Warum die Maschinen uns fertig machen!

Mein IPhone versucht mir seit einiger Zeit eine regelmäßige Schlafenszeit vorzuschlagen. Da ist schon meine Mutter dran gescheitert. Aber das IPhone gibt nicht auf. Smart-Technologien fangen nämlich im großen Stil an, uns zu kontrollieren. Einige Apps zählen die Schritte, die man am Tag zurück legt und teilen einem dann abends vorwurfsvoll mit, dass man das Soll von 12000 Schritten noch nicht erreicht hat. So weit ging nicht mal meine Mutter. Die sagte höchstens: Junge, geht doch mal an die frische Luft, aber sie lief nicht ständig hinter einem her und zählte Schritte mit.

Irgendwann wird einen das Smartphone auch kritisieren, wenn man was Ungesundes isst, oder raucht, oder trinkt. „Du hattest vorhin doch schon zwei Bier, die gemessenen Leberwerte sind nicht gut, ich empfehle eine Reduktion des Alkoholkonsums.“ „Halt die Klappe, Siri!“ Das ist auch neu, dass Menschen anfangen, mit ihren Telefonen zu streiten. Das Telefon sollte ein Medium sein, um mit Menschen zu reden. Wenn Menschen anfangen, mit ihrem Telefon zu reden, dann verwechseln sie das Werkzeug mit dem Zweck des Werkzeugs. Stellen Sie sich Ihren Friseur vor, der anfängt, mit seiner Schere zu reden: „Nein, du wirst ihr jetzt keine Glatze schneiden, du böses Ding! Böse Schere! Nein, ich finde nicht, dass sie ohne Haare besser aussieht. Lass das. Oh, zu spät, böse Schere, ganz, ganz böses Ding!“

Ich glaube, dass wir uns irgendwann wieder nach der Freiheit unseres Elternhauses zurücksehnen werden. Dann kriegt die Mutter einen Anruf: „Mama? Ich bins. Was? Ja, ich rufe mit unterdrückter Nummer an. Ist eine Telefonzelle. Wie, wo ich die gefunden habe? In Hannover. Ja, in Hannover haben sie noch Dinge, die es sonst nirgends mehr gibt, Telefonzellen zum Beispiel… Nein, Mama, ich will mich nicht über Hannover streiten – ich will wieder bei dir einziehen, bitte, ich kann nicht mehr heim, da wohnt das IPhone…“