Warum wir jetzt nicht mehr fliegen!

„Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin, kein Sturm hält sie auf, unsere Air Berlin“. Das Firmen-Lied, einst Audio-Folter für zahlreiche Warteschleifen-Opfer, warf bei mir schon früh die Frage auf: Flugzeuge im Bauch, Kerosin im Blut – geht das auf die Dauer gut? Aber der Sturm hielt die einzige nach unserer Stadt benannte Fluggesellschaft in der Tat nicht auf – „Herwart“ wütete erst einen Tag nach Landung der letzten Maschine.

Ansonsten hielt Einiges die Air Berlin auf. Besonders das eigene Management. Doch kaum ist die Lufthansa Monopolist und wird endlich mal zeigen, was Fliegen wirklich kostet, setzt bereits eine Post-Marken-Sentimentalität ein nach dem Motto: „Wir wollen unsere gute alte Air-Berlin wiederhaben.“ Die Airline gesellt sich zu anderen Marken, die erstaunlicherweise tot lebendiger als vorher sind: der DKW, Elvis Presley, Gerhard Schröder…

Am meisten fehlt natürlich das unvermeidliche Schoko-Herz. Schon jetzt gibt es für ein einziges Air-Berlin-Schoko-Herz im Netz Angebote von über 200 Euro –früher gab es für den Preis noch einen Hin-und Rückflug nach Mallorca dazu. Wer will da noch sagen, dass die Inflation zu niedrig ist?

Oder was ist mit dem Air-Berlin-Terminal C in Tegel, welches gern mit einem Entwicklungsland-Schuppen verglichen wird? Was natürlich Quatsch ist – die meisten Dritte-Welt-Flughäfen sind erheblich moderner. Aber der Charme des Handgemachten, Improvisierten, dieses unverkennbar Berlinerische – das fehlt jetzt in der Welt des Fliegens.

Und obwohl es für eine Airline vielleicht hinderlich ist, Flugzeuge im Bauch zu haben und nicht in der Luft – für Greenpeace ist Air Berlin jetzt die ökologischste Fluggesellschaft der Welt! Die Zeichen verdichten sich: Keine Fluggesellschaft mehr in Berlin, kein (richtiger) Flughafen, die Bahn wird alle zwei Wochen vom Sturm lahm gelegt – vielleicht ruft das Leben uns zu: Berlin, warum noch weg fahrn? Seid ma jemütlich, bleibt daheime, wa!!