Warum wir an der Grenze wieder schießen müssen!

Eines der großen Glücks-Geheimnisse ist die Fähigkeit, Ziele umzudefinieren. Wenn man statt der Bahamas auf Usedom landet, dann sagt man einfach: Ist sowieso schöner. Wollte ich schon immer mal hin. Heringsdorf – olé! Gut, es regnet mehr als auf den Bahamas. Ist auch nicht so warm. Aber die Klimabilanz freut sich. Und der Geldbeutel auch. Toll! Das ist Glück!

Die Afd hat diese Weisheit weitgehend verinnerlicht. Wollte sie einst den Euro abschaffen, sind es mittlerweile die Ausländer, die sie abschaffen möchte. Falls sie es über die Grenze nach Deutschland schaffen. Wenn man ein Fernziel nicht erreicht, nimmt man halt ein näherliegendes. Die Ausländer sollen zur Not auch mit der Schusswaffe abgehalten werden. Ein Vorschlag, der sich grade in der Gegend von Dresden starker Beliebtheit erfreut.

Die psychoanalytische Deutung könnte so gehen: Der Schießbefehl an der deutschen Grenze richtete sich bis vor kurzem vor allem gegen Menschen, die aus einer deutschen demokratischen Republik raus wollten. Weil sie relativ unbeliebt war. Das hinterließ ein tiefsitzendes Trauma. So entwickelte sich bei Einigen der unbewusste Wunsch, ihr Politikmodell möge so anziehend werden, dass sie von Menschen überrannt werden, die unbedingt in einem Arbeiter- und Bauernstaat leben wollen. Ja, dass die Nachfrage so groß wird, dass die überzähligen Republik-Fans nur noch mit der Schusswaffe dezimiert…

So schön es ist, dass wir in diesem Land wieder unverkrampft kreative Massenmord-Konzepte austauschen können, so sehr bleibt zu wünschen, dass das Grenz-Geballer wenigstens mit dem Sturmgewehr G36 der Firma Heckler und Koch erfolgen möge, dass bekanntermaßen nicht so gut trifft. Und wenn der „Ballermann“ jetzt in Kufstein hockt und nicht mehr auf Mallorca, kann man auch sagen: Warum nicht? Ok, es regnet mehr bei uns. Ist auch nicht so warm. Aber die Klimabilanz freut sich. Und Heckler und Koch auch. Das ist Glück!