Warum Märchen nicht helfen!

„1. Politiker gesteht: Griechen-Kohle futsch!“ las ich gestern. So als hätten sie einen Kriminalfall gelöst. Dabei war das doch klar. Problematisch ist, dass unsere Kanzlerin vor einiger Zeit zur Märchenerzählerin mutierte. Eines ihrer schönsten Märchen lautet: „Die Rettungsgelder sehen wir wieder!“

In einer weiteren Hauptrolle: Wolfgang Schäuble, die schwäbische Hausfrau mit fatalem Hang zur „Grexitophilie“ – einer heimlichen Liebe zum Grexit. Dessen harte Linie ist umso erstaunlicher, als er vor einiger Zeit ohne mit der Wimper zu zucken einen bankrotten Staat mit maroder Verwaltung und überzogenen Sozialkosten rettete und dafür ein Vielfaches der Griechen-Kohle investierte. Mit dem Resultat, dass ein Teil der Bewohner dieses Staates sich heute nach selbigem zurücksehnt und in permanenter Angst vor dem Islam lebt – aber keine Zeitung schreibt: „DDR-Soli futsch!“

Die gegenseitigen nationalen Vorurteile sind da nicht hilfreich: Viele Deutsche vermuten, dass Griechen den ganzen Tag in der Sonne sitzen, Ouzo trinken und abends schönen Touristinnen Sirtaki beibringen (was nicht stimmt – die Griechen arbeiten erheblich länger als die Deutschen). Griechen hingegen glauben, dass die Deutschen nachts heimlich Hitlerbärte ankleben und Griechenland in Ermangelung einer schlagkräftigen Wehrmacht finanziell ausbluten wollen (was auch nicht stimmt, nicht jeder hat so einen Bart).

Sollte Griechenland tatsächlich in den „Graccident“ (den versehentlichen Grexit) stolpern, werden wir Angie’s neues Märchen zu hören kriegen: „Europa ohne Griechenland ist total stabil! Ehrlich jetzt!“