Warum wir alle nachtauschumrüsten!

Stellen Sie sich vor, Sie wären Gin-Liebhaber und kauften einen teuren Gin, der nach Verkäuferangaben „effektiv und sparsam“ sein soll. Leider enthält die Flasche minderwertigen Fusel. Sie werfen dem Verkäufer Betrug vor. Der entschuldigt sich und bietet Ihnen an, die Flasche zum halben Preis wieder zurückzunehmen, wenn Sie auf eine teurere Sorte umsteigen, die wirklich den angekündigten Gin enthält. „Halten Sie mich für einen Idioten?“ fragen Sie entrüstet. „Nein, für einen Diesel-Käufer!“

Den Diesel-Skandal könnte man so zusammenfassen: Industrie lügt. Verbraucher glaubt die Lüge. Lüge fliegt auf – Verbraucher muss dran glauben! Jetzt gibt es einen Dieselkompromiss, der in etwa so windelweich ist wie das soziale Gewissen der CSU – die da natürlich auch mit drinsteckt: In 14 „besonders betroffenen Städten“ sollen Diesel nachgerüstet werden. Die Finanzierung der „besonders betroffenen“ Nachrüstungen ist unklar. Die Regierung „erwartet“ nämlich, dass die Autokonzerne die Kosten übernehmen. „Regieren durch Erwarten“ ist vermutlich eine spezifische deutsche, bislang noch in der Beta-Phase befindende Form des Regierens. Die meisten Menschen kennen „Regieren durch Erwarten“ nur aus schlechten Beziehungen, in denen ein Partner dem anderen bei Erwartungs-Nichterfüllung mit Sex-Entzug droht. In Beziehungen funktioniert das erstaunlich lange, in der politischen Praxis fragt man sich, wer hier wem mit Sex-Entzug droht. Geht dann VW nicht mehr mit Scheuer ins Bett? Wehren sich die Autokonzerne dann mit linken Parolen? „Kein Verkehr mehr mit dem Verkehrsminister!“ „Wer sich gegen den Verkehrsminister nicht wehrt, lebt verkehrt“

Wenn die Politik einer kleinen Gruppe von Leuten hilft, die große Menge zu betrügen und finanziell zu schädigen – wundert sich dann noch jemand, dass die Leute sich verschaukelt fühlen und keinen Bock mehr haben?