Warum ich meine Musik-Karriere beende!

Nach schwerem Ringen habe auch ich mich jetzt entschlossen, meinen Echo-Preis zurückzugeben. Ich will und muss ein Zeichen setzen gegen diese widerliche Echo-Kommerz-Verherrlichung, die rein nach Verkaufszahlen Preise verleiht. Da kann man ja genauso gut McDonalds einen Feinschmecker-Preis verleihen! Ganz zu schweigen von diesem billigen Fascho-Hip-Hop-Antisemitismus eines „Kollegah“ und „Farid Bang“ mit Textzeilen wie „mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“. Was soll das? Zumal der „Definierungs-Vergleich“ voll unfair ist – schon weil Auschwitz-Insassen nicht den gleichen Zugang zu Testosteron-Präparaten hatten wie Felix Blume (so der bürgerliche Name von Kollegah).

Alles war fertig. Die Pressekonferenz angesetzt, ich hatte meine „Gangsta-Kluft“ angezogen und die Goldkette poliert, bereit für das große Fanal – und dann das: Ich konnte meinen Echo-Preis partout nicht finden. Die ganze Wohnung umgekrempelt – nix. In letzter Sekunde fiel es mir ein: Ich habe gar keinen Echo! Jedenfalls noch nicht. Ich werde erst nächstes Jahr einen erhalten, wenn man Gangsta-Album „Verpisst euch alle“ durch die Decke geht.

Dieses einzigartige Epos, dass meine Schwierigkeiten mit dem Aufwachsen in einem bürgerlichen Umfeld, dann das Abgleiten in die Drogenkriminalität, den Hass auf Frauen, Juden, Muslime, Nazis, Deutsche, Ausländer und Schwule mit vielen irren Provokationen enthält, ist schon im Vorfeld ein echter Erfolg. Es wendet sich in einem demokratischen Plädoyer an die Einseitigkeit im Rap mit Zeilen wie „Ich hasse alle Juden, und auch Muslim Schwänze, Nazis und die Deutschen, verachte ich zur Gänze. Alle Fotzen, alle Schwänze sind der letzte Dreck, die verfickte Menschheit muss jetzt endlich weg.“ Wie gesagt, den Echo für dieses Werk gebe ich jetzt schon mal im Vorfeld zurück. Und gegen Zahlung einer Million Euro verzichte ich sogar auf die Veröffentlichung!