Warum wir alle etwas mittelschichteln!

„Ich bin seit kurzem Millionär. Das können Sie auch!“ Ich stand auf einem mallorquinischen Hang mit Meer-Blick und wiederholte den Satz. Etwa 150mal. Dann erst fand der Regisseur, dass der Satz glaubhaft war und somit den Werbeauftrag der Lotto-Firma „Faber-Lotto“ erfüllte. Das war 2001 und ich war natürlich kein Millionär, sondern ziemlich abgebrannt. Aus eigener Erfahrung weiß ich also, wie schwer der Satz „Ich bin Millionär“ fällt. Und habe daher Verständnis für Friedrich Merz, der den Satz ebenfalls nicht über die Lippen kriegte.

Andererseits: Wenn jemand jahrelang für die kapitalistischsten aller kapitalistischen Kapitalmarktfirmen wie Blackrock oder HSBC Trinkaus & Burckardt arbeitete, Tagessätze von 5000 Euro aufrief, zudem in zahlreichen Aufsichts- und Verwaltungsräten vertreten ist und trotzdem nur gehobene Mittelschicht ist, dann kann der entweder nicht gut verhandeln und investiert schlecht – oder er zählt sich zu den falschen Gruppen. Was sagt das wiederum darüber aus, dass er sich auch zu den Kandidaten für den CDU-Vorsitz zählt?

Vielleicht hat Herr Merz schlicht ein Schichten-Erkennungs-Problem? Vielleicht erschien er früher schon immer zur Spätschicht, wenn er Frühschicht hatte? Auf jeden Fall wird er in einer Führungsposition einiges für die Mittelschicht bewegen wollen: etwa die Erbschaftssteuer für Konzern-Erben senken… Vermutlich sieht sein Programm zur Stärkung der Mittelschicht so aus: Einkünfte oberhalb einer Million sind steuerbefreit, auf Villen ab einer Grundfläche von 200 qm fällt keine Grundsteuer mehr an– und wer das zweite Flugzeug gegen ein neueres Modell eintauscht, erhält eine Abwrackprämie!

Diese Schichtenblindheit hat auch ihr Gutes: Wenn Friedrich Merz einem Bettler einen Euro gibt, sagt er wahrscheinlich: Wir Mittelschichtler müssen einfach zusammenhalten!