Warum ich jetzt Alternativen sehe!

Ich möchte mich an dieser Stelle entschuldigen. In meiner letzten Kolumne vermutete ich zu Unrecht, dass der neue amerikanische Präsident erst mal nichts tun würde – außer twittern. Das war eine gemeine Unterstellung und obendrein falsch. Im Gegenteil, ich sollte voll von Dankbarkeit sein, dass ein so viel beschäftigter Mann wie der amerikanische Präsident, obendrein ein Multimillionär, sich soviel Zeit und Mühe macht, völlig kostenlos für mich und meine Kollegen von der Humorfraktion zu arbeiten! Aber nicht nur für uns. Er arbeitet für all jene, denen die Wirklichkeit zu schwer, zu düster und zu deprimierend erscheint. Und er widerlegt diskriminierende Vorurteile – etwa jenes, dass Menschen auf der psychologischen Entwicklungsstufe fünfjähriger Kinder nicht in der Lage sind, verantwortungsvolle Positionen wenigstens scheinbar zu besetzen!

Big D, wie wir ihn ab jetzt nennen sollten, übernimmt die Verantwortung und verwandelt das Amt des mächtigsten Mannes der Welt in eine Reality Show. Und er kann als der Entdecker einer neuen Relativitätstheorie gelten – als der große Entdecker bislang unbekannter „Alternativer Fakten“. Doch machen wir uns nichts vor. Alternative Fakten gab es schon immer, und wer sich damit nicht arrangierte, kriegt Probleme. Galileo Galilei etwa, der sich weigerte, den alternativen Fakt anzuerkennen, dass die Erde eine Scheibe ist. Oder die Evolutionstheorie, die den alternativen Fakt leugnet, dass Gott die Erde vor 6000 Jahren in sieben Tagen schuf. Oder der BVB, der nicht mit dem alternativen Fakt zu Rande kommt, dass der FC Bayern unbesiegbar ist…

Weltweit sind alternative Fakten auf dem Vormarsch. Bei uns gibt es sogar schon eine Partei dafür: AFD – die Alternativen Fakten Deutschlands! Ich ahne auch schon, was „Unwort des Jahres 2017“ wird: „Wirklichkeitsversteher“!