Autor: Chin Meyer

Warum jetzt fast alle die Grundrente kriegen!

Es gibt Gründe für eine Grundrente. Einige wenige von Altersarmut Betroffene erhalten jetzt etwas mehr Geld. Das ist gut und richtig. Einige, die es nicht so nötig haben, erhalten ebenfalls mehr Geld. Ob auch das gut und richtig ist, ist unklar. Das generelle Problem der Altersarmut aber wird mit viel Getöse so geschickt umschifft, dass zumindest in der Sozialpolitik Kreuzschifffahrten wieder erlaubt zu sein scheinen…

Laute Kritik gibt es auch an der Finanzierung der Grundrente – eine Milliarde im Jahr Mehrkosten müssen aus dem Bundeshaushalt bestritten werden. Das wiederum ist ein erstaunliches Getöse, weil niemand auch nur ansatzweise weiß, woher etwa die neun Milliarden für die Lufthansa nebst den etwa 100 Milliarden für andere teure Hobbies der Deutschen wie Bankenrettungen oder Cum-Ex-Geschäfte herkommen sollen.

Pikanterweise gehörte zu den Investoren in diese Cum-Ex-Geschäfte (die den Staat geschickt um Geld betrogen) auch Clemens Tönnies! Nicht nur in seinen Schlachthöfen tendiert Tönnies also zu einer eher schmuddeligen Hygiene… Mit Cum-Ex-Geschäften generierte eine ganze Reihe sehr wohlhabender Menschen ein hübsches Extra-Einkommen, gewissermaßen eine Grundlos-Rente. Tönnies gehörte übrigens nicht dazu. Er schaffte es tatsächlich, mit Cum-Ex Geld zu verlieren – es gehört anscheinend doch mehr dazu, einen Staat zu schlachten als ein Schwein…

Gründe für eine grundlose Grund-Rente fand auch Sigmar Gabriel, der gerade drei Monate bei Tönnies als gutbezahlter Berater arbeitete. Einige in der SPD sind jetzt der Meinung, dass Tönnies die demokratischste Schlachterei der Welt ist: Die Schweine werden nicht nur getötet, sie dürfen auch als Berater tätig sein und CEO werden! So kommt die Grundrente doch noch zu (fast) allen!

Während es um die Grundrente also sehr viel Getöse gibt, wird die Grundlos-Rente eher still gewährt…

Warum Fleisch etwas für die Elite ist!

„Billig-Fleisch muss erhalten bleiben, damit auch ärmere Menschen es sich leisten können,“ lautet ein Argument der Fleisch-Industrie. Das ist falsch. Denn der billige Preis ist kein echter Marktpreis – er ist hochgradig subventioniert. Subventioniert durch die Gesellschaft, die die Folgekosten durch die Produktions-Umweltbelastung trägt. Subventioniert durch die Krankenkassen (und damit wieder die Gesellschaft), die die Corona(und andere)-Erkrankungen der Arbeiter behandeln müssen. Subventioniert nicht zuletzt durch die Bewohner des Kreises Gütersloh, die jetzt feststellen, dass sie an der Ostsee noch unwillkommener sind als afrikanische Flüchtlinge…

Hier gilt es durch intelligente Regulierung gegenzusteuern. Als erstes brauchen wir eine Willkommenskultur für rumänische Wanderarbeiter, die zuerst mal in 5-Sterne-Hotels untergebracht werden. Das ist eine sinnvolle Konjunkturspritze für die durch den Tönnies-Skandal leidende Hotellerie in Gütersloh und Warendorf. Außerdem erinnert es an Mafia-Filme, in denen der (Tier)-Killer ja auch immer sehr nobel wohnt.

Dann darf in Deutschland nur noch Bio-Fleisch verarbeitet werden, das von Tieren stammt, welche von schwangeren Jungfrauen mit Delfinamuletten in Vollmondnächten sanft gestreichelt wurden, bis sie selig freiwillig aus dem Leben schieden. Allein diese Maßnahmen werden dafür sorgen, dass man sich irgendwann fragt: Leiste ich mir heute einen Neuwagen – oder lieber ein Steak?

Wird Fleisch also endgültig zum „Elite“-Fraß? Ja. Das ist richtig und gewollt. Schließlich ist Fleisch hochgradig ungesund. Indem nur noch die Elite es sich leisten kann, wird sie so effektiv reduziert. Der durch Fleisch verursachte Krebs (und das ist fast jeder Krebs!) wird zum Status-Symbol. Oder anders gesagt: Wenn Sie jemand richtig hassen, laden Sie ihn doch einfach auf ein Billig-Steak ein…!

Warum wir Aktien skeptisch sehen!

Was ist der Unterschied zwischen der Lufthansa und Wirecard? Kaum einer, beide finanzieren sich über „Luft-Buchungen“ in Milliardenhöhe – bloss, dass es bei der Lufthansa dafür immerhin Gutscheine gibt. Die Firma Wirecard, bei vielen Karten- und Online-Einkäufen als Zahlungsabwickler agierend, meldete jetzt aufgrund fehlender Gelder Insolvenz an, nachdem der Konzern zugeben musste, dass 1,9 Milliarden Euro auf den Phillipinen gar nicht existieren – das passiert eben, wenn ein Konzern nicht begreift, dass er trotz seiner Eigenschaft als Zahlungsabwickler noch lange nicht EZB heißt und Geld einfach so erfinden darf!

Was uns zu dem nächsten Rätsel bringt: Was haben die Finanzaufsicht Bafin und ein Vierjähriger gemeinsam? Beide glauben an Magie, und dass der nette Onkel doch noch ein Kaninchen oder eben 1,9 Milliarden Euro aus dem Hut zaubert. Bloß, dass der Vierjährige seltener enttäuscht wird… Gegen die Blindheit der Bafin ist sogar Stevie Wonder ein Adlerauge!

Immer deutlicher zeigt sich, dass ein Konzern, der immerhin den Aufstieg in den DAX schaffte, im Grunde auf einem riesigen Schneeballsystem basierte. Nun könnte man das auch positiv sehen: in diesen Zeiten der Erderwärmung und der Klimakatastrophe hat es etwas Tröstliches, dass wenigstens in der Finanzindustrie noch etwas so Kühles wie Schneebälle existiert…

Leidtragende sind Tausende geprellter Anleger – im Vergleich zu Wirecard war das Telekom-Desaster der Dotcom-Blase ein Sechser im Lotto. Der einzige „German Global Player“ am Finanzmarkt hätte eigentlich „German Globuli Player“ heißen müssen: Entsprechend dem Prinzip der starken Verdünnung homöopathischer Globuli wurden auch die Bilanzen bei Wirecard dermaßen verdünnt, dass man die Aktie demnächst in Apotheken erwerben kann: „Wirecardia Hochpotenz M-1,9 Milliarden“ hilft gegen deutsche Sparer am Aktienmarkt!

Warum wir österreichischer werden müssen!

Beim ganzen Jugendkult in diesem Land fällt es wohltuend auf, wenn junge Leute schon in frühen Jahren eine Alterskarriere anstreben. So wie Philipp Amthor, der schon vor der magischen Schallgrenze von 30 Jahren den Rückzug aus der Politik ansteuerte und den Weg vom Jungpolitiker zum hochdotierten Frühstücksdirektor in der Wirtschaft ohne Umwege über lästige, unterbezahlte Ministerjobs und dergleichen Plackerei erledigen wollte.

Nun ist die deutsche Politik parteiübergreifend gewissen „Nebenjobs“ nicht abgeneigt, um eine „Nähe zum wirklichen Leben“ und „den Belangen der Wirtschaft“ beizubehalten und nicht nur „politischer Fachidiot“ zu sein, weil man den Lehrerjob hasst und die Konzerne einen nicht wollen, so wie diese ganzen Linken-Politiker. Die richtigen Linken – nicht die Gerhard Schröders dieser Welt, die Engagement glorifizieren und über ihre hochdotierte Tätigkeit bei Rosneft die „Energiesicherheit des deutschen Volkes“ sichern wollen. Als Schröder das verkündete, soll er sogar nüchtern gewesen sein! Allerdings sah man noch die Sauna-Bank-Abdrücke in seinem Hintern, wo er grade mit Putin gesessen hatte.

Korruption hat viele Gesichter. Und auch in Deutschland eine gute Tradition: Im alten Preußen etwa wurde den Beamten nur etwa zwei Drittel des Geldes ausgezahlt, das sie benötigten. Den Rest mussten sie sich über „Nebentätigkeiten“ oder sogenanntes „Sporteln“ (Vergütungen, die der Empfänger einer Dienstleistung zu entrichten hatte) organisieren. Amthor und seine Gesinnungsgenossen müssen es ähnlich empfinden – schließlich beziehen sie nur „Diät“.

Natürlich gab es Gegen-Beispiele: Österreich-Ungarn etwa galt als dermaßen unbestechlich, dass man heute noch vom „Habsburg Effekt“ spricht – Bewohner auf dem Gebiet der ehemaligen Doppelmonarchie sind nachweislich unbestechlicher als Menschen, die in angrenzenden, häufig ehemals muslimischen Gebieten leben. Gut, dass die FPÖ da gegensteuert und gemeinsam mit den Amthors dieser Welt einer gelungenen Integration in die gute, alte osmanisch-türkische Bakschisch-Mentalität den Weg ebnet!

Warum wir nicht gewarnt werden!

Die Corona-App ist da. Als nachhaltiger Hypochonder habe ich sie mir natürlich sofort runtergeladen und siehe da: Schon drei Tage sind vergangen und ich hatte keinen Kontakt mit Infizierten. Sagt jedenfalls die App und leuchtet dazu auffordernd grün. Das birgt Gefahren. Das Spielkind in mir möchte sofort wissen, was ich tun kann, um mal eine Gefahrenmeldung zu erhalten, vielleicht eine gelbe – oder am besten eine ganz rote? Essen in Leer, Zuckerfest in Göttingen, beten in Frankfurt? Oder gleich auf Nummer sicher gehen und in einer Fleischfabrik anheuern?

Nun sind nicht alle so glücklich wie ich und waren in der Lage, zur eigenen und der Sicherheit des Vaterlandes die App runterladen zu können. Neben denen ohne Smartphone sind es vor allem jene mit älteren Handys. Auf Blackberrys, Huawei oder älteren IPhones vor dem 6s ist die Installation der App nämlich nicht möglich. So werden alle abgestraft, die der Umwelt und ihrem Geldbeutel etwas Gutes tun wollten und auch mit einem älteren IPhone oder einem Blackberry oder einem Huawei ganz gut durchs Leben kommen. Geizige Hypochonder sowie Ärmere und Ältere sind also die Leidtragenden.

Leider sind sie auch Hauptrisiko-Gruppe (bis auf die geizigen Hypochonder). Trump und die Firma mit dem angebissenen Apfel können feiern: Unsere Regierung hat eine Abwrackprämie für ältere IPhones sowie Blackberrys oder Windows Phone aufgelegt. Bloß dass es halt kein Geld gibt, sondern nur die Corona Warn App. Und dass die Ärmeren sie bezahlen dürfen – Sozialpolitik vom Feinsten. Die Diesel-Misere lässt grüßen. Aber hier liegt auch ein Potenzial. Wie wäre es, wenn man beim Eintauschen eines alten IPhones gegen ein neues noch einen alten Diesel geschenkt erhält? Den kann man dann zwar nur noch auf dem Land fahren – aber da ist die Ansteckungsgefahr ja sowieso am geringsten!

Happy Geld Show Talk am 29. Juni

…um 20 Uhr (90 Min) – der Late-Night-“Economedy”-Event am frühen Abend im Netz. Eine unterhaltsame Mischung aus Live-Online-Kabarett, einem interessanten Talkgast und anschließendem Austausch mit den Teilnehmern. Den Event findet ihr hier.

Warum die Künste in die Luft gehen!

Die Lufthansa hat es geschafft, sich von der Politik mit neun Milliarden Euro retten zu lassen. Das ist super – zumindest für die darbenden Aktionäre der Lufthansa. Super auch für Malta – wo etwa 8 Angestellte sechs Milliarden Gewinn für die Lufthansa erzielen – wenn es um Schattenfinanz-Zentren geht, sind Corona-Bonds auf einmal kein Problem mehr…

Wenden wir uns einer weiteren Branche zu, die zurzeit ihren Jahresurlaub nimmt. Und zwar das ganze Jahr: Die Kulturbranche. Sicher, man könnte sagen: Kultur ist unerheblicher Luxus. Man könnte auch sagen: Die Kulturbranche ist mit etwa 100 Milliarden Euro Wertschöpfung und 3 Prozent Anteil am BIP nach der Auto-Industrie die umsatzstärkste Branche in Deutschland. Und mit 1,7 Millionen Menschen, die in ihr arbeiten, sogar noch vor der Auto-Branche die personalintensivste. Aber auch die hat ja ein Rettungspaket erhalten: Eine Milliarde Euro… Und ein Hygiene-Konzept für Theater, das für eine unwirtschaftliche Auslastung der Spielstätten und in Folge für viele Insolvenzen sorgt. Aber so ist es nun mal – das Corona-Virus verbreitet sich in geschlossenen besonders stark, da muss man halt Abstand halten… 

Außer in der Luft, klar. In Flugzeugen gibt es keinen Sicherheitsabstand. Da wird gekuschelt, was das Zeug hält. Vielleicht kommt bald die neue Werbung: „Ihr Bordell hat geschlossen? Fliegen Sie Lufthansa!“ Die Lufthansa konnte halt überzeugend darlegen, dass nicht voll ausgelastete Flugzeuge unrentabel sind. Im Gegensatz zu, sagen wir, Theatern…

Zeit für Kreativität: Da das Virus sich in Flugzeugen anscheinend ja nicht ausbreitet, und da Kultur vollbesetzte Spielstätten braucht, greifen wir der leidenden Lufthansa unter die Arme und versehen jeden Flug mit einer Kulturveranstaltung. Dann ist die Frage nicht: Wie komme ich von A nach B? Sondern: Fliege ich mit den Symphonikern nach München, oder lieber im Kabarett nach Frankfurt? Oder gleich mit dem Ballett nach Palma? Das macht den Flug zwar ein wenig teurer, aber so kommen alle auf ihre Kosten!

Warum wir Rassisten sind!

„Warum hat ein Schwarzer weiße Handflächen?“ Antwort: „Damit er die Baumwolle nicht schmutzig macht!“ So etwas konnte man bis vor kurzem noch bei Facebook unter „Schwarzer Humor“ finden. Was ziemlich farbenblind ist – in Wahrheit ist dieser Humor natürlich nicht schwarz, sondern tiefbraun…

Besonders wichtig ist die gegenwärtige Rassismus-Diskussion für all jene total aufgeklärten, liberalen, gleichberechtigungswütigen Bürger. Leute wie mich. Die nicht frei von subtilem Rassismus sind. Die bis vor einigen Jahren noch Sprüche amüsant fanden wie: „Es heißt nicht mehr Negerkuss, sondern Schaumkuss mit Migrationshintergrund“. Diese Art Flachwitz ist mittlerweile so out wie Händeschütteln oder Gruppensex mit Fremden ohne Kondom und Mundschutz. Statt des beleidigten „Was darf man heute überhaupt noch sagen“ stünde uns vielleicht etwas Demut besser zu Gesicht – und eine leichte Unsicherheit.

Gottseidank gibt es auch schwarzen Humor, der wahr ist: „Schrecklich,“ sagte der Südstaaten-Sheriff, als er die schwarze Leiche mit den 23 Einschusslöchern betrachtete, „einer der fürchterlichsten Selbstmorde, den ich je gesehen habe…“ Oder dieses Zitat: „100 Weiße, die einen Schwarzen verfolgen – früher hieß das „Ku Klux Klan“ – heute „Golf“ (Tiger Woods, afroamerikanische Golflegende).

Vorbildlich in der Sprache ist erstaunlicherweise die Finanzwelt. Denn hier sind „schwarze Zahlen“ etwas Positives. Im Gegensatz zu roten Zahlen – was natürlich die Frage aufwirft, was Banken eigentlich gegen Indianer haben. Oder gegen Gewerkschafter… Aber auch hier gibt es einen Grenzbereich, wie folgende Anekdote illustriert: „Müller, als Buchhalter sollten sie die schwarzen Zahlen mit schwarzer Tinte schreiben.“ „Wir haben keinen schwarzen Füller.“ „Dann kaufen Sie einen, um Himmels willen!“ „Dann wären die Zahlen aber wieder rot…“

Warum wir jetzt alle reich werden!

„Wumms“ wird vermutlich Wort des Jahres. Nachdem die Bundesregierung jetzt ein Konjunkturpaket für 130 Milliarden Euro schnürte, weil wir „mit einem Wumms aus der Krise“ (Olaf Scholz, Vizekanzler) kommen wollen, wird es den Rest dieses Jahres nur noch „wummsen“.

Besonders bitter für mich als professionellen Nörgler: Diesmal gibt es nicht so wahnsinnig viel auszusetzen. Senkung der Mehrwertsteuer, Geld für Kinder, billigerer Strom, Entlastung der Kommunen – macht alles Sinn. Wumms! Das ist natürlich eine zusätzliche Demütigung meines Berufsstandes: Erst schließen die Theater – und dann kann man noch nicht mal mehr privat meckern. Weiß die Bundesregierung nicht, dass so ein indirekter Maulkorb die Unzufriedenheit vieler jetzt schon Unzufriedener steigert? Unzufriedene, die noch nicht mal mehr genau wissen, weshalb sie eigentlich unzufrieden sind – außer natürlich wegen dem „Turbokapitalismus“, der „ganzen Kriminalität“ und natürlich dem „Impfzwang“, nicht zu vergessen die „ganzen Muslime“, welche die Abstandsregeln verletzen (Göttingen! Zuckerfest! Hallo?!), als ob sie nicht wüssten, dass nur „Bio-Deutsche“ das dürfen…

Gottseidank leide ich nicht allein. Wumms gemacht hat es nämlich auch für die Auto-Industrie. Selbst nachdem deren Lobbyisten die Politik mit einer Intensität umgarnten, der man nur mit Not das Prädikat „sexuelle Bedrängung“ aberkennen konnte, gibt es diesmal keine Abwrackprämie. Außer für E-Autos. Und wahrscheinlich für Plug-In Hybride. Plug-In Hybrid ist autodeutsch für: „kleiner E-Motor, der für wenige Kilometer Stadtfahrt ausreicht, wenn Papi nicht vergessen hat, ihn zu laden, bevor dann der fette Diesel- oder Benzin-Motor dazu schaltet“. Versähe man jeden Verbrenner mit einem klitzekleinen E-Motor (ausreichend für 10 Kilometer und einen Haar-Fön), schon hätte man wieder seine Abwrackprämie…

Na, also. Geht doch. Doch noch was gefunden. Uff. Wumms!

Warum Krisen eskalieren

Vor ein paar Tagen fuhr ich in den Baumarkt. Genauer gesagt: in den Baumarkt Drive-In – da, wo nur ganze Kerle reinfahren, die Zementsäcke direkt in den Kofferraum laden, um sie nicht schleppen zu müssen. Oder, wie in meinem Fall, Blumenerde. Vor mir ein Handwerker-Transporter, mit einem echten Kerl als Fahrer. Auch er hält bei der Blumenerde. Als er ein paar Säcke eingeladen hat, rücke ich vor, um nicht so weit schleppen zu müssen. Dadurch behindere ich allerdings seinen direkten Weg zur Ladeklappe, was er auch lautstark moniert: „Eh, sach ma, geht’s noch? Hast du’n A…. offen?“ Ich realisiere, dass ich einen Fehler gemacht habe, und setze wieder zurück.

In dem Augenblick zeigt sich, dass in der Corona-Krise die Nerven wesentlich blanker liegen als sonst. Er beschimpft mich einfach weiter: „Was bist du denn für ne Flachpfeife, du Wich…?“ Hier wäre de-eskalierende Kommunikation angebracht gewesen. Etwas in der Art von: „Ich entsinne mich nicht, dass wir einander das Du angeboten hätten.“ Oder: „Gottseidank ist das Wich… ja eine Tätigkeit, die selbst Flachpfeifen relativ intuitiv beherrschen.“ Stattdessen schrie ich relativ einfallslos zurück: „Selber Wich…!“

Nun setzte sich das in Gang, was Fachleute als „Eskalations-Spirale“ oder „Regression“ bezeichnen. Er kontert mit einem „Du dummes, hässliches A….loch!“ Ich mit dem Spruch, der schon meine Geschwister in Kinderjahren wild machte: „Selber 1000 Mal a….lochiger!“

Jetzt ist er nicht mehr zu bremsen: „Sag mal, bist du schwul oder was?“ Auch hier verpasste ich die eleganten Antworten wie: „Leider bin ich für Homosexualität nicht stilsicher genug.“: Stattdessen röhre ich: „Du bist doch 1000 Mal schwuler als ich!“ Das führt bei ihm zum laut gebrüllten Wunsch, mich anal zu beglücken: „Ich f… dich in den A…., du W…“ Steilvorlage für: „Da schlummern also in der Tat homosexuelle Fantasien“ oder „Nanana, dafür ist die Situation jetzt vielleicht doch nicht erotisch genug“ oder eben, wie in meinem Fall, die zurück gebrüllte Ansage, dass seine Potenz dafür vermutlich nicht ausreicht…

Wir verabschieden uns mit dem gegenseitigen Wunsch nach „einem beschissenen Wochenende“. Ich bin nicht stolz darauf. Auch hier hätte es die Möglichkeit vieler reflektierter Repliken gegeben. Aber wenn die Nerven blank liegen, ist Schlagfertigkeit nur das, was einem auf dem Nachhauseweg einfällt. 

Warum wir jetzt Großverbreiter sind!

„Weißt du, was ich mal werden möchte, wenn ich groß bin?“ fragt mich mein 12jähriger Neffe. Da seine Berufswünsche sich im Wochenrhythmus ändern, frage ich nur mäßig interessiert nach: „Na?“ – in der Erwartung, wie so häufig „YouTuber“ zu hören oder „Influencer“. „Superspreader!“ schleudert er mir begeistert entgegen.

Das ist in der Tat neu. Sowohl der Begriff als auch der Beruf. Aber gerade die Ereignisse des letzten Wochenendes haben den „Superspreader“ (korrekt „Ssuperschpredder“ ausgesprochen) mächtig in den Fokus gerückt. Wenn etwa ironischerweise ein Restaurant in Leer zu voll ist… Was mich zu folgendem Limerick inspiriert: „Es war mal ne Kneipe in Leer, da ging es wohl ziemlich hoch her, mit Vadder und Vedder – als Superspreader – jetzt geht in Leer bald nix mehr!“ Auch das gemeinsame Beten in Frankfurt erwies sich als fatal, was viele Interpretationen zulässt von „da steckt der Teufel drin“ über „Gott bevorzugt stille und einsame Gebete“ bis hin zu „der Herr hat eure Gebete erhört und will die Seinen zu sich holen“.

Nun ist die Idee starker Vervielfältigung nicht neu. Häufig waren Superspreader ein Segen für die Menschheit. Die Buchpresse etwas war ein Superspreader für die Ideen der Aufklärung. Das Internet ist ein Superspreader für Kontakt und Produktivität, aber auch für Schwachsinn und Verklärung. Einige Männer träumen davon, Superspreader für Nachkommen zu sein. Nicht auszudenken, was Bob Marley (der zwischen 22 und 46 Kinder zeugte – die Dunkelziffer ist hoch) mit Hilfe von Tinder anrichten könnte…

Es gibt viele gute Gründe, Superspreader der einen oder anderen Art zu werden. Nur als „Corona-Superspreader“ möchte man nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Mein Neffe ist den Tränen nah. „Was soll das heißen: Es gibt keine Ausbildung für Superspreader? Was ist mit ,Gewohnheitstrinker‘? Geht das etwa auch nicht? Ist es dir vielleicht lieber, wenn ich „Arbeitslosigkeit“ studiere? Und gleich Pilot werde?“ Er ist gerade in einer etwas schwierigen Phase…

Warum wir jetzt verunsichert sind!

Kennen Sie den? Kommt ein Versicherungsvorstand mit einer Ente unterm Arm in ne Kneipe. Fragt der Wirt: „Was machen Sie denn hier mit dem Schwein?“ Antwortet der Versicherungsvorstand: „Wieso Schwein? Können Sie nicht sehen, dass das eine Ente ist?“ Darauf der Wirt: „Ich habe nicht mit Ihnen geredet. Sondern mit der Ente!“

Im Vergleich zum Verhältnis zwischen Gastronomen und Versicherern ist die Beziehung zwischen Donald Trump und Barack Obama geradezu eine Liebesgeschichte. Der Volksmund wusste schon immer: „Wer nichts wird, wird Wirt“. Seit Corona gilt: „Wer Wirt wird, wird nichts mehr.“ Kaum eine andere Branche wurde von der Krise so hart erwischt wie die Gastronomie. Nun haben allerdings viele Wirte vorgesorgt und für den Fall krankheitsbedingter Schließungen eine Versicherung abgeschlossen. Leider wollen viele Versicherer jedoch nicht zahlen. Mit Argumenten, die teils so windig sind, dass Xavier Naidoos Verschwörungstheorien im Vergleich grundsolide wirken…

So schrieb die Bayrische Versicherungskammer noch am 4. März, das Coronavirus sei im Deckungsumfang bestehender Betriebsschließungsversicherungen enthalten. Wenige Wochen später (vermutlich hatte zwischenzeitlich jemand nachgerechnet, was das Ganze kosten würde) konnte sie sich daran nicht mehr so recht erinnern. Auf einmal meinte sie, dass der Deckungsumfang sich nicht auf flächendeckende Schließungen beziehe. Flächendeckend geschlossen war in diesem Fall also auch die Erinnerungskultur der Versicherung

Dieser „das war doch nicht so gemeint“-Ansatz kommt bei den Wirten nicht so wahnsinnig gut an. Und so bleibt bei vielen das Gefühl, dass die Vorsilbe „ver“ häufig einen Irrtum einleitet: Ver-laufen, ver-spekuliert, ver-heiratet – oder eben ver-sichert. So gesehen macht die Versicherung nicht sicherer, sondern nur ärmer.

Chin wieder Live am 7.5.

Am 7. Mai könnt ihr mich wieder live in den Wühlmäusen erleben! Natürlich mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand – daheim vor dem Rechner. Von 19 bis 20 Uhr veranstalte ich aus den Wühlmäusen eine Zoom-Show: Krisen-Kabarett für den Finanzwende e.V. (mehr dazu unter www.finanzwende.de) – hier der Link dazu: https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_QV0MjEAqSTinoYWDUip4Fg

Warum wir jetzt nicht mehr parken!

Seit gestern leben wir in einem neuen Zeitalter. Jedenfalls die Autofahrer unter uns. Gegen das, was man jetzt für Ordnungswidrigkeiten zahlen muss, wirken manche Corona-Ausfälle wie Schnäppchen. Der ADAC schäumt, und die FDP überlegt, eine neue Initiative zu gründen: PAGIDA – „Pampige Autofahrer Gegen die Insolvenz des Abendlandes“. Die Grünen hingegen feiern es als Initiative, die das Leben für Radfahrer verlängert – allerdings nur, solange unbewusst Corona-Infizierte nicht aus finanzieller Vorsicht aufs Rad umsteigen und beim gemeinsamen Warten an der Ampel „ungeschützt“ husten…

Unter anderem wird kritisiert, dass das Parken auf Schwerbehinderten- sowie Parkplätzen für E-Autos gleich teuer wird (55 Euro) – wobei allerdings nicht ganz klar ist, ob Menschen mit einem Elektro-SUV nicht ohnehin geistig so schwerbehindert sind, dass man die Fahrerlaubnis zumindest in Frage stellen sollte. Auch „Unnützes Hin- und Herfahren“ wird teurer – von 20 auf gleich bis zu 100 Euro. Nun ist leider nicht ganz geklärt, was unnützes Hin- Und Herfahren eigentlich ist: Nur das illegale Autorennen auf dem Kudamm? Oder auch die Unternehmergattin, die die gleiche Strecke im Panamera zurücklegt, um einen neuen Brillanten zu erwerben? Oder sogar der umweltbewusste Architekt, der im Elektro-SUV zum Bioladen fährt? Oder ist angesichts der Endlichkeit des Seins „unnützes Hin- und Herfahren“ nicht eine Metapher für unser gesamtes Leben?

Angesichts der Tatsache, dass ein Sechser im Lotto oder ein intelligenter Einfall von Donald Trump wahrscheinlicher sind als ein bezahlbarer Parkplatz in der Innenstadt, stehen viele Menschen vor der qualvollen Wahl: wirtschaftlicher Ruin durch Bußgelder oder gesundheit- und zeitlicher Ruin durch Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Nur das „Geblitzt-werden“ mit überhöhter Geschwindigkeit muss man nicht wirklich fürchten – wer kann unter der Atemschutzmaske schon einwandfrei identifiziert werden?

Chin auf WDR 5

am 19.10. ab 15.05 freue ich mich auf „Hart an der Grenze“ mit Fatih Cevikollu, den Zucchini Sistaz, meiner Wenigkeit sowie den Gastgebern Wilfried Schmickler und Gernot Voltz

Warum wir uns wiedervereinigen!

Heute ist der Tag der Einheit. Wobei der Begriff nach wie vor Fragen aufwirft. „Was ist das? Einheit?“ fragen jüngere Menschen gern. „Keine Ahnung,“ sagen die Älteren dann. „Vermutlich ein seltenes Tier. Ein Heit! So wie ;Ein Hirsch‘…“

Häufig krankt die Einheit ja auch an der Mehrdeutigkeit von Begriffen. „Wir werden ja von Ausländern überrannt“, sagt vielleicht der Sachse – und der Bayer pflichtet ihm bei: „Haargenau – neulich kam sogar ein Rudel Ossis über die Grenze!“

Was die Reiseneigung angeht, fahren übrigens neuen Studien zufolge 65 Prozent der Ostdeutschen gern in den Osten – im Gegensatz zu nur 34 Prozent der Westdeutschen. Betrachtet man allerdings die traurige Tatsache, dass nur 19 Prozent der Ostdeutschen gern in den Westen fahren, und auch nur 26 Prozent der Westdeutschen gern in den Westen fährt… dann muss man einfach brutal feststellen: Niemand will nach Gelsenkirchen…

Westdeutsche werfen Ostdeutschen zu 36 Prozent und Muslimen zu 58,6 Prozent vor, noch nicht im heutigen Deutschland angekommen zu sein. Muslime sind anscheinend die ganz schlimmen, sozusagen die Fern-Ossis. Stolze 66 Prozent aller Ostdeutschen sind der Ansicht, dass die Fern-Ossis noch nicht im heutigen Deutschland angekommen sind – davon 90 % derjenigen Ossis, die sich ebenfalls noch auf der Migration ins heutige Deutschland befinden. 

Allerdings haben 83 Prozent der Westdeutschen, die zu den 36% zählen, die den Ostdeutschen vorwerfen, noch nicht im heutigen Deutschland angekommen zu sein, das heutige Deutschland bereits Richtung „Anglizististan“ oder „Internet-Shopping-Welt“ verlassen!

In einem sind sich allerdings gerade die Berliner einig: über 80 Prozent der ost- und westdeutschen Berliner sind der Ansicht, dass Berliner eine andere Sicht auf die Teilung haben. Und die 20 Prozent Schwaben – die kriegen wir mit vereinten Kräften auch noch raus! Wiedervereinigung geht auch über vereinte Feindbilder. Doch wo bleibt der Mensch? Häufig sieht man ja das schöne Land vor lauter „Wessi-Ossi-Kotzis“ nicht mehr.