Warum wir Kochen gucken!

Das Volk der Dichter und Denker wird immer dicker. Darunter leiden Gesundheit, Kleider-Auswahl, vor allem aber die Partnersuche, wenn sich einige Kilos in Relation zur Körpergröße als Über-Investition erweisen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen will diesem Missstand durch Informationen über eine uralte Kulturleistung des Menschen beikommen: Kochen!

Insgesamt 35 Kochsendungen bietet die ARD. Vermutlich wurzelt das Phänomen in der uralten Sehnsucht des Menschen nach gemeinsamer Kocherfahrung. In der Steinzeit noch Normalität, ist sie heutzutage genauso selten wie Mammut-Steak. Daher strömen die Menschen vor die Bildschirme, um zwischen „Zu Tisch“, „Schmatzo“, „Lust auf Backen“, und „Gefülltes Kraut und Quetschesuppe“ (um nur einige wenige zu nennen) dem urzeitlichen Drang nach kollektiver Essbereitungsillusion zu frönen. Leider bleibt es bei der Theorie – nach mehreren Stunden Kochsendung ist man von Chips und Cola so satt, dass die Küche kalt bleibt.

Zum Dessert gibt es von den „Öffis“ Quiz-Sendungen. Allein die ARD bietet etwa 25 Formate. Dort erfährt man, dass das Wort Amok aus dem Malaiischen entliehen ist, welche Deutsche bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck den Slalom und den Abfahrtslauf der Damen gewann und wie die letzte Lebensgefährtin von Franz Kafka hieß. Lebenswichtige Informationen also. So kann man den lieben langen Tag entspannt auf der Couch verbringen und an Kochen und Bildung denken. Komischerweise nimmt man dadurch auch etwas zu und verdichtet so den Körperumfang. Das ist dann die logische Steigerung des Volkes der Dichter und Denker – die immer dichteren Denker…