Autor: Chin Meyer

Warum wir jetzt Großverbreiter sind!

„Weißt du, was ich mal werden möchte, wenn ich groß bin?“ fragt mich mein 12jähriger Neffe. Da seine Berufswünsche sich im Wochenrhythmus ändern, frage ich nur mäßig interessiert nach: „Na?“ – in der Erwartung, wie so häufig „YouTuber“ zu hören oder „Influencer“. „Superspreader!“ schleudert er mir begeistert entgegen.

Das ist in der Tat neu. Sowohl der Begriff als auch der Beruf. Aber gerade die Ereignisse des letzten Wochenendes haben den „Superspreader“ (korrekt „Ssuperschpredder“ ausgesprochen) mächtig in den Fokus gerückt. Wenn etwa ironischerweise ein Restaurant in Leer zu voll ist… Was mich zu folgendem Limerick inspiriert: „Es war mal ne Kneipe in Leer, da ging es wohl ziemlich hoch her, mit Vadder und Vedder – als Superspreader – jetzt geht in Leer bald nix mehr!“ Auch das gemeinsame Beten in Frankfurt erwies sich als fatal, was viele Interpretationen zulässt von „da steckt der Teufel drin“ über „Gott bevorzugt stille und einsame Gebete“ bis hin zu „der Herr hat eure Gebete erhört und will die Seinen zu sich holen“.

Nun ist die Idee starker Vervielfältigung nicht neu. Häufig waren Superspreader ein Segen für die Menschheit. Die Buchpresse etwas war ein Superspreader für die Ideen der Aufklärung. Das Internet ist ein Superspreader für Kontakt und Produktivität, aber auch für Schwachsinn und Verklärung. Einige Männer träumen davon, Superspreader für Nachkommen zu sein. Nicht auszudenken, was Bob Marley (der zwischen 22 und 46 Kinder zeugte – die Dunkelziffer ist hoch) mit Hilfe von Tinder anrichten könnte…

Es gibt viele gute Gründe, Superspreader der einen oder anderen Art zu werden. Nur als „Corona-Superspreader“ möchte man nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Mein Neffe ist den Tränen nah. „Was soll das heißen: Es gibt keine Ausbildung für Superspreader? Was ist mit ,Gewohnheitstrinker‘? Geht das etwa auch nicht? Ist es dir vielleicht lieber, wenn ich „Arbeitslosigkeit“ studiere? Und gleich Pilot werde?“ Er ist gerade in einer etwas schwierigen Phase…

Warum wir jetzt verunsichert sind!

Kennen Sie den? Kommt ein Versicherungsvorstand mit einer Ente unterm Arm in ne Kneipe. Fragt der Wirt: „Was machen Sie denn hier mit dem Schwein?“ Antwortet der Versicherungsvorstand: „Wieso Schwein? Können Sie nicht sehen, dass das eine Ente ist?“ Darauf der Wirt: „Ich habe nicht mit Ihnen geredet. Sondern mit der Ente!“

Im Vergleich zum Verhältnis zwischen Gastronomen und Versicherern ist die Beziehung zwischen Donald Trump und Barack Obama geradezu eine Liebesgeschichte. Der Volksmund wusste schon immer: „Wer nichts wird, wird Wirt“. Seit Corona gilt: „Wer Wirt wird, wird nichts mehr.“ Kaum eine andere Branche wurde von der Krise so hart erwischt wie die Gastronomie. Nun haben allerdings viele Wirte vorgesorgt und für den Fall krankheitsbedingter Schließungen eine Versicherung abgeschlossen. Leider wollen viele Versicherer jedoch nicht zahlen. Mit Argumenten, die teils so windig sind, dass Xavier Naidoos Verschwörungstheorien im Vergleich grundsolide wirken…

So schrieb die Bayrische Versicherungskammer noch am 4. März, das Coronavirus sei im Deckungsumfang bestehender Betriebsschließungsversicherungen enthalten. Wenige Wochen später (vermutlich hatte zwischenzeitlich jemand nachgerechnet, was das Ganze kosten würde) konnte sie sich daran nicht mehr so recht erinnern. Auf einmal meinte sie, dass der Deckungsumfang sich nicht auf flächendeckende Schließungen beziehe. Flächendeckend geschlossen war in diesem Fall also auch die Erinnerungskultur der Versicherung

Dieser „das war doch nicht so gemeint“-Ansatz kommt bei den Wirten nicht so wahnsinnig gut an. Und so bleibt bei vielen das Gefühl, dass die Vorsilbe „ver“ häufig einen Irrtum einleitet: Ver-laufen, ver-spekuliert, ver-heiratet – oder eben ver-sichert. So gesehen macht die Versicherung nicht sicherer, sondern nur ärmer.

Chin wieder Live am 7.5.

Am 7. Mai könnt ihr mich wieder live in den Wühlmäusen erleben! Natürlich mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand – daheim vor dem Rechner. Von 19 bis 20 Uhr veranstalte ich aus den Wühlmäusen eine Zoom-Show: Krisen-Kabarett für den Finanzwende e.V. (mehr dazu unter www.finanzwende.de) – hier der Link dazu: https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_QV0MjEAqSTinoYWDUip4Fg

Warum wir jetzt nicht mehr parken!

Seit gestern leben wir in einem neuen Zeitalter. Jedenfalls die Autofahrer unter uns. Gegen das, was man jetzt für Ordnungswidrigkeiten zahlen muss, wirken manche Corona-Ausfälle wie Schnäppchen. Der ADAC schäumt, und die FDP überlegt, eine neue Initiative zu gründen: PAGIDA – „Pampige Autofahrer Gegen die Insolvenz des Abendlandes“. Die Grünen hingegen feiern es als Initiative, die das Leben für Radfahrer verlängert – allerdings nur, solange unbewusst Corona-Infizierte nicht aus finanzieller Vorsicht aufs Rad umsteigen und beim gemeinsamen Warten an der Ampel „ungeschützt“ husten…

Unter anderem wird kritisiert, dass das Parken auf Schwerbehinderten- sowie Parkplätzen für E-Autos gleich teuer wird (55 Euro) – wobei allerdings nicht ganz klar ist, ob Menschen mit einem Elektro-SUV nicht ohnehin geistig so schwerbehindert sind, dass man die Fahrerlaubnis zumindest in Frage stellen sollte. Auch „Unnützes Hin- und Herfahren“ wird teurer – von 20 auf gleich bis zu 100 Euro. Nun ist leider nicht ganz geklärt, was unnützes Hin- Und Herfahren eigentlich ist: Nur das illegale Autorennen auf dem Kudamm? Oder auch die Unternehmergattin, die die gleiche Strecke im Panamera zurücklegt, um einen neuen Brillanten zu erwerben? Oder sogar der umweltbewusste Architekt, der im Elektro-SUV zum Bioladen fährt? Oder ist angesichts der Endlichkeit des Seins „unnützes Hin- und Herfahren“ nicht eine Metapher für unser gesamtes Leben?

Angesichts der Tatsache, dass ein Sechser im Lotto oder ein intelligenter Einfall von Donald Trump wahrscheinlicher sind als ein bezahlbarer Parkplatz in der Innenstadt, stehen viele Menschen vor der qualvollen Wahl: wirtschaftlicher Ruin durch Bußgelder oder gesundheit- und zeitlicher Ruin durch Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Nur das „Geblitzt-werden“ mit überhöhter Geschwindigkeit muss man nicht wirklich fürchten – wer kann unter der Atemschutzmaske schon einwandfrei identifiziert werden?

Chin auf WDR 5

am 19.10. ab 15.05 freue ich mich auf „Hart an der Grenze“ mit Fatih Cevikollu, den Zucchini Sistaz, meiner Wenigkeit sowie den Gastgebern Wilfried Schmickler und Gernot Voltz

Warum wir uns wiedervereinigen!

Heute ist der Tag der Einheit. Wobei der Begriff nach wie vor Fragen aufwirft. „Was ist das? Einheit?“ fragen jüngere Menschen gern. „Keine Ahnung,“ sagen die Älteren dann. „Vermutlich ein seltenes Tier. Ein Heit! So wie ;Ein Hirsch‘…“

Häufig krankt die Einheit ja auch an der Mehrdeutigkeit von Begriffen. „Wir werden ja von Ausländern überrannt“, sagt vielleicht der Sachse – und der Bayer pflichtet ihm bei: „Haargenau – neulich kam sogar ein Rudel Ossis über die Grenze!“

Was die Reiseneigung angeht, fahren übrigens neuen Studien zufolge 65 Prozent der Ostdeutschen gern in den Osten – im Gegensatz zu nur 34 Prozent der Westdeutschen. Betrachtet man allerdings die traurige Tatsache, dass nur 19 Prozent der Ostdeutschen gern in den Westen fahren, und auch nur 26 Prozent der Westdeutschen gern in den Westen fährt… dann muss man einfach brutal feststellen: Niemand will nach Gelsenkirchen…

Westdeutsche werfen Ostdeutschen zu 36 Prozent und Muslimen zu 58,6 Prozent vor, noch nicht im heutigen Deutschland angekommen zu sein. Muslime sind anscheinend die ganz schlimmen, sozusagen die Fern-Ossis. Stolze 66 Prozent aller Ostdeutschen sind der Ansicht, dass die Fern-Ossis noch nicht im heutigen Deutschland angekommen sind – davon 90 % derjenigen Ossis, die sich ebenfalls noch auf der Migration ins heutige Deutschland befinden. 

Allerdings haben 83 Prozent der Westdeutschen, die zu den 36% zählen, die den Ostdeutschen vorwerfen, noch nicht im heutigen Deutschland angekommen zu sein, das heutige Deutschland bereits Richtung „Anglizististan“ oder „Internet-Shopping-Welt“ verlassen!

In einem sind sich allerdings gerade die Berliner einig: über 80 Prozent der ost- und westdeutschen Berliner sind der Ansicht, dass Berliner eine andere Sicht auf die Teilung haben. Und die 20 Prozent Schwaben – die kriegen wir mit vereinten Kräften auch noch raus! Wiedervereinigung geht auch über vereinte Feindbilder. Doch wo bleibt der Mensch? Häufig sieht man ja das schöne Land vor lauter „Wessi-Ossi-Kotzis“ nicht mehr.

Warum Erregung auch nicht immer das Gelbe vom Ei ist!

Erregung! Zweifelsohne eine schöne Sache, ohne die die meisten von uns sicherlich nicht hier wären. Erregung ist gewissermaßen das Salz in der Suppe des Lebens. Leider ist die Suppe mittlerweile gründlich versalzen. Denn mittlerweile sind wir permanent erregt. „Wie bitte?! Ja, geht’s denn noch?“ könnte die erregte Überschrift unseres Lebens lauten. Überall Gefahr! Wir sind nirgends mehr sicher. Wohin kann man im Urlaub denn überhaupt noch fahren? Ins Ausland schon mal gar nicht. Asien – Igitt! Doch auch Sachsen-Anhalt kann gefährlich werden, wenn man zu gebräunt (nur Hautfarbe, keine Sorge…) daherkommt. Ja, geht’s denn noch?

Wir können auch nix mehr essen. Ostereier? Tödlich – entweder wegen Zucker (Schoko-Eier) oder wegen Cholesterin (Hühnereier). Selbst Avocados, lange das Eldorado aller Veganer, sind zutiefst umweltfeindlich. Wie bitte?! Ja, Veganer sorgen für Abholzung tropischer Regenwälder in Avocado-Anbaugebieten und haben eine Klima-Bilanz, die fast an die von Steak-Lovern heranreicht, welche natürlich durch ihr fleisch-fressendes Raubtierverhalten dem Planeten den letzten Sargnagel eintreiben.

Natürlich geht die Erregung auch andersrum: „Wie haben wir nur früher überlebt, in Autos ohne Sicherheitsgurts und Airbags?“ lautet eine Zeile aus einem gern weiter geleiteten Internet-Text, der die Segnungen einer Kindheit in den 60gern oder 70gern glorifiziert – die traurige Wahrheit ist natürlich: Viele von uns haben genau deshalb nicht überlebt (1970 kamen über 20.000 Menschen auf (west)deutschen Straßen um, heute sind es etwa 3000).

Vielleicht muss die permanente Erregung in homöopathischen Dosen ausgeschlichen werden. Als erstes schenkt man sich das Kürzel OMG (oh my God), dann den Satz „ja, geht’s denn noch?!“, schließlich wird auch das „Wie bitte?!“ in all seinen Varianten eliminiert. Wer beim Schauen eines Boulevard-Magazin wohltuende Langeweile empfindet, gilt als geheilt und darf wieder am Straßenverkehr teilnehmen.

Chin im BR2 Radio

in der wunderbaren Serie Radio-Spitzen mit Maxi Schaffroth, Suchtpotential und Teresa Rios bin ich gleich zwei Mal auf Radio Bayern 2 in diesem Frühjahr: am 5. April ab 14.05, Wiederholung am 6. April ab 20.05, sowie am 3. und 4. Mai, ebenfalls um 14.05 und 20.05.

https://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/ausstrahlung-1708806.html

Chin im Kulturradio des RBB

Ich freu mich auf das wunderbare Porträt von Christine Deggau am 4.4. um 6.10 und um 11.10 – rechtzeitig zur Premiere am selben Abend.

https://www.kulturradio.de/programm/schema/sendungen/kulturradio_am_vormittag/archiv/20190404_0905/das_portraet_wdh_1110.html

Chin wieder in der ARD

Es ist mir eine besondere Freude, euch auf die sehr gelungene Sendung mit Alfons und mir (just the 2 of us…) aufmerksam zu machen, die am 28.03. im der ARD um 23.30 ausgestrahlt wird: „Alfons und Gäste“ mit Chin Meyer

Wie wir die Wohnungsnot bekämpfen!

Die Wohnungsnot in deutschen Großstädten nimmt immer mehr zu. Eine Freundin berichtete neulich von einem Angebot der Anmietung einer Wohnung – für knapp 50.000 Euro! Abstand, wohlgemerkt, nicht Kaufpreis der gesamten Wohnung. Sie nahm dann Abstand vom Abstand und sucht immer noch. Nun ist Abstand in vielen Fällen sinnvoll. Etwa im Falle einer sexuellen Belästigung. Auf dem umkämpften Wohnungsmarkt kann er allerdings zum hinterlistigen Geschäftsmodell werden. Menschen mit hoher Bonität mieten eine Wohnung, richten sie spärlich mit Billigmöbeln ein und zocken dann den Nachmieter ab – da offenbart dann ein Ikea-Billig-Bettgestell mit Namen „Rekdal“ (gab es wirklich!) seinen wahren Charakter…

Immer mehr gerade weibliche Wohnungssuchende berichten überdies von günstigen Mietangeboten (leider auch wahr) – für die sie allerdings sexuelle Dienstleistungen erbringen sollen. Wer sich im Job nicht mehr „hochschlafen“ möchte, kann sich jetzt also ein „Heim-poppen“.

Eine Lösung könnte gerade in Städten mit hohem Single-Anteil sein: Partner- mit Wohnungssuche kombinieren. Wer im Netz „gematcht“ wird, muss sofort für mindestens eine Woche zusammenwohnen – da weiß man sofort, ob es für länger klappt. Wenn nicht, dreht sich das Beziehungskarussell endlich mal etwas schneller.

Außerdem gibt doch noch viele ungenutzte Flächen. Friedhöfe etwa – da wohnen Menschen weit unterhalb des Mietspiegels. Das ist wirklich unterirdisch! Um die Gräber nicht zu entweihen, entstehen auf den Friedhöfen luftige Pfahlbauten. Das ist auch umwelttechnisch sinnvoll – im Falle eines Ablebens nimmt man nur den Fahrstuhl nach unten und muss nach „Antritt der letzten Fahrt“ nicht mehr groß CO2 ausstoßen.

Was ist mit Regierungsgebäuden, die nur tagsüber genutzt werden? Ein paar Schlafsofas in Konferenzräumen böten hier Arbeitnehmern, die sowieso tagsüber arbeiten, eine sinnvolle Bleibe – die Aktion „Schnarchen im Bundestag“ wäre dann endlich mal kein Privileg mehr für Hinterbänkler!

Mit ein bisschen guten Willen ist so viel möglich…

 

Warum ein harter Brexit Berlin reich macht!

Exportnation zu sein, hat auch Nachteile: Ständig Ausländern Dinge zu verkaufen, sich so in Sklaverei vom Ausland zu begeben und dann abhängig von deren Zahlungsmoral zu sein – das ist „Pfui“, würde die AfD vermutlich sagen. Doch Exportnation hin oder her: ein harter Brexit wäre der größte Schocker seit „Aliens“. Wobei das natürlich ungerecht ist: Aliens haben wenigstens eine nachvollziehbare Intelligenz.

Die wirtschaftlichen Schockwellen eines Chaos-Brexits träfen vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Hunderttausend Arbeitsplätze gehen dann über die Wupper – oder korrekter gesagt über Neckar und Donau. Der Süden Deutschlands wird zum Notstandsgebiet. Endlich mal ist dann Berlin gefragt. Vergessen und vergeben die Zeiten, als der FC Bayern München noch in der Lage war, Hertha BSC zu schlagen. Oder als Schwaben in Berlin den fetten Max machten. Schwamm drüber.

Denn jetzt brauchen die Bayern und die Schwaben uns. Es wird Care-Pakete mit dem Lebensnotwendigsten geben: Schokolade, Rosinen, warme Decken. Eine Luftbrücke nach Süden sollte schleunigst geplant werden… Gut, das wird vielleicht schwierig. Weil „ohne Flughafen in die Luft zu gehen“ eine Kunst ist, die nur Donald Trump so richtig gut beherrscht. So mieten wir dann von Kreuzberger Türken die Transit-Busse für eine „München-Rutsche“, um der Not leidenden Bevölkerung Süddeutschlands zur Seite zu stehen.

Die Konsequenzen sind vielfältig. Stuttgart wird aufgrund der Wirtschaftskrise und des dadurch zurückgehenden Verkehrs zur Stadt mit der saubersten Luft Deutschlands. Berliner mit alten Dieseln fahren hin, um die Stickoxid-Werte in vertrauten Regionen zu halten, nachdem verschiedene Menschen unter Sauerstoff-Schock kollabierten. Bayern-Mädels in Dirndln werden nach Berlin verschickt, um der Not auf dem Land zu entgehen. Und ein ausgemergelter Markus Söder in viel zu großen Lederhosen schleppt sich mit letzter Kraft in die Hauptstadt: „Haste mal’n Flughafen für mich!“

Warum wir jetzt sichere Grenzen haben!

Das Berliner Sado-Maso-Drama färbt ab. Ich glaube, demnächst gibt es Menschen mit einem neuen Hobby: Andere „verhorsten“ In einer Bäckerei etwa ginge das so: „Was darf es sein? fragte die Bäckerin. „Ein Roggenbrötchen.“ „Ok.“ „Nee, doch nicht.“ „Was möchten Sie stattdessen.“ „Dann doch ein Roggenbrötchen.“ „Was soll das?“ „Ich wollte nur mal kurz vom Rücktritt zurücktreten.“

Aber jetzt ist wieder alles gut. Dank der Einrichtung von „Transitzentren“. „Transitzentrum“ – das kennt der Bayer schließlich vom Oktoberfest: da heißt es allerdings Ausnüchterungszelle. Aber wird die SPD da mitmachen? Nicht, wenn es Transitzentrum heißt. „Transitlounge“… das müsste gehen. Das erinnert die Genossen an den letzten Kanada-Urlaub… Einfach ein paar bequeme Ikea-Stühle reinstellen, fertig ist die Lounge. Ganz eifrige Nutzer können sogar Bonusmeilen sammeln…

Ausgefuchst hat die Regierung einen neuen juristischen Tatbestand geschaffen: Die „Fiktion einer Nichteinreise“ – sich im Transit-Zentrum aufhaltende Asylsuchende zählen als nicht eingereist, obwohl sie sich in Deutschland aufhalten. Das könnte eine neue Sex-Praktik werden. „Schatz, heute spielen wir „Fiktion einer Nichteinreise“. „Hä?“ „Du denkst beim Liebe machen einfach an den Gärtner!“ „Aber Liebling, das tu ich doch schon seit 20 Jahren…“ „Fiktion einer Nichteinreise“ lässt sich in der CSU gut verkaufen – schließlich behandelt sie ihre Regierungsbeteiligung in Berlin seit Jahren als „Fiktion einer Einreise“.

Den „Schwarzen Peter“ hat jetzt: Österreich. Doch schon heißt es beschwichtigend aus München, bayrische Grenzschützer würden gemeinsam mit Tiroler Kollegen die südliche und östliche Grenze Österreichs schützen. So haben Deutschland und Österreich zum ersten Mal seit 1945 wieder eine gemeinsame Außengrenze – ach, wenn doch der Führer das noch erleben könnte…

 

 

Warum wir jetzt reich werden!

„Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts“, las ich jüngst. Seit gestern sind sie noch wertvoller, denn jetzt gilt die neue DSGVO, die viele verunsichert. Das erfuhr ich gestern beim Arzt. „Hallo, Frau Schmidt,“ begrüßte ich die Assistentin. „Schhhh – bitte keine Klar-Namen,“ erwiderte die, „seit heute gilt die DSGVO – da müssen wir ganz vorsichtig sein.“ Dann schob sie mir ein Formular unter, in dem ich einwilligen musste, mit meinem richtigen Namen angesprochen zu werden sowie meine Adresse für ein Rezept preiszugeben. Außerdem sollte ich zustimmen, dass die Ärztin sich über den Zustand meiner Zunge Notizen macht.

Positiv bei der Sache ist, dass in den letzten Tagen viele Menschen an mich denken. Das geht aus den zahlreichen Emails hervor, die ich von Firmen und Individuen erhalte, mit denen ich noch nie im Leben zu tun hatte. „Bitte lassen Sie uns Ihnen weiterhin Informationen zukommen“ steht dann da, „Ihre Mode-Boutique Blablabla“. Etwas panisch guckte ich, ob nicht auch die Krauss-Maffei-Wegmann GmbH mir geschrieben hatte wegen eines Leopard Panzers, von dem mir neulich träumte. Oder ein russischer Hacker-Club, der mich bat, meine Email weiterhin bei Angriffen aufs Pentagon einzusetzen zu dürfen…

Neulich treffe ich Mark Zuckerberg im Traum und sage zu ihm: “Hey, Mark, lass uns diesen doofen Datenschutz einfach vergessen. Wir beide wissen, dass ihr das sowieso nicht ernst meint. Ich möchte lieber ein Drittel Umsatzbeteiligung für jeden Dollar, den du mit meinen Daten verdienst!“ „Bist du verrückt?“ sagt Mark, „Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts – schon mal gehört, dass eine Goldmine am Umsatz beteiligt wird?“ „Schon mal gehört, dass eine Goldmine auf Facebook Werbung schaltet? Oder diesen sinnlosen Quatsch kauft, den ihr ständig bewerbt?“ erwidere ich. Denn das ist das Schöne – wir sind die Goldmine, aber auch ihr Besitzer. Wir haben es nur irgendwie vergessen…

Warum Merkel schlecht schläft!

„Hilfe! Verfolgung! Religiöse Terroristen! Ich beantrage Asyl!“ Um Mitternacht hämmert die Kanzlerin an die Tür des Justizministeriums. Aus dem Dunkel schallt der Ruf „Islam“. „Sind Sie vor dem IS auf der Flucht?“ fragt Katharina Barley. „Schlimmer. Vor der SS!“ „Die SS?“ „Ja, die Seehofer-Spahn-Fraktion! Der Horst ist ja schon schlimm mit seinem Islamgefasel, aber dieser Spahn raubt mir den letzten Nerv.“ „Tja,“ sinniert die Ministerin, „wo gehobelt wird, fallen Späne.“ „Aber warum muss der Holz-Abfall soviel Unsinn reden? Erst dieser Hartz-Quatsch und jetzt sieht er überall „rechtsfreie Räume“.“

Man sieht Merkel an, dass Heimwerken im Bundestag verbieten möchte – zwecks „Spahn“-Reduzierung. „Schrecklich. Ich konnte nur das Nötigste aus dem Kanzleramt retten.“ Sie deutet auf einen blauen Blazer sowie eine „Rautenhalterung“ aus Plastik für ihre Hände. Außerdem ist da noch ein unförmiges Paket, das sich später als Peter Altmaier entpuppt…

…ich wache auf. War nur ein Traum. Aber Spahns „rechtsfreie Räume“ verfolgen mich. Ist es wirklich so schlimm? Die Kriminalstatistik für Berlin besagt, dass die Diebstähle 2017 um 40 Prozent sanken. Entweder macht die Polizei sehr gute Arbeit – oder wir brauchen mehr rechtsfreie Räume… Ich denke an das Helmut-Schmidt-Zitat: „Wer Visionen hat, muss zum Arzt.“ Vielleicht ist der Spahn medikamentös nicht richtig eingestellt? Doch dann begreife ich: rechtsfreie Räume – er meint Lobbyisten im Bundestag! Vielleicht sollte die Polizei verstärkt vor dem Büro von Jens Spahn patrouillieren? Damit die Kanzlerin ruhiger schläft. Und ich besser träume.