstheorien, die besagen, dass die Homogenität des Deutschen Volkes durch Migranten zerstört werden soll.

Die Deutschen sind ein homogenes Volk? Wirklich? Sie bestehen aus Kelten, die mit Germanen schliefen, welche wiederum Slawen vögelten, die zuvor von Latinern vergewaltigt worden waren, welche ihrerseits immer noch das etruskische Trauma verarbeiteten, dass diese von den Hellenen geerbt hatten, welche über die Phönizier dubiose Bumsereien mit den Ägyptern erduldeten. Und an der Stelle gibt es tatsächlich eine Homogenität: 45 Prozent der Deutschen haben Gene des ägyptischen Pharaos Tut-Ench-Amun! Auch bekannt als „das Karnickel vom Nil“. 45 Prozent verwandt mit den Pharaonen! Und jetzt ziehen die anderen 55 Prozent eben nach! Das ist keine Migration, sondern Familienzusammenführung!

Dabei lenken alle Verschwörungen ab von der einen ganz großen Verschwörung. Die gesamte Menschheit ist nämlich – tot! Denn woraus besteht das Leben? Essen, Schlafen, mit Glück etwas kopulieren – das ein paar Mal wiederholen und dann: Exitus. Wir sind sterbende Menschenaffen. Um das zu verdrängen, fingen wir an, uns Sachen auszudenken, die es vorher nicht gab: Stammeszugehörigkeiten, Nationen, Unternehmen, Geld, Ferraris, Mode-Wettbewerbe, Wet-T-Shirt Contests. Vor allem aber ersannen wir den Ich-Gedanken, mit dem alles Leid beginnt, all diese illusionären Dinge, die in Vergangenheit und Zukunft existieren aber niemals im Augenblick. Damit wir bloß niemals die Wirklichkeit erleben, nämlich diesen Moment. In Stille. Jetzt. In der ekstatischen Erfahrung von Ewigkeit.

Aber versuchen Sie mal, das einem Autohändler klar zu machen!

Warum wir nicht integriert sind!

Ein Wort allein sagt nix. Ein Bild, heißt es gern, sagt mehr als tausend Worte, nämlich mindestens 1001 mal nix. Das trifft auch auf das „Özil-Gündogan-Erdogan-Foto“ zu. Es erhält erst durch unterschiedliche Interpretation seine Bedeutung: Ein Erdo-Fan sieht drei Top-Türken mit Fußballbegeisterung, ein AfD-Wähler zwei Landesverräter mit einem Despoten, und ein Außerirdischer sähe zwei Hominiden mit so einem komischen hässlichen Ding in der Mitte.

Daraus jetzt eine große Debatte um das Scheitern von Integration abzuleiten ist in etwa so überzogen ist wie eine Hochstilisierung von Angela Merkel zur Mode-Ikone. Im Klartext: Özil ist herausragend integriert. Er spricht mindestens drei Sprachen fließend, verdient sein eigenes Geld, liegt den Krankenkassen nicht auf der Tasche und kann genauso bockig sein wie die meisten Deutschen.

Was wir hier viel eher sehen ist das Scheitern der menschlichen Fähigkeit, Gegensätze auszuhalten. Die kann man durch die Aufnahme des Wortes „und“ in den Sprachschatz trainieren. „Und“ wie in: Mesut Özil ist Deutscher UND er fühlt sich der Türkei verbunden. Er spielt geilen Fußball UND hat das PR-Talent eines deutschen Dieselmanagers.

Die Nationalmannschaft wiederum ist einerseits „die Deutschen“ UND andererseits eine Ansammlung kickender Ich-AG-Millionäre, für die die WM eine Art „Aktiv-Bewerbungs-Messe“ für noch höher dotierte Posten ist. Özils Rücktritt ist ein trauriges Signal für Jugendliche mit Migrationshintergrund UND die folgerichtige Geschäfts-Entscheidung, diesen Kindergarten zu verlassen. Der Özil kritisierende Hoeneß („ Mesut hat den größten Dreck gespielt“) hat ein Recht auf seine Meinung UND verwechselt das Ganze mit seinen Steuersünden (da hat ja auch jemand den größten Dreck…) Rassistische Fußball-Fans sind einerseits bekloppt UND andererseits total bescheuert.

UND baut Brücken. ODER zieht Zäune. Wir haben die Wahl!

 

Warum Menschen wunderbar sind!

Homo Sapiens nervt. Da sind sich die meisten anderen Tiere einig. Er hält sich selbst für das größte Geschenk der Schöpfung und fühlt sich im Verbund mit anderen Homos, die er zumeist persönlich noch nicht einmal kennt, als fiktive Gruppe namens „Menschheit“. Und all das nur, weil er die Fähigkeit zur Sprache entwickelt hat. Wobei eben diese Sprachfähigkeit nicht bei allen Homos gleich gut ausgeprägt ist, was wiederum zu sehr unterhaltsamen Situationen führt.

Das zeigt sich besonders, wenn der Mensch in Not gerät. Das beschreibt Ben Schreiben in dem sehr unterhaltsamen Buch „Killen Sie die Eichhörnchen“. Da kommt es vor, dass der Pannendienst wie folgt angerufen wird: „Können Sie mir bitte Schneeketten bringen? Ich wurde vom im Ski-Urlaub vom Winter überrascht!“ Manchmal ist Homo Sapiens auch nicht in der Lage, die Technik seines Fortbewegungsmittels komplett zu verstehen – da ist ein kompetenter Berater hilfreich. Anrufer: „Mein Bordcomputer schreibt: Werkstatt aufsuchen. Was bedeutet das?“ Call-Berater: „Ich bin zwar kein Techniker und auch kein Hellseher, aber ich vermute mal, sie sollten eine Werkstatt aufsuchen.“

So ein Pannendienst kann auch Leben retten. Call-Berater: „Wir sind dann in etwa einer Stunde bei Ihnen.“ Anrufer: „In einer Stunde? Wollen Sie mich umbringen? Ich schwebe hier in Lebensgefahr.“ Call-Berater: „Ganz ruhig. Sie stehen auf einem öffentlichen Parkplatz und nicht mitten auf der Autobahn.“ Anrufer: „Ich stehe vor dem Westfalenstadion.“ Call-Berater: „Und?“ Anrufer: „Meine Schalke-Beklebung ist nicht gerade dezent.“

Homo Sapiens ist sogar in der Lage, Melodien zu erkennen, die von einer Maschine gesungen werden, wie folgende Konversation belegt: „Ist dort die Pannenhilfe? Ich glaube, ich habe hier ein größeres Problem.“ Call-Berater: „Welches denn?“ Anrufer: „Mein Turbo pfeift!“ Call-Berater: „Welche Melodie?“ Anrufer: „Ich fürchte, es ist das Lied vom Tod!“

Warum die Fußball-WM nicht jugendfrei ist!

Die Fußball-WM in Russland ist mit grandiosem Fußball zu Ende gegangen – da sind sich (fast) alle einig. Allerdings gab es (mindestens) einen unschönen kleinen Schatten: die Schwalbe von Griezmann, welche letztlich zum 1:0 für Frankreich führte. Sie war so spektakulär, dass das Wort „Schwalbe“ schon gar nicht mehr greift – das war eher ein „Albatros“ (entfernt mit der Sturm-Schwalbe verwandt, aber drei Meter Spannweite)! In der Kritik steht der Schiedsrichter, der das nicht so gesehen hatte. Antoine Griezmann selbst steht interessanterweise nicht in der Kritik – dabei war er doch derjenige, der schummelte. Die unterschwellige Botschaft an Millionen teils minderjähriger Zuschauer: Betrug ist in Ordnung – er darf bloß nicht rauskommen.

Besonders schade daran ist, dass der Fußball einst extra erfunden wurde, um englischen Schülern die Konzepte von Teamgeist und Fair Play zu vermitteln. Dass das mit der Fifa von heute so wenig zu tun hat wie Harvey Weinstein mit feministischer Gesinnung, dürfte mittlerweile jedem klar sein. Die Fifa ist für Oligarchen, Diktatoren und Mafiosi die „Miele“ unter den Geldwasch-Vollautomaten! Die raffgierigsten Spieler setzen die Taktik der „Schwalbe“ folgerichtig bei ihren Steuererklärungen fort.

Aber vielleicht ist das ja auch ein weltweiter Trend – seit Präsident Trump es mit der Wahrheit wie beim „Pussy Grabbing“ hält: Wer sich durchsetzt, hat Recht! Der Schwächere darf untergehen. Menschen, die empathisch mitfieberten, als 13 Jugendliche in Thailand aus einer Höhle befreit wurden, empfinden wenig Bedauern, dass im Mittelmeer zur gleichen Zeit Hunderte Migranten ertranken oder in Malta ein Kapitän angeklagt wird, weil er nicht genügend Menschen untergehen ließ! Foul Play als Geschäftsgrundlage. Das ist bedauerlich. Der einzige Trost: Was faul ist, verfault irgendwann. Dann wächst wieder Neues nach.

 

Warum es schlecht um Frankreich steht!

Im Fußball (wie auch im Leben) sind die Dinge manchmal ja fürchterlich komplex. Man könnte sagen, dass England gegen Kroatien verlor, weil das Team letztlich weniger Tore schoss. Man könnte aber auch sagen: es lag an – Mick Jagger. Denn der guckte zu. Und er hat eine miese Reputation, jedenfalls als Fußball Fan. Welches Team auch immer Jagger bei den vergangenen WMs anfeuerte (England 2010, Brasilien 2014) – es verlor. Jaggers Fußball-Intuition ist in etwa so gut wie die Internet-Intuition von Bill Gates („Das Internet ist nur ein Hype“, 1993) oder die Mobilitäts-Intuition von Kaiser Wilhelm („Das Auto ist eine vorrübergehende Erscheinung“). Über seine Fußballfrustration veröffentlichte Jagger letztes Jahr sogar ein Lied: „I went to see England, but England’s lost“(Ich ging England angucken, aber England verlor).

Aber auch der Erfolg der Kroaten lag vielleicht gar nicht am Team selbst, sondern an… legefaulen Hühnern. Denn der Spieler des Spiels, Torschütze und Vorbereiter des zweiten Tores Ivan Perisic wuchs zwischen Hühnern auf. Die Hühnerfarm seines Vaters war in finanziellen Schwierigkeiten, so dass der den damals 17jährigen bat, ein Fußball-Angebot aus Frankreich anzunehmen. Dort wurde Perisic hervorragend gefördert und ist heute einer der besten Spieler der Welt. Die Kroaten verdanken ihren Erfolg also der Verzweiflung eines Hühnerbauern und daraus resultierender Kinder-Arbeit! Und Mick Jagger.

Nun stehen am morgigen Sonntag also Frankreich gegen Kroatien im WM-Finale. Dummerweise spielen bei den Franzosen fünf Spieler, die hauptberuflich in England leben und in der Premier-League kicken. Ich habe über Umwege eine Karte erstanden, die ich Mick Jagger geben werde, der natürlich die Franzosen anfeuert. Außer gegen eine Zahlung von fünf Millionen Euro und zehntausend Hühnern, zahlbar in Bitcoin, auf ein Konto in Split: Frankreich – ihr habt die Wahl!

Warum Özil ein Held ist!

Fernandinho (Brazilien) als „Affe“ beleidigt, Mesut Özil als „Ziegenficker“ und Schlimmeres verunglimpft, ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann frauenfeindlich beschimpft. Das ist die dunkle Seite der Fußball-WM in Russland. Ausgerechnet Özil soll Schuld am frühen Aus der Deutschen sein (zumindest Jens Maier (AfD) und einigen Gleichgesinnten zufolge).

Nun kann man sicher Einiges gegen Mesut Özil vorbringen. Das Foto mit Erdogan war sicher nicht der schlaueste PR-Gag aller Zeiten. Seine Reaktion darauf auch nicht – man könnte meinen, Josef „Victory-Zeichen“ Ackermann wäre sein PR-Berater. Bedenklicher noch ist seine Einstellung zu Steuergerechtigkeit – eine glatte 9 auf der „Hoeneß-Skala der Finanz-Idiotien“ von 1-10. Und vielleicht hat er nicht besser, aber auch nicht schlechter gespielt als seine Team-Kameraden. Dafür spielt er allerdings erheblich besser als alle, die ihn jetzt kritisieren. Warum soll ausgerechnet er jetzt der Buhmann sein?

Das Ganze hat vielleicht systemische Gründe. Denn das ist doch das menschliche Dilemma: Geborenwerden ist zeitgleich ein Todes-Urteil. Mit zunehmendem Alter rückt der Tag der Hinrichtung näher und die Laune sinkt– wir alle sitzen im Todes-Trakt des Lebens. Da versuchen Hominiden mit begrenzter Restlaufzeit ihre Depression damit zu vertreiben, sich als Teil der Horde zu fühlen nach dem Motto: Wenn ich schon demnächst über die Klinge springe, lebt wenigstens ein Teil von mir in der Horde weiter. Da die Horde sich aber mit zunehmender Verstädterung auflöst, muss eine neue Projektionsfläche her, um der frühmenschlichen Sehnsucht nach Unsterblichkeit Genüge zu tun: Die National-Elf – das ist „meine“ Horde. Affenschreie im Stadion sind also vermutlich das Ehrlichste, was diese zurück gebliebenen Hominiden von sich geben können: Schau her, mein Hirn ist immer noch im Neandertal!

Warum wir länger leben!

Horst Seehofer möchte die Sicherheit aller EU-Bürger garantieren und schreibt deshalb wirre Briefe nach Brüssel. Der Sicherheit droht allerdings von einer ganz anderen Seite eine viel gravierendere Gefahr. Die Generali Versicherung möchte sich von fast vier Millionen Kapital-Lebensversicherungen trennen und sie an einen „Abwickler“ abtreten. Das klingt ein wenig nach „Abdecker“, welche toten Tieren das Fell über die Ohren ziehen, und geht auch in die Richtung…

Die Policen sind nämlich für den Versicherer weitgehend gestorben. Durch die Niedrig-Zinsen können viele Unternehmen die bis zu fünfprozentigen Zinsen, die sie in guten Zeiten ihren Alt-Kunden garantierten, nicht mehr bedienen („verzockt“, könnte man sagen) – einige dieser Lebensversicherer dürften mittlerweile so bankrott sein, dass Boris Becker im Vergleich mit ihnen grundsolide wirkt.

Also machen sie in ihrer Verzweiflung das, was Ehepartner mit ihrem Liebesleben machen, wenn es daheim länger nicht läuft: Outsourcen! „Run-Off“ nennt sich diese Strategie frei nach einem Rap-Hit von Young Buck „Dirty Money, had to do it, made me Run Off with the check” (“Dreckiges Geld, ich musste es tun, und ich rannte weg mit dem Scheck”). Der Abwickler soll dann die Zinsen bedienen und will das über Kosteneinsparungen erreichen. Dummerweise gibt es bei Lebensversicherungen auch noch so etwas wie eine „Überschussbeteiligung“ – wenn es gut läuft, kriegt der Versicherte noch mal einen Schuss drauf. Bei den Abwicklern dürfte das allerdings höchstens ein Schuss Korn ins Bier sein – mehr wird da nicht drin sein. Warum schreibt der Horst nicht mal so einen Brief nach Brüssel: „Liebe EU, warum habt ihr den Bankern ihre hirnrissigen Deals in den Nuller-Jahren erlaubt, ohne dass sie dafür Rechenschaft haften mussten? Könnt ihr jetzt Millionen Versicherungskunden vor Abwicklungs-Terror schützen? Oder wer rennt jetzt schon wieder weg mit dem Scheck?“

 

Warum die Nationalmannschaft uns Leben schenkt!

Ok, „wir“ sind draußen aus der Fußball-WM. Das ist nicht schön. Aber auch nicht wirklich schlimm. Denn „wir“ waren niemals wirklich drin. Da waren höchstens 11 hochbezahlte Millionäre, die gegen andere hochbezahlte Millionäre ein Fußballspiel verloren. „Wir“ haben mit Kroos und Co nämlich erheblich weniger gemein als Kroos mit Messi oder Nejmar oder Heung Min Son. Deutsche Nationalspieler haben zwar ähnliche Pässe wie wir, mit den anderen Fußball-Söldnern spielen sie jedoch in den gleichen Vereinen, wohnen in der gleichen Nachbarschaft und teilen sich gleiche Model-Freundinnen, Millionen-Einkommen sowie „Steueroptimierungsmodelle“.

Trotzdem sind wir traurig. Eine Freundin beichtete mir weinend, dass sie ihr neu gekauftes Deutschland-Trikot-T-Shirt nur drei Mal getragen habe: „Was für eine Fehl-Investition“. Wieso sie ein neues gekauft habe, wollte ich wissen – sie hatte bei der letzten WM nämlich auch schon eins. „Ich wollte aber eins mit 4 Sternen haben!“ „Gut, 20 Euro in den Wind geschossen“, sagte ich. „20? Das Ding kostet 89,90!“ Erst da wurde mir klar, wie sehr der DFB die Deutschen ausraubt. „Freu dich doch“, sagte ich, „jetzt kannst du das Shirt auch für die nächste WM nutzen. Und wenn wir 2022 wieder gleich rausfliegen, brauchst du nie wieder 89,90 für ein neues Trikot rauszuhauen!“ Die Nationalmannschaft spart den Deutschen also viele unnütze Geldausgaben.

Noch besser wird es, wenn wir auf die Leber schauen, die ja bekanntlich mit ihren Aufgaben wächst. Was nicht so toll ist: Große Leber, kurzes Leben! Der Alkohol-Konsum dürfte aber in den nächsten Wochen erheblich zurück gehen, weil die Deutschen eben nicht mehr frenetisch im Biergarten jubeln, sondern wieder gewohnt miesepetrig arbeiten. So gesehen hat die deutsche Nationalmannschaft jedem Deutschen durchschnittlich ein um viele Tage verlängertes Leben geschenkt. Danke, Kroos und Co!

Warum Boris Europa rettet!

Es läuft nicht so rund grade für Boris Becker. Erst kommt seine Privat-Pleite, dann seine Beziehungs-Pleite und anschließend kann er sich drauf verlassen, dass ein fieser Spruch von Oliver Pocher obendrauf kommt. Man muss der „Rückhand der Nation“ allerdings zu Gute halten, dass er Einiges dafür tut, immer wieder unterhaltsam aufzufallen. Sein neuester Coup: die Beantragung diplomatischer Immunität in Bezug auf seine Insolvenz, da er über einen Diplomatenpass der Zentralafrikanischen Republik verfüge. Boris bleibt seinem Beuteschema also treu: Once you go Black, you never go back! (frei übersetzt: Hast du dich einmal für Schwarze entschieden, bleibst du dabei)

Eigenen Angaben zufolge ist Boris „Attaché für die Beschaffung von Mitteln für sportliche, kulturelle und humanitäre Angelegenheiten“. Da kann man der Zentralafrikanischen Republik, immerhin ärmstes Land der Welt, nur sagen: Perfektes Casting! Der Mann weiß, wie man an Geld kommt. Man muss es ihm nur abnehmen, bevor er es wieder raushaut. Das Ganze läuft getreu der Maxime: Insolvente aller Länder, vereinigt euch! Als nächstes verkünden Becker und Zentralafrika wahrscheinlich, dass sie die Air Berlin wiederbeleben und Boris dort CEO wird.

Dummerweise bestreitet die Zentralafrikanische Republik, dass Boris Diplomat in ihren Diensten ist. Jetzt will sich Becker ersatzweise einen belgischen Diplomatenpass besorgen. Man könnte sagen: Durchsichtiges Manöver… Aber hier tut sich eine lukrative Geschäftsidee auf: Der „Boris-Becker-Diplomaten-Passdienst“, oder schlicht: „Grand Slam Service“. Denn es gibt zurzeit viele Menschen, die diplomatische Immunität zwecks Insolvenzverschleppung gut gebrauchen können. Zuerst mal sämtliche Diesel-Manager von VW, dann natürlich die gesamte Führungsriege der Fifa (wegen Korruption und Geldwäsche) und zu guter Letzt: Italien!

Warum die Afrikaner uns buchen!

Markus Söder sprach neulich davon, den „Asyltourismus“ zu beenden. Endlich – da ist ja eine Riesenverschwörung im Gang. Wahrscheinlich wird das in Afrika riesengroß beworben. Auf der Internetplattform „ich-bin-dann-mal-asyl.com“ steht dann so etwas wie:

„Na, Schnauze voll von der Maloche in der Diamantmine? Hast du deinen Warlord satt? Nervt dich die Korruption? Keinen Bock mehr auf Scharia und die gelegentliche Steinigung? Bürgerkriegsmüde? Dann bist auch du reif für ASYL! Also kurz für Afrikaner Suchen Yoga-Lustreisen, ASYL halt. Unsere professionellen Reisebegleiter, kurz Schlepper genannt, nehmen dir erst mal alles verfügbare Geld sowie deinen Pass ab, damit du dich ganz dem Yoga des Asyls hingeben kannst und nicht mit weltlichen Dingen belastet wirst – #EinfachMalLoslassen. Dann geht es auf Kamelen oder alten Lastern durch die Sahara. Genieße die Stille der Wüste, nur unterbrochen durch die kehligen Schreie der Kameltreiber oder eine gelegentliche Vergewaltigung – #SchlepperFun.

In Lybien angekommen, wirst du erst mal auf einem echten Sklavenmarkt verkauft – #Zweitverwertung. In diesem maßgeschneiderten „Work-and-Travel“-Programm lernst du wahre Hingabe kennen. Irgendwann gelingt dir vielleicht die Flucht aus der Sklaverei – #NoRiskNoFun. Dann ruderst du auf einem unserer seeuntüchtigen Boote über das Mittelmeer – #WellenSpaß. Besonders lustig ist es, deinen Mitruderern beim Ertrinken zuzuschauen – #SchwimmenWillGelerntSein. Mit ganz viel Glück wirst du aus Seenot gerettet und ohne Registrierung nach Deutschland weitergereicht – #SeehoferEinsAuswischen. Dort wird dein Asylantrag abschlägig beschieden, weil den Warlord nicht korrupt genug ist und das bisschen Scharia – stell dich nicht so an… Schon geht es per Flugzeug wieder zurück und du kannst deinen nächsten Asyl-Urlaub buchen – #FitForAsyl!“

Warum wir jetzt die Wirklichkeit fühlen!

Statistiken belegen eindeutig, dass das Leben besser wird: Es gibt weniger Kriminalität als noch vor 20 Jahren, weniger Hunger in der Welt, weniger Verkehrstote, mehr Menschen mit Zugang zu Wasser, Elektrizität und Bildung als je zuvor – und vieles Positive mehr. Natürlich gibt es auch Grässliches: Bürgerkrieg in Syrien, Donald Trump in Amerika und Heidi Klum im deutschen Fernsehen!

Doch im Großen und Ganzen leben wir heute in der besten aller bisherigen Welten. Eine leider beachtliche Zahl an Menschen vergräbt sich dennoch verbissen in einer „Früher war alles besser“-Mentalität. Was war denn bitteschön früher besser? In den 60gern träumte meine Großmutter vom Leben vor dem Krieg und die Altersgenossinnen meiner Mutter kriegten Contergan-Kinder. In den 70gern dauerte eine Fahrt von Hamburg nach Berlin sechs Stunden und die Tapeten verursachten Albträume. In den 80gern gab es schreckliche Frisuren, Aids und Konsumterror. In den 90gern kam eine Flüchtlings-Welle aus dem Nahen Osten, welche mit der deutschen Sprache haderte – besonders die Flüchtlinge aus dem Erzgebirge. Zeitgleich raubte die Treuhand neue Bundesländer aus. Die 2000er waren geprägt von Gier, Finanzkrise und „Big Brother“.

Die Glorifizierung der Vergangenheit ist menschlich und hat mit unserer Sterblichkeit zu tun. Früher waren wir jung, fit und unsterblich. Mit zunehmendem Alter wird diese Illusion so rissig wie die Beziehung zwischen Merkel und Seehofer. Vermutlich wird die Welt immer besser werden. Alle haben permanent Sex mit den tollsten Androiden, die darauf programmiert sind, die geheimsten Wünsche zu erfüllen und sich anschließend für Frauen in den tollsten Masseur der Welt verwandeln. Und für Männer in Scarlett Johansson. Leider werden wir das nicht mehr erleben. Das Gute ist: Schon Morgen ist Heute die Vergangenheit. Und die scheint Über-Morgen noch glorreicher!

Wer die Fußball-WM gewinnt!

Seit vorgestern ist es soweit – mit der WM ist der größte Geld-Zirkus der Welt eröffnet. Denn was sagt der Mafia-Boss zum Fußballer, der Fifa-Funktionär wird? „Jetzt bist du einer von uns!“ Knuffig anzusehen waren daher Putin, Fifa-Boss Infantino und der saudische König auf der Ehren-Tribüne während des Eröffnungsspiels – die wahren Sieger des Turniers: der 1. FC Kleptokratie International!

Die Fifa wurde in den letzten Jahren dermaßen von Korruptions- und sexuellen Belästigungs-Skandalen geplagt, dass man das Wort eigentlich schon als Verb in den normalen Sprachgebrauch überführen kann: „Fifa mich mal!“ Das heißt dann entweder: „Gib mir Geld“ – oder „Komm, mach mich an!“ Nachdem die Fifa 2015 die Pest, äh, die Blatter-Plage entsorgte, wollte Infantino ja eigentlich total transparent werden. Das ist er mittlerweile auch – immer vorausgesetzt man empfindet dichten Nebel in einer mondlosen Nacht als transparent.

Was würden wohl Außerirdische denken, die während der WM landen und einen ersten Eindruck der Menschheit erhalten? Die sehen dann zwei Gruppen von unbehaarten, männlichen Hominiden, die ihre Nacktheit mit bunten Stoff-Fetzen verhüllen, und wechselseitig versuchen, einen Ball in einen eckigen Kasten mit Netz dahinter zu befördern. Das wird dann von Milliarden anderer Hominiden mit einer Riesen-Begeisterung oder einer Riesen-Trauer (je nachdem, ob die Hominiden ein gleiches dünnes Buch mit gleichem Wappen drauf, kurz Pass genannt, besitzen) aufgenommen. An diesen Gefühlen verdienen einige wenige dieser nackten, mit anderen Stofffetzen bekleideten Hominiden sehr viel bunte Scheine, die sie einander in Koffern überreichen, damit möglichst niemand das mitbekommt. Was würden diese Außerirdischen wohl über die Menschheit denken? Würden sie denken: „Das ist eine Zivilisation, die noch ganz viel vorhat!“? Oder eher: „Die stehen schon im Finale!“

Wann Trump ein Friedensengel wird!

Donald Trump und Kim Jong Un haben eine sensationelle Erklärung unterzeichnet. Drinnen stand: Nichts! Das aber in sehr ausführlicher Form. Trotzdem muss man Trump zugutehalten. Er hat in Bezug auf Nordkorea mehr geschafft als die Präsidenten vor ihm. Wenn man jetzt mal das lästige Detail beiseitelässt, dass Kim unter etwa Obama noch keine so leistungsfähigen Atomwaffen hatte – das Signal an den Iran ist klar: Legt euch Atomwaffen zu und wir sind beste Freunde!

Generell fällt auf, dass Donald Trump mit Diktatoren viel besser zurechtkommt als mit Demokraten. Das Treffen mit Kim war so gesehen eher eine Fortbildung für Donald – wie hält man sein Volk mucksmäuschenstill und schafft sich unliebsame Gegner vom Hals? Wie fühlt man sich, wenn man den eigenen Onkel den Hunden zum Fraß vorwirft – und meint Kim, dass das auch im Falle von Sonderermittler Mueller oder Stormy Daniels ein echter Spaß wäre? Die vielleicht wichtigste Frage des Treffens wurde gar nicht laut kommuniziert: Die geheime Verabredung, endlich eine „Anonyme Selbsthilfegruppe für Autokraten mit Bekloppter Frisur“ (ASABF) ins Leben zu rufen.

Transatlantisch befindet sich Trump im Gegensatz zum Fernen Osten mitten im Krieg. Im Handelskrieg nämlich. Wenn Angela Merkel endlich mit Trump auf Augenhöhe verhandeln will, kann sie nur eins tun: Sich zur Diktatorin Deutschlands ausrufen. Die „Angelatorin“, wie sie dann heißt, wird Trump einen ersten vertrauensbildenden Maßnahmenkatalog ihres Schaffens präsentieren: Italien und Griechenland werden deutsche Bundesländer, was die Eurokrise auf einen Schlag löst, die Klimakatastrophe wird als „chinesische Erfindung“ abgetan und Horst Seehofer den Hunden zum Fraß vorgeworfen (faktisch wird der Boulevard-Presse ein Bild vom Horst im Puff zugespielt – die deutsche Variante des Zum-Fraß-Vorwerfens). Dann wird Trump auch über die deutsche Kanzlerin wie über Kim sagen: „Ich vertraue ihr“.

Warum wir in Deutschland kein schnelles Internet brauchen!

Mit dem schnellen Internet in Deutschland bis 2025 wird das nix. Sagt die EU. Wow. Das ist in etwa so vorausschauend, als kündigte Boris Becker bereits heute das Ende seiner nächsten Beziehung mit einer dunkelhäutigen Schönheit für das Jahr 2025 an. Nun hat die Breitbandpanne mehrere Väter. Einer davon ist die Telekom, die aus Kostengründen auf eine Technik setzt, die in etwa so innovativ ist wie ein Schlag auf den Fuß mit nem Vorschlaghammer – nur um zu testen, ob der Schmerzreflex noch funktioniert. Die Technik heißt Kupferkabel. Vorteil: Sie ist bereits verlegt. Nachteil: Sie ist nicht zukunftsfähig. Vorteil: Die Telekom erhält durch das sogenannte Vectoring quasi ein Monopol. Nachteil: Irgendwann wird auch die Telekom damit in der digitalen Steinzeit landen und keine Profite mehr verbuchen. Vorteil: Keiner mehr.

Aber die langfristige Zukunft kurzfristigen Profiten zu opfern, ist eine der Kennziffern des modernen Kapitalismus. Die Politik als Drittel-Anteilseigner der Telekom spielt da voll mit. Denn die 31,9 Prozent-Beteiligung des Staates an der Telekom bescheren ihm satte Gewinne. Die man dann als Mütterrente wieder an die Menschen in ländlichen Gegenden vergeben kann. Dort wo die Netze am langsamsten sind. „Die Menschen wollen doch gar kein schnelles Netz“, heißt es gern. Nee, klar, sie wollen eigentlich lieber Briefe schreiben. Oder per Rauchzeichen kommunizieren.

Andererseits: Internet ist doch eh Mist! Man verbringt zu viel Zeit vor belanglosen Videos oder ärgert sich, dass Facebook miese Troll-Texte zulässt. Aber das ist ja auch ein Vorteil: Man muss Facebook und Co gar nicht mehr abschalten. Die langsamen Netze verhindern den Zugriff sowieso. Dann hat man auf einmal ganz viel Zeit an der Hand. Zeit, um etwa mit den Kindern zu spielen. Die braucht man allerdings auch. Kita-Plätze gibt es nämlich ebenfalls keine.