Wie 25 Jahre Einheit uns verändern!

Neulich Silberhochzeit! Ja, wir sind mittlerweile ein Volk, aber mit kleinen Unterschieden. Ich persönlich finde Ossis ein wenig freundlicher. Außer man gerät in einem Restaurant auf Usedom an einen gestandenen Ost-Kellner. Da fliegt dieser ganze lächelnde „der Kunde ist König“-Quatsch sofort aus dem Fenster, denn der Mann hat noch Haltung. Und die Haltung sagt: „Du bist hier in meinem Restaurant, Wessi-Freundchen, und ob und wann du hier einen Broiler kriegst, entscheide immer noch ich!“

Lange schien es, als hätte die BRD die DDR einfach geschluckt und als kapitalistischen Resteabfall verdaut. Das stimmt aber nicht. Zentrale DDR-Elemente haben sich tief im Kapitalismus eingenistet: Die Überwachung etwa ist viel gründlicher geworden, seit sie von der Stasi an die NSA und Facebook outgesourced wurde. Die Mangelwirtschaft ist raus aus den Supermärkten und rein in den Berliner Wohnungsmarkt sowie zahllose Hotlines, die den Kunden bei laufender Warteschleife verhungern lassen. Ost-Produkte wie Nudossi haben sich fest etabliert – obwohl ich meine, dass eine kleine Buchstaben-Zauberei Nudossi in „Nude-Ossi“ verwandelt hätte, also englisch für „nackter Ossi“ (Micaela Schäfer?) – und „Nude-Ossi“ wäre genau wie das Bier der österreichischen Gemeinde Fucking („Fucking Hell“) ein weltweiter Hit geworden.

In jüngster Zeit sehnen sich viele nach einer DDR-Kernkompetenz: der Grenz-Zaun-Ziehung! Ungarn, Kroatien, Bayern – alle hätten gern so einen fiesen Zaun wie die DDR. Und wehmütig gedenkt Ost-Europa eines weiteren sozialistischen Standortvorteils: In die DDR hinein wollte keiner fliehen!