Autor: Chin Meyer

Warum die Künste in die Luft gehen!

Die Lufthansa hat es geschafft, sich von der Politik mit neun Milliarden Euro retten zu lassen. Das ist super – zumindest für die darbenden Aktionäre der Lufthansa. Super auch für Malta – wo etwa 8 Angestellte sechs Milliarden Gewinn für die Lufthansa erzielen – wenn es um Schattenfinanz-Zentren geht, sind Corona-Bonds auf einmal kein Problem mehr…

Wenden wir uns einer weiteren Branche zu, die zurzeit ihren Jahresurlaub nimmt. Und zwar das ganze Jahr: Die Kulturbranche. Sicher, man könnte sagen: Kultur ist unerheblicher Luxus. Man könnte auch sagen: Die Kulturbranche ist mit etwa 100 Milliarden Euro Wertschöpfung und 3 Prozent Anteil am BIP nach der Auto-Industrie die umsatzstärkste Branche in Deutschland. Und mit 1,7 Millionen Menschen, die in ihr arbeiten, sogar noch vor der Auto-Branche die personalintensivste. Aber auch die hat ja ein Rettungspaket erhalten: Eine Milliarde Euro… Und ein Hygiene-Konzept für Theater, das für eine unwirtschaftliche Auslastung der Spielstätten und in Folge für viele Insolvenzen sorgt. Aber so ist es nun mal – das Corona-Virus verbreitet sich in geschlossenen besonders stark, da muss man halt Abstand halten… 

Außer in der Luft, klar. In Flugzeugen gibt es keinen Sicherheitsabstand. Da wird gekuschelt, was das Zeug hält. Vielleicht kommt bald die neue Werbung: „Ihr Bordell hat geschlossen? Fliegen Sie Lufthansa!“ Die Lufthansa konnte halt überzeugend darlegen, dass nicht voll ausgelastete Flugzeuge unrentabel sind. Im Gegensatz zu, sagen wir, Theatern…

Zeit für Kreativität: Da das Virus sich in Flugzeugen anscheinend ja nicht ausbreitet, und da Kultur vollbesetzte Spielstätten braucht, greifen wir der leidenden Lufthansa unter die Arme und versehen jeden Flug mit einer Kulturveranstaltung. Dann ist die Frage nicht: Wie komme ich von A nach B? Sondern: Fliege ich mit den Symphonikern nach München, oder lieber im Kabarett nach Frankfurt? Oder gleich mit dem Ballett nach Palma? Das macht den Flug zwar ein wenig teurer, aber so kommen alle auf ihre Kosten!

Warum wir Rassisten sind!

„Warum hat ein Schwarzer weiße Handflächen?“ Antwort: „Damit er die Baumwolle nicht schmutzig macht!“ So etwas konnte man bis vor kurzem noch bei Facebook unter „Schwarzer Humor“ finden. Was ziemlich farbenblind ist – in Wahrheit ist dieser Humor natürlich nicht schwarz, sondern tiefbraun…

Besonders wichtig ist die gegenwärtige Rassismus-Diskussion für all jene total aufgeklärten, liberalen, gleichberechtigungswütigen Bürger. Leute wie mich. Die nicht frei von subtilem Rassismus sind. Die bis vor einigen Jahren noch Sprüche amüsant fanden wie: „Es heißt nicht mehr Negerkuss, sondern Schaumkuss mit Migrationshintergrund“. Diese Art Flachwitz ist mittlerweile so out wie Händeschütteln oder Gruppensex mit Fremden ohne Kondom und Mundschutz. Statt des beleidigten „Was darf man heute überhaupt noch sagen“ stünde uns vielleicht etwas Demut besser zu Gesicht – und eine leichte Unsicherheit.

Gottseidank gibt es auch schwarzen Humor, der wahr ist: „Schrecklich,“ sagte der Südstaaten-Sheriff, als er die schwarze Leiche mit den 23 Einschusslöchern betrachtete, „einer der fürchterlichsten Selbstmorde, den ich je gesehen habe…“ Oder dieses Zitat: „100 Weiße, die einen Schwarzen verfolgen – früher hieß das „Ku Klux Klan“ – heute „Golf“ (Tiger Woods, afroamerikanische Golflegende).

Vorbildlich in der Sprache ist erstaunlicherweise die Finanzwelt. Denn hier sind „schwarze Zahlen“ etwas Positives. Im Gegensatz zu roten Zahlen – was natürlich die Frage aufwirft, was Banken eigentlich gegen Indianer haben. Oder gegen Gewerkschafter… Aber auch hier gibt es einen Grenzbereich, wie folgende Anekdote illustriert: „Müller, als Buchhalter sollten sie die schwarzen Zahlen mit schwarzer Tinte schreiben.“ „Wir haben keinen schwarzen Füller.“ „Dann kaufen Sie einen, um Himmels willen!“ „Dann wären die Zahlen aber wieder rot…“

Warum wir jetzt alle reich werden!

„Wumms“ wird vermutlich Wort des Jahres. Nachdem die Bundesregierung jetzt ein Konjunkturpaket für 130 Milliarden Euro schnürte, weil wir „mit einem Wumms aus der Krise“ (Olaf Scholz, Vizekanzler) kommen wollen, wird es den Rest dieses Jahres nur noch „wummsen“.

Besonders bitter für mich als professionellen Nörgler: Diesmal gibt es nicht so wahnsinnig viel auszusetzen. Senkung der Mehrwertsteuer, Geld für Kinder, billigerer Strom, Entlastung der Kommunen – macht alles Sinn. Wumms! Das ist natürlich eine zusätzliche Demütigung meines Berufsstandes: Erst schließen die Theater – und dann kann man noch nicht mal mehr privat meckern. Weiß die Bundesregierung nicht, dass so ein indirekter Maulkorb die Unzufriedenheit vieler jetzt schon Unzufriedener steigert? Unzufriedene, die noch nicht mal mehr genau wissen, weshalb sie eigentlich unzufrieden sind – außer natürlich wegen dem „Turbokapitalismus“, der „ganzen Kriminalität“ und natürlich dem „Impfzwang“, nicht zu vergessen die „ganzen Muslime“, welche die Abstandsregeln verletzen (Göttingen! Zuckerfest! Hallo?!), als ob sie nicht wüssten, dass nur „Bio-Deutsche“ das dürfen…

Gottseidank leide ich nicht allein. Wumms gemacht hat es nämlich auch für die Auto-Industrie. Selbst nachdem deren Lobbyisten die Politik mit einer Intensität umgarnten, der man nur mit Not das Prädikat „sexuelle Bedrängung“ aberkennen konnte, gibt es diesmal keine Abwrackprämie. Außer für E-Autos. Und wahrscheinlich für Plug-In Hybride. Plug-In Hybrid ist autodeutsch für: „kleiner E-Motor, der für wenige Kilometer Stadtfahrt ausreicht, wenn Papi nicht vergessen hat, ihn zu laden, bevor dann der fette Diesel- oder Benzin-Motor dazu schaltet“. Versähe man jeden Verbrenner mit einem klitzekleinen E-Motor (ausreichend für 10 Kilometer und einen Haar-Fön), schon hätte man wieder seine Abwrackprämie…

Na, also. Geht doch. Doch noch was gefunden. Uff. Wumms!

Warum Krisen eskalieren

Vor ein paar Tagen fuhr ich in den Baumarkt. Genauer gesagt: in den Baumarkt Drive-In – da, wo nur ganze Kerle reinfahren, die Zementsäcke direkt in den Kofferraum laden, um sie nicht schleppen zu müssen. Oder, wie in meinem Fall, Blumenerde. Vor mir ein Handwerker-Transporter, mit einem echten Kerl als Fahrer. Auch er hält bei der Blumenerde. Als er ein paar Säcke eingeladen hat, rücke ich vor, um nicht so weit schleppen zu müssen. Dadurch behindere ich allerdings seinen direkten Weg zur Ladeklappe, was er auch lautstark moniert: „Eh, sach ma, geht’s noch? Hast du’n A…. offen?“ Ich realisiere, dass ich einen Fehler gemacht habe, und setze wieder zurück.

In dem Augenblick zeigt sich, dass in der Corona-Krise die Nerven wesentlich blanker liegen als sonst. Er beschimpft mich einfach weiter: „Was bist du denn für ne Flachpfeife, du Wich…?“ Hier wäre de-eskalierende Kommunikation angebracht gewesen. Etwas in der Art von: „Ich entsinne mich nicht, dass wir einander das Du angeboten hätten.“ Oder: „Gottseidank ist das Wich… ja eine Tätigkeit, die selbst Flachpfeifen relativ intuitiv beherrschen.“ Stattdessen schrie ich relativ einfallslos zurück: „Selber Wich…!“

Nun setzte sich das in Gang, was Fachleute als „Eskalations-Spirale“ oder „Regression“ bezeichnen. Er kontert mit einem „Du dummes, hässliches A….loch!“ Ich mit dem Spruch, der schon meine Geschwister in Kinderjahren wild machte: „Selber 1000 Mal a….lochiger!“

Jetzt ist er nicht mehr zu bremsen: „Sag mal, bist du schwul oder was?“ Auch hier verpasste ich die eleganten Antworten wie: „Leider bin ich für Homosexualität nicht stilsicher genug.“: Stattdessen röhre ich: „Du bist doch 1000 Mal schwuler als ich!“ Das führt bei ihm zum laut gebrüllten Wunsch, mich anal zu beglücken: „Ich f… dich in den A…., du W…“ Steilvorlage für: „Da schlummern also in der Tat homosexuelle Fantasien“ oder „Nanana, dafür ist die Situation jetzt vielleicht doch nicht erotisch genug“ oder eben, wie in meinem Fall, die zurück gebrüllte Ansage, dass seine Potenz dafür vermutlich nicht ausreicht…

Wir verabschieden uns mit dem gegenseitigen Wunsch nach „einem beschissenen Wochenende“. Ich bin nicht stolz darauf. Auch hier hätte es die Möglichkeit vieler reflektierter Repliken gegeben. Aber wenn die Nerven blank liegen, ist Schlagfertigkeit nur das, was einem auf dem Nachhauseweg einfällt. 

Warum wir jetzt Großverbreiter sind!

„Weißt du, was ich mal werden möchte, wenn ich groß bin?“ fragt mich mein 12jähriger Neffe. Da seine Berufswünsche sich im Wochenrhythmus ändern, frage ich nur mäßig interessiert nach: „Na?“ – in der Erwartung, wie so häufig „YouTuber“ zu hören oder „Influencer“. „Superspreader!“ schleudert er mir begeistert entgegen.

Das ist in der Tat neu. Sowohl der Begriff als auch der Beruf. Aber gerade die Ereignisse des letzten Wochenendes haben den „Superspreader“ (korrekt „Ssuperschpredder“ ausgesprochen) mächtig in den Fokus gerückt. Wenn etwa ironischerweise ein Restaurant in Leer zu voll ist… Was mich zu folgendem Limerick inspiriert: „Es war mal ne Kneipe in Leer, da ging es wohl ziemlich hoch her, mit Vadder und Vedder – als Superspreader – jetzt geht in Leer bald nix mehr!“ Auch das gemeinsame Beten in Frankfurt erwies sich als fatal, was viele Interpretationen zulässt von „da steckt der Teufel drin“ über „Gott bevorzugt stille und einsame Gebete“ bis hin zu „der Herr hat eure Gebete erhört und will die Seinen zu sich holen“.

Nun ist die Idee starker Vervielfältigung nicht neu. Häufig waren Superspreader ein Segen für die Menschheit. Die Buchpresse etwas war ein Superspreader für die Ideen der Aufklärung. Das Internet ist ein Superspreader für Kontakt und Produktivität, aber auch für Schwachsinn und Verklärung. Einige Männer träumen davon, Superspreader für Nachkommen zu sein. Nicht auszudenken, was Bob Marley (der zwischen 22 und 46 Kinder zeugte – die Dunkelziffer ist hoch) mit Hilfe von Tinder anrichten könnte…

Es gibt viele gute Gründe, Superspreader der einen oder anderen Art zu werden. Nur als „Corona-Superspreader“ möchte man nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Mein Neffe ist den Tränen nah. „Was soll das heißen: Es gibt keine Ausbildung für Superspreader? Was ist mit ,Gewohnheitstrinker‘? Geht das etwa auch nicht? Ist es dir vielleicht lieber, wenn ich „Arbeitslosigkeit“ studiere? Und gleich Pilot werde?“ Er ist gerade in einer etwas schwierigen Phase…

Warum wir jetzt verunsichert sind!

Kennen Sie den? Kommt ein Versicherungsvorstand mit einer Ente unterm Arm in ne Kneipe. Fragt der Wirt: „Was machen Sie denn hier mit dem Schwein?“ Antwortet der Versicherungsvorstand: „Wieso Schwein? Können Sie nicht sehen, dass das eine Ente ist?“ Darauf der Wirt: „Ich habe nicht mit Ihnen geredet. Sondern mit der Ente!“

Im Vergleich zum Verhältnis zwischen Gastronomen und Versicherern ist die Beziehung zwischen Donald Trump und Barack Obama geradezu eine Liebesgeschichte. Der Volksmund wusste schon immer: „Wer nichts wird, wird Wirt“. Seit Corona gilt: „Wer Wirt wird, wird nichts mehr.“ Kaum eine andere Branche wurde von der Krise so hart erwischt wie die Gastronomie. Nun haben allerdings viele Wirte vorgesorgt und für den Fall krankheitsbedingter Schließungen eine Versicherung abgeschlossen. Leider wollen viele Versicherer jedoch nicht zahlen. Mit Argumenten, die teils so windig sind, dass Xavier Naidoos Verschwörungstheorien im Vergleich grundsolide wirken…

So schrieb die Bayrische Versicherungskammer noch am 4. März, das Coronavirus sei im Deckungsumfang bestehender Betriebsschließungsversicherungen enthalten. Wenige Wochen später (vermutlich hatte zwischenzeitlich jemand nachgerechnet, was das Ganze kosten würde) konnte sie sich daran nicht mehr so recht erinnern. Auf einmal meinte sie, dass der Deckungsumfang sich nicht auf flächendeckende Schließungen beziehe. Flächendeckend geschlossen war in diesem Fall also auch die Erinnerungskultur der Versicherung

Dieser „das war doch nicht so gemeint“-Ansatz kommt bei den Wirten nicht so wahnsinnig gut an. Und so bleibt bei vielen das Gefühl, dass die Vorsilbe „ver“ häufig einen Irrtum einleitet: Ver-laufen, ver-spekuliert, ver-heiratet – oder eben ver-sichert. So gesehen macht die Versicherung nicht sicherer, sondern nur ärmer.

Chin wieder Live am 7.5.

Am 7. Mai könnt ihr mich wieder live in den Wühlmäusen erleben! Natürlich mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand – daheim vor dem Rechner. Von 19 bis 20 Uhr veranstalte ich aus den Wühlmäusen eine Zoom-Show: Krisen-Kabarett für den Finanzwende e.V. (mehr dazu unter www.finanzwende.de) – hier der Link dazu: https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_QV0MjEAqSTinoYWDUip4Fg

Warum wir jetzt nicht mehr parken!

Seit gestern leben wir in einem neuen Zeitalter. Jedenfalls die Autofahrer unter uns. Gegen das, was man jetzt für Ordnungswidrigkeiten zahlen muss, wirken manche Corona-Ausfälle wie Schnäppchen. Der ADAC schäumt, und die FDP überlegt, eine neue Initiative zu gründen: PAGIDA – „Pampige Autofahrer Gegen die Insolvenz des Abendlandes“. Die Grünen hingegen feiern es als Initiative, die das Leben für Radfahrer verlängert – allerdings nur, solange unbewusst Corona-Infizierte nicht aus finanzieller Vorsicht aufs Rad umsteigen und beim gemeinsamen Warten an der Ampel „ungeschützt“ husten…

Unter anderem wird kritisiert, dass das Parken auf Schwerbehinderten- sowie Parkplätzen für E-Autos gleich teuer wird (55 Euro) – wobei allerdings nicht ganz klar ist, ob Menschen mit einem Elektro-SUV nicht ohnehin geistig so schwerbehindert sind, dass man die Fahrerlaubnis zumindest in Frage stellen sollte. Auch „Unnützes Hin- und Herfahren“ wird teurer – von 20 auf gleich bis zu 100 Euro. Nun ist leider nicht ganz geklärt, was unnützes Hin- Und Herfahren eigentlich ist: Nur das illegale Autorennen auf dem Kudamm? Oder auch die Unternehmergattin, die die gleiche Strecke im Panamera zurücklegt, um einen neuen Brillanten zu erwerben? Oder sogar der umweltbewusste Architekt, der im Elektro-SUV zum Bioladen fährt? Oder ist angesichts der Endlichkeit des Seins „unnützes Hin- und Herfahren“ nicht eine Metapher für unser gesamtes Leben?

Angesichts der Tatsache, dass ein Sechser im Lotto oder ein intelligenter Einfall von Donald Trump wahrscheinlicher sind als ein bezahlbarer Parkplatz in der Innenstadt, stehen viele Menschen vor der qualvollen Wahl: wirtschaftlicher Ruin durch Bußgelder oder gesundheit- und zeitlicher Ruin durch Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Nur das „Geblitzt-werden“ mit überhöhter Geschwindigkeit muss man nicht wirklich fürchten – wer kann unter der Atemschutzmaske schon einwandfrei identifiziert werden?

Chin auf WDR 5

am 19.10. ab 15.05 freue ich mich auf „Hart an der Grenze“ mit Fatih Cevikollu, den Zucchini Sistaz, meiner Wenigkeit sowie den Gastgebern Wilfried Schmickler und Gernot Voltz

Warum wir uns wiedervereinigen!

Heute ist der Tag der Einheit. Wobei der Begriff nach wie vor Fragen aufwirft. „Was ist das? Einheit?“ fragen jüngere Menschen gern. „Keine Ahnung,“ sagen die Älteren dann. „Vermutlich ein seltenes Tier. Ein Heit! So wie ;Ein Hirsch‘…“

Häufig krankt die Einheit ja auch an der Mehrdeutigkeit von Begriffen. „Wir werden ja von Ausländern überrannt“, sagt vielleicht der Sachse – und der Bayer pflichtet ihm bei: „Haargenau – neulich kam sogar ein Rudel Ossis über die Grenze!“

Was die Reiseneigung angeht, fahren übrigens neuen Studien zufolge 65 Prozent der Ostdeutschen gern in den Osten – im Gegensatz zu nur 34 Prozent der Westdeutschen. Betrachtet man allerdings die traurige Tatsache, dass nur 19 Prozent der Ostdeutschen gern in den Westen fahren, und auch nur 26 Prozent der Westdeutschen gern in den Westen fährt… dann muss man einfach brutal feststellen: Niemand will nach Gelsenkirchen…

Westdeutsche werfen Ostdeutschen zu 36 Prozent und Muslimen zu 58,6 Prozent vor, noch nicht im heutigen Deutschland angekommen zu sein. Muslime sind anscheinend die ganz schlimmen, sozusagen die Fern-Ossis. Stolze 66 Prozent aller Ostdeutschen sind der Ansicht, dass die Fern-Ossis noch nicht im heutigen Deutschland angekommen sind – davon 90 % derjenigen Ossis, die sich ebenfalls noch auf der Migration ins heutige Deutschland befinden. 

Allerdings haben 83 Prozent der Westdeutschen, die zu den 36% zählen, die den Ostdeutschen vorwerfen, noch nicht im heutigen Deutschland angekommen zu sein, das heutige Deutschland bereits Richtung „Anglizististan“ oder „Internet-Shopping-Welt“ verlassen!

In einem sind sich allerdings gerade die Berliner einig: über 80 Prozent der ost- und westdeutschen Berliner sind der Ansicht, dass Berliner eine andere Sicht auf die Teilung haben. Und die 20 Prozent Schwaben – die kriegen wir mit vereinten Kräften auch noch raus! Wiedervereinigung geht auch über vereinte Feindbilder. Doch wo bleibt der Mensch? Häufig sieht man ja das schöne Land vor lauter „Wessi-Ossi-Kotzis“ nicht mehr.

Warum Erregung auch nicht immer das Gelbe vom Ei ist!

Erregung! Zweifelsohne eine schöne Sache, ohne die die meisten von uns sicherlich nicht hier wären. Erregung ist gewissermaßen das Salz in der Suppe des Lebens. Leider ist die Suppe mittlerweile gründlich versalzen. Denn mittlerweile sind wir permanent erregt. „Wie bitte?! Ja, geht’s denn noch?“ könnte die erregte Überschrift unseres Lebens lauten. Überall Gefahr! Wir sind nirgends mehr sicher. Wohin kann man im Urlaub denn überhaupt noch fahren? Ins Ausland schon mal gar nicht. Asien – Igitt! Doch auch Sachsen-Anhalt kann gefährlich werden, wenn man zu gebräunt (nur Hautfarbe, keine Sorge…) daherkommt. Ja, geht’s denn noch?

Wir können auch nix mehr essen. Ostereier? Tödlich – entweder wegen Zucker (Schoko-Eier) oder wegen Cholesterin (Hühnereier). Selbst Avocados, lange das Eldorado aller Veganer, sind zutiefst umweltfeindlich. Wie bitte?! Ja, Veganer sorgen für Abholzung tropischer Regenwälder in Avocado-Anbaugebieten und haben eine Klima-Bilanz, die fast an die von Steak-Lovern heranreicht, welche natürlich durch ihr fleisch-fressendes Raubtierverhalten dem Planeten den letzten Sargnagel eintreiben.

Natürlich geht die Erregung auch andersrum: „Wie haben wir nur früher überlebt, in Autos ohne Sicherheitsgurts und Airbags?“ lautet eine Zeile aus einem gern weiter geleiteten Internet-Text, der die Segnungen einer Kindheit in den 60gern oder 70gern glorifiziert – die traurige Wahrheit ist natürlich: Viele von uns haben genau deshalb nicht überlebt (1970 kamen über 20.000 Menschen auf (west)deutschen Straßen um, heute sind es etwa 3000).

Vielleicht muss die permanente Erregung in homöopathischen Dosen ausgeschlichen werden. Als erstes schenkt man sich das Kürzel OMG (oh my God), dann den Satz „ja, geht’s denn noch?!“, schließlich wird auch das „Wie bitte?!“ in all seinen Varianten eliminiert. Wer beim Schauen eines Boulevard-Magazin wohltuende Langeweile empfindet, gilt als geheilt und darf wieder am Straßenverkehr teilnehmen.

Chin im BR2 Radio

in der wunderbaren Serie Radio-Spitzen mit Maxi Schaffroth, Suchtpotential und Teresa Rios bin ich gleich zwei Mal auf Radio Bayern 2 in diesem Frühjahr: am 5. April ab 14.05, Wiederholung am 6. April ab 20.05, sowie am 3. und 4. Mai, ebenfalls um 14.05 und 20.05.

https://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/ausstrahlung-1708806.html

Chin im Kulturradio des RBB

Ich freu mich auf das wunderbare Porträt von Christine Deggau am 4.4. um 6.10 und um 11.10 – rechtzeitig zur Premiere am selben Abend.

https://www.kulturradio.de/programm/schema/sendungen/kulturradio_am_vormittag/archiv/20190404_0905/das_portraet_wdh_1110.html

Chin wieder in der ARD

Es ist mir eine besondere Freude, euch auf die sehr gelungene Sendung mit Alfons und mir (just the 2 of us…) aufmerksam zu machen, die am 28.03. im der ARD um 23.30 ausgestrahlt wird: „Alfons und Gäste“ mit Chin Meyer

Wie wir die Wohnungsnot bekämpfen!

Die Wohnungsnot in deutschen Großstädten nimmt immer mehr zu. Eine Freundin berichtete neulich von einem Angebot der Anmietung einer Wohnung – für knapp 50.000 Euro! Abstand, wohlgemerkt, nicht Kaufpreis der gesamten Wohnung. Sie nahm dann Abstand vom Abstand und sucht immer noch. Nun ist Abstand in vielen Fällen sinnvoll. Etwa im Falle einer sexuellen Belästigung. Auf dem umkämpften Wohnungsmarkt kann er allerdings zum hinterlistigen Geschäftsmodell werden. Menschen mit hoher Bonität mieten eine Wohnung, richten sie spärlich mit Billigmöbeln ein und zocken dann den Nachmieter ab – da offenbart dann ein Ikea-Billig-Bettgestell mit Namen „Rekdal“ (gab es wirklich!) seinen wahren Charakter…

Immer mehr gerade weibliche Wohnungssuchende berichten überdies von günstigen Mietangeboten (leider auch wahr) – für die sie allerdings sexuelle Dienstleistungen erbringen sollen. Wer sich im Job nicht mehr „hochschlafen“ möchte, kann sich jetzt also ein „Heim-poppen“.

Eine Lösung könnte gerade in Städten mit hohem Single-Anteil sein: Partner- mit Wohnungssuche kombinieren. Wer im Netz „gematcht“ wird, muss sofort für mindestens eine Woche zusammenwohnen – da weiß man sofort, ob es für länger klappt. Wenn nicht, dreht sich das Beziehungskarussell endlich mal etwas schneller.

Außerdem gibt doch noch viele ungenutzte Flächen. Friedhöfe etwa – da wohnen Menschen weit unterhalb des Mietspiegels. Das ist wirklich unterirdisch! Um die Gräber nicht zu entweihen, entstehen auf den Friedhöfen luftige Pfahlbauten. Das ist auch umwelttechnisch sinnvoll – im Falle eines Ablebens nimmt man nur den Fahrstuhl nach unten und muss nach „Antritt der letzten Fahrt“ nicht mehr groß CO2 ausstoßen.

Was ist mit Regierungsgebäuden, die nur tagsüber genutzt werden? Ein paar Schlafsofas in Konferenzräumen böten hier Arbeitnehmern, die sowieso tagsüber arbeiten, eine sinnvolle Bleibe – die Aktion „Schnarchen im Bundestag“ wäre dann endlich mal kein Privileg mehr für Hinterbänkler!

Mit ein bisschen guten Willen ist so viel möglich…

 

Warum ein harter Brexit Berlin reich macht!

Exportnation zu sein, hat auch Nachteile: Ständig Ausländern Dinge zu verkaufen, sich so in Sklaverei vom Ausland zu begeben und dann abhängig von deren Zahlungsmoral zu sein – das ist „Pfui“, würde die AfD vermutlich sagen. Doch Exportnation hin oder her: ein harter Brexit wäre der größte Schocker seit „Aliens“. Wobei das natürlich ungerecht ist: Aliens haben wenigstens eine nachvollziehbare Intelligenz.

Die wirtschaftlichen Schockwellen eines Chaos-Brexits träfen vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Hunderttausend Arbeitsplätze gehen dann über die Wupper – oder korrekter gesagt über Neckar und Donau. Der Süden Deutschlands wird zum Notstandsgebiet. Endlich mal ist dann Berlin gefragt. Vergessen und vergeben die Zeiten, als der FC Bayern München noch in der Lage war, Hertha BSC zu schlagen. Oder als Schwaben in Berlin den fetten Max machten. Schwamm drüber.

Denn jetzt brauchen die Bayern und die Schwaben uns. Es wird Care-Pakete mit dem Lebensnotwendigsten geben: Schokolade, Rosinen, warme Decken. Eine Luftbrücke nach Süden sollte schleunigst geplant werden… Gut, das wird vielleicht schwierig. Weil „ohne Flughafen in die Luft zu gehen“ eine Kunst ist, die nur Donald Trump so richtig gut beherrscht. So mieten wir dann von Kreuzberger Türken die Transit-Busse für eine „München-Rutsche“, um der Not leidenden Bevölkerung Süddeutschlands zur Seite zu stehen.

Die Konsequenzen sind vielfältig. Stuttgart wird aufgrund der Wirtschaftskrise und des dadurch zurückgehenden Verkehrs zur Stadt mit der saubersten Luft Deutschlands. Berliner mit alten Dieseln fahren hin, um die Stickoxid-Werte in vertrauten Regionen zu halten, nachdem verschiedene Menschen unter Sauerstoff-Schock kollabierten. Bayern-Mädels in Dirndln werden nach Berlin verschickt, um der Not auf dem Land zu entgehen. Und ein ausgemergelter Markus Söder in viel zu großen Lederhosen schleppt sich mit letzter Kraft in die Hauptstadt: „Haste mal’n Flughafen für mich!“