Warum Thüringen kein Hobby ist!

Ein großer Staatsmann hat mal gesagt, dass es besser sei, „nicht zu regieren als falsch zu regieren“. Keine Partei setzt dieses Motto so erfolgreich um wie die FDP von Christian Lindner, der das Bonmot vermutlich in einem Anfall von Übernächtigung schließlich auch prägte. Die Liberalen sind somit die einzig wahre anarchistische Partei der Welt: Sie lehnen – da regieren immer auch eine falsche Komponente hat – konsequent jede Form des Regierens ab. Chapeau!

Den jüngsten Beweis dieser anarchistischen Freiheit liefert der thüringische Landesverband, der in einem Anfall von Realitätsverleugnung einen Kandidaten zum Ministerpräsidenten küren ließ, der ohne die AfD chancenlos gewesen wäre. Bei der AfD klingt es folgerichtig dieser Tage verdammt nach Silvester – die Sektkorken hören mit dem Knallen gar nicht mehr auf.

Thomas Kemmerich dürfte damit der kürzeste Ministerpräsident aller Zeiten sein und als „KüMaZ“ ist die Geschichte eingehen. Geisterfahrer kannte man bisher schon aus dem Straßenverkehr – neu sind in der Demokratie „Geister-Parteien“, die aus dem Nichts auftauchen und zu schweren Unfällen führen. Gottseidank bleibt die FDP sich wenigstens in einem Punkt treu: Kemmerich wird für seine 25-Stunden-Tätigkeit mit dem vollen Ministerpräsidentengehalt sowie einem Übergangsgeld für die ersten 6 Monate (!) belohnt. Das macht zusammen mindestens 93.000 Euro – Nicht-Regieren muss sich wieder lohnen!

Und noch etwas haben die Liberalen geschafft: ein Bundesland, das mit gerade mal 2,5 Prozent der deutschen Bevölkerung in einer Bundestagswahl nicht über die Fünf-Prozent-Hürde käme, ist auf einmal in aller Munde. So viel Publicity hatte Thüringen seit Anfang des 6. Jahrhunderts nicht mehr. Da gab es ein eigenes „Thüringer-Reich“. Das wurde 531 zerschlagen. Von den Franken. Wenn es nach dem Franken Markus Söder geht, könnte man den Landstrich getrost in „Nord-Bayern“ umbenennen… Billiger für die Landeskasse wäre diese Art der „Wiedervereinigung“ auf jeden Fall.