Warum wir mehr Rettungsgassen brauchen!

Es ist noch nicht lange her, da gab es einen sehr schlimmen Busunfall. Rettungsfahrzeuge wurden durch Autofahrer behindert, die keine gute Rettungsgasse bildeten. Seitdem wird überall verbreitet, wie eine Rettungsgasse geht – und das ist gut so. Denn auch ich war mir nicht wirklich sicher, wie eine Rettungsgasse funktioniert. Als nicht so wahnsinnig-viel-Autofahrer komme ich nur selten in den zweifelhaften Genuss, eine Rettungsgasse bilden zu müssen.

Ich hatte, um ehrlich zu sein, „Rettungsgassen“ bisher sogar gar nicht mal notwendigerweise auf der Straße verortet. Denn – Hand aufs Herz – brauchen wir nicht generell viel mehr Rettungsgassen im Leben? Neulich war ich auf einer sehr, sehr langweiligen Grill-Party mit sehr, sehr langweiligen Gesprächen, wo ich aber aus „Anstandsgründen“ nicht weg konnte – wo war da die Rettungsgasse? Etwa ein plötzlicher Regenguss, der die traurige Veranstaltung vorzeitig beendete? Oder ein Blitz, der den Gartengrill in Brand setzt? Nichts! Schon mal bemerkt, dass Autofahrer nicht die einzigen sind, die keine Rettungsgassen bilden können?

Oder diese peinlich verlaufenden Geschäftsgespräche, in denen sich auf einmal rausstellt, dass die eigene neue Verlobte zeitgleich Gattin des Gesprächspartners ist, der überdies Syphilis hat – wo bleibt da die Rettungsgasse, also die rettende Öffnung im Erdboden, die einen verschlingt und in Australien wieder ausspuckt?

Vor einiger Zeit erlitt ich eine Nahtoderfahrung, in welcher der Druck eines Atomreaktorkerns auf meiner Blase lastete, während ich gefühlte Jahrhunderte vor einer verschlossenen Klotür wartete. Als die plötzlich aufging und der Weg frei wurde – da fungierte die „Rettungsgasse“ zeitgleich als Nierenklinik!

Neulich traf ich eine Bekannte mit einem jungen, gutaussehenden Mann. Oh, sagte ich zur ihr: neuer Geliebter? Gewissermaßen, sagte sie. Eigentlich nur die „Rettungsgasse aus meiner Ehe“!