Autor: Alexa Knitter

Warum die Dampfer unter uns sind!

Der Raucher schien besiegt. Brutal vertrieben durch das Rauchverbot in Kneipen sah man ihn einst noch unter Heizpilzen in kleinen Rudeln gedrängt vor Gaststätten stehen – wie eine Herde kiffender Moschusochsen im Exil. Dann wurden auch die Heizpilze verboten. Immer seltener sah man den putzigen Gesell – er traf sich jetzt fast nur noch in geheimen „Einraumkneipen“-Zirkeln, in deren nikotingeschwängerter Rauschschwaden-Dichte Sauerstoff zu einer verfolgten Minderheit mutierte. Das erschwerte die Chancen des Rauchers auf dem Paarungsmarkt – immer weniger Menschen wollten mit einem kalten Aschenbecher an ihrer Seite aufwachen. Die UNO überlegte bereits, den Raucher auf die Liste bedrohter Tierarten zu setzen.

Doch die Lage hat sich geändert. „Guck mal“, sagt ein Freund neulich, „schon wieder ein Dampfer“. Ich überlege kurz, ob ich mir Sorgen um seinen Geisteszustand machen muss – immerhin sind wir mitten in der Stadt, weit weg von einer schiffbaren Wasserstraße. Als ich von einer Dampf-Wolke umhüllt werde, bemerke ich meinen Irrtum. Denn der Raucher ist wieder da – nur eben nicht mehr als Raucher, sondern als „Dampfer“.

Der Dampfer – verachtet von „echten Rauchern“, die in ihm nur ein Weichei sehen, der sich einem aufrechten Lungentod nicht stellen möchte. Belächelt vom Nichtraucher beim Nuckeln an seiner Maschine – ein Grenzgänger zwischen den Welten. Da hilft es ihm wenig, wenn er von den vielen Aromen schwärmt, die er neuerdings dampft: „Kirsch-Limone mit etwas Johannisbeere im Abgang“ – er klingt manchmal wie ein Wein-Connaisseur auf Steroiden, der von einem LSD-Flashback nicht zurückgekehrt ist.

Aber eins muss man ihm lassen: Er stinkt nicht mehr! Und außerdem: Auch unter Kannibalen gibt es einen neuen Trend, wie sich neulich auf Papua-Neuguinea zeigte, als der kleine Kannibalenjunge auf den Kochtopf zeigte und rief: „Papa – der Mann dampft ja!“ „Richtig, mein Sohn – das weiß doch jeder: gedämpftes Essen ist viel gehaltvoller!“

Warum wir dringend Berater brauchen!

Rund eine Milliarde Euro hat die Bundesregierung in den letzten Jahren für externe Beratung ausgegeben. Nun ist es natürlich super, wenn man zugibt, keine Ahnung zu haben und jemand fragt, von dem man glaubt, dass der sie hat. Wobei man vielleicht lieber jemand fragen sollte, der etwas nicht nur „ahnt“ oder rät, sondern konkret weiß! Also keine Be-Rater, sondern am besten „Wissende“… Das ist teuer. Wobei sich die Kosten natürlich lohnen können, wenn sie im Nachhinein Geld einsparen.

Viele kennen das von zuhause, wenn die Dame des Hauses fragt: „Wieso fehlt wieder Geld in der Haushaltskasse?“ „Naja, äh…“ „Gib es zu: Du warst im Puff!“ „Nein, so kann man das nicht sehen, es handelte sich um einen Intensiv-Kontakt mit externen Fachberatern zur Verbesserung inter-körperlicher Kommunikation!“ „Gut, ich gebe hiermit weitere Gelder für das Projekt frei.“ „Wie bitte?“ wird er verdattert fragen, „du gibt Gelder frei? Aber – wir wollten doch sparen!“ „Genau, wenn deine Fachkompetenz auf diesem Gebiet ein erträgliches Maß erreicht hat, können wir endlich den Gärtner feuern!“

Besonders das Verteidigungsministerium fiel in den letzten Jahren durch eine Vergabepraxis für Beraterverträge auf, die in etwa so transparent war wie Milchglas in einer dunklen Nacht. Einige Berater sollen derart eng mit führenden Verteidigungsleuten verbandelt gewesen sein, dass man darum bittet, den Begriff „Vettern-Wirtschaft“ durch „Kameraden-Kneipe“ zu ersetzen.

Nun ist man schnell versucht, andere zu kritisieren – aber vielleicht hat das System einfach einen Wurm? Immerhin heißt der Top-Posten im Ministerium „Minister“ – ein Wort, das ja eigentlich aus zwei zusammen gesetzten Worten besteht: „Mini“ und „Ster“. Mini heißt klein, Ster ist ein Maß für Hohlräume – glauben Sie ernsthaft, dass ein Job Genies anzieht, der als „kleiner Hohlkopf“ ausgeschrieben ist?

Warum wir keine dicken Dinger mehr drehen!

Donald Trump hat es zurzeit nicht leicht. Die Sache mit der Mauer stockt, seine Privatfehde mit Jeff Bezos von Amazon läuft auch nicht wie erhofft – jetzt erfolgt der nächste Schlag: Der letzten Gesundheitsuntersuchung zufolge ist der Präsident „fettleibig“. Nicht nur übergewichtig – sondern fett! Zwei Kilo mehr als bei der letzten Untersuchung vor einem Jahr – da hilft vermutlich auch die Ausrede wenig, er hätte beim letzten Wiegen halt keine Erektion gehabt… Natürlich sind das gemeine „fake News“: die Waage war wahrscheinlich ein minderwertiges ausländisches, wenn nicht gar chinesisches, Produkt, welches von illegalen mexikanischen Immigranten ins Weiße Haus geschmuggelt wurde – finanziert durch Jeff Bezos. In einem Wort: Mit Mauer wäre das nicht passiert!

Trump ist jedoch nicht der einzige Übergewichtige, der dieser Tage Probleme hat. Auch dem Airbus A380 geht es an den Kragen. Zu schwer, zu dick, zu teuer, lautet das verheerende Urteil der Kunden. Dicke Dinger (auch die Boeing 747 steht vor dem Aus) haben es zunehmend schwer. Übergewicht passt einfach nicht mehr in unsere Zeit. Vielleicht auch einer der Gründe, weshalb der Mensch die Wale ausrottet. Zu dick, zu schwer, zu teuer. Vor allem aber: zu gefährlich. Denn bei steigenden Meeresspiegeln lassen so fette Tiere das Wasser ja noch stärker ansteigen. Weiß doch jeder, der schon mal mit einem dicken Geschwisterchen die Badewanne teilen musste. Insofern hat das Leerfischen der Meere auch eine gewisse Logik.

Vor allem aber kostet Übergewicht sehr viel Geld – allein in Deutschland gehen für die Bekämpfung von Fettleibigkeit locker 20 Milliarden Euro über die Theke. Jedes Jahr. Allerdings ist das nichts im Vergleich zu den vielen Hundert Milliarden, die Trumps Wirtschaftspolitik die Welt noch kosten kann. Wann lernen die Amerikaner, dass Trump ganz unabhängig von seinem körperlichen Zustand zu dick, zu schwer und vor allem aber zu teuer ist?

Warum wir in Paralleluniversen leben!

„Frauen, die Brustkrebs kriegen, haben ein Thema mit ihrer Weiblichkeit,“ sagt eine Bekannte neulich zu mir. Mir blieb die Spucke weg. So einfach ist das also! Eigentlich beschämend, dass das Tragen langer Röcke sowie gemeinsame Fruchtbarkeitstänze bei Vollmond (oder was auch immer man unter „Weiblichkeit“ versteht) noch keine Standardtherapie gegen Brustkrebs ist. Leider sind Esoteriker häufig beratungsresistent, weil sie sich in einem System bewegen, gegen dessen Geschlossenheit Guantanamo Bay wie offener Strafvollzug wirkt.

Noch beschämender ist, dass diese Küchenpsychologen oft als Heiler oder „Coach“ arbeiten. Dann fliegen einem „Naturgesetze“ um die Ohren: das „Spiegelgesetz“, das „Resonanzgesetz“ oder das „Polaritätsgesetz“. Diese Glaubenssysteme haben allerdings mit Gesetzen so wenig zu tun wie Donald Trump mit Einfühlsamkeit. „Du ziehst das irgendwie an, oder?“ wird gern gefragt, wenn man wieder mal besonders krank ist (Resonanzgesetz). „Was will dir das jetzt wieder spiegeln?“ – erkundigen sich die „Spiegel“-Gesetzler scheinbar mitfühlend bei Todkranken, bevor das Polaritätsgesetz aus dem Sack geknüppelt wird: „Da hast du deine Schattenseite wohl noch nicht richtig integriert!“

Das Ganze wird gern gekoppelt mit einem Versprechen der Heilung, „wenn man es wirklich will“. Was natürlich im Falle eines Exitus heißt, dass man „es wohl nicht genug wollte“. Dann hat man beim Sterben zusätzlich versagt… Möge uns das Leben vor Leuten schützen, die für alles ein „Gesetz“ haben. Denn das blendet aus, dass das Meiste in der Evolution Zufall ist. Und sie nehmen das Schönste: Die Fähigkeit zum Staunen. Aber vielleicht ist das nur mein Widerstand dagegen, „Verantwortung für meine Kreation“ zu übernehmen. Und ich muss mal gucken, ob ich nicht womöglich ein „fettes Thema mit meiner Männlichkeit“ habe. Bevor ich Prostatakrebs kriege.

Warum wir jetzt Nudeln boykottieren!

Terror durch Essen ist ein Syndrom, das sich immer weiter ausbreitet. Essens-Terroristen, sogenannte Orthorexiker (die nur „das Richtige“ essen) treten in verschiedenen Varianten auf: Veganer, Paleo(Steinzeit)-Diät-Halter, Ketogene (keine Kohlehydrate), Frutarier (essen nur das, was die Erde freiwillig rausrückt), Rohkostler, Slow Food und natürlich „Clean Eater“ (keine industriell verarbeiteten Lebensmittel). Sollte Ihnen das nächste Mal einer davon unterkommen, kontern Sie einfach ganz gelassen. Mit Gluten!

Denn „Gluten-frei“ ist das neue „Vegan“. Es ist quasi der Royal Flush der Ernährung. „Gluten-frei“ schlägt alles. Gegen Gluten (also das Kleber-Eiweiß, das in einigen Getreiden vorkommt) ist etwa ein Prozent der Bevölkerung wirklich allergisch. Ungefähr ein Fünftel der Deutschen jedoch lebt weitgehend Gluten-frei, weil es gerade Trend ist. Mit dieser Diät treiben Sie den Rest der Orthorektiker locker in den Wahnsinn. „Was passiert denn, wenn du Gluten isst?“ wird man Sie fragen. Dann beten Sie eine lange Liste scheußlicher Körper-Reaktionen runter, die unbedingt auch die Worte enthalten: „Durchfall, gegen den die Niagara-Fälle ein kümmerliches Rinnsal sind“!

Anschließend sollten Sie unbedingt ein paar tödliche Krankheiten erwähnen. „Wusstest du, dass Gluten für die meisten Krebs-Arten verantwortlich ist?“ Wenn man sich erkundigt, woher dieses Wissen rühre, erwidern Sie: „Dazu gibt es Studien, die aber von der Pharma-Industrie systematisch unterdrückt werden!“ Das sitzt. Schließlich weiß jeder, dass der Pharma-Industrie jedes noch so scheußliche Verbrechen zuzutrauen ist.

Falls Sie trotz Gluten weiterhin „orthorexiert“ werden, eskalieren sie zum „Gluten-freien Ovo-Lacto-Paleo-Rohkost-keto-veganen-Fruto-Slow-Food-Clean-Eating-Flexitarier“. Das ist zwar nur ein neudeutsches Wort für „Alles-Esser“, aber bis ihr Gegenüber das merkt, haben Sie die Torte schon verputzt!

Warum wir vom Ernährungswahn terrorisiert werden!

Kennen Sie Orthorexie-Terroristen? Orthorexie ist die Besessenheit, immer das Richtige essen zu wollen. Besonders weibliche Bewohnerinnen des Prenzlauer Bergs mit einem Hang zu Yoga und Montessori-Schulen sind stark Orthorexie-gefährdet. Als erstes erklärt ein Orthorexie-Terrorist bei einer Dinner-Einladung seinem potentiellen Opfer, dass er ab jetzt Ovo-Lacto-Vegetarier ist. Auf Nachfrage erfährt man, dass er zwar auf Fleisch verzichte, aber nicht auf Eier und Milch. Im Grunde also ein „stinknormaler“ Vegetarier, der sich wichtig machen will.

Als man ihm in der darauffolgenden Woche ein Käse-Omelett serviert, winkt der OT (Orthorexie-Terrorist) ab – mittlerweile sei er nämlich vegan. Veganer erkennt man schnell, weil sie sich sofort zum Veganertum bekennen. Im Gegensatz zu Ihnen, Sie Umweltschwein, der Sie die Welt durch ihren Konsum tierischer Produkte ruinieren. „Ich verwende keine Produkte von etwas, das ne Mutti hat“ erklärt der OT stolz. Und wirkt dann beleidigt, wenn man nachfragt, ob das auch für Produkte gelte, die aus Angela Merkels CDU-Zentrale stammen…

Schon eine Woche später eskaliert der OT zur „Paleo“, also Steinzeit-Ernährung. Ob man denn nicht wisse, dass unser Körper nur das wirklich verdaue, was schon im Paläolithikum verzehrt wurde? Dann knallt der OT Ihnen ein Leoparden-Steak auf den Tisch mit der Bitte, das medium-roh zuzubereiten und die Hülsenfrüchte aus der Küche zu verbannen.

Allmählich werden Sie etwas nervös, wenn der OT in der Nähe ist. Besonders, seit er zur „Paleo-Veganen Rohkost“ wechselte, sich also nur noch von Beeren, Nüssen und rohem Gemüse ernährt. In diesem Zustand bleibt nur noch die Hoffnung, dass der OT aufgrund von Mangelernährung demnächst zu schwach ist, um bei Ihnen vorbei zu schauen. Oder Sie überlegen sich eine wirksame Gegenstrategie – doch mehr davon später…

Warum die Konjunktur so vergiftet ist!

„Das ist Gift für die Konjunktur“, sagte der Wirtschaftsminister prompt, als es um die Erhöhung des Spitzensteuersatzes für Wohlhabende ging. Nun ist „Gift für die Konjunktur“ kein ganz neues Argument. Es ist, um ehrlich zu sein, ein Argument, welches immer dann gerne verwendet wird, wenn es darum geht, einer etablierten Schicht ihre wirtschaftlichen Vorteile zu erhalten. „Gift für die Konjunktur,“ schallte es aus neoliberalen Kreisen, als es um die Einführung des Mindestlohns ging. Der Konjunktur machte das allerdings nicht so viel aus. „Gift für die Konjunktur“ hieß es übrigens auch, als im 19. Jahrhundert die Kinderarbeit abgeschafft wurde. Oder die Südstaaten der USA auf die Sklaverei verzichten mussten. Auch das machte der Konjunktur langfristig nicht so viel aus.

„Gift für die Konjunktur“ scheint also eher ein Totschlagargument, das angewendet wird, wenn man nichts verändern möchte. Energiewende? Gift für die Konjunktur! Begrenzung von Investment-Banker-Boni? Gift für die Konjunktur! Niveauvolle TV-Unterhaltung? Sie wissen schon… Nun ist es mit der „Konjunktur“ so eine Sache. Das Wort leitet sich vom lateinischen „coniungere“ ab, was soviel heißt wie „zusammenbinden“, „verknüpfen“ – auch im heimischen Bereich kann es Probleme mit diesen Aktivitäten geben. „Schatz, ich muss heute wieder ganz spät arbeiten.“ „Also was gewisse Verknüpfungsaktivitäten angeht – das wäre Gift für die Konjunktur…“

Andererseits stellt sich die Frage, ob Konjunktur an sich denn immer so eine wahnsinnig tolle Sache ist? Immerhin bindet eine boomende Konjunktur meist auch einen erhöhter CO2-Anstieg und eine Erwärmung des Klimas zusammen. Das wiederum zerstört im Endeffekt sehr viel Wohlstand und sehr viele Menschenleben. Ist die Konjunktur da nicht sogar selbst das Gift? Und Gift für die Konjunktur auf lange Sicht vielleicht eher ein Gegengift?

Warum der gesunde Menschenverstand siegt!

Immer wieder gibt es in Deutschland gerade aus dem linksgrünversifften Weichei-Spektrum Vorschläge, die einfach „nicht zu verantworten sind“, wie Verkehrsminister Scheuer gerade wieder betonen musste. Unter anderem diese lächerliche Vorstellung, auf deutschen Autobahnen ein Tempolimit von 130 km/h einzuführen – das wäre „gegen den gesunden Menschenverstand“ (wieder Scheuer). Da sollen diese ganzen Überregulierer und Freiheitsvernichter mit ihrem „kranken Unmenschen-Verstand“ jetzt mal drüber nachdenken.

Klar, ein Tempolimit würde mit ziemlicher Sicherheit zu weniger Unfällen und erheblich weniger Toten auf deutschen Autobahnen führen, aber das sei eine „verkürzte, sentimentale Diskussion“, wie Ulf Poschard von der „Welt“ anmerkte. Die längere, unsentimentale Diskussion geht so: Raser sind weltweit eine vom Aussterben bedrohte Minderheit. Nur in Deutschland (oder auch Afghanistan, Somalia und Nordkorea) finden Rest-Exemplare dieser zarten freiheitsbetonten Gattung noch ein halbwegs funktionierendes Ökosystem. Diese Welt braucht jedoch Raser, denn eines der Hauptprobleme unserer Erde ist schließlich Überbevölkerung – besonders jene mit älteren, weißen Männern. Raser bekämpfen dieses Problem mit all den ihnen zur Verfügung stehenden PS. Außerdem heizen sie zusätzlich das Klima auf, was zu Überschwemmungen und Missernten führt und so ebenfalls ein wirksames Mittel gegen zu viele Menschen ist.

Und in Deutschland – das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen – haben wir eben nicht so schöne Waffengesetze wie in den USA, wo sich bereits Vierjährige mit Papas Knarre abknallen können. Da wird auf der direkten, pragmatischen Ebene der Bevölkerungsreduktion relativ wenig getan. Zeit, sich nicht von den Spaßverderbern ins Bockshorn jagen zu lassen. Man sollte weiterhin frei auf deutschen Autobahnen rasen und töten können.

All das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand.

Warum Frauenparkplätze bald anders heißen!

Kennen Sie Frauenparkplätze? Das sind die Parkplätze, wo fiese Männer heimlich schief und schlecht einparken, um den Eindruck aufrecht zu erhalten, Frauen könnten nicht parken… Oder, wie Harald Schmidt einst sagte: Frauenparkplätze vereinfachen das Leben – man ist ja vorher als Triebtäter jahrelang völlig ziellos durchs Parkhaus geirrt…

Mittlerweile jedoch ist diese Vereinfachung in Gefahr. Ein Jurastudent in Bayern klagte gegen Frauenparkplätze (Kurier berichtete). Er fühle sich dadurch diskriminiert, so der Mann. Es gebe schließlich „auch kleine und schwache Männer“. Das Gericht kam zum Schluss, dass das Schild falsch beschriftet war. Die Freiwilligkeit käme nicht deutlich genug zum Ausdruck. Denn öffentliche Frauenparkplätze sind wie Behindertentoiletten – man sollte den jeweiligen Zielgruppen den Vortritt lassen, muss es aber nicht. Öffentliche Behindertenparkplätze wiederum sind interessanterweise wie Damentoiletten – sie müssen unbedingt für die jeweilige Zielgruppe freigehalten werden. Warum klagt eigentlich niemand dagegen, dass Frauen und Behinderte so beliebig miteinander kombinierbar sind??

Nun muss also die Stadt Eichstätt die Frauenparkplätze umbenennen. Nur wie? Vielleicht kann man aus der Geschichte lernen: Der englische König Henry IV untersagte der Legende zufolge die Zurschaustellung protzigen Reichtums in seinem Reich. Leider hielt sich niemand daran – bis er ein Dekret erließ, dass die Zurschaustellung protzigen Reichtums weiterhin verbot – außer für Diebe und Prostituierte…

Auf die Formulierung kommt es also an. Viele erinnern sich noch an die gemeinen Ansagen im Freibad der 70ger Jahre: „Frauen sowie Männer mit überlangen Haaren sind verpflichtet, Badehauben zu tragen“. Wie wäre es daher mit: „Parkplätze – empfohlen für Frauen sowie Männer mit überlangen Angstkomplexen…“ Wahlweise auch mit: „Parkplätze – empfohlen für Frauen sowie für Jurastudenten mit überlanger Profilneurose, die Jobsuche per PR-Gag betreiben…“

Warum wir bald esoterisch sind!

Wie nennt man es, wenn der Bankberater plötzlich Ihre Hand nimmt, intensiv hineinschaut und dann sanft sagt: „Sie haben ein gaaanz langes Leben vor sich…“ Genau: Transzendentale Verkaufstechniken! Angesichts der mauen Lage der Finanzwirtschaft (Brexit kommt, Wohlstand geht, Mastercard muss hohe Strafe zahlen und die Deutsche Bank ist auch nicht mehr, was sie mal war…) braucht es frischen Wind in der Branche – und neues Personal. Personal, das den allgegenwärtigen Yoga-Trend und veränderte Metropolen-Vorlieben widerspiegelt: Der New-Age Banker kommt!

Dann werden Banken einen neuen, zeitgemäßen Look erhalten: Lichte, luftige Tempel des Geldes mit achtsamkeitsgeschultem Personal. Bald wird der Kunde mit „Namaste“ begrüßt, bevor man sich darüber austauscht, wie die „Energy“ (bitte englisch aussprechen: Enördschie“) grade so ist. Der Berater ist dermaßen genderneutral, dass er „der, die oder das Girokonto“ sagt, und bevor man die Kreditbedingungen erläutert, noch einmal ganz tief gemeinsam ins Licht hinein atmet.

Beratungsgespräche enthalten dann völlig neue Formulierungen: „In welchem Chakra fühlen sie denn diese Aktienstrategie? Im Wurzelchakra, aha – das hat dann also noch ganz viel Wachstumspotential“. Statt „ich überweise das für Sie“ sagt er: „Ich channele das Geld mal kurz rüber.“ Eventuell findet sich das richtige Finanzprodukt auch während der gemeinsamen Praxis von Finanzyoga: „Wir machen jetzt gemeinsam den Baum, um die Kraft unseres Depots zu symbolisieren.“ Darauf sagen Sie: „Der Baum – das ist für mich angesichts momentaner Aktien-Kurse eher eine Trauerweide.“ Worauf er erwidert: „Das ist eben das Schöne am Finanzmarkt – der lehrt uns Loslassen! Und auch, wenn Sie persönlich es jetzt angesichts Ihres Bankrottes ein wenig schwer haben – ihr Konto ist bereits im Nirvana: Es hat sich ins Nichts aufgelöst…“

 

Warum wir keine „echte Meinungsfreiheit“ haben!

„Wir haben keine Meinungsfreiheit mehr“ – diese Diskussion ist seit einer Bemerkung des ehemaligen Handballers Stefan Kretzschmar wieder aufgebrandet. Sie wurde vorhersehbar von den Rechten instrumentalisiert, die es interessanterweise als integralen Bestandteil ihrer Meinungsfreiheit betrachten, Andersfarbige zu verhauen. Nach dem Motto: „Ich habe ihm kein blaues Auge verpasst, sondern einfach nur mal deutlich die Meinung gesagt…“

Stefan Kretzschmar meinte nun, es gäbe in Deutschland „keine Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinn“. Ich musste erst mal nachgucken, was die Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinn eigentlich ist, und siehe da: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.“ (Art. 5, Grundgesetz) Das hat Kretzschmar getan – und sich damit schon mal selbst widerlegt.

Was dem Mann (und vielen anderen auch) anscheinend wirklich bewegt, ist, dass es auf Meinungen Reaktionen gibt. Wenn du als prominenter Profi-Sportler und Sponsor-Verträge mit Coca Cola abschließt (zum Beispiel), dann musst du dich nicht wundern, wenn dein Vertrag gekündigt wird, weil du im TV lauthals geschrien hast: „Zucker ist noch ekliger als ein Zungenkuss von Donald Trump“! Wenn du als ein dem Grundgesetzt verpflichteter Beamter im Unterricht die Meinung vertrittst, dass Hitler eigentlich „viel geiler war als dieses Schweinesystem“, fliegst du zu Recht raus. Wenn du verheiratet und der Meinung bist, dein Partner sei viel zu fett und blöde, kommst du eventuell auch nur mit einem blauen Auge davon… Meinungen haben ein unterschiedliches Preisniveau.

Jeder kann seine Meinung frei äußern. Sogar in der Türkei. Da landet man dann allerdings im Gefängnis. Den Preis zahlt in Deutschland niemand. Und solange das so ist, ist jegliches „keine echte Meinungsfreiheit“-Gejaule nur Weichei-Gejammer.

Wie wir ganz reich werden können!

In Zeiten drohender Abschottung und Brexit-Entscheidungen werden viele Diskussionen rund ums Thema geführt. „Gäbe es eine Möglichkeit, die Armut in der Welt zu beenden, das „Bruttoglobalprodukt“ zu verdoppeln und die Welt friedlicher zu machen, würdest du es tun?“ frage ich eine Freundin. „Aber natürlich,“ sagt die. „Ok,“ sage ich,“ offene Grenzen.“ „Find ich gut.“ „Ehrlich?“ „Ja, offen sein, sich nicht immer so abgrenzen, auch mal auf andere Menschen zugehen…“ „Nein, ich meinte wirklich offene Grenzen: Jeder kann dahin umziehen, wo er will. Weltweit.“ „Sag mal, spinnst du?“

Ich kann sie verstehen. Erst mal klingt es natürlich absurd: Offene Grenzen – wo kommen wir denn da hin? Nun, die Konservativen dürfte interessieren: offene Grenzen gab es bereits – in der guten alten Kaiserzeit. Bis 1920 gab es keine Pässe und vor dem ersten Weltkrieg auch keine Grenzkontrollen. Die Wirtschaft boomte dadurch bis 1914.

„Aber dann wollen ,die‘ doch alle sofort zu uns kommen.“ Niemand verlässt besonders gern die eigene Heimat. Im Zeitalter der Globalisierung leben nur 3 Prozent der Weltbevölkerung in einem anderen Land. Das änderte sich leider auch nicht wesentlich, wenn man alle Bewohner des diesjährigen Dschungelcamps einfach in Australien ließe…

„Ja, aber dann nehmen die uns doch die ganze Arbeit weg.“ Als Frauen in den 70gern anfingen, vermehrt zu arbeiten, hieß es auch: Sie nehmen den Männern die ganze Arbeit weg – das kannten Männer schließlich von zuhause, wo Frauen ungefragt die ganze Hausarbeit wegnahmen und so brutalst dafür sorgten, dass Männer bis heute vielfach den Geschirrspüler nicht finden können. Mittlerweile ist das Argument hinreichend widerlegt.

„Aber was sollten offene Grenzen denn bringen?“ Vielleicht die Beseitigung der Armut weltweit, eine ungefähre Verdoppelung des „Bruttoglobalprodukts“ (wie Wirtschaftswissenschaftler übereinstimmend berechneten) und durch Abnahme des Bevölkerungsdrucks eine friedlichere Welt…

Warum wir Silvester weiter knallen müssen!

Jetzt werden jetzt ein paar Spätfolgen von Silvester bekannt. Ein Fohlen ist an Stress gestorben. Zwei Pferde in einem Stall verbrannt, der vermutlich durch Böller in Brand gesetzt wurde. Viele Hunde, Katzen und Vögel erleiden ebenfalls tödliche Traumata.

Nun gibt es Städte, die verbieten privates Knallen in der Innenstadt. Hannover zum Beispiel. Aber Hannover, das weiß der Berliner, ist ja sowieso eher eine Strafe als eine Stadt. Und überhaupt, wie ein Bezirksrat aus Tempelhof twitterte: Wer ein Knallverbot will, solle sich nicht über weiteren Vertrauensverlust in die Politik beklagen – „Wer proletarische Kultur verachtet, wird zurück verachtet.“ – Genau. Mit einem ähnlichen Argument wird schon seit Jahren in einigen afrikanischen Gegenden die Genitalverstümmelung weiter praktiziert…

Natürlich werden in Deutschland jedenfalls in der Silvesternacht relativ wenig Genitalien verstümmelt werden. Dafür sprengt sich der eine oder andere die Hand weg. Auch das unterscheidet uns von „Scharia“-Gegenden – wir hacken keinen Dieben die Hände ab, sondern nur Idioten – und denen, die zu nah an solchen dran stehen.

Weshalb wird Silvester nochmal geknallt? Ach ja, da war dieser germanische Brauch, böse Geister zu vertreiben. Wenn man sich die Folgen ansieht, werden allerdings durch das Knallen erst die bösen Geister so richtig angelockt. Silvester führte in diesem Jahr in Berlin zu 36 teils schwer Verletzten. Und sorgt im Alleingang für etwa 15 Prozent der jährlichen Feinstaubbelastung, die der Straßenverkehr verursacht. Ohne Silvesterknallen könnte man also bundesweit wieder mit den alten Euro3 Dieseln im Autokorso durch die Innenstädte fahren – vielleicht sollte man das echten Männern mal als Alternative anbieten…

Warum Ribery Recht hat!

Fußballprofi Franck Ribery (Bayern München) hat gerade Ärger am Hals. Da ist einmal der „Tanz ums goldene Kalb“, also das goldüberzogene Steak, das er in Dubai freudig verzehrte. Da hieß es empört: Ist das nicht eine wahnsinnige Verschwendung kostbarer Rohstoffe? Wäre es nicht viel ökologischer gewesen, eine mit Blattgold überzogene Möhre zu verspeisen?

Diese Kritik brachte wiederum Frank Ribery samt Familie in Rage. Kurzentschlossen twitterte er zurück: „F….eure Mütter, eure Großmütter und euren gesamten Stammbaum!“ Das ist natürlich mal eine Ansage, die es Fans nicht grade leicht macht. Spätestens ab den Urgroßeltern nimmt die Ahnenreihe nämlich stark zu. Hat man noch acht Urgroßeltern, sind es bereits 16 Ururgroßeltern sowie 32 Urururgroßeltern! Und kostet es die allermeisten schon eine Riesenüberwindung, mit den eigenen Großmüttern ins Bett zu gehen, so möchte man sich gar nicht erst vorstellen, wie das erst bei den Urururururururur-Großmüttern sein wird, von denen es über 500 gibt. Addiert man die Zeit, die man mit der Friedhofs-Buddelei verplempert – ist das Stammbaumf….. ein sehr umfangreiches Hobby, für das man obendies eine gehörige Portion „Skeletto-Philie“ benötigt.

Die Empörung über diesen Spruch folgte umgehend. Doch ist die Sprache vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, forderte nicht eine ganze Reihe Propheten Ähnliches? Sagte nicht schon Gautama Buddha, man solle die mentale Anhaftung an die Familie loslassen und der Vergangenheit entsagen? Was ist das denn anderes als „den Stammbaum zu f…..“ Jesus sagte: „So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lukas 14:26). Ist Ribery in Wirklichkeit ein Prophet der etwas anderen Art? Vielleicht nicht gerade „die Hand Gottes“. Sondern der „Ar… des Herrn“?

Warum wir Fachkräftemangel produzieren!

Bis 2025 sollen angeblich 6 bis 7 Millionen Fachkräfte fehlen. Horrorvorstellung: Ärzte fragen Patienten, ob sie Diagnosen selbst stellen können, weil neuerdings jeder als Arzt genommen wird, der Golf spielt. Klempner verschreiben bei Rohrbruch „Arnika C30“ – weil sie eigentlich Homöopathen sind. Und deutsche Ingenieure sind nicht mehr in der Lage, Diesel-Filter zu bauen…

Schon seit 2011 verfolgt uns dieses Szenario, in die Welt gesetzt vom damaligen Arbeitsamts-Chef Weise sowie vom VDI (Verein deutscher Ingenieure) und vom Verband der Industrie. 30 Milliarden Euro pro Jahr solle das die Wirtschaft kosten, sangen die Schwarzseher schon vor Jahren. Resultat: Ein massiver Zustrom junger Menschen ins Studium der MINT-Fächer (Mathe, Ingenieurswissenschaften, Naturwissenschaften, Technische Fächer). Resultat davon: Viele arbeitslose Ingenieure. Auf jede offene Stelle kommen fast zwei Arbeitssuchende. Das ist, als ob sich jemand im Wald über einen Mangel an Bäumen beschwert. Es gibt also keinen wirklichen Mangel an Fachkräften. Es gibt nur einen Mangel an 26jährigen Fachkräften mit Doktortitel und zehnjähriger Berufserfahrung, die dringend für 24.000 Euro Jahresgehalt arbeiten wollen! Also ein Fachkräftebezahlwillenmangel! Oder weshalb wurde die Hürde, ausländische Fachkräfte einzustellen, von 66.000 Euro auf 36.000 Euro Jahresgehalt gesenkt?

Auch im heimischen Bereich herrscht Fachkräftemangel, beschwerte sich eine Bekannte neulich. Jedes Mal, wenn sie mit ihrem Mann ins Bett ginge, verspüre sie eklatanten Fachkräftemangel. Sie löste das Problem mittlerweile mit einer Methode, die man auch der deutschen Industrie ans Herz legen kann: Konsequente Weiterbildung. Das hat sogar finanzielle Einspareffekte durch Produktivitätssteigerung. Nachdem die Bekannte dem Mann eine Fortbildung im Bordell finanzierte, war sie endlich in der Lage, den Gärtner zu feuern…!

Warum wir im neuen Jahr keinen neuen Partner finden!

Zu Beginn des neuen Jahres stellt sich häufig die Frage: Was bringt mir dieses Jahr in Liebesdingen? Die große Liebe? Oder doch nur wieder haufenweise Liebes-Testversuche? Um die Suche nach der großen Liebe umfangreicher zu gestalten, gibt es eine Vielzahl passender digitaler Apps.

Man fragt sich zunehmend, wie die Partnersuche eigentlich vor der digitalen Ära überhaupt möglich war? Nun, früher gab es natürlich auch schon eine Dating-App. Die hieß nur anders, nämlich „Papa“. Der suchte den oder die Partnerin aus. In der muslimischen Welt ist das teilweise heute noch so, man begrenzt jedoch das Risiko einer falschen Partnerwahl (nur für Männer, klar), indem man auf Quantität setzt. Im Westen kam jedoch vor einiger Zeit die Vorstellung von der großen romantischen Liebe auf, von dem einen Partner, der einen glücklich macht. Früher war es völlig unwesentlich, ob man die Partnerin gut fand – Hauptsache, sie produzierte genug Bälger, die einen im Alter verpflegten. Kinder als Alterssicherung – weil dieser AfD-Traum dieser Tage grade in Afrika exzessiv praktiziert wird, haben wir dort unter anderem ein Ressourcen- und Mangel-Problem.

Aber die große romantische Liebe, der Seelen-Partner – das ist die Fantasie, die Herzen arm und Scheidungsanwälte reich macht. Heute vermittelt daher nicht mehr Papa den Partner, sondern der Algorithmus. Der Begriff „Algorithmus“ geht zurück auf einen Araber, nämlich Abu Dscha’far Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi, kurz „Al-Chwarizmi“, was dann zu „Algorismi“ und später zu „Algorithmus“ wurde. Herr Algorithmus verfasste 825, als die muslimische Welt noch führend in der Mathematik war, ein Werk „Über die indischen Zahlen“, welche man später in einem Akt islamischer Propaganda „arabische Zahlen“ nannte. Skandal: Dann ist also die Dating App nichts weiter als die Sehnsucht nach dem muslimischen Papa, den man nie haben wollte…!

 

Was sich die Deutschen für das nächste Jahr vornehmen!

Einer aktuellen Studie zufolge schauen die Deutschen so pessimistisch in die Zukunft wie schon seit fünf Jahren nicht mehr. Nur noch 17 Prozent stimmen der Aussage zu: „Dem kommenden Jahr sehe ich mit großer Zuversicht (…) entgegen.“ Man könnte sagen, die Deutschen leiden unter Realitätsverzerrung: Die Wirtschaft brummt, es gibt so wenig Arbeitslose wie seit Jahren nicht mehr, die Kriminalität sinkt, sogar die Ausländer sind netter – jedenfalls freuen sich viele Türken, dass jetzt Syrer die „Zuletzt-Angekommenen-A…-Karte“ haben.

Andererseits: Wozu gute Laune, wenn eh alles den Bach runter geht? Spätestens in fünf Milliarden Jahren ist dieser Planet am Ende – da ist jede Form guter Laune nur ein unreifer Ausbruch kurzfristiger, kindischer Hyperventilation. Optimismus ist für Anfänger und Amerikaner. Profis wissen: Wir sind Wurmfutter in Warteschleife. Fröhlichkeit ist nur ein Mangel an gründlicher Information. Und Hoffnung der Zement der Enttäuschung!

Die Studie belegt auch, dass die Deutschen nach Buddha leben. Denn der sagte: „Leben ist Leiden!“ So pflegen wir statt oberflächlicher Mittelmeer-Heiterkeit eine tiefgreifende nordische Depression. Der Pfad der Befreiung führt nun mal durchs tiefe Tal der Tränen. Wenn das nächste Mal ein Berliner miesgelaunt sagt: „Dit Wetta is heut wieda ma schwer exkrementiell“ – dann verbirgt sich hinter der rauen Maske ein deutscher Shaolin-Mönch auf dem Highway ins Nirvana.

Wahre Könner akzeptieren die Gnadenlosigkeit endlichen Seins. Dafür braucht es keine Zuversicht. Sondern nur ein gutes Bier. Oder zwei. Na gut, ein Sekt darf es auch noch sein. Zum Anstoßen. In der grimmigen Gewissheit: Es geht zu Ende. Aber vorher lassen wir die Korken knallen. In diesem Sinne: Ein frohes Neues! Ohne Zuversicht. Aber mit Hingabe an die lächerlichen Dinge, die unser Leben ausmachen: Liebe, Freunde, Kooperation – und der vorvorvorletzte Tanz auf der Titanic.

Wie Sie die Vorweihnachtszeit besinnlich erleben!

Jedes Jahr zu Weihnachten stellt sich die bange Frage: Wie komme ich zur Verwandtschaft? Fliegen fällt für alle flach, die etwas umweltbewusst sind und keine gesteigerte Freude dabei empfinden, permanent für einen Terroristen gehalten und von Fremden begrabbelt zu werden. Bleiben Autofahren und die Bahn. Das Auto suggeriert ein gewisses Maß an Kontrolle, die allerdings spätestens am Kamener Kreuz verloren geht. KFZ-Freunde tendieren zudem zu einer gewissen Glorifizierung ihres Transportmittels und rechnen sich häufig das Leben schön. So fällt die Zeit im Stau gerne einem milden Verkehrs-Alzheimer zum Opfer. Genau wie der Ärger über andere Verkehrsteilnehmer…

Ich fahre daher meist Bahn. Trotz ihrer miesen Ausreden: „Verspätung wegen Verzögerungen im Betriebsablauf“ – was genau soll das sein? Ist das bahndeutsch für „Trödeln“? Damit wäre ich aber früher nicht durchgekommen in der Schule: „Ich konnte erst zur zweiten Stunde kommen, weil es zwischen Zähneputzen und Frühstück Verzögerungen im Betriebsablauf gab.“ Kennen Sie irgendein anderes Berufsfeld, in dem das als Ausrede gilt? Was wäre von einem Chirurgen zu halten, der einem Patienten sagt: „Tut mir leid, dass die Narkose nicht über die ganze Operation wirkte – es gab Verzögerungen im Betriebsablauf“? Oder von der Polizei, die sagt: „Wir haben den Verbrecher nicht mehr erwischt – es gab Verzögerungen im Betriebsablauf“?

Aber die Bahn möchte sich bessern. Sie will demnächst erreichen, dass 85 Prozent der Züge pünktlich sind. Moment, dachte ich, was ist mit hundertprozentiger Pünktlichkeit, warum ist das noch nicht mal eine Option? Was würde man von einem Serienmörder halten, der ankündigt, er wolle in 85 Prozent aller Fälle nicht straffällig werden?

Doch wenn man dann im Zug sitzt, und er rollt, und es ist warm, und dann kommt die Verzögerung im Betriebsablauf – dann hilft vielleicht der Gedanke, dass das die einzige wirklich besinnliche Zeit der nächsten Wochen sein kann!

 

Warum wir Weihnachten bald mit Algorithmus feiern!

Bald ist Bescherungs-Zeit. Um das Schenken zu vereinfachen, besitzt Amazon ein Patent auf einen „vorausschauenden Algorithmus“. Der ermittelt, was Sie wohl als Nächstes bestellen. Das wird dann in ein Logistik-Zentrum in Ihrer Nähe geliefert, damit es schnell da ist. Wo geht diese Entwicklung hin? Wird Amazon demnächst auch ermitteln, was ich nach Weihnachten wieder zurückschicke? Heißt es dann: „Die Ware wird Ihnen leider nicht zugestellt, da Sie das sowieso zurückschicken. Um die Umwelt und unser Logistikzentrum zu schonen, bestellen Sie doch lieber ein Prime-Abo.“

Vielleicht warnt der baldige Geschenk-Monopolist sogar vor weihnachtlichen Fehlentscheidungen: „Sind Sie sicher, dass Sie Ihrem Gatten diesen Gutschein für einen Paar-Tanzkurs schenken wollen? Weiß Ihr Mann, dass Sie den Tanzlehrer Alessandro aus Costa Rica wahnsinnig scharf finden? Was geschieht, wenn bald jeder über so einen Algorithmus verfügt? „Liebling, das System hat errechnet, dass du mich am 4.Dezember 2021 mit dem Tanzlehrer Alessandro betrügst, woraufhin ich dich am 21. Dezember mit deiner besten Freundin Gabi „zurückbetrüge“ – um uns Lebenszeit zu sparen, habe ich mein Zurückbetrügen schon mal vorgezogen…“ Die Versicherungsbranche wird diese Planungssicherheit lieben. Beim Abschließen einer Lebensversicherung kommt dann die Meldung: „Wir können für 2022 leider keine Versicherung mit Ihnen abschließen. Der Algorithmus hat errechnet, dass Tanzlehrer Alessandro Sie am 22.12.21 erschießt…“

Extrem lästig wären dann natürlich Datenpannen. Wenn es auf einmal gefragt wird: „Sind Sie wirklich der Jürgen Kowalski, der in Pankow wohnt und 2011 eine heftige Sehnenscheidenentzündung hatte?“ „Nein, ich wohne in Marzahn wohnt und sehnte mich 2011 heftig nach einer Scheidung.“ „Oh, da müssen wir jetzt aber mal gucken, ob wir den Alessandro noch irgendwie erwischen…“

Warum der Horst jetzt schwitzt!

Das Wort des Jahres ist „Heißzeit“ – das ist übrigens keine heiß-erotische Nacht etwa mit Rihanna und auch kein unveröffentlichter Nena-Hit aus den 80gern. Es geht um die bevorstehende Klimaerwärmung, die den Bikini zum meistgetragenen Bekleidungsstück auf Grönland machen könnte. Den zweiten Platz belegt das Wort „Funklochrepublik“ – was dem Umstand geschuldet ist, dass man außerhalb deutscher Großstädte mit Rauchzeichen erfolgreicher kommuniziert als mit Mobiltelefonen.

Dann kommt der eigentliche „Wort des Jahres“-Sieger: Horst Seehofer! Denn Hotte ist gleich drei bis vier Mal im Wettbewerb vertreten: Einmal mit „Anker-Zentren“ (Platz 3). Was übrigens nicht bedeutet, dass man dort Anker werfen und auf ewig von Bord gehen soll – ähnlich wie ein „Konzentrationslager“ ja auch keine Heilstätte für Aufmerksamkeitsstörungen war. ANKER-Zentrum ist ein Akronym, das sich zusammensetzt aus den Anfangsbuchstaben für „An(kommen)“,“K(ommunale Verteilung),“E(ntscheidung) und R(ausschmeißen – also eigentlich „rückführen“, was aber aufs Gleiche hinausläuft).

Den vierten Platz belegt der Slogan „Wir sind mehr“ – diese Antwort auf rechte Ausschreitungen in Chemnitz steht in direktem Zusammenhang mit dem nächsten Platz (5) „strafbelobigt“, also die Beförderung des Verfassungsschutz-Präsidenten Maaßen, der auf Videos von Krawall-Nazis keine Krawall-Nazis erkennen konnte und für diese Fähigkeit befördert werden sollte – von Horst Seehofer…

Platz 10 geht wiederum an Seehofers „Mutter aller Probleme“, womit natürlich erneut die Migration gemeint ist. Übrigens ein ziemlich sinnloses Bonmot, denn die „Mutter aller Probleme“ ist natürlich die Mutter – hätte der Flüchtling keine, gäbe es ihn nicht, genauso wenig wie Horst Seehofer. 2018 war also die „heiße Zeit“ des Innenministers, der jetzt kurz vor dem politischen Aus steht – so „Heißzeiten“ laugen eben echt aus…