Warum Sie Bayer werden müssen!

Zuerst mal das Wichtigste: Der FC Bayern München ist ein großartiger Verein! Ich muss das erwähnen, da ich andernfalls wegen „herabwürdigender“ und „hämischer“ Berichterstattung verklagt werde. So etwas in der Art kündigten jedenfalls die Bayern-Granden Rummenigge, Hoeneß und Sportdirektor Salihamidzic an, als sie letzten Freitag in einer Pressekonferenz erst das Grundgesetz zitierten („Die Würde des Menschen ist unantastbar“, Rummenigge) und dann klarstellten, dass jeder, der jetzt noch ein Wort gegen die Bayern sagt, von den finstersten Sport-Anwälten aller Zeiten „Post erhält“. „Wir werden mit dem heutigen Tag diese herabwürdigende, hämische, faktische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen!“ erläuterte Rummenigge mit einer kleinen grammatikalischen Blutgrätsche und gab damit zu, dass Fakten bei den Bayern genauso verpönt sind wie bei Donald Trump.

Uli Hoeneß legt gleich darauf nach und würdigt die unantastbare Würde des Menschen herab, indem er Juan Bernat bezichtigt, in Sevilla einen „Scheißdreck“ gespielt zu haben. Das ist eben das Schöne an den Bayern: Sie scheren sich einen Dreck um ihre Aussagen von vor wenigen Sekunden. Man könnte das als inkonsequent bezeichnen, oder schlicht als „bayrische Dialektik“. Die alte Hegelsche Dialektik, nach These und Antithese eine Synthese bilden, gilt südlich des Mains nicht mehr: These plus Antithese gleich These – so geht das neuerdings in München.

Die nächste Verkehrskontrolle, bei der Sie wegen Trunkenheit am Steuer belangt werden, kürzen Sie jetzt einfach ab: „Ich bin weder besoffen noch am Steuer“, erklären Sie dann, „und noch so ein herabwürdigender, hämischer Fakt – und Sie kriegen Post von meinem Anwalt!“ Auf die Frage des Gesetzeshüters, ob Sie ihn noch alle Tassen im Schrank haben, lallen Sie schlicht: „Nein, nur Bayrische Dialektik!“